Was man sät

Was man sät

Hardback
3.579
International BookerGormanSelbstmordGott

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Description

Kurz vor Weihnachten bemerkt die zwölfjährige Jas, dass der Vater ihr Kaninchen mästet. Sie ist sich sicher, dass es dem Weihnachtsessen zum Opfer fallen wird. Das darf nicht passieren. Also betet Jas zu Gott, dieser möge ihren älteren Bruder anstelle des Kaninchens nehmen. Am selben Tag bricht ihr Bruder beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein und ertrinkt. Die Familie weiß: Das war eine Strafe Gottes, und alle Familienmitglieder glauben, selbst schuld an der Tragödie zu sein. Jas flieht mit ihrem jüngeren Bruder Obbe und ihrer Schwester Hanna in das Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein, in eine Welt voll okkulter Spiele und eigener Gesetze, in der die Geschwister immer mehr den eigenen Sehnsüchten und Vorstellungswelten auf die Spur kommen.
Was bedeuten Familie, Glaube, Zusammenhalt? Wie kann man anderen beistehen, wenn man mit den eigenen Dämonen zu kämpfen hat? Marieke Lucas Rijneveld hat einen gewagten, einen kräftigen und lebendigen Roman geschrieben, der unsere innersten Gewissheiten hinterfragt.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
317
Price
22.70 €

Author Description

Lucas Rijneveld, 1991 in Nordbrabant geboren, gilt als die wichtigste junge niederländische Stimme. 2015 veröffentlichte er den preisgekrönten Lyrikband Kalbskummer, 2019 folgte Phantomstute. Für seinen Debütroman Was man sät erhielt Rijneveld 2020 den International Booker Prize, sein zweiter Roman Mein kleines Prachttier stand monatelang auf der Bestsellerliste. Rijneveld lebt in Utrecht.

Posts

10
All
2.5

Schwierige Themen, schwieriges Buch

Als Jas merkt, dass der Vater ihr Kaninchen mästet, bittet sie Gott, lieber ihren Bruder zu nehmen. Am gleichen Tag bricht dieser beim Schlittschuhlaufen im Eis ein und stirbt. Jas und ihre Geschwister bleiben mit ihrer Trauer und dem Verlust allein … Puh, bin ich froh, dass ich mit diesem Buch fertig bin. Und irgendwie habe ich jetzt das Bedürfnis lange zu duschen und in die Sonne zu gehen. Alles in diesem Roman hinterlässt das Gefühl einer schmierigen Schmutzschicht, zeitweise hat es mich bei dem Beschriebenen wirklich geekelt. Jas und ihre beiden Geschwister werden vernachlässigt, fast bis an den Rand der Verwahrlosung. Die Mutter verschwindet in ihrer Trauer von Tag zu Tag mehr, der Vater lebt nach Bibelversen und empfindet mehr Zuneigung zu seinen Kühen, als zu den Kindern. Die Themen sind neben Trauer und Trauerbewältigung vielfältig und durchweg düster. Tiere werden gequält und getötet, die Kinder quälen sich selbst und einander, bis zu sexuellem Missbrauch. Jas Sprache schwankt dabei zwischen kindlich naiv und vulgär, dabei fällt es schwer, Sympathie zu entwickeln, weil fast in jedem Satz irgendetwas Ekel auslösendes vorkommt, egal ob es um Mahlzeiten oder Körperausscheidungen geht. Empfehlen kann ich dieses Buch eigentlich überhaupt nicht. Die Themen sind durchaus wichtige, aber die Umsetzung finde ich persönlich einfach furchtbar. Wer es dennoch versuchen möchte, sollte als Leserin oder Leser absolut gefestigt sein, und mit den teils verstörenden Darstellungen umgehen können.

1

Anstrengend, verstörend, eklig... Das Buch benötigt Triggerwarnungen! Keine Ahnung, was ich da gelesen habe.

3

Derb, vulgär, morbide, schonungslos und gleichsam verletzlich. Eine leichte Urlaubslektüre war das definitiv nicht!

🧥💩🧼🍑🛐 Eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle, meistens leicht anwidernd. Dieses Buch verdient alle nur erdenklichen Triggerwarnungen: Das Einzige, was hier nicht vorkommt, ist Drogenmissbrauch. Ganz klar, schließlich sind die Hauptprotagonisten der Geschichte (allen voran die 12-jährige Jas) ja erst im frühen Teenager-Alter und wachsen „behütet“ auf dem elterlichen Bauernhof in einer streng Orthodox-calvinistischen Gemeinde auf… »Kaum haben Jas und ihre Familie von Matthies fatalem Unfall auf dem Eis erfahren, sind sie sich sicher: Das war eine Strafe Gottes. Alle Familienmitglieder glauben, selbst Schuld an der Tragödie zu tragen. Die Mutter hört auf zu essen, der Vater beschäftigt sich nur mehr mit dem Vieh im Stall. Und Jas flieht mit ihrem Bruder Obbe und ihrer Schwester Hanna in das Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsensein, in eine Welt voll okkulter Spiele und eigener Gesetze, in der die Geschwister immer mehr den eigenen Sehnsüchten und Vorstellungswelten auf die Spur kommen.« Es fällt mir schwer, mit eigenen Worten zu beschreiben, was hier passiert und ich weiß auch gar nicht, ob ich das überhaupt will. Daher sollen die unten aufgeführten Zitate helfen, die Geschichte der jungen Jas zwischen Pubertät, Vater und Gott, Geschwisterliebe und und sträflicher Vernachlässigung zu skizzieren. (Achtung, kann Spuren von Spoilern enthalten! Alle Zitate sind selektiert aus dem ursprünglichen Zusammenhang genommen und in der Reihenfolge größtenteils neu angeordnet!) Das Mädchen: Ich habe auch keine Sehnsucht nach Jungs, sondern nach mir selbst, so was darf man aber nie verraten, genau wie das Passwort für dein Nokia, damit keiner dich heimlich knacken kann. … Ich weiß nicht, was ich in meinen Gedanken will, außer dass Vater und Mutter wieder fröhlich werden und sich eines Tages wieder paaren, damit Mutter wieder isst und beide nicht sterben. Wenn ich diese Mission erfüllt habe, kann ich beruhigt auf die andere Seite. … Erst als mir der Tierarzt zuzwinkert, merke ich, dass meine Augen voller Tränen sind. Ich denke an die Naturkundestunde in der Schule über Neil Armstrong, den ersten Menschen auf dem Mond, daran, wie der sich gefühlt haben muss, als jemand sich zum ersten Mal in seinem Dasein die Mühe gemacht hat, ihm näher zu kommen. Vielleicht ist der Tierarzt auch ein Astronaut, und jemand wird sich endlich die Mühe machen nachzuschauen, wie viel Leben noch in mir ist. Ich hoffe auf ein gutes Gespräch. Nur weiß ich nicht, welchen Anforderungen ein gutes Gespräch genügen muss. … Es wird still. Nur die Gewalt in mir macht Lärm. Sie wächst und wächst, genau wie der Kummer. Nur verlangt Kummer nach mehr Raum, wie Belle gesagt hat, und Gewalt nimmt ihn sich einfach. … Als ich weggehe, hinterlasse ich eine Spur im Schnee. Immer öfter hoffe ich, dass jemand mich findet. Dass jemand mir hilft, mich selbst zu finden, und sagt: kalt, kalt, lau, warm, wärmer, heiß. Der Vater: »Niemand kann zwei Herren dienen: Er wird den ersten hassen und den zweiten lieben, oder er wird dem einen treu ergeben sein und den anderen verachten ...« Er vergaß, dass wir ja schon zwei Herren dienen: Vater und Gott. Ein dritter kann es kompliziert machen, aber darum kümmern wir uns später. … Vater steigt die Leiter wieder hinunter, ich blicke auf seinen Mittelscheitel, sein Kopf sieht aus wie ein Schlitzschraubenkopf. Manchmal würde ich ihn gern in den Boden bohren, damit er nur noch zwei Dinge tun kann: zuschauen und zuhören, sehr viel zuhören. … Zum ersten Mal merke ich, dass ich meine Muskeln ebenfalls angespannt habe und Vaters Kopf am liebsten wie eine Stahlfeder in die Tinte tauchen und dann einen hässlichen Satz damit schreiben würde oder einen, der von Matthies handelt und wie sehr ich ihn vermisse. Sofort erschrecke ich von meinen Gedanken, »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, gibt.« … Manchmal, wenn Vater mir Gute Nacht wünschen kommt, steckt er mir die Zunge ins Ohr. Das ist weniger schlimm als der Finger mit der grünen Seife, aber trotzdem. Ich weiß nicht, warum er das macht, vielleicht ist es so wie bei dem Deckel des Vanillepuddingpäckchens, den er jeden Abend mit der Zunge sauber leckt, sonst ist es eine Verschwendung, findet er, und genauso ist es vielleicht mit meinen Ohren, ich vergesse oft, sie mit einem Wattestäbchen zu reinigen. … Ich will nicht an Vaters Finger in mir denken und beiße von dem Donut ab, den er uns gerade gegeben hat. … Und einen ganz kurzen Moment lang hoffe ich, dass Vater zu mir kommt und mich fest an sich zieht, so dass sich die Druckknöpfe seines Overalls auf meiner Wange abzeichnen, so dass ich mich in dem Verlangen verlieren kann, ihn fest zu packen, doch das Einzige, worin ich mich jetzt verlieren kann, ist im Verlust. Der Tod: Ich weiß nicht, ob ich stark genug bin, dem Tod jetzt zu begegnen. Vor Gott dürfen wir nur in unserer Sonntagskleidung erscheinen, wie das beim Tod ist, weiß ich nicht. … Vater hat uns schon von klein auf vor Quecksilber gewarnt, das sei ein schneller Tod, sagte er. Dadurch habe ich gelernt, dass man langsam und schnell sterben kann und dass beides Vor- und Nachteile hat. … So wird sich der Tod anfühlen, wie ein endloser Fall ohne Wiederaufstehen. Die Schwester: Hannas Stimme klingt auf einmal verbittert. Ist sie eifersüchtig? Ich lege meine Hände links und rechts an ihre Hüften. Ein Schubs, und sie stürzt ins Wasser. Dann könnte ich sehen, wie Matthies unters Wasser geraten ist, wie das je hat passieren können. Und dann tue ich es. … Stühle können nicht sagen, wie sehr sie jemanden lieben. Und niemand weiß, dass ich es bin: Jacke, getarnt als Klappstuhl. … Die gelbe Strickmütze meiner Schwester versinkt langsam wie die untergehende Sonne. Ich will nicht, dass sie untergeht. Ich will mich wie ein Eispickel in sie bohren, mich an ihr festnageln. Ich will sie retten. Doch Stühle können nicht retten. Sie können nur schweigen und warten, bis jemand kommt und sich auf ihnen ausruht. … Ich stehe auf und verstecke die nasse Socke unter meinem Bett bei den nassen Unterhosen, setze die Kröten in meine Jackentasche und gehe in Hannas Zimmer. Die Tür ist angelehnt. Sie liegt mit dem Rücken zu mir. Ich gehe rein und schiebe meine Hand unter das Nachthemd, auf den unteren Teil ihres nackten Rückens. Sie hat Gänsehaut, es fühlt sich an wie eine Lego-Platte, ich könnte mich auf ihr festklicken und nie mehr loslassen. … Hanna antwortet nicht, und ich beginne mir Sorgen zu machen. Sie reckt ihr Kinn hoch, kneift die Augen zusammen, beißt sich auf die Unterlippe, stöhnt noch einmal und lässt sich neben mich fallen. Sie ist völlig verschwitzt, eine Haarsträhne klebt ihr seitlich am Gesicht. Es sieht so aus, als habe sie Schmerzen, und auch wieder nicht. Ich versuche, Erklärungen für ihr Verhalten zu finden. Kommt das daher. weil ich sie ins Wasser geschubst habe? Bricht sie gleich aus ihrer Haut wie ein Schmetterling aus seinem Kokon? Um danach an die Fensterscheibe zu knallen oder zwischen Obbes Händen zu sterben. … Wenn Vater uns so erwischt, wird er die Bibel aus der Esstischschublade nehmen und aus Römer lesen: »Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.« Mit ebendiesem Mund haben wir uns heute Nacht geküsst, Hanna drang mit ihrer Zunge bei mir ein, als suchte sie nach den Worten, die sie selbst nicht hatte. So kann man eine Sündenschuld dem Herzen verweigern, nie aber dem Haus. … Ich schüttle wild den Kopf. Küssen ist etwas für alte Leute, die machen das, wenn sie keine Worte mehr finden können, dann verschließen sie sich gegenseitig die Lippen.

0.5

Gehen auch 0,1 Sterne?

Wie fasse ich es zusammen? Kurzum, es war verstörend zu lesen, der Schreibstil schwierig, die Kindheit wie weggeblasen und das Herz so eingefroren, wie das ihrige am Ende. Wäre es nicht im Buchclub auf mich zugekommen, hätte ich es nie gelesen. Aber immerhin, nicht abgebrochen. Ich kann es leider nicht empfehlen...

4

Intensiv. Erschütternd. Verstörend. Damit könnte ich meine Rezension eigentlich bereits abschliessen. Dieses Buch ist definitiv nicht für jedermann/frau. Mich hat es verschlungen, zerkaut und dann wieder ausgespukt. Es hat mich an der Gurgel gepackt und fest zugedrückt. Und sich dabei amüsiert, wie ich immer wieder nach Luft schnappen musste. Wirklich furchtbar machte es für mich der Gedanke, dass diese Dinge geschehen. Nicht nur in fundamentalistischen Haushalten. Sondern überall. Ich wollte schreien. Die Eltern packen, durchschütteln. Und gleichzeitig taten sie mir unheimlich Leid und ich wusste nicht wohin mit meinem Mitleid. Ich konnte dem Sog dieses Buches nicht entkommen und ich spüre auch jetzt noch, wie es an mir zieht und reisst. Vor allem, nachdem ich den Schluss gelesen hatte. Auch frage ich mich konstant, wie viel davon vielleicht autobiographisch sein mag? Die erzählerische Dichte ist so stramm, dass da noch mehr dahinter liegen muss. Aber eigentlich bin ich noch immer sprachlos.

4

Jas ist 12 Jahre alt und lebt auf einem Bauernhof , erzogen in streng calvinistischem Glauben. Als ihr ältester Bruder bei einem Unfall stirbt, fühlt sie sich schuldig, kann jedoch mit niemandem darüber reden. Ihre Mutter hat vor Trauer aufgehört zu essen, ihr noch lebender Bruder entwickelt sich zum Sadisten und sie selbst kann ihre Jacke nicht mehr ausziehen aus Angst, dann krank zu werden. Aus der Perspektive Jas ' erleben wir wie eine Familie und deren Mitglieder immer weiter zerbrechen. Intensiv und verstörend.

5

Ein Mädchen wünscht sich den Tod ihres Bruders. Noch am selben Abend ist dieser tot - er bricht beim Schlittschuhfahren ins Eis ein. Damit beginnt eine verstörende Erzählung von Schmerz, Trauer und Menschen, die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Es ist die Geschichte einer Familie, die nach dem Tod eines Sohnes nach und nach zerfällt. Erzählt wird aus der Perspektive der 12 jährigen Jas. Zusammen mit ihren Eltern und ursprünglich drei Geschwistern lebt sie auf einem Bauernhof - irgendwo auf dem Lande. Oft hatte ich beim Lesen das Gefühl, es wird das trostlose (Über-)Leben einer armen Familie im 18. oder 19. Jahrhundert erzählt. Aber hier und da gab es kleine Hinweise auf Dinge wie Hello-Kitty-Schlanfanzüge, Cola und Internet. Umso bizarrer wirkt die ganze Szenerie und das Umfeld des Mädchens. Viele Male wollte ich das Buch weglegen - aus Abscheu, Ekel und vielleicht auch Wut, über eine Mutter die über den Tod des einen Kindes das Leben der anderen vergaß, über Kinder die Tiere aber auch einander quälen, über einen Vater und seine Art, Verstopfung beim Kind zu behandeln (lest selbst) und über die vielen Gedanken und Worte die nicht ausgesprochen und geteilt wurden. Ich fühlte mich immer wieder in eine Welt versetzt, die geprägt ist von Kälte, Sprachlosigkeit, Einsamkeit, Nebel, Dunkelheit. „Was man sät" gehört zugleich zu den Büchern, die mir trotz all dem Unbehagen noch lange im Kopf blieben. Denn letztendlich machen all diese Dinge - das Unbehagen, das Erschreckende und Schockierende - diesen Roman zugleich düster, verstörend aber auch berührend und sogar poetisch und daher zu einer unbedingten Leseempfehlung.

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4

Das Buch hat mich komplett verstört, war aber super interessant und ich konnte es nicht weglegen, egal wie sehr ich mich geekelt habe. Würde es wahrscheinlich kein zweites Mal lesen, würde aber auch nicht rückgängig machen, dass ich es gelesen habe.

3

Was zur Hölle? So in etwa würde ich dieses Buch zusammenfassen. Um diese äußerst fundierte Aussage ein bisschen zu erläutern, will ich mal versuchen, ein paar passende Worte zu finden. Alle Gedanken in meinem Kopf sind durcheinander. Ich bin verstört und verwirrt. Alles fühlt sich irgendwie schmutzig an, hat eine klebrige Patina und pappt dadurch in meinem Denken fest. Ich möchte diese Geschichte abschütteln, ganz so, wie man die Hand schüttelt, wenn man etwas Ekliges berührt hat. Das Buch hat mich heute Nacht sogar in meine Träume verfolgt. Ich schüttele selbst im Nachhinein immer wieder den Kopf über das Derbe, das Vulgäre, das sich durch die gesamte Handlung windet und mich im grausamen Würgegriff hält. Morbide Faszination. Düster. Nein, eher nachtschwarz. Beklemmend. Zerstörte Familie, kaputte Menschen. Risse, durch die kein Licht mehr scheint. Denn alles ist finster. Und eisig kalt.

4

Tw: physische und psychische Gewalt, Tod, suizidale-Gedanken, Depression, (sexueller) Missbrauch, Tierquälerei Wie geht man mit dem Tod (eines Familienmitglieds) um? Schon vor ein paar Wochen habe ich “Was man sät” von Marieke Lucas Rijneveld beendet. Seitdem hallt es in mir nach und es fällt mir schwer, eine vollkommene Empfehlung für dieses Debüt auszusprechen. Im Buch begleiten wir die zwölfjährige Jas, die in einer streng religiösen Familie auf einem Bauernhof irgendwo in den Niederlanden wohnt. Ihr Leben lief bisher nahezu normal ab, bis sie kurz vor Weihnachten ahnt, dass ihr Vater ihr Kaninchen mästet und schlachten möchte. Kurz entschlossen betet sie zu Gott und bittet ihn, doch lieber ihren Bruder anstelle des Kaninchen zu sich zu nehmen. Und Gott erhört Jas, denn noch am selben Tag bricht dieser ins Eis ein und ertrinkt. So steigen wir in die abgrundtiefe Handlung dieser Geschichte ein. Rijneveld schreibt in ihrem Debüt über die tiefsten Abgründe des Menschseins, über das Erwachsenwerden und über strengen Glauben, über Leere, Trauer und Zerissenheit. Und während des Lesens durchlebt man die verschiedensten Emotionen: Verstörtheit, Fremdheit, Ekel, Trauer, Fassungslosigkeit, aber auch Mitleid. Jedes Familienmitglied geht mit dem Verlust anders um, über den Tod wird jedoch nicht gesprochen, denn der Glaube verbietet dies. Letztlich zerbricht die Familie daran, woran vor allem die kindhafte Jas leidet, aus deren Perspektive wir die Handlung durchgängig verfolgen. Es ist bemerkenswert, was für Worte und Sätze die Autorin für die Gedanken der verstörten Zwölfjährigen findet. Durch den distanzierten und finsteren Schreibstil nimmt man die Geschichte unglaublich intensiv wahr und der Schreibstil festigt die Entfremdung der Protagonistin. Zu aller erst wirkt es so, als wäre die Tragödie der Auslöser für den Untergang der Familie. Nach und nach fällt einem jedoch auf, dass der Unfall die ungesunden bzw. schrecklichen Beziehungen nur schneller enthüllt. Obwohl das Buch verstörend und schwer zu ertragen ist und mich sprachlos zurückgelassen hat, bin ich dennoch zutiefst berührt und beeindruckt von diesem finsteren und sprachgewaltigen Debüt, welches definitiv nichts für schwache Nerven ist!

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