20. Apr.
Rating:2.5

Die Lektüre von Truman Capote: Ich bin schwul, ich bin süchtig, ich bin ein Genie hinterlässt ein ambivalentes Gefühl. Sprachlich ist das Buch zugänglich und flüssig geschrieben, was den Einstieg leicht macht und den Lesefluss kaum stocken lässt. Inhaltlich hingegen fordert es deutlich mehr Geduld. Truman Capote begegnet einem hier als schillernde, aber zugleich schwer erträgliche Persönlichkeit. Seine oft abfälligen, teilweise verhärteten Ansichten über Frauen und andere Menschen – insbesondere jene, die er als seine „Feinde“ betrachtet – machen es nicht leicht, ihm über längere Strecken zuzuhören. Es entsteht eine gewisse Distanz, die verhindert, dass man sich wirklich auf ihn einlassen möchte. Gleichzeitig liegt genau darin auch ein gewisser Reiz: Das Buch bietet interessante Einblicke in die literarische Welt und ist durchzogen von zahlreichen Referenzen, die neugierig machen. Nicht alle erschließen sich unmittelbar, manches bleibt schwer greifbar oder setzt Vorwissen voraus. Insgesamt bleibt ein gemischter Eindruck. Inhaltlich interessant, stellenweise aufschlussreich, aber emotional wenig zugänglich. Ein Buch, das man lesen kann, aber nicht unbedingt lesen muss.

Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie.
Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie.by Truman CapoteKein & Aber