Working Class Daughters

Working Class Daughters

Book
3.510

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Description

Alles begann bei einem Gespräch in der Küche. Gerade war Didier Eribons Rückkehr nach Reims erschienen, das wir zu lesen versuchten, es aber immer wieder weglegen mussten. Zu nah waren die Erfahrungen an den eigenen Klassenwechseln, und doch fehlte da etwas. Je mehr wir unsere eigene Klassengeschichte befragten, desto mehr Freund:innen fielen uns ein, bei denen es ähnlich war. Wir entwickelten einen Fragebogen und fingen an, Interviews zu führen. Viele der Befragten erzählen von Migrationsgeschichten, sind queer und fast alle sind oder waren im Kunst- und Kulturbereich tätig. Alle sind oder waren einmal Töchter. In diesen Gesprächen werden Klasse mit Geschlecht, queerness, Arbeit, Migration, Widerstand und Sorge verschränkt. Das Buch behauptet eine andere Wirklichkeit, in der das Sprechen über Klasse nicht von Scham und Isolierung getragen wird, sondern Verbindungen schafft.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Book
Pages
120
Price
20.00 €

Author Description

Karolina Dreit ist selbst Arbeiter:innentochter und Postost-Migrantin, sie studierte u. a. Soziologie und ist nach vielen Umwegen als Künstlerin, Kulturarbeiterin und Lehrerin tätig. Sie interessiert sich für Arbeitskämpfe, Feminismen und Biographiearbeit als politische Praxis.

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Karolina Dreit und Kristina Dreit haben für "Working Class Daughters" (2024) mit Menschen gesprochen, die Klassismus erfahren haben. Dabei wird vor allem auch ein intersektionaler Blick darauf geworfen, dass sich Klassismus häufig mit anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus und Sexismus überschneidet. Viele der Befragten sind oder waren im Kunst- und Kulturbereich tätig. Gerade dort ist Klassismus oft unsichtbar, spielt aber eine große Rolle: Wer kann es sich leisten, jahrelang prekär bezahlt zu werden? Welche individuellen Konsequenzen hat es, wenn eine Förderung ausbleibt? Wenn Klassismus in der öffentlichen Debatte thematisiert wird, geht es häufig um "sozialen Aufstieg", der dann als individueller Erfolg erzählt wird. Dabei wird jedoch übersehen, dass ein Klassenwechsel für die meisten Menschen nicht möglich ist. Und auch für die "Aufsteiger*innen" ist der Klassenwechsel nicht nur positiv, sondern kann zu einer Entwurzelung und einer schmerzhaften Entfremdung von der Herkunftsfamilie führen: "Im geschichtslosen Raum neoliberaler Selbstverwirklichung musst du deine soziale Herkunft hinter dir lassen, wenn du eine (andere) Zukunft möchtest, so wie es Didier Eribon in seiner biografischen Erzählung 'Rückkehr nach Reims' beschreibt." (S. 13) Die Antworten der "Working Class Daughters" aus den Einzelinterviews wurden thematisch geordnet und so gestaltet, dass der Eindruck eines Gesprächs entsteht. Das Buch möchte einen Beitrag zur kollektiven Selbstermächtigung leisten, auch um die Scham zu überwinden, die das Sprechen über eigene Klassenerfahrungen oft begleitet. Während die Einleitung einen theroretischen Einstieg bietet, geht es im Übrigen um die individuellen Erfahrungen der Interviewten. Die Abwertung von Erfahrungswissen ist ein zentrales Element struktureller Diskriminierung. Genau hier setzt "Working Class Daughters" an, indem es den subjektiven Erfahrungen Raum gibt, gleichzeitig aber deren strukturelle Komponente betont, indem es sie thematisch geordnet nebeneinander stellt. Allein schon aufgrund der außergewöhnlichen Struktur lohnt sich die Lektüre.

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