Ein deutscher Klassiker
Dies ist das letzte große Werk von Johann Christoph Friedrich Schiller (1759-1805). Er beendete „Wilhelm Tell“ etwa ein Jahr vor seinem viel zu frühen Tod. Die Idee dazu hatte jedoch sein enger Freund Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) als er gerade eine umfangreiche Reise durch die Schweiz machte. Auch später noch arbeiteten die beiden eng zusammen. So beeinflusste Goethe seinen Freund, die entscheidende Szene mit dem Apfel umzuschreiben, sodass der Grund für den Schuss noch zwingender wird. Schiller verarbeitet hier mehrere Episoden aus der Geschichte des Freiheitskampfes der Schweiz. Historisch gibt es jedoch keine Belege dass die Figur Wilhelm Tell existierte. Sie taucht ab dem 12. Jh. in verschiedenen Sagen auf. Historisch belegt ist, dass die Schweizer bzw. einige Gebiete dort im 13. und 14. Jh. eine größere Autonomie von den Habsburgern erlangten. Die sogenannte Reichsunmittelbarkeit. Später versuchten die Habsburger dies wieder zu ändern und es kommt zum Konflikt mit den Verbündeten Kantonen Uri, Schwyz und Unterwalden. Dieser wird auch kriegerisch ausgefochten. Aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation tritt die Schweiz aber erst 1648 nach dem Dreißigjährigen Krieg aus. Das knapp 150-seitige Büchlein ist insgesamt recht kurzweilig. Spannend finde ich besonders die zentrale Apfelszene. Literarisch kann man es auch heute noch gut lesen, auch wenn die Form als Theaterstück gewöhnungsbedürftig ist. Interessant sind auch die moralischen Implikationen: Tyrannenmörder oder Freiheitskämpfer? Schiller macht im Buch den Vergleich zum Mörder des Kaisers auf, den er zur gleichen Zeit stattfinden lässt. Tell wirft diesem vor ohne Not des eigenen Lebens oder der Familie gehandelt zu haben. Schiller will also Widerstandsrecht ganz genau abstecken. Im Vergleich zur frz. Revolution handeln die Schweizer korrekt (aus Schillers Sicht), da sie gegen eine ungerechte Obrigkeit ins Feld ziehen UND dabei ihren Anstand, Bescheidenheit und Menschlichkeit bewahren.


