19. Feb.
Rating:4

"That she thought about him, that she found [him] compelling was nobody's business but her own."

Eine Geschichte die mich zur richtigen Zeit erreicht hat und dadurch begeistern konnte. In Happy all the time passiert nicht viel. Wir begleiten Guido und Vincent wie sie die Frau fürs Leben finden, und dann den Alltag mit ihnen führen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es geht um die Charaktere, um die Eigenheiten jeden einzelnes - Vincent, Guido, Misty und Holly. Findet man die Charaktere langweilig oder unsympathisch, dann ist das ganze Buch nichts für einen. Für mich ist es einer der perfekten Wohlühlgeschichten, die man zwischendurch mal braucht und für diese Zeiten bewahre ich diese Bücher in meinem Schrank. Ich mochte Misty und Holly sehr, und konnte mich vor allem in Mistys Gedankenwegen gut einfinden und wieder erkennen. Aus der Perspektive fand ich es niedlich zu lernen, was zieht Vincent an Misty an, warum sie. Das frage ich mich auch oft bei meinem Mann. Auch wenn das Buch von einer Frau geschrieben ist, hatte ich das Gefühl das viele Denkweisen Vincents ähnlich zu dem meines Mannes sind. Ein unaufgeregtes Buch, mit u.a. einem männlichen Protagonisten indem ich meinen Mann liebevoll wiederfinden konnte, hat beim Lesen Spaß gemacht. Auf Storygraph fallen die Rezensionen mittelmäßig aus, vor allen Dingen weil man dem Buch die geschriebene Zeit anmerkt. Ein Kommentar spricht von "Sally Rooney für Boomer". Für mich hat es den Charme ausgemacht: Es erschien 1978, und ich stellte mir gerne das New York der Endsiebziger vor, und wie 4 Charaktere ungefähr in meinem Alter ein ähnliches Leben meistern wie ich. Es hat in mir das Gefühl ausgelöst was ich habe, wenn ich Jane Austen lese. Die Geschichten sind natürlich absolut nicht vergleichbar. Das ausgelöste Gefühl aber schon: Ich habe Mistys Humor genauso genossen wie den von Elisabeth und die Liebesgeschichte von ihr mit Vincent schmelzte mich wie die von Mr Darcy und Elisabeth. Das Buch hat aber seine Längen, bei 80% dachte ich schon, das man das hätte ordentlich kürzen können, so wenig wie da insgesamt passiert. So sehr ich Holly mochte, so schwierig war es wiederum Guido und ihre Beziehung zu verstehen. Holly war für mich ein gezeichneter Charakter ihrer Zeit voraus, die mit einem Mann endet, der sie irgendwie liebt (eine Version von ihr), aber nicht verstehen kann. Was wahrscheinlich aber auch leider die Realität damals war. Eine Geschichte die man aufbewahren kann, für die es eine richtige Zeit und Stimmung braucht, aber da ihren wahren Glanz auch gut zeigen kann.

Happy All the Time
Happy All the Timeby Laurie ColwinRandom House