Zwei Tage im Sommer
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Description
Book Information
Author Description
Lukas Pellmann wurde 1979 in Essen geboren und lebt seit seinem elften Lebensjahr in Wien. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft und ist u. a. als Journalist und Blogger tätig. Seit 2015 betreibt er den Blog www.booksinvienna.at, er hat einen Roman sowie zuletzt bei Emons eine Krimireihe über den Neusiedler See veröffentlicht. www.lukaspellmann.at
Posts
»Menschen lernen aus der Geschichte, die Menschheit tut das nicht.«
Nachdem amtliche Warnungen an ihm abgeprallt sind, konnte Simone ihren Mann Thorsten doch endlich noch überreden, zusammen mit ihrer siebenjährigen Tochter Nicola ihren Urlaub am Neusiedler See abzubrechen. Schließlich spitzt sich die Lage zwischen Ungarn und Österreich dramatisch zu und eine Eskalation scheint bevorzustehen. Doch als sie nach Deutschland zurückfahren wollen, werden sie von dem nun aufgebauten Grenzposten abgewiesen – es ist zu spät. Der junge ungarische Soldat Balázs Varga, Bruder des gefeierten Nationalhelden László, will nicht in dessen Fußstapfen treten und muss dennoch an die Front, wo er auf die deutsche Familie stößt und sie zu retten versucht. Zuletzt begegnen wir Svenja, die unverhofft eben jene Nicola – das junge Mädchen –, 25 Jahre später interviewen soll und das doch eine ganz andere Wendung nimmt. Wenn man am Anfang hinsichtlich der drei Perspektiven noch etwas verwirrt ist, legt sich das mit dem Verlauf des Buches und es wird klar, dass es zwar unterschiedliche Sichtweisen sind, aber schlussendlich eine zusammenhängende, wirklich großartig konstruierte dystopische Geschichte, die – leider – beklemmend nah an der Realität angesetzt, deswegen aber umso wichtiger zum Lesen ist. Schon von Beginn an wird man bei der Lektüre von einer bedrückenden Atmosphäre überschattet, die vom Autor bildlich hervorgerufen wird und seine Wirkung erzielt. Trotz allem blickt in diesen dunklen Zeiten immer wieder die ach so ersehnte Menschlichkeit hervor und es wird deutlich, dass es ein großes Anliegen des Autors war, diesen Roman zu schreiben. Während des Lesens bin ich sehr oft über Zitate gestolpert, die ich mir merken musste, weil sie unsere heutige Gesellschaft und das Miteinander treffend beschreiben. Zudem war ich wirklich überrascht, was für ein guter Autor Lukas Pellmann ist und wie er es schafft schwierige Themen einerseits feinfühlig, andererseits aber auch mit einem gewissen Weckruf zu bearbeiten und diese den Leser*innen detailgetreu nahezubringen.

Ein eindringlicher Roman über Kriegswirren im heutigen Burgenland. Dystopisch, aber doch auch realitätsnah. .
TW: Krieg, Tod, Traumata Das Burgenland, oder besser gesagt das ehemalige Westungarn, befindet sich in naher Zukunft in einem Ausnahmezustand. Die Lage eskaliert, Krieg bricht aus. Mittendrin befindet sich eine Urlauberfamilie aus Deutschland, die aufgrund einer Fehleinschätzung des Vaters Thorsten viel zu spät aus dem Kriegsgebiet aufbricht. Mutter Simone will mit ihm und ihrer siebenjährigen Tochter Nicola aus dem Krottenthal fliehen, doch die Grenzposten lassen sie nicht mehr durch. Aus einer anderen Perspektive erfahren wir von den Gedanken des jungen Soldaten Balász, der es als seine staatsbürgerliche Pflicht sieht, den Militärdienst abzuleisten. Viel lieber würde er seiner Tätigkeit als Nationalparkranger am Neusiedler See nachgehen und keine Waffe in der Hand halten. Doch auch er findet sich unvermittelt in den Kriegswirren wieder. Schnitt. Viele Jahre später interviewt die junge Journalistin Svenja die nun erwachsene Nicola Hansen zum 9-Tage-Krieg im Krottenthal. In der Erinnerung ist manches schwammig und doch werden unerwartete Geheimnisse aufgedeckt. In wechselnden Perspektiven, an die man sich erst allmählich gewöhnen muss, erzählt @lukas_pellmann von Kriegsszenarien, die angesichts des Krieges in der Ukraine und den Tenzenden der derzeitigen ungarischen Führung zu und von autokratischen Ländern leider doch nicht so weit entfernt scheinen. Ein dichter, zum Teil auch überladener Roman, der wertvolle Denkanstöße liefert und den Wunsch nach einem Leben in Frieden verstärkt. Doch auch bei dieser schweren Kost gibt es Lichtblicke, denn "was wären wir, wenn wir nicht an das Gute glaubten?" . . . #zweitageimsommer #lukaspellmann #gesellschaftsroman #buchtipp
Normalerweise wäre das Buch zwar nicht ganz mein Genre, Feelgood ist es definitiv auch nicht, dennoch hat es mich angelacht. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte beginnt recht harmlos mit Simone, Thorsten und deren Tochter Nicola, die ihre Sommerferien am Neusiedler See verbringen. Doch nach und nach bröckelt die Idylle als die Situation zwischen Österreich und Ungarn eskaliert und die drei schaffen es nicht mehr zurück nach Deutschland. Die Grenzen sind zu. Kurz darauf kreuzen sich die Wege von der jungen Familie und Balázs, einem ungarischen Soldaten, aus dessen Sicht man auch einige Kapitel liest. Die Sprache ist bildhaft und die Handlung so spannend, dass ich fast das Gefühl hatte, selbst am See zu stehen und die politische Spannung zu spüren, die alles auf den Kopf stellt. Die Charaktere sind authentisch geschrieben, sodass ich mitfiebern, mitleiden und mithoffen konnte. Besonders die Perspektive von Nicola, 25 Jahre später, fand ich spannend. Ein Buch, das unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Perfekt für alle, die Geschichten mit Tiefe und Relevanz mögen. Absolut lesenswert!

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber manchmal hab ich ordentliche geografisch-historische Wissenslücken. Dass das österreichische Burgenland deshalb auch mal ungarisch war, wusste ich bis zur Lektüre nicht. Der Autor setzt die Handlung aber dort an, um zu fragen: Was wäre, wenn in wenigen Jahren hier ein mehrtägiger Krieg zwischen Österreich und Ungarn ausbräche? Würde man die Anzeichen ernstnehmen? Und vor allem: Wie würde Jahrzehnte später darüber gesprochen? Der Roman ist in zwei Zeitebenen und vier Perspektiven unterteilt: Simone, Thorsten und Nicola verbringen in den 2030ern als junge deutsche Familie ihren Sommerurlaub entgegen diverser Warnungen im Burgenland und bleiben zwischen den Fronten hängen, wobei die nachfolgenden Ereignisse aus der Perspektive der Mutter Simone geschildert werden. Balázs ist ungarischer Soldat und Teil der in Österreich eingesetzten Truppe. Nicola, zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung noch im Kindergartenalter, berichtet dann auf der 2. Zeitebene 25 Jahre später einer Journalistin, Svenja, in einer Interviewsituation anlässlich einer Gedenkveranstaltung von den Ereignissen. Bei solchen Settings kann man sich ja manchmal fragen, was ein Buch neues zum Thema beizutragen hat: Gewalt und Krieg dominieren Sachbuch- und Belletristiklisten und Paul Lynch erhielt 2023 für Prophet Song den Pulitzer Preis. Polemische Stimmen fragten auch da, was denn jetzt so toll am Buch sei, ob Kriege erst nach Zentraleuropa verlegt werden müssten, damit die Dystopien wirken. Naja, ich mochte Lynchs Buch trotzdem und um zum Thema zurückzukommen: Auch Lukas Pellmanns Ansatz hat mir gut gefallen. Insgesamt fand ich vor allem drei Elemente einprägsam: - Die Frage, wie man als Eltern seinem Kleinkind in einer solchen Situation vermittelt, wie gefährlich das alles ist, ohne es krass zu verängstigen (während man selbst den Horror durchlebt) - Die generelle Verlogenheit vin [email protected] und radikalen Ideologien, die trotz ihrer Unlogik das Schlimmste in Menschen ansprechen - Die generelle Ignoranz europäischer Geschichte und vergangenen europäischen Konflikten gegenüber. Zu ersterem: Es gab im Buch Szenen, die mir wirklich krasse Gänsehaut verursacht haben. Besonders die Zeitebene des Konflikts selbst ist sehr atmosphärisch und Simone tut einem einfach nur leid, wenn sie ihre Tochter mit Pinguingeschichten ablenkt, während draußen das halbe Dorf niedergem.tzelt wird. Ich schreibe das so drastisch, weil auch im Buch kriegerische Gräueltaten sehr klar benannt werden, aber ohne, dass sie in Tr@uma P0rn abrutschen würden. Zu zweiterem: Gerade die Figur von Balázs fand ich stark, weil er als Bruder eines ungarischen Nationalhelden in eine Rolle geschoben wird, die er eigentlich nicht erfüllen will. Trotzdem zeigt Pellmann, dass es im Krieg einerseits sowas wie Unschuld unter (zumal angreifenden) Soldaten nicht gibt, weil sich alle mitschuldig machen, dass aber andererseits immer auch ein Handlungsspielraum besteht. Mehr dazu kommt von mir nicht, weil sonst Spoiler. Und zum Dritten: Man merkt dem Autor an, dass er Politikwissenschaft studiert hat. Gerade auf der Erzählebene mit Nicola und Svenja 25 Jahre nach dem Konflikt werden viele Dinge eingeordnet und natürlich muss man dabei an den Krieg Russl@nds gegen die Ukraine denken. Aber auch an die verdrängten Kriege in Europa, etwa Russl@nds Krieg gegen Georgien 2008. Denn auch an die von Pellmann erdachte zweitägige Auseinandersetzung erinnert sich 25 Jahre kaum jemand mehr. Obwohl noch sehr viel unaufgearbeitet ist. Aber auch an die verdrängten Kriege in Europa, etwa Russl@nds Krieg gegen Georgien 2008. Denn auch an die von Pellmann erdachte zweitägige Auseinandersetzung erinnert sich 25 Jahre kaum jemand mehr, obwohl noch sehr viel unaufgearbeitet ist und gerade darüber Kontinuitäten im russ. Expansionsdenken deutlich würden. Damit wird im Roman eine sehr ungewöhnliche Perspektive eingenommen, weil hier in doppelter Hinsicht in die Zukunft geblickt wird: Einerseits wird ein künftiger Konflikt auserzählt, andererseits die Jahrzehnte später einsetzende wissenschaftliche Beschäftigung und gesellschaftliche Thematisierung desselben. Das finde ich einerseits super spannend, andererseits hat mir aber tatsächlich gerade diese Erinnerungsebene nicht so ganz zugesagt. Das liegt aber eher daran, dass für mein Empfinden dort etwas zu viel ausbuchstabiert wurde, wenn etwa ein Historiker auftritt um für uns Leser*innen alles schön bequem einzuordnen. Ich verstehe total, dass man hier einen gewissen Kontext braucht, aber stellenweise wurde das mir zu erklärbärig und auch die Figur von Emre, der in dieser Ebene auftaucht, war mir zu glatt bzw. wurde mir die Geschichte dadurch etwas zu "rund". Diese Kritik ist aber definitiv keine, mit der ich sagen will, man solle das Buch nicht lesen. Ganz im Gegenteil, auch in unserem Leseclub war die Meinung hierzu deutlich positiv.
Ein Buch das ganz besonders Menschen lesen sollten die mit unserer Regierung unzufrieden ist. In erschreckender Weise zeigt Lukas Pellmann auf was passieren könnte. Er schreibt den Roman in Rückblick und das hat mich noch mehr betroffen gemacht, ja teilweise so aufgewühlt dass ich nicht sofort weiter lesen konnte.
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Lukas Pellmann wurde 1979 in Essen geboren und lebt seit seinem elften Lebensjahr in Wien. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft und ist u. a. als Journalist und Blogger tätig. Seit 2015 betreibt er den Blog www.booksinvienna.at, er hat einen Roman sowie zuletzt bei Emons eine Krimireihe über den Neusiedler See veröffentlicht. www.lukaspellmann.at
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»Menschen lernen aus der Geschichte, die Menschheit tut das nicht.«
Nachdem amtliche Warnungen an ihm abgeprallt sind, konnte Simone ihren Mann Thorsten doch endlich noch überreden, zusammen mit ihrer siebenjährigen Tochter Nicola ihren Urlaub am Neusiedler See abzubrechen. Schließlich spitzt sich die Lage zwischen Ungarn und Österreich dramatisch zu und eine Eskalation scheint bevorzustehen. Doch als sie nach Deutschland zurückfahren wollen, werden sie von dem nun aufgebauten Grenzposten abgewiesen – es ist zu spät. Der junge ungarische Soldat Balázs Varga, Bruder des gefeierten Nationalhelden László, will nicht in dessen Fußstapfen treten und muss dennoch an die Front, wo er auf die deutsche Familie stößt und sie zu retten versucht. Zuletzt begegnen wir Svenja, die unverhofft eben jene Nicola – das junge Mädchen –, 25 Jahre später interviewen soll und das doch eine ganz andere Wendung nimmt. Wenn man am Anfang hinsichtlich der drei Perspektiven noch etwas verwirrt ist, legt sich das mit dem Verlauf des Buches und es wird klar, dass es zwar unterschiedliche Sichtweisen sind, aber schlussendlich eine zusammenhängende, wirklich großartig konstruierte dystopische Geschichte, die – leider – beklemmend nah an der Realität angesetzt, deswegen aber umso wichtiger zum Lesen ist. Schon von Beginn an wird man bei der Lektüre von einer bedrückenden Atmosphäre überschattet, die vom Autor bildlich hervorgerufen wird und seine Wirkung erzielt. Trotz allem blickt in diesen dunklen Zeiten immer wieder die ach so ersehnte Menschlichkeit hervor und es wird deutlich, dass es ein großes Anliegen des Autors war, diesen Roman zu schreiben. Während des Lesens bin ich sehr oft über Zitate gestolpert, die ich mir merken musste, weil sie unsere heutige Gesellschaft und das Miteinander treffend beschreiben. Zudem war ich wirklich überrascht, was für ein guter Autor Lukas Pellmann ist und wie er es schafft schwierige Themen einerseits feinfühlig, andererseits aber auch mit einem gewissen Weckruf zu bearbeiten und diese den Leser*innen detailgetreu nahezubringen.

Ein eindringlicher Roman über Kriegswirren im heutigen Burgenland. Dystopisch, aber doch auch realitätsnah. .
TW: Krieg, Tod, Traumata Das Burgenland, oder besser gesagt das ehemalige Westungarn, befindet sich in naher Zukunft in einem Ausnahmezustand. Die Lage eskaliert, Krieg bricht aus. Mittendrin befindet sich eine Urlauberfamilie aus Deutschland, die aufgrund einer Fehleinschätzung des Vaters Thorsten viel zu spät aus dem Kriegsgebiet aufbricht. Mutter Simone will mit ihm und ihrer siebenjährigen Tochter Nicola aus dem Krottenthal fliehen, doch die Grenzposten lassen sie nicht mehr durch. Aus einer anderen Perspektive erfahren wir von den Gedanken des jungen Soldaten Balász, der es als seine staatsbürgerliche Pflicht sieht, den Militärdienst abzuleisten. Viel lieber würde er seiner Tätigkeit als Nationalparkranger am Neusiedler See nachgehen und keine Waffe in der Hand halten. Doch auch er findet sich unvermittelt in den Kriegswirren wieder. Schnitt. Viele Jahre später interviewt die junge Journalistin Svenja die nun erwachsene Nicola Hansen zum 9-Tage-Krieg im Krottenthal. In der Erinnerung ist manches schwammig und doch werden unerwartete Geheimnisse aufgedeckt. In wechselnden Perspektiven, an die man sich erst allmählich gewöhnen muss, erzählt @lukas_pellmann von Kriegsszenarien, die angesichts des Krieges in der Ukraine und den Tenzenden der derzeitigen ungarischen Führung zu und von autokratischen Ländern leider doch nicht so weit entfernt scheinen. Ein dichter, zum Teil auch überladener Roman, der wertvolle Denkanstöße liefert und den Wunsch nach einem Leben in Frieden verstärkt. Doch auch bei dieser schweren Kost gibt es Lichtblicke, denn "was wären wir, wenn wir nicht an das Gute glaubten?" . . . #zweitageimsommer #lukaspellmann #gesellschaftsroman #buchtipp
Normalerweise wäre das Buch zwar nicht ganz mein Genre, Feelgood ist es definitiv auch nicht, dennoch hat es mich angelacht. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte beginnt recht harmlos mit Simone, Thorsten und deren Tochter Nicola, die ihre Sommerferien am Neusiedler See verbringen. Doch nach und nach bröckelt die Idylle als die Situation zwischen Österreich und Ungarn eskaliert und die drei schaffen es nicht mehr zurück nach Deutschland. Die Grenzen sind zu. Kurz darauf kreuzen sich die Wege von der jungen Familie und Balázs, einem ungarischen Soldaten, aus dessen Sicht man auch einige Kapitel liest. Die Sprache ist bildhaft und die Handlung so spannend, dass ich fast das Gefühl hatte, selbst am See zu stehen und die politische Spannung zu spüren, die alles auf den Kopf stellt. Die Charaktere sind authentisch geschrieben, sodass ich mitfiebern, mitleiden und mithoffen konnte. Besonders die Perspektive von Nicola, 25 Jahre später, fand ich spannend. Ein Buch, das unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Perfekt für alle, die Geschichten mit Tiefe und Relevanz mögen. Absolut lesenswert!

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber manchmal hab ich ordentliche geografisch-historische Wissenslücken. Dass das österreichische Burgenland deshalb auch mal ungarisch war, wusste ich bis zur Lektüre nicht. Der Autor setzt die Handlung aber dort an, um zu fragen: Was wäre, wenn in wenigen Jahren hier ein mehrtägiger Krieg zwischen Österreich und Ungarn ausbräche? Würde man die Anzeichen ernstnehmen? Und vor allem: Wie würde Jahrzehnte später darüber gesprochen? Der Roman ist in zwei Zeitebenen und vier Perspektiven unterteilt: Simone, Thorsten und Nicola verbringen in den 2030ern als junge deutsche Familie ihren Sommerurlaub entgegen diverser Warnungen im Burgenland und bleiben zwischen den Fronten hängen, wobei die nachfolgenden Ereignisse aus der Perspektive der Mutter Simone geschildert werden. Balázs ist ungarischer Soldat und Teil der in Österreich eingesetzten Truppe. Nicola, zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung noch im Kindergartenalter, berichtet dann auf der 2. Zeitebene 25 Jahre später einer Journalistin, Svenja, in einer Interviewsituation anlässlich einer Gedenkveranstaltung von den Ereignissen. Bei solchen Settings kann man sich ja manchmal fragen, was ein Buch neues zum Thema beizutragen hat: Gewalt und Krieg dominieren Sachbuch- und Belletristiklisten und Paul Lynch erhielt 2023 für Prophet Song den Pulitzer Preis. Polemische Stimmen fragten auch da, was denn jetzt so toll am Buch sei, ob Kriege erst nach Zentraleuropa verlegt werden müssten, damit die Dystopien wirken. Naja, ich mochte Lynchs Buch trotzdem und um zum Thema zurückzukommen: Auch Lukas Pellmanns Ansatz hat mir gut gefallen. Insgesamt fand ich vor allem drei Elemente einprägsam: - Die Frage, wie man als Eltern seinem Kleinkind in einer solchen Situation vermittelt, wie gefährlich das alles ist, ohne es krass zu verängstigen (während man selbst den Horror durchlebt) - Die generelle Verlogenheit vin [email protected] und radikalen Ideologien, die trotz ihrer Unlogik das Schlimmste in Menschen ansprechen - Die generelle Ignoranz europäischer Geschichte und vergangenen europäischen Konflikten gegenüber. Zu ersterem: Es gab im Buch Szenen, die mir wirklich krasse Gänsehaut verursacht haben. Besonders die Zeitebene des Konflikts selbst ist sehr atmosphärisch und Simone tut einem einfach nur leid, wenn sie ihre Tochter mit Pinguingeschichten ablenkt, während draußen das halbe Dorf niedergem.tzelt wird. Ich schreibe das so drastisch, weil auch im Buch kriegerische Gräueltaten sehr klar benannt werden, aber ohne, dass sie in Tr@uma P0rn abrutschen würden. Zu zweiterem: Gerade die Figur von Balázs fand ich stark, weil er als Bruder eines ungarischen Nationalhelden in eine Rolle geschoben wird, die er eigentlich nicht erfüllen will. Trotzdem zeigt Pellmann, dass es im Krieg einerseits sowas wie Unschuld unter (zumal angreifenden) Soldaten nicht gibt, weil sich alle mitschuldig machen, dass aber andererseits immer auch ein Handlungsspielraum besteht. Mehr dazu kommt von mir nicht, weil sonst Spoiler. Und zum Dritten: Man merkt dem Autor an, dass er Politikwissenschaft studiert hat. Gerade auf der Erzählebene mit Nicola und Svenja 25 Jahre nach dem Konflikt werden viele Dinge eingeordnet und natürlich muss man dabei an den Krieg Russl@nds gegen die Ukraine denken. Aber auch an die verdrängten Kriege in Europa, etwa Russl@nds Krieg gegen Georgien 2008. Denn auch an die von Pellmann erdachte zweitägige Auseinandersetzung erinnert sich 25 Jahre kaum jemand mehr. Obwohl noch sehr viel unaufgearbeitet ist. Aber auch an die verdrängten Kriege in Europa, etwa Russl@nds Krieg gegen Georgien 2008. Denn auch an die von Pellmann erdachte zweitägige Auseinandersetzung erinnert sich 25 Jahre kaum jemand mehr, obwohl noch sehr viel unaufgearbeitet ist und gerade darüber Kontinuitäten im russ. Expansionsdenken deutlich würden. Damit wird im Roman eine sehr ungewöhnliche Perspektive eingenommen, weil hier in doppelter Hinsicht in die Zukunft geblickt wird: Einerseits wird ein künftiger Konflikt auserzählt, andererseits die Jahrzehnte später einsetzende wissenschaftliche Beschäftigung und gesellschaftliche Thematisierung desselben. Das finde ich einerseits super spannend, andererseits hat mir aber tatsächlich gerade diese Erinnerungsebene nicht so ganz zugesagt. Das liegt aber eher daran, dass für mein Empfinden dort etwas zu viel ausbuchstabiert wurde, wenn etwa ein Historiker auftritt um für uns Leser*innen alles schön bequem einzuordnen. Ich verstehe total, dass man hier einen gewissen Kontext braucht, aber stellenweise wurde das mir zu erklärbärig und auch die Figur von Emre, der in dieser Ebene auftaucht, war mir zu glatt bzw. wurde mir die Geschichte dadurch etwas zu "rund". Diese Kritik ist aber definitiv keine, mit der ich sagen will, man solle das Buch nicht lesen. Ganz im Gegenteil, auch in unserem Leseclub war die Meinung hierzu deutlich positiv.








