Warten auf die Barbaren
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Description
J. M. Coetzees früher Roman "Warten auf die Barbaren" (1980) gilt als eines der zentralen Werke des Autors. Das mehrfach ausgezeichnete Werk stellt die Frage nach Würde und Mitverantwortung des Einzelnen unter einem Regime, das sich über Recht und Anstand hinwegsetzt.
Book Information
Author Description
J. M. Coetzee, der 1940 in Kapstadt geboren wurde und von 1972 bis 2002 als Literaturprofessor in seiner Heimatstadt lehrte, gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Er wurde für seine Romane und sein umfangreiches essayistisches Werk mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, u. a. zweimal mit dem Booker Prize, 1983 für »Leben und Zeit des Michael K.« und 1999 für »Schande«. 2003 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Coetzee lebt seit 2002 in Adelaide, Australien.Literaturpreise:u.a.:Lannan Literary Award 1998, Booker Prize 1983 (für »Leben und Zeit des Michael K«.), Booker Prize 1999 (für »Schande«), Commonwealth Writers Prize 1999 (für »Schande«), ›Königreich von Redonda-Preis‹ 2001, Literaturnobelpreis 2003
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Man wundert sich vielleicht über die gute Bewertung, wenn man noch meinen ersten Leseeindruck im Kopf hat. So ist das, Rotwein auch erst mal atmen lassen oder durch den Mixer jagen (übrigens mache ich das auch mit meinem Kaffee - Luft reinarbeiten).... Das ist mit den Barbaren jetzt auch passiert. Gedankenmixer angeschoben und festgestellt, da gibts deutlich mehr als zunächst die zweite Hälfte für mich hergab. Coetzee spielt am Beispiel des Magistraten ein moralisch, ethisches Dilemma durch, das voller Verwirrungen, Unsicherheiten und Ambivalenzen ausgestattet ist. • Eine Hiobsgeschichte, in der der Mensch vor sich selbst tritt – geprüft, zur Selbstreflexion gezwungen und mit Erkenntnissen daraus hervorgeht - dennoch ohne Gott und Segnung ins Ungewisse blickt • Machtinstrumente / Feindbildschaffung – Foucault, Machiavelli • Entfremdung: Ein Gregor Samsa Moment – der Magistrat ein Mensch voller Selbstzweifel- Der Penis des Magistrats und seine Sexualität als Symbol für das Unterwusstsein. Fremd im eigenen Körper. Die eigene Lust nicht zulassen können und dies über die Lust des Anderen kompensieren- Insbesondere die sexuelle Beziehung zu dem Barbarenmädchen interpretiere ich als Ausdruck der Machtlosigkeit und Unsicherheit des Magistraten – jemand der sich selbst nicht annehmen kann und nicht in der Lage ist einen anderen Menschen wirklich zu sehen. Der in seinem Weltbild festhängt, nicht hinter den Vorhang blickt, die Unfähigkeit die Barbaren zu verstehen und damit auch für gescheiterte Entwicklungspolitik stehen kann. • Aufarbeitung und Umgang von und mit Vergangenheit/Historie : Der Magistrat, der aus Zeitvertreib die Klassiker liest: Flucht in die Vergangenheit ohne den Willen von Aufarbeitung und tieferem Verständnis - Passivität. Der Magistrat, der seine Ruhe haben will, sein friedliches Leben – die Lüge, in ruhigen Zeiten- das Feststecken in Historie, von der eigenen Geschichte erdrückt und die Suche der Erlösung von ihr. Hier bin ich ganz stark an Sama Maanis Buch [b:Respektverweigerung - Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht.|28501973|Respektverweigerung - Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht.|Sama Maani|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1491037184l/28501973._SY75_.jpg|48655193] erinnert worden. Kapitel 1-3 haben mir am besten gefallen, da ich aktuell sehr auf Symbolik, kryptisches Erzählen und Interpretationsschlachten stehe. Die Natursymbolik aus Kapitel 3 ist phänomenal gut. Ab Kapitel 4 kommt er mehr ins Erzählen und ja, da bleib ich auch bei, interpretiert er sein Werk selbst. Das trifft nach wie vor nicht meinen Geschmack, verstehe aber, dass dies durchaus Sinn ergibt, da wir mit dem Magistraten einen Entwicklungsprozess der Selbsterkenntnis durchmachen, in dem die oben angeführten Punkte bearbeitet werden. Redundant wirkt es weiterhin auf mich, da die Gedanken des Magistrats immer wieder um dieselbe Problemstellung kreisen. Sprachlich und ästhetisch trifft das Buch nicht ganz meinen Geschmack. Mir ist das sprachlich zu einfach und schlicht gehalten. Insbesondere in Kombination mit den expliziten Gewaltszenen bekommt das einen unangenehm stumpfen Drive. Da sagt mir die sprachliche/ästhetische Bearbeitung in [b:Menschenkind|17902363|Menschenkind|Toni Morrison|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1368033513l/17902363._SY75_.jpg|736076] deutlich mehr zu. Der große Pluspunkt des Buches: Es ist auf ganz unterschiedliche weise lesbar und interpretierbar. Es rührt an, beschäftigt und quält.
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J. M. Coetzees früher Roman "Warten auf die Barbaren" (1980) gilt als eines der zentralen Werke des Autors. Das mehrfach ausgezeichnete Werk stellt die Frage nach Würde und Mitverantwortung des Einzelnen unter einem Regime, das sich über Recht und Anstand hinwegsetzt.
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J. M. Coetzee, der 1940 in Kapstadt geboren wurde und von 1972 bis 2002 als Literaturprofessor in seiner Heimatstadt lehrte, gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Er wurde für seine Romane und sein umfangreiches essayistisches Werk mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, u. a. zweimal mit dem Booker Prize, 1983 für »Leben und Zeit des Michael K.« und 1999 für »Schande«. 2003 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Coetzee lebt seit 2002 in Adelaide, Australien.Literaturpreise:u.a.:Lannan Literary Award 1998, Booker Prize 1983 (für »Leben und Zeit des Michael K«.), Booker Prize 1999 (für »Schande«), Commonwealth Writers Prize 1999 (für »Schande«), ›Königreich von Redonda-Preis‹ 2001, Literaturnobelpreis 2003
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Man wundert sich vielleicht über die gute Bewertung, wenn man noch meinen ersten Leseeindruck im Kopf hat. So ist das, Rotwein auch erst mal atmen lassen oder durch den Mixer jagen (übrigens mache ich das auch mit meinem Kaffee - Luft reinarbeiten).... Das ist mit den Barbaren jetzt auch passiert. Gedankenmixer angeschoben und festgestellt, da gibts deutlich mehr als zunächst die zweite Hälfte für mich hergab. Coetzee spielt am Beispiel des Magistraten ein moralisch, ethisches Dilemma durch, das voller Verwirrungen, Unsicherheiten und Ambivalenzen ausgestattet ist. • Eine Hiobsgeschichte, in der der Mensch vor sich selbst tritt – geprüft, zur Selbstreflexion gezwungen und mit Erkenntnissen daraus hervorgeht - dennoch ohne Gott und Segnung ins Ungewisse blickt • Machtinstrumente / Feindbildschaffung – Foucault, Machiavelli • Entfremdung: Ein Gregor Samsa Moment – der Magistrat ein Mensch voller Selbstzweifel- Der Penis des Magistrats und seine Sexualität als Symbol für das Unterwusstsein. Fremd im eigenen Körper. Die eigene Lust nicht zulassen können und dies über die Lust des Anderen kompensieren- Insbesondere die sexuelle Beziehung zu dem Barbarenmädchen interpretiere ich als Ausdruck der Machtlosigkeit und Unsicherheit des Magistraten – jemand der sich selbst nicht annehmen kann und nicht in der Lage ist einen anderen Menschen wirklich zu sehen. Der in seinem Weltbild festhängt, nicht hinter den Vorhang blickt, die Unfähigkeit die Barbaren zu verstehen und damit auch für gescheiterte Entwicklungspolitik stehen kann. • Aufarbeitung und Umgang von und mit Vergangenheit/Historie : Der Magistrat, der aus Zeitvertreib die Klassiker liest: Flucht in die Vergangenheit ohne den Willen von Aufarbeitung und tieferem Verständnis - Passivität. Der Magistrat, der seine Ruhe haben will, sein friedliches Leben – die Lüge, in ruhigen Zeiten- das Feststecken in Historie, von der eigenen Geschichte erdrückt und die Suche der Erlösung von ihr. Hier bin ich ganz stark an Sama Maanis Buch [b:Respektverweigerung - Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht.|28501973|Respektverweigerung - Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht.|Sama Maani|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1491037184l/28501973._SY75_.jpg|48655193] erinnert worden. Kapitel 1-3 haben mir am besten gefallen, da ich aktuell sehr auf Symbolik, kryptisches Erzählen und Interpretationsschlachten stehe. Die Natursymbolik aus Kapitel 3 ist phänomenal gut. Ab Kapitel 4 kommt er mehr ins Erzählen und ja, da bleib ich auch bei, interpretiert er sein Werk selbst. Das trifft nach wie vor nicht meinen Geschmack, verstehe aber, dass dies durchaus Sinn ergibt, da wir mit dem Magistraten einen Entwicklungsprozess der Selbsterkenntnis durchmachen, in dem die oben angeführten Punkte bearbeitet werden. Redundant wirkt es weiterhin auf mich, da die Gedanken des Magistrats immer wieder um dieselbe Problemstellung kreisen. Sprachlich und ästhetisch trifft das Buch nicht ganz meinen Geschmack. Mir ist das sprachlich zu einfach und schlicht gehalten. Insbesondere in Kombination mit den expliziten Gewaltszenen bekommt das einen unangenehm stumpfen Drive. Da sagt mir die sprachliche/ästhetische Bearbeitung in [b:Menschenkind|17902363|Menschenkind|Toni Morrison|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1368033513l/17902363._SY75_.jpg|736076] deutlich mehr zu. Der große Pluspunkt des Buches: Es ist auf ganz unterschiedliche weise lesbar und interpretierbar. Es rührt an, beschäftigt und quält.






