„Puhh.“ – das war mein erster Gedanke, als ich das Buch beendet hatte. Nicht etwa, weil es schlecht war, sondern weil es mich emotional überwältigt hat.
Alden Bell hat mit ,,The Reapers Are the Angels“ ein Werk geschaffen, das nicht nur tief berührt, sondern auch zum Nachdenken anregt. Wer sich für postapokalyptische Szenarien interessiert, insbesondere für Zombie-Apokalypsen, sollte diesem Buch eine Chance geben. Es hebt sich erfrischend von den üblichen Genre-Vertretern ab. Die Zombies – hier als „Slugs“ oder „Meatskins“ bezeichnet – sind faszinierend anders. Bell beschreibt sie als triebgesteuerte Wesen, die oft dümmlich wirken. Interessanterweise verlieren sie jegliches Interesse, wenn ihr Ziel außer Reichweite gerät. Diese Darstellung ist eine gelungene Abweichung von den klischeehaften, aggressiven Untoten, die man oft in anderen Werken findet. Man merkt, dass Bell nicht nur Horror, sondern auch Menschlichkeit und Instinkt in seine Darstellung einfließen lässt. Ein wichtiger Punkt: Bell verzichtet auf Anführungszeichen für wörtliche Rede, was anfangs gewöhnungsbedürftig sein mag. Doch nach kurzer Zeit fügt sich dieser Stil perfekt in die Atmosphäre des Buches ein. Besonders hervorzuheben ist die englische Originalsprache, die die düstere und zugleich hoffnungsvolle Stimmung noch intensiver vermittelt. Religion spielt eine zentrale Rolle im Buch. Die Auseinandersetzung mit Gott und Glauben gibt der Geschichte eine tiefgründige Dimension. Diese Themen sind geschickt eingebettet und regen zum Nachdenken an, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Für mich war dies ein überraschender und beeindruckender Aspekt, der das Buch über eine reine Zombiegeschichte hinaushebt. Die Geschichte spielt in einer Welt, die seit 10 Jahren von einer Zombie-Apokalypse heimgesucht wird. Im Mittelpunkt steht Temple, eine Protagonistin, die in dieser Zeit aufwächst und eine Reise durch ein zerstörtes Amerika antritt. Ihre Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen – darunter auch ein faszinierender Antagonist – sind das Herzstück der Handlung. Dieser „Bösewicht“ bleibt bis zum Schluss so interessant und vielschichtig, dass man gleichermaßen für ihn und Temple mitfiebert. Während ihrer Reise erlebt Temple eine Vielzahl an Situationen: von moralischen Konflikten über makabere und nachdenkliche Momente bis hin zu emotionalen Höhepunkten. Die Hintergrundgeschichten der Figuren werden geschickt nach und nach enthüllt, was die Spannung aufrechterhält und die Figuren lebendig macht. The Reapers Are the Angels ist ein herausragendes Buch, das den Leser emotional fordert und zugleich mit einer tiefgründigen Geschichte belohnt. Wer sich auf die unkonventionelle Schreibweise und die philosophischen Untertöne einlassen kann, wird mit einer einzigartigen Leseerfahrung belohnt. Für Fans von Zombie-Apokalypsen und Charakterstudien ist dieses Buch ein Muss. Ich sage: Gebt diesem Buch eine Chance – ihr werdet es nicht bereuen!

