18. Apr.
Rating:2.5

Da wäre mehr drin gewesen

Nicht nur durch die Zeitsprünge wusste ich nicht immer sofort um wen es gerade geht - Anni, Helene oder die Enkelin. Ich hätte gern viel mehr über Anni erfahren. Vor allem ihr Zugehörigkeitsgefühl zu Quelle fand ich interessant und hätte gern mehr über die Zeit gelesen. Oder über Rumänien. Im ganzen Buch fand ich alle drei Frauen seltsam unpersönlich. Schade.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER
28. März
Rating:3.5

Starke Themen und schöne Bilder, aber viele Zeitsprünge erschweren den Zugang zur Geschichte.

Die Suche nach dem guten Leben – und was davon bleibt Nach dem Tod ihrer Großmutter Anni kehrt Christina in das Haus zurück, in dem sie aufgewachsen ist. Während sie Abschied nimmt, taucht sie tief in ihre Erinnerungen an Anni ein, die einst aus Rumänien nach Deutschland kam und sich ein Leben voller Entbehrungen und Verantwortung aufgebaut hat. Im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart stellt sich die Frage, was ein „gutes Leben“ eigentlich bedeutet und ob man es vielleicht erst im Rückblick erkennt. Grundsätzlich haben mir die Struktur und der Leitgedanke der Geschichte gut gefallen. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart zeigt eindrücklich, wie sehr Annies Leben Christina geprägt hat. Allerdings empfand ich die vielen Zeitsprünge stellenweise als anstrengend. Ohne klare Übergänge oder eine deutliche Abgrenzung der Perspektiven fiel es mir manchmal schwer, mich zu orientieren. Besonders berührt hat mich die Metapher der Weinreben. Anni hat sie einst aus Rumänien mitgebracht, und nun überlegt Christina, sie mit nach Berlin zu nehmen. Diese Vorstellung schafft eine schöne Verbindung zwischen den Generationen und Orten. Gleichzeitig zeigt die Geschichte sehr deutlich, wie viel innerhalb einer Familie unausgesprochen bleibt. Konflikte werden still ausgetragen, Gefühle verdrängt – und hinterlassen dabei Spuren von Misstrauen und Schmerz. Auch die Frage, was man im Leben wertschätzen sollte, zieht sich durch den Roman. Es geht darum, das Gute zu erkennen, anstatt sich nur an dem festzuhalten, was nicht gelungen ist. Besonders Annies Verbitterung wird dabei auf eindrückliche Weise nachvollziehbar dargestellt. Trotz dieser starken Ansätze bin ich insgesamt nicht mit allem warm geworden. Einige Passagen blieben für mich emotional auf Distanz, sodass mich die Geschichte nicht durchgehend erreichen konnte. Fazit: Ein ruhiger, nachdenklicher Roman mit schönen Bildern und wichtigen Themen, der mich jedoch emotional nicht ganz erreichen konnte. Trotz kleiner Schwächen bleibt ein stimmungsvolles Hörbuch, das zum Innehalten anregt.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER
26. März
Rating:4

Ein gutes Leben?! Eher wohl ein trauriges Leben -geprägt von Einsamkeit, Schufterei, Fremdheit, Ausgrenzung und fehlender Anerkennung. Dieser Roman beschreibt eindringlich die Hoffnung auf ein gutes Leben, die zur Flucht aus der Heimat führt, die durch die Realität enttäuscht wird und wie sich dieses Erleben auf drei Generationen von Frauen und ebenso viele Mutter-Tochter-Beziehungen auswirkt.

Anni Hoffmann, geboren und aufgewachsen als Deutsche im rumänischen Banat, flieht als junge Frau in den 1960er Jahren alleine und schwanger nach Deutschland und baut sich in Nürnberg/Fürth durch harte Arbeit beim Versandhaus Quelle ein neues Leben auf. Dafür lässt sie ihre Mutter, zu der sie ein gutes Verhältnis hat und die sie die ganzen Jahre in Deutschland vermissen wird, allein in Rumänien zurück. Anni zieht ihre Tochter Helene alleine groß und als diese selbst Mutter einer Tochter - Christina - wird, dann auch noch dieses Kind. Und das sind auch die einzigen Menschen, zu denen sie eine engere Verbindung aufbaut - allen anderen, sogar Mitgliedern der eigenen direkten Familie, die ebenfalls aus Rumänien nach Deutschland übergesiedelt sind, bleibt sie fremd. Mir kam Anni vor wie eine einsame Insel im Meer der Menschen um sie herum - stets bemüht, einen Untergang - den Wegfall ihrer Existenzgrundlage - zu vermeiden. Sie hat mir in allen Bereichen, die der Roman erzählt, leidgetan - eine fleißige, disziplinierte, verantwortungsvolle Figur, pragmatisch, tapfer, aber unglaublich allein und aller ihrer Gefühle beraubt, um ihr Leben aushalten zu können. Freude gibt es in dieser Geschichte nirgends - auch nicht bei den anderen Frauenfiguren - ihrer Tochter und der Enkelin. Und überall in den Beziehungen so viel Unausgesprochenes, Heruntergeschlucktes - Distanziertheit und Einsamkeit auch dort. Nadine Schneider beschreibt das in einer Sprache, die detailliert die Gedanken wiedergibt, sie durch Bilder unterlegt und durch wiederholte Erwähnung in anderer Formulierung intensiviert. Die Geschichte lässt mich traurig zurück - Anni ist aus einem schlechten Leben in einem ungeliebten Land - sie nennt es „Drecksloch“ - geflohen und hat dort neben ihrer Mutter, den familiären Wurzeln und dem Gefühl von Absicherung und Aufgehobensein auch sich selbst weitgehend zurückgelassen (ich würde sogar sagen, ihre Seele, wenn es nicht zu pathetisch klingen würde), ohne in ihrem neuen Leben Heimat und Erfüllung zu finden. Eine billige Modeschmuck-Kopie der Perlenkette von Grete Schickedanz, der Chefin der Quelle-Gruppe, die Anni verehrt, reicht für ein gutes Leben nicht aus. Ein Buch, das mich noch lange beschäftigen wird.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER
18. März
Rating:4

”Das gute Leben” von Nadine Schneider handelt von Anni, die in den 1960er Jahren mit Anfang 20 schwanger aus ihrer Heimat Rumänien flüchtet, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. In Rückblenden wird ihr Leben erzählt, während ihre Enkelin Christina, die bei Anni aufgewachsen ist, nach deren Tod ihre Kindheit, die Besuche bei der Urgroßmutter in Rumänien und das brüchige Verhältnis zwischen Anni und ihrer Tochter Helene, Christinas Mutter, Revue passieren lässt. Der Autorin ist eine authentische und einfühlsame Mütter-Töchter-Geschichte gelungen - die Väter sind abwesend und kommen nur als Randfiguren vor. Die Kämpfe, die ausgetragen und die Wunden, die sich gegenseitig zugefügt wurden, berühren beim Lesen bzw. Hören und die Charakterzeichnung ist so dezidiert, dass man sich in alle Figuren hinein versetzen kann. Was mich jedoch etwas gestört hat ist, dass ich manchmal Mühe hatte herauszufinden, auf welcher Zeitebene sich die Handlung gerade befindet, da insbesondere bei Christina oft hin- und her gesprungen wird zwischen ferner und naher Vergangenheit sowie der Gegenwart. Inka Löwendorf ist als Sprecherin des Hörbuchs genau die richtige Wahl, denn sie schafft es stimmlich, die Einsamkeit und das Durchhaltevermögen von Anni und Christina perfekt zu transportieren. *Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER
15. März
Rating:2.5

Zu viele Perspektivensprünge

Es ist schon realistisch dargestellt, wie das Leben in einer Familie stattfindet, die zwar miteinander spricht, aber nicht wirklich miteinander redet. Aber das macht nun eben noch keine gute Geschichte und lässt alles recht zäh und distanziert erscheinen ohne wirkliche Highlights. Ich selbst komme aus Franken, lebe in Nürnberg und konnte die reichlichen Stellen, in denen es über Quelle ging, gut nachvollziehen, da das wirklich für viele Angestellte eine eigene Identität war. Aber nur das an manchen Stellen zu erwähnen, macht auch noch keine mitreißende Geschichte. Genauso distanziert wie die Protagonisten miteinander umgehen, bleiben auch wir als Leser und dann ist es leider schwierig, irgendein Interesse aufzubauen.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER
1. März
Rating:4.5

Vier Generationen und die Frage nach dem guten Leben

Manchmal steht ein Haus da und sagt mehr über ein Leben als tausend Worte. Genau so fühlt sich „Das gute Leben“ von Nadine Schneider an – leise, warm, mit einer Schwere, die sich nicht aufdrängt, aber bleibt. Christina erbt das Haus ihrer Großmutter Anni, irgendwo bei Nürnberg, und plötzlich ist da nicht nur Staub auf alten Möbeln, sondern Geschichte in jeder Ecke. Anni, die in den Sechzigern aus Rumänien flieht, Pakete beim Quelle-Versand packt, ihr Kind und Enkelkind allein großzieht und sich durch ein Leben kämpft, das nicht gerade mit offenen Armen wartet. Während ich das lese, denke ich ständig: Wie viel Kraft passt eigentlich in einen einzigen Menschen? Der Roman erzählt keine laute Story. Kein Drama mit Pauken und Trompeten. Stattdessen dieses ruhige Zurückblättern im eigenen Leben. Spätsommer, reife Trauben im Garten, Mails vom Job, die man ignoriert, weil da gerade etwas Wichtigeres passiert: Erinnern. Abschied nehmen. Verstehen. Schneiders Sprache ist klar und schnörkellos, aber sie trifft. Man merkt, dass viele Leser genau das feiern – diese Mischung aus Nüchternheit und Gefühl. Und ja, das Internet ist sich ziemlich einig: Das hier ist kein Roman zum Wegatmen, sondern einer zum Mittragen. Für mich waren es 4,5 Sterne, weil er manchmal so still ist, dass man fast vergisst zu atmen – aber genau das ist auch seine Stärke. Unterm Strich bleibt die Frage hängen: War das wirklich das gute Leben? Oder ist es das, was man daraus macht? Und plötzlich schaut man auf die eigenen Großeltern und denkt ein bisschen länger nach.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER
26. Feb.
Rating:3

Puh, das war schwere Kost.

Das Buch war aus meiner Sicht auf vielen Ebenen Schwer. Zuerst einmal die Geschichte betrachtet, kann ich mir vorstellen dass die verschiedenen Leben der weiblichen Personen in den verschiedenen Generationen nicht ganz einfach waren. Nicht nur, dass jede der weiblichen Personen mit ihren Herausforderungen zu kämpfen hatte, so mussten sie auch mit den Herausforderungen der jeweils anderen Generationen umgehen. In Kombination mit der Einwanderungsgeschichte und dem Leben in zwei verschiedenen Ländern und der Frage, wo es einem besser geht, er hält die Geschichte Tiefe und Schwere. Der Schreibstil vermittelt Melancholie ohne tiefergehende Emotionen direkt zu benennen oder zu vermitteln. Aus meiner Sicht machen es gerade die vielen zeitsprünge nicht ganz einfach immer zu folgen. Da auch Gespräche nicht sofort erkennbar im Text sind, muss man aufmerksam bleiben. Das Thema ist bei mir angekommen, für mich dennoch nicht ganz gelungen.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER
17. Feb.
Rating:4

Christina erbt das Haus ihrer Großmutter Anni. Sie verbringt ein paar Tage dort auf der Suche nach Erinnerungen. Anni ist vor sehr vielen Jahren aus Rumänien nach Deutschland geflüchtet. Dort hat sie ihre Tochter Helene und später Enkelin Christina allein aufgezogen. Beim Quelle Versand hat sie Pakete für die Kunden gepackt. Den Job hat sie geliebt. Ein stiller, berührender Roman über Zugehörigkeit, Einsamkeit und der Suche nach dem guten Leben. Was ist das eigentlich? Reicht das wir haben was wir eigentlich brauchen oder müssen wir immer nach noch mehr streben? Die vielen Ängste aus Rumänien hat Anni mitgebracht. Ihre Tochter musste sie allein großziehen. Das hat Spuren hinterlassen. Unausgesprochene Erwartungen, Schuldzuweisungen gibt’s hier obendrauf. Bei ihrer Enkelin wollte sie dann alles richtig machen. Die Sprache im Roman hat mir sehr gut gefallen. Poetisch, ruhig und sehr klar. Die Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit waren manchmal recht abrupt. Da musste ich dann erstmal überlegen wo wir gerade sind. Auch war mir manche Story etwas zu kurz erzählt. Sprachlich stark, tolle Idee aber es gab für mich Luft nach oben.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER
11. Feb.
Rating:4

Das gute Leben ist kein Buch, das man einfach konsumiert. Es ist eines, das leise wirkt, nachhallt und Fragen stellt, die bleiben.

Das gute Leben ist ein ruhiger, melancholischer Familienroman, der sich Zeit nimmt für Erinnerungen, für Verletzungen, für das Nachdenken über Herkunft, Pflicht und persönliches Glück. Nach dem Tod ihrer Großmutter Anni kehrt Christina in das Haus nahe Nürnberg zurück, in dem sie aufgewachsen ist. Während sie den Nachlass ordnet, blickt sie zurück auf ihre eigene Kindheit und auf Annis Leben, die einst aus Rumänien nach Deutschland geflohen ist, beim Quelle-Versand gearbeitet und ihre Enkelin großgezogen hat. Der Roman erzählt auf mehreren Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven, vor allem aus Christinas und Annis Sicht. So entsteht ein vielschichtiges Bild einer Familie, deren Beziehungen von Brüchen, Entbehrungen und unausgesprochenen Wunden geprägt sind. Die Figuren sind facettenreich und nicht immer angenehm, gerade dadurch aber glaubwürdig. Besonders eindrücklich ist der Blick auf Annis Leben: ihre Flucht, ihr Pflichtbewusstsein, ihre Arbeit und die leise, immer wieder mitschwingende Frage, ob sie glücklich war oder ob sie pflichtbewusst einfach einen Schritt nach dem anderen gegangen ist. Sprachlich hebt sich der Roman deutlich ab. Der Stil ist direkt, teilweise abgehackt und bewusst ungeschliffen, weniger fließend, eher tastend und hart. Das wirkt zunächst ungewohnt, passt jedoch sehr gut zum Inhalt: So, als würde man Gedanken für sich selbst formulieren, ohne sie zu glätten. Diese Sprache macht den Text authentisch und eindrücklich, fordert aber auch Aufmerksamkeit und Geduld beim Lesen. Atmosphärisch ist Das gute Leben stark von Nachdenklichkeit, Sehnsucht und einer leisen Traurigkeit geprägt. Große äußere Ereignisse oder dramatische Wendungen stehen nicht im Vordergrund. Die Handlung entwickelt sich ruhig und zurückhaltend, stellenweise fast stillstehend. Genau das konnte mich erreichen, auch wenn mir persönlich stellenweise Lebendigkeit und Ereignisse auf der Handlungsebene fehlten. Der Roman richtet sich damit weniger an Leser*innen, die Spannung oder Plotdynamik suchen, sondern an jene, die sich auf innere Bewegungen, Reflexionen und Zwischentöne einlassen möchten. Trotz – oder gerade wegen – dieser Zurückhaltung regt das Buch nachhaltig zum Nachdenken an. Es stellt keine schnellen Antworten bereit, sondern kreist um die zentrale Frage, was ein „gutes Leben“ eigentlich ausmacht: Veränderung oder Pflicht, Aufbruch oder Ausharren, Verantwortung oder Selbstverwirklichung. Christinas Blick auf das Leben ihrer Großmutter wird dabei unweigerlich zu einem Blick auf das eigene Leben und die eigene Zukunft. Das gute Leben ist kein Buch, das man einfach konsumiert. Es ist eines, das leise wirkt, nachhallt und Fragen stellt, die bleiben. Literarisch interessant, emotional vielschichtig und still in seiner Wirkung, besonders geeignet für Leser*innen, die ruhige Familiengeschichten mit Tiefgang schätzen und bereit sind, sich auf eine entschleunigte Erzählweise einzulassen.

Das gute Leben
Das gute Lebenby Nadine SchneiderS. FISCHER