
Schatten über Venedig 🕯️🚬
Nachdem mir der erste Brunetti-Band schon gefallen hat, ging es bei mir direkt mit Teil 3 weiter — schlicht weil mir Band 2 aktuell noch fehlt. Überraschend war dabei, wie problemlos das funktioniert. Die Reihe lebt nicht nur von den Fällen selbst, sondern stark von Brunetti als Figur, seinen Gedanken und der bedrückenden Atmosphäre, die Donna Leon erschafft. Dieses Mal wirkte alles noch düsterer, weil sich die Ermittlungen teilweise ausserhalb des gewohnten venezianischen Umfelds bewegen und der Fall schnell zeigt, wie eng Macht, Ruf und gesellschaftliche Vorurteile miteinander verknüpft sein können. Was mir deutlich besser gefällt als bei vielen modernen Thrillern: Das Buch setzt kaum auf künstliche Schockmomente oder permanente Cliffhanger. Stattdessen entwickelt sich langsam ein unangenehmes Gefühl, dass hinter dem Mord mehr steckt als anfangs sichtbar ist. Die Ermittlungen wirken mühsam, manchmal fast frustrierend, aber genau dadurch glaubwürdig. Gleichzeitig rückt Brunetti stärker in den Mittelpunkt. Seine Beobachtungen, seine Moralvorstellungen und seine Reaktionen auf die Menschen um ihn herum machen den Roman für mich spannender als die reine Frage nach dem Täter. Genau diese Mischung erinnert mich eher an Autoren wie Henning Mankell als an schnelllebige Thriller von Sebastian Fitzek. Vieles bleibt hängen, weil Atmosphäre, Gesellschaftskritik und Figuren wichtiger wirken als reine Überraschungen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war nach wenigen Tagen schon durch. Für mich ein weiterer starker Einstieg in die Brunetti-Reihe — und aktuell ein Kandidat dafür, irgendwann zu einer echten Lieblingsreihe zu werden.









