Frauen hassen Frauen
Eriko und Shōko sind das absolute Gegenteil voneinander: Eriko ist schön, stylisch, unverheiratet und verdient gutes Geld als Karrierefrau und eine absolute Soziopathin. Shōko ist eine absolut durchschnittliche, semi-erfolgreiche Bloggerin, die mit einem durchschnittlichen Typen verheiratet ist und aus Faulheit nicht arbeiten geht. Auf den ganzen 400 Seiten geht es eigentlich nur darum, wie schlecht Eriko darin ist, Freundschaften mit Frauen (oder überhaupt irgendwem) zu schließen. Dass es daran liegt, dass Eriko absolut geisteskrank ist, merkt man ziemlich schnell. Aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen fängt sie dann an Shōko zu stalken. Joah. Das ist der ganze Roman, begleitet von den lächerlichsten und absurdesten Dialogen ever. So oft habe ich beim Lesen gedacht WER SAGT SOWAS?! NIEMAND REDET SO! Beide Protagonistinnen scheinen sich übrigens sehr wohl im Patriarchat zu fühlen, besonders Eriko hasst andere Frauen fast so sehr wie sich selbst und ihre eigene Unfähigkeit, mit ihnen Freundschaften zu schließen. Der Trend, sich von Männern abzuwenden und den Fokus auf weibliche Freundschaften zu setzen finden beide eher unangenehm weil, naja, Frauen sind einfach fake und scheiße (???). Ich verstehe den Sinn der Geschichte einfach nicht. Es ist kein feministischer Roman der das patriarchale Japan aufarbeitet oder zumindest aufs Korn nimmt. Es ist kein Thriller, es ist auch nicht im Ansatz sowas wie Yuzukis anderer Roman, „Butter“, den ich geliebt habe. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass die Autorin sich in dem gleichen internalisiert misogynen Rahmen bewegt wie ihre Protagonistinnen. Dabei steht eigentlich nur im Vordergrund wie anstrengend Frauen und was für ein schrecklicher Mensch Eriko ist. Und es hätte ja auch lustig sein können einfach nur dabei zuzusehen, wie sich Eriko immer tiefer in die Scheiße reitet aber dafür war der Roman zu langatmig. Was ein satirischer, gesellschaftskritischer Roman mit den unsympathischsten Protagonistinnen der Welt hätte sein können (wär ein Banger gewesen) ist leider nur eine einzige, sinnlose Enttäuschung.



