Während des ganzen Buches hat man das Gefühl, selbst dort zu sein, hinter dem Offizier zu stehen und jedes Wort aufzufangen, denn es schildert so anschaulich all die „Reize“ unserer Geschichte – den ganzen Schmerz, die Entwertung des menschlichen Lebens und die blutrünstige Gleichgültigkeit. «Ein Mensch stirbt nur einmal im Leben, und da er keine entsprechende Erfahrung hat, stirbt er jedes Mal misslungen – verstehen Sie?»
Die doch sehr merkwürdige „Liebesgeschichte“ mit ihren kruden Zufallsbegegnungen und ein paar Längen und Redundanzen im Mittelteil, in dem das Verhör m.E. überbeansprucht wurde, ergeben einen Stern Abzug. Die abgeklärte, nüchterne Erzählstimme ist grandios. Hier reiht sich ein Buch in die Riege der exzellenten Literatur ein, wenn darum geht, den Homo Sovieticus in voller Brutalität zu präsentieren. Und dann Stellenweise ein dezenter Gogolhumor, der dieser ohnehin absurden Show das Groteskenkrönchen aufsetzt. Und alle wissen, diese Groteske ist die Realität.
Wortgewandtheit und Galgenhumor
Das ist mein drittes Buch von Sasha Filipenko und ich möchte alles lesen. Filipenko ist so mutig, dass er sich kritisch mit der russischen Vergangenheit auseinandersetzt. Und leider ist es immer noch sehr Aktuell. Klare Empfehlung!!


