
Auf der Suche nach der Quelle der ewigen Jugend
Es sollte nur ein gewöhnlicher Auftrag sein, doch für die Diebin Leia geht alles schief: Zunächst entdeckt sie ein uraltes Gemälde in einem Geheimraum, dann wird sie vom Hausherren der Villa, in die sie einbricht, erwischt. Doch damit nicht genug: Eben jener sieht haargenau so aus, wie der Mann auf dem mysteriösen Gemälde. Während Leia noch an ihrem Verstand zweifelt, findet sie in ihrer Beute ein altes Buch, das die Geheimnisse des legendären Grafen von Saint Germain enthält – unter anderem ein Rezept, das die ewige Jugend schenken soll – die Rettung für Leia, die an Huntington erkrankt ist. Doch der Besitz des Buches macht sie zur Gejagten und schon bald steht ihr komplettes Leben auf dem Kopf… „Das Sternbild des Alchemisten“ ist der Auftakt zur gleichnamigen Dilogie, einer Geschichte, die sich am ehesten im Urban Fantasy- oder Abenteuer-Genre einordnen lässt. Tatsächlich ist es gar nicht mal so einfach, festzustellen, was diese Geschichte wirklich ist, denn sie bleibt lange ziemlich undurchsichtig. Der Beginn ist noch recht harmlos, erzählt von Leia und ihrem besten Freund Mick, die ihr mickriges Gehalt mit gelegentlichen „Wiederbeschaffungsmaßnhamen“, sprich Diebeszügen aufbessern. Leia ist eine toughe, aber auch widersprüchliche Protagonistin, die die Augen vor der Realität ihrer Krankheit verschließt, sich damit aber auch jede Hoffnung auf ein immerhin momentan glückliches Leben verbaut. Ihr Freund hingegen ist regelrecht versessen darauf, sie aufzumuntern und beginnt schon bald damit, Luftschlösser zu bauen. Es ist jedenfalls erstaunlich, wie schnell die beiden Protagonisten an ein Rezept der Unsterblichkeit glauben und dabei auch ein paar möglicherweise voreilige Schlüsse ziehen. Schon nach wenigen Seiten wird das Buch dann ziemlich turbulent und entwickelt sich zu einer Hetzjagd, erst quer durch Deutschland, dann mitten durch den Nahen Osten. Dabei verbindet die Autorin die Moderne auf unerwartete Weise mit christlicher Mythologie und Legenden der Alchemie: eine wirklich ungewöhnliche Mischung. Auch gelingt es ihr, auf der gesamten Länge des Buches ein latentes Gefühl von Unwohlsein beim Leser entstehen zu lassen und ihn auf die eine oder andere Weise zu manipulieren. Es kann sein, dass man einen Teil der Enthüllungen am Schluss schon vorausahnt, aber es ist doch eher unwahrscheinlich, dass man das Ganze vorher erkennt. Katja Segin war geschickt darin, den Leser zwei verschiedene Dinge gleichzeitig glauben zu lassen und auch den Anschein einer sehr billigen Liebesgeschichte zu erwecken, die es dann aber doch nicht gab – zum Glück. Sie hat sich auch viel Mühe bei ihrer Recherche zu alten Rätseln und Codes gegeben, nur ein oder zwei kleine Logikfehler haben sich eingeschlichen. Viel Raum für Details und Atmosphäre bleibt in diesem Buch nicht, zu rasant ist die Entwicklung, zu sehr folgen die Ereignisse Schlag auf Schlag, bis zum etwas abgehackten Ende, das einigermaßen hohe Erwartungen für den zweiten Teil hinterlässt. „Das Sternbild des Alchemisten“ ist ein Chamäleon von einem Buch und nicht unbedingt das, was es vorgibt zu sein. Es ging jedenfalls in eine ganz andere Richtung als erwartet, konnte aber, trotz einiger Schwächen, überraschen und auch fesseln. Dranbleiben lohnt sich also.












