Nach der Leserunde zu Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ war meine Neugierde auf Seldwyla geweckt. Der Hexenmeister hat mir vor vielen, vielen Jahren mehrere Geschichten davon geschenkt und in jedes Büchlein eine süsse Widmung eingetragen - eine Schande also, dass ich die Texte noch nicht gelesen habe. Das möchte ich nun schnellstmöglich nachholen und habe deshalb nach dem nächsten Buch Kellers gegriffen, welches „Der Schmied seines Glückes“ war. Ein Werk, auch nicht länger als obig genanntes, da es eigentlich auch in den Seldwyla-Zyklus gehört. Auf den ersten Blick ähneln sich beide Geschichten sehr und ich fühlte mich fast schon in die Leserunde zurückversetzt. Doch bald merkt man, dass dies eben nur auf den ersten Blick so scheint. Sie ähneln sich, ohne aber zu nahe zu sein. Man könnte sagen, die Werke seien Cousins. Doch hat „Der Schmied seines Glücks“ eine andere Aussage als der erste Titel und funktioniert durch eine ganz andere Dynamik. Kellers Erzählstil ist indes derselbe, leicht schmunzelnde Grossvater, der uns erzählt, was XXX so alles anstellt. Manchmal schüttelt er ein wenig den Kopf, lässt den Jungen aber gewähren - immerhin ist es seine Geschichte, da will der Erzähler nicht zu viel darin herumpfuschen. Ich gehe soweit zu sagen, dass jemand, der bereits mit „Kleider machen Leute“ Mühe hatte, sich den Schmied sparen kann. Wer aber seinen Spass mit den Kleidern hatte, auch „Der Schmied seines Glückes“ entdecken sollte. Unterdessen bin ich ganz versessen auf Kellers Geschichten, da ich seine Art und Weise unterdessen sehr lieb gewonnen habe. Als nächstes werde ich mir wohl „Spiegel das Kätzchen“ vornehmen und hoffe, damit ebenso vergnügliche Lesestunden zu verbringen wie mit seinen beiden Vorgängern!
21. Dez.Dec 21, 2024
Der Schmied seines Glückesby Gottfried KellerReclam, Philipp
