Welches Zuhause

Welches Zuhause

Softcover
4.32

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Description

Die Wohnungsnot hält an und verschärft sich in einem der reichsten Länder der Welt. Sie braucht Geschichten. Wir erzählen sie. Kämpfe um Enteignung und Wohnraum brauchen eine konfrontative Literatur. Die Autor:innen stellen sich mit ihren Texten der Profitlogik in einem zentralen Lebensbereich entgegen: dem Zuhause. In zehn Erzählungen beschreiben sie die Not und Solidarität der Betroffenen von dem Standpunkt leidender Körper. Mit einer Wohnung verbindet man die Vorstellung von einem Ort des Privaten. Gleichzeitig ist Wohnen ein radikal politisches Verhältnis. Gebaut und vermietet wird, um Profit zu machen. Explodierende Mieten, beengte Wohnverhältnisse, Armenquartiere, Zwangsräumungen, die Unmöglichkeit, bezahlbaren Wohnraum zu finden, das sind Umstände, die gesellschaftlich gemacht und politisch gewollt sind. Erzählungen über Wohnungsnot haben eine lange Tradition. Sie beschreiben Wohnverhältnisse als Ausdruck sozialer Gewalt. Mit seinem neuen Erzählband knüpft das Literaturkollektiv nous an diese Tradition an. Die Wohnungsnot hält an und verschärft sich in einem der reichsten Länder der Welt. Sie braucht Geschichten.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Miscellaneous
Format
Softcover
Pages
96
Price
14.40 €

Author Description

Mesut Bayraktar, geb. 1990 in Wuppertal, ist Redakteur bei nous. Er ist Autor u.a. der Romane »Wunsch der Verwüstlichen« (2021), »Aydin – Erinnerungen an ein verweigertes Leben« (2021) sowie des Erzählungsbands »Die Lage« (2024) und der Theaterstücke »Die Belagerten« (2018) und »Gastarbeiter-Monologe« (2021).

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4.5

„Welches Zuhause“: Ein Sammelband zehn kurzer Erzählungen von zehn Autor*innen zirkuliert in seinen Auseinandersetzungen um das politische Verhältnis Wohnen. In erzählten Individualperspektiven werden jeweils multiple Dimensionen des politischen Verhältnisses zum zentralen Verhandlungsgegenstand – wie Wohnungsnot, zu teure Mieten, Obdachlosigkeit oder Wohnarmut grundsätzlich. »Ich habe das Gefühl, dass mich das Haus verschluckt, dass die Wände jede Nacht ein paar Zentimeter zusammenrücken, wenn ich schlafe, nur um mir am nächsten Tag das unbehagliche Gefühl eines kleinen, unscheinbaren Wahnsinns unterzujubeln.« (Essberger, S. 33) Die Erzählungen ordnen gesellschaftliche Kontexte ein, legen politische Machtstrukturen offen und benennen dadurch die soziale Gewalt, die auf die nach Wohnraum, Sicherheit und Geborgenheit Suchenden wirkt. Sie beschreiben schmerzlich körperliches wie psychisches Leid derjenigen, die geradeso in Wohnungen leben oder eben auch nicht leben (können). Sie prangern die schonungslose Brutalität der ausschließlich nach Profit strebenden Wohnungsmärkte an. Sie kritisieren die Ohnmacht und Ignoranz der bürgerlichen Politik. »Wir seien Plattenkinder, sagte sie grinsend und dann auf einmal ernst: Beton bekommt Risse, aber bricht nicht.« (Polzin, S. 84) „Welches Zuhause“ ist kein Anruf an eine bürgerliche Politik zu richten - es ist der Anruf an uns, die uns erdrückenden Widersprüche aufzudecken, die Wut artikulieren und kanalisieren zu können und dadurch eine Leidenschaft der Klasse der Unterdrückten zu entflammen. In der Wohnungsfrage liegt das elementar Verbindende, für das es sich lohnt, sich zu organisieren und die Eigentumsfrage zu stellen. »Es gibt nur noch wenige Spuren, dass hier mal eine Baustelle war. Spuren verschwinden, aber unsere Geschichte ist in den Gebäuden erstarrt. Sie müssten die Häuser schon abreißen.« (Tybel, S. 107) Ich war von jeder einzelnen Erzählung beeindruckt. Stilistisch verschieden, menschlich nahbar und trotzdem lese ich in jeder Zeile die Wut und den Kampf gegen die Verhältnisse heraus.

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