Bedrückend und faszinierend zugleich
Das fünfte Kind ist ein Buch, das bei mir vor allem durch seine bedrückende und teilweise sehr beklemmende Atmosphäre Eindruck hinterlassen hat. Die Geschichte beginnt zunächst recht ruhig und beinahe harmonisch, entwickelt sich jedoch nach und nach zu einem intensiven Familiendrama, das immer düsterer und belastender wird. Besonders die unterschwellige Spannung und das stetige Gefühl von Unbehagen waren beim Lesen deutlich spürbar. Doris Lessing schafft es, die Überforderung, Ängste und Konflikte innerhalb der Familie sehr greifbar darzustellen. Gerade Harriet als Mutterfigur wirkte auf mich authentisch und emotional nachvollziehbar. Auch das Verhalten von Ben und die Wirkung, die er auf seine Umgebung hat, fand ich gleichermaßen faszinierend wie verstörend. Das Buch wirft viele interessante Fragen auf, gibt jedoch nur wenige wirkliche Antworten – genau das macht die Geschichte einerseits spannend, andererseits aber auch etwas sperrig. Der Schreibstil ist ruhig, klar und stellenweise fast kühl, was zwar gut zur Atmosphäre passt. Insgesamt fand ich die Geschichte interessant und psychologisch spannend. Ein ungewöhnlicher und beklemmender Roman, der definitiv zum Nachdenken anregt, mich aber nicht komplett überzeugen konnte.








