Welches Zuhause
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Description
Book Information
Author Description
Mesut Bayraktar, geb. 1990 in Wuppertal, ist Redakteur bei nous. Er ist Autor u.a. der Romane »Wunsch der Verwüstlichen« (2021), »Aydin – Erinnerungen an ein verweigertes Leben« (2021) sowie des Erzählungsbands »Die Lage« (2024) und der Theaterstücke »Die Belagerten« (2018) und »Gastarbeiter-Monologe« (2021).
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„Welches Zuhause“: Ein Sammelband zehn kurzer Erzählungen von zehn Autor*innen zirkuliert in seinen Auseinandersetzungen um das politische Verhältnis Wohnen. In erzählten Individualperspektiven werden jeweils multiple Dimensionen des politischen Verhältnisses zum zentralen Verhandlungsgegenstand – wie Wohnungsnot, zu teure Mieten, Obdachlosigkeit oder Wohnarmut grundsätzlich. »Ich habe das Gefühl, dass mich das Haus verschluckt, dass die Wände jede Nacht ein paar Zentimeter zusammenrücken, wenn ich schlafe, nur um mir am nächsten Tag das unbehagliche Gefühl eines kleinen, unscheinbaren Wahnsinns unterzujubeln.« (Essberger, S. 33) Die Erzählungen ordnen gesellschaftliche Kontexte ein, legen politische Machtstrukturen offen und benennen dadurch die soziale Gewalt, die auf die nach Wohnraum, Sicherheit und Geborgenheit Suchenden wirkt. Sie beschreiben schmerzlich körperliches wie psychisches Leid derjenigen, die geradeso in Wohnungen leben oder eben auch nicht leben (können). Sie prangern die schonungslose Brutalität der ausschließlich nach Profit strebenden Wohnungsmärkte an. Sie kritisieren die Ohnmacht und Ignoranz der bürgerlichen Politik. »Wir seien Plattenkinder, sagte sie grinsend und dann auf einmal ernst: Beton bekommt Risse, aber bricht nicht.« (Polzin, S. 84) „Welches Zuhause“ ist kein Anruf an eine bürgerliche Politik zu richten - es ist der Anruf an uns, die uns erdrückenden Widersprüche aufzudecken, die Wut artikulieren und kanalisieren zu können und dadurch eine Leidenschaft der Klasse der Unterdrückten zu entflammen. In der Wohnungsfrage liegt das elementar Verbindende, für das es sich lohnt, sich zu organisieren und die Eigentumsfrage zu stellen. »Es gibt nur noch wenige Spuren, dass hier mal eine Baustelle war. Spuren verschwinden, aber unsere Geschichte ist in den Gebäuden erstarrt. Sie müssten die Häuser schon abreißen.« (Tybel, S. 107) Ich war von jeder einzelnen Erzählung beeindruckt. Stilistisch verschieden, menschlich nahbar und trotzdem lese ich in jeder Zeile die Wut und den Kampf gegen die Verhältnisse heraus.

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Mesut Bayraktar, geb. 1990 in Wuppertal, ist Redakteur bei nous. Er ist Autor u.a. der Romane »Wunsch der Verwüstlichen« (2021), »Aydin – Erinnerungen an ein verweigertes Leben« (2021) sowie des Erzählungsbands »Die Lage« (2024) und der Theaterstücke »Die Belagerten« (2018) und »Gastarbeiter-Monologe« (2021).
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„Welches Zuhause“: Ein Sammelband zehn kurzer Erzählungen von zehn Autor*innen zirkuliert in seinen Auseinandersetzungen um das politische Verhältnis Wohnen. In erzählten Individualperspektiven werden jeweils multiple Dimensionen des politischen Verhältnisses zum zentralen Verhandlungsgegenstand – wie Wohnungsnot, zu teure Mieten, Obdachlosigkeit oder Wohnarmut grundsätzlich. »Ich habe das Gefühl, dass mich das Haus verschluckt, dass die Wände jede Nacht ein paar Zentimeter zusammenrücken, wenn ich schlafe, nur um mir am nächsten Tag das unbehagliche Gefühl eines kleinen, unscheinbaren Wahnsinns unterzujubeln.« (Essberger, S. 33) Die Erzählungen ordnen gesellschaftliche Kontexte ein, legen politische Machtstrukturen offen und benennen dadurch die soziale Gewalt, die auf die nach Wohnraum, Sicherheit und Geborgenheit Suchenden wirkt. Sie beschreiben schmerzlich körperliches wie psychisches Leid derjenigen, die geradeso in Wohnungen leben oder eben auch nicht leben (können). Sie prangern die schonungslose Brutalität der ausschließlich nach Profit strebenden Wohnungsmärkte an. Sie kritisieren die Ohnmacht und Ignoranz der bürgerlichen Politik. »Wir seien Plattenkinder, sagte sie grinsend und dann auf einmal ernst: Beton bekommt Risse, aber bricht nicht.« (Polzin, S. 84) „Welches Zuhause“ ist kein Anruf an eine bürgerliche Politik zu richten - es ist der Anruf an uns, die uns erdrückenden Widersprüche aufzudecken, die Wut artikulieren und kanalisieren zu können und dadurch eine Leidenschaft der Klasse der Unterdrückten zu entflammen. In der Wohnungsfrage liegt das elementar Verbindende, für das es sich lohnt, sich zu organisieren und die Eigentumsfrage zu stellen. »Es gibt nur noch wenige Spuren, dass hier mal eine Baustelle war. Spuren verschwinden, aber unsere Geschichte ist in den Gebäuden erstarrt. Sie müssten die Häuser schon abreißen.« (Tybel, S. 107) Ich war von jeder einzelnen Erzählung beeindruckt. Stilistisch verschieden, menschlich nahbar und trotzdem lese ich in jeder Zeile die Wut und den Kampf gegen die Verhältnisse heraus.





