Zwischen zwei Leben

Zwischen zwei Leben

Hardback
3.933

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Description

Eine kluge Emanzipationsgeschichte über eine Frau, die mitten im Leben noch mal von vorn anfängt – nach »Lempi, das heißt Liebe« der neue Roman von Minna Rytisalo Als die Kinder aus dem Haus sind, beendet Jenni Mäki die unglückliche Ehe mit Jussi, ändert ihren Namen und bricht endlich aus dem Leben aus, das für sie vorgesehen war: Als Jenny Hill fängt sie noch einmal von vorn an. Ein Chor weiblicher Märchenfiguren begleitet sie dabei und kommentiert voller Scharfsinn die Absurdität der Ansprüche, denen Frauen in unserer Welt immer noch gerecht werden sollen. Ein starker Roman über das Älterwerden als Frau und darüber, dass es nie zu spät ist, den eigenen Weg zu finden – in Finnland als feministisches Manifest gefeiert.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
272
Price
25.70 €

Author Description

Minna Rytisalo, geboren 1974 in Lappland, arbeitet als Finnischlehrerin und schreibt einen literarischen Blog. »Lempi, das heißt Liebe« ist ihr erster Roman und wurde von finnischen Bloggern als bester Roman 2016 mit dem Blogistania-Finlandia-Preis ausgezeichnet; außerdem erhielt Rytisalo 2017 den Botnia-Literaturpreis.

Posts

12
All
3.5

erfrischend anders

Ich fand diese Geschichte super speziell. Der Titel ist treffend gesetzt und die Erzählung hat mich abgeholt, was unter anderem auch an der angenehmen Kapitellänge liegt. Obwohl die Grundstimmung eher düster und erdrückend ist, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen: Ich wollte unbedingt wissen, was Jenny mit dem Rest ihres Lebens anstellt. Die Erzählweise wirkt auf mich eher kalt und distanziert, was gleichzeitig irgendwie erfrischend anders ist. Für mich persönlich vielleicht kein Highlight, dennoch ein gutes Buch für zwischendurch.

erfrischend anders
5

Besonders - anders

“In dir keimte eine Sehnsucht nach Akzeptanz, die gedüngt wurde von romantischen Geschichten und Märchen und das muss ein Ende haben. Deshalb fange ich jetzt bei deiner Vergangenheit an. Du kannst das gerne wie ein Märchen lesen und dazu möchte ich dich ermutigen, weil dir diese Form vertraut ist. Für jede Frau und jedes Mädchen, das ihren Wert vergessen hat, das sich nicht mehr erinnert, worauf es ankommt und welchen unschätzbaren Wert sie besitzt. Nachdem ihre Kinder das Elternhaus verlassen haben, beschließt Jenni Mäki, ihr Leben umzukrempeln. Sie verlässt ihren Mann Jussi und beginnt unter dem Namen Jenny Hill ein neues Kapitel. Doch sie ist nicht allein, schon lange wird sie von Märchenfiguren (im Buch dargestellt durch bekannte weibliche Disneyfiguren) begleitet, die ihr zur Seite stehen. Ebenfalls schreibt Jenny zwischendurch immer wieder Briefe an Brigitte Macron, diese finde ich sehr bereichernd und aufschlussreich, was die Gedankenwelt von Jenny Hill betrifft. Wie ähnlich sind wir Frauen noch heute, in unserer modernen Zeit, den damals geschaffenen Disney-Figuren? Wie viel müssen wir in einem Leben ertragen, werden in Normen und Schubladen gezwängt, erkennen es teilweise nicht einmal und halten es für richtig, obwohl nichts davon unserem wahren Wesen entspricht. Nicht nur, dass die Protagonisten Jenny heißt, so oft habe ich Passagen mehrmals gelesen  und mich dabei oft sehr identifiziert gefühlt.  Ein Buch mit ehrlichen und rauen Stimmen, zarten Bitten und wohltuenden Worten, - Feministisch, zyklisch, klug. “Es ist wundersam, dass wir rationalen Wesen von der biologischen Realität geleitet werden, dass wir Nachfahren einer eisigen Akkretionsscheibe sind, Teil eines ungeheuer großen, zyklischen Ganzen und hier atmen wir, auf der Oberfläche dieses Planeten und im Moment unseres Seins sind wir Teil des Seienden.” Von mir bekommt dieses Buch eine klare Empfehlung, es ist anders, besonders! Ps: übrigens gibt es auf der Welt nur zwei Säugetiere mit Wechseljahren,- Menschen und Delfine 🐬

Besonders - anders
3.5

Ein kurzweiliger Roman über das Älterwerden als Frau - und darüber, dass es nie zu spät ist, den eigenen Weg zu finden

Ein kurzweiliger Roman über das Älterwerden als Frau - und darüber, dass es nie zu spät ist, den eigenen Weg zu finden
4

Geschichte über (feministische) Selbsterkenntnis und einen Neubeginn

Wie passen Feminismus, Märchenelemente und nordische Mythologie zusammen? Was verbindet die Geschichten moderner Durchschnittsfrauen mit denen von Märchenfiguren, wie Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, Gretel, Rapunzel oder Rotkäppchen? Welche „Märchen“ erzählen wir uns selbst? Diese Fragen ergründet Minna Rytisalo in ihrem ungewöhnlich aufgebauten Roman „Zwischen zwei Leben“. Auf der Handlungsebene erzählt er von der finnischen Durchschnittsfrau Jenni Mäki, die nach dem Auszug ihrer beiden Kinder den untreuen Ehemann und das große Haus am Meer verlässt, um als Jenny Hill in einer kleinen Wohnung im Stadtzentrum noch einmal neu anzufangen. Jenni, die aus Angst und Unsicherheit ein Leben nach den Empfehlungen von Frauenzeitschriften gelebt hat, beginnt sukzessive, sich selbst und ihre Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Dabei helfen ihr nicht nur die (fiktiven) Briefe an Brigitte Macron, die sie auf Anraten ihrer Therapeutin schreibt, sondern auch die Worte, die ihr die weiblichen Schutzgeister, die Ajattaras, zuflüstern. Die Ajattaras - hier in Form der von Jenni geliebten Märchenfiguren Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, Gretel, Rapunzel und Rotkäppchen - beobachten Jenny und ordnen ihr Verhalten ein. In Einschüben erzählen sie dabei auch ihre eigenen Geschichten, die als eine Art Meta-Ebene funktionieren. Sie dienen als Beispiele dafür, wie die Geschichten von Frauen über Jahrhunderte hinweg umgedeutet und für moralische Zwecke missbraucht wurden. Ihre Wut ist ebenso greifbar, wie das Wohlwollen und Mitgefühl, das sie Jenny entgegenbringen. Die Themen des Buches decken gefühlt die Gesamtbreite des Lebens als Mädchen/ Frau ab. Es geht z.B. um Lebensentwürfe, Rollenbilder, Paarbeziehungen, Mutter- und Elternschaft, (ungewollte) Kinderlosigkeit, Schicksalsschläge und Veränderungen mit dem Alter. Daneben spielen auch soziale Unterschiede eine Rolle, die bestimmte Muster zementieren. Obwohl mir diese Jenni Mäki / Jenny Hill mit ihren starren Vorstellungen sowie ihrem Interesse für Frauenzeitschriften (einschließlich Promi-Geschichten) anfangs fremd war, hat mir ihre nüchterne Herangehensweise an die Empfehlungen ihrer Therapeutin sowie die Arbeit des Coaching-Unternehmens ihrer Schwester gefallen. „Ich liebe Johanna, aber mit ihrem Business habe ich Probleme. Warum ist gewöhnlich nicht genug? Warum soll ich eine Göttin werden, um glücklich zu sein.“ (S. 97) Und in dem Maße, wie Jenny offener, ehrlicher, milder und nachsichtiger (auch mit sich selbst) wurde, begann ich an ihrem Schicksal Anteil zu nehmen. Ich fand diesen ungewöhnlich konstruierten Roman - nach einer Phase, in der ich mich an seinen Rhythmus gewöhnen musste - sehr lesenswert. Für mich, die wenig Erfahrung mit sog. feministischer Literatur hat, hat er neue Denkanstöße gebracht.

5

Was empfindest du bei dem Gefühl Scham?

Die Kinder sind aus dem Haus und Jenni merkt, dass da nun keine Aufgabe mehr ist. Mit jedem Schritt der Kinder weg von ihr, ist Jenni leerer geworden. Ihre Ehe mit Jussi ist unglücklich, ihr Leben als Bild nach außen hin perfekt. Eines Tages bricht sie aus und beginnt neu. Sie mietet sich eine Wohnung und wird begleitet von einer Gruppe weiblicher Disney-Figuren, die sie bestärken und ihr ehrlich zureden was sie verdient hat und sucht ihren eigenen Weg. „Die Rettung steckt in dir selbst.“ Die Art der Geschichte liest man derzeit des Öfteren. Eine Frau, die in einem gewissen Alter merkt, dass ihr Leben nicht das ist, was sie will. Dass sie sich verloren hat. Besonders an diesem Roman ist zum einen die Erzählweise. Es gibt wenig bis gar keine direkte Rede, die Sätze sind sehr lang und verschachtelt - so wie Jenni‘s Gedanken auch sind. Dadurch wird man automatisch tiefer in die Geschichte gezogen. Zum anderen wird sie witzigerweise von weiblichen Disney-Figuren begleitet, wie z.B. Dornröschen oder Schneewittchen, die uns als Kind gezeigt haben, wie eine Frau behandelt wird und für was eine Frau steht. Sie geben so viel ehrliches mit und korrigieren eben genau das feministische Bild, was sie repräsentieren sollen. Ein sehr starker Roman über eine Frau, Mutter und Ehefrau und ihre Gefühle, die sie begleiten. Eine Frau, die ihren Weg neu findet.

4

Minna Rytisalos Zwischen zwei Leben überzeugt auf vielfältige Weise und hinterlässt einen bleibenden Eindruck: Schon der erste Blick fällt auf das tolles Cover, das in seiner schlichten Eleganz eine Ahnung der inneren Stimmung weckt. Bereits nach wenigen Seiten wird der wunderschöne Schreibstil deutlich – ein feines Gleichgewicht zwischen nüchtern und poetisch. Rytisalo schafft es, klare, fast kühle Beschreibungen mit emotional aufgeladenen Bildern zu verbinden. So bleibt das Geschehen stets nachvollziehbar, berührt aber zugleich auf einer tieferen Ebene. Diese Mischung erzeugt große atmosphärische Dichte – ohne überbordende Metaphorik, ohne zu karg zu wirken. Die Entwicklung der Hauptfigur ist ein weiterer Höhepunkt: Eine tolle Charakterentwicklung der Protagonistin zeichnet den Roman aus. Ihre innere Reise von Unsicherheit bis zur bewussten Auseinandersetzung mit ihrer Identität, ihren Ängsten und Wünschen wirkt lebendig. Besonders originell ist die Idee, Märchenfiguren als Beobachter und Kommentatoren einzusetzen. Diese Erzählerperspektive verleiht dem Roman etwas Fast-Magisches, bringt Reflexionsebene ins Spiel und eröffnet neue Bedeutungsschichten. Die Märchenfiguren sind nicht nur dekorativ, sondern tragen eine passende und interessante Geschichte sowie Charakterdarstellung in sich. Sie kommentieren nicht moralisch pionierend, sondern erlauben andere Sichtweisen – mal distanziert, mal empathisch, mal kritisch. Allerdings wirkt die Geschichte gelegentlich konstruiert, um feministische Themen anzusprechen. Mitunter fühlt es sich so an, als sei das Thema Feminismus eher ein intendiertes Statement als organischer Bestandteil der Handlung; die Botschaft scheint manchmal stärker gewollt und weniger natürlich gewachsen. Zudem erscheinen einige Problemlösungen zu simpel: Konflikte lösen sich überraschend glatt, Entwicklungen laufen mancherorts sehr linear oder konstruiert ab, ohne jene Tiefe oder Komplexität, die zuvor in der Charakterarbeit suggeriert wurde. Insgesamt ist Zwischen zwei Leben ein berührendes, stilistisch elegantes Werk mit originellem Aufbau – insbesondere dank der märchenhaften Erzählstruktur und der starken Protagonistin. Der poetische, aber nicht überbordende Erzählton sowie die fein ausbalancierte Charakterentwicklung machen das Buch zu einem lohnenswerten Leseerlebnis. Die wenigen Schwächen – eine leicht zu offensichtliche Feminismus-Instrumentalisierung und ein paar zu einfache Konfliktlösungen – trüben insgesamt nicht sehr, sondern weisen nur darauf hin, dass der Roman auf einigen Ebenen noch reichhaltiger und komplexer hätte sein können. Wer jedoch eine Klarheit liebende, zugleich empfindsame Lektüre mit mutiger Perspektive sucht, findet in diesem Buch viel Wertvolles – und wird sich auch nach dem Weiterlesen noch gern an es erinnern.

2

Anders als erwartet!

Nachdem Jenni Mäki ihre ohnehin schon unglückliche Ehe beendet hat, ändert sie ihren Namen und startet ein neues Leben. Unter dem Namen Jenny Hill geht ihr Leben von vorne los. Das Buch handelt von dem Älterwerden einer Frau, welche schon viel erlebt hat. Es geht darum, dass Leben neu zu leben und sich dabei zu finden. Zwischendrin wird ihr Leben von den so genannten Ajattaras bewertet. Diese sind Märchenfiguren, welche Jennys Leben bewerten und sie lenken. Mir persönlich hat das Buch nicht so gut gefallen. Der Wechsel zwischen der Sichtweise der Ajattaras und der von Jenny hat mich verwirrt. Teilweise war das irgendwie aus dem Zusammenhang gerissen und nicht ganz logisch. Die Geschichte von Jenny ist aber schon spannend geschrieben, und es gibt immer wieder Rückblicke auf Ihr vergangenes Leben. Das Buch Cover gefiel mir sehr gut und spiegelt auch die Geschichte wider.

3

Mensch Jenny

Der Roman von Minna Rytisalo nimmt uns mit auf eine gut durchdachte Selbsttherapie.Ich habe das Buch an einem Nachmittag gemütlich weggelesen. Dies liegt vor allem an dem, wie ich finde, sehr gelungenen Aufbau. Der Wechsel zwischen Storyline, den Ajattaras und den Selbsttherapiebriefen hat einen tollen Lesefluss kreiert, der er einen nicht losgelassen hat. Sehr gelungen finde ich, dass die Märchenfiguren ihre Vergangenheit selbst aufgearbeitet und bewertet haben, dabei auch ihre Realität aufgezeigt haben und somit auf ewig währende Missstände in Bezug auf das Frauenbild und Patriarchat hingewiesen haben. Allerdings waren diese Märchenfiguren für mich auch die treibende Kraft in dem Buch, die Protagonistin Jenny war mir an vielen Stellen doch etwas zu naiv und auch die Therapiearbeit (außer in Form der Briefe) blieb mir zu sehr auf der Strecke. Interessant war auch, dass ich mir bis zum Schluss nicht sicher war, ob die Ajattaras womöglich mehrere Ebenen der Persönlichkeit unserer Protagonistin widerspiegeln oder ob es sich doch um allwissende Erzähler handelt. Vielleicht macht das am Ende aber auch gar nicht den großen Unterschied. Alles in allem ein empowernder Read, der einen vieles hinterfragen lässt, thematisch wichtig ist und eine unglaublich tolle Erzählstruktur hat.

4.5

Minna Rytisalo ist mit „Zwischen zwei Leben“ ein stilles, poetisches und zugleich tiefgründiges Porträt einer Frau gelungen, die – mitten im Leben stehend – den Mut aufbringt, ihr bisheriges Leben zu verlassen und einen Neuanfang zu wagen. Jenny Mäki verlässt mit 48 ihren Ehemann und begibt sich auf eine Reise zu sich selbst, nicht laut, nicht dramatisch, sondern leise, tastend, reflektierend. Genau diese Unaufgeregtheit ist für mich eine der großen Stärken des Romans. Es ist kein wütendes feministisches Manifest, kein Abrechnen mit der Vergangenheit – vielmehr ein Suchen nach dem eigenen inneren Raum, der vielleicht zu lange zugunsten anderer verschlossen blieb. Rytisalo gelingt es, Jennys Aufbruch ohne Pathos, aber mit viel Feingefühl zu erzählen. Für Leser:innen, die sich in einer ähnlichen Lebensphase befinden – Ende vierzig, Anfang fünfzig – dürfte Jennys Geschichte besonders sinnbildlich erscheinen. Ein bemerkenswerter und aus meiner Sicht sehr gelungener Kniff ist die Einbindung von Märchenfiguren aus unserer aller Kindheit, die hier ihre eigene, weniger märchenhafte Geschichte erzählen dürfen. Was zunächst ungewöhnlich klingt, fügt sich erstaunlich stimmig in Jennys Reflexionsprozess ein – als Symbol für weibliche Selbstbilder, Rollenzuschreibungen und verschüttete Möglichkeiten. Ebenso originell wie gelungen sind die Briefe, die Jenny an Brigitte Macron schreibt – mal ernst, mal augenzwinkernd, stets klug. Sie verleihen der Erzählung eine weitere Ebene, die ich persönlich sehr mochte. „Zwischen zwei Leben“ ist ein ruhiger, feinfühliger Roman über Selbstfindung, Veränderung und die Kraft des Neuanfangs – ohne große Gesten, aber mit umso mehr Tiefe. Eine klare Empfehlung von mir!

3.5

„Ich habe zu lange mit der Scham gelebt. Ich habe mich ihr angepasst, meinen Atem danach getaktet und sie mein ganzes erwachsenes Leben lang gestreichelt, um sie zu beruhigen. Jetzt schaffe ich das nicht mehr. Ich kann auch ohne sie leben.“ Jenni Mäki hat genug und tut, was sie schon lange hätte tun sollen: Sie verlässt ihren Ehemann nach fast 25 Jahren, der sie schon lange betrügt. Jetzt, mit 49 Jahren, muss sich Jenni eine neue Existenz aufbauen. Dazu gehört nicht nur eine eigene Wohnung und ein neuer Name, Jenny Hill, sondern auch die Emanzipation von ihren vielen Rollen, die sie lange verkörpert hat. Erstmal find ichs so schlau, dass Jenni/Jenny zwei verschiedene Namen bekommt, um ihr Selbst in vor und nach der Trennung einzuteilen — dadurch wird der Cut umso deutlicher, ebenso wie ihr Ziel, sich ein neues Leben aufzubauen. Jennys Entwicklung innerhalb des Romans ist subtil, eher langsam, was sie sehr authentisch macht. Sie lernt, alte Denkmuster loszulassen, ihren Mitmenschen Grenzen zu setzen und für sich einzustehen. Wir erfahren als Lesende nur so viel, wie Jenny uns wissen lassen möchte; da werden hin und wieder kleine Hints gegeben, bspw. als sie einen Mann kennenlernt. Dadurch lässt uns der Text einerseits hautnah an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben, wahrt aber auch hier ihre Grenzen — gegenüber uns, den Leser:innen. Jenny Hill und Jenni Mäki sind mir beide beim Lesen immer mehr ans Herz gewachsen; „Zwischen zwei Leben“ fühlt sich an wie ein Nachmittag mit einer Freundin, der man von ganzem Herzen das Beste wünscht, aber auch weiß, dass sie jedes noch so große Problem handeln kann. Ein Buch, aus dem man ganz selig rausgeht. 🫶🏻

3.5

Nachdem die erwachsenen Kinder aus dem Haus sind, fängt Jenni Mäki von vorne an. Sie trennt sich von ihrem Mann Jussi, der sie mit einer jüngeren Frau betrogen hat, ändert ihren Namen in Jenny Hill und muss lernen, als knapp 50-jährige Frau von vorne anzufangen. Minna Rytisalos Roman ist durchweg feministisch. Immer wieder webt sie gesellschaftliche Fragen in Jennys Geschichte ein. Im Grunde ist der Roman ein Rückblick auf Jennys Leben als Jenni Mäki, ihr Aufwachsen, ihre Rollenbilder, darauf, wie sie gelernt hat, Frau zu sein. Aber Rytisalos Roman behandelt vor allem auch viele Gefühle, die vorwiegend Frauen zugeschrieben werden. So wie etwa Scham - darüber, nicht genug zu sein, nicht genug Frau zu sein, nicht genug zu sein als Mutter, Ehefrau, Tochter. Oder auch Wut, die sich vor allem mit Jennys Emanzipation von ihrem alten Leben mit Jussi entwickelt. Begleitet wird Jenny dabei von den Ajattaras, Märchenfiguren wie Dornröschen, Schneewittchen und Rapunzel, die ihre Geschichten erzählen. Nicht so, wie sie in den Märchen erzählt werden, sondern so, wie sie laut ihnen wirklich stattgefunden haben. In denen waren sie rebellische, laute, sexuelle und auch fortschrittliche Frauen, die sich das genommen haben, was sie wollten. Es waren vor allem auch diese Geschichten, die ich wirklich sehr interessant und unterhaltsam fand und die mir dabei geholfen haben, an dem Buch dranzubleiben. Denn zwischendurch hat das Buch ein bisschen a Tempo verloren, ist ein bisschen dahingeplätschert, da die Story vor allem aus den Einblicken in Jennys Leben besteht. Dennoch hat mir "Zwischen zwei Leben" sehr gut gefallen! Es ist definitv ein Buch, dass mich zum Nachdenken angeregt hat, mit schöner Sprache und einer guten Story :)

2

Habe das Buch abgebrochen. Die Ajatarras waren eine süße Idee, aber es hat gestört, genau wie die Briefe. Wahrscheinlich bin ich noch etwas zu jung. Vielleicht werde ich es in 10 Jahren, wenn ich 45 bin nochmal versuchen.

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