Villette

Villette

Hardback
3.842

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Description

Ohne Freunde und Familie verlässt Lucy Snowe England, um in einem Mädcheninternat in der belgischen Kleinstadt Villette als Englischlehrerin zu arbeiten. Einfühlsam, aber entschlossen kämpft Lucy mit Gefühlen der Isolation und verzweifelt an ihrer Beziehung zu dem englischen Schularzt und dann zu dem strengen Professor Paul Emanuel. Charlotte Brontës autobiografischer Roman basiert auf ihren eigenen zutiefst unglücklichen Erfahrungen als Gouvernante in Brüssel und ist eine eindringliche Studie über Einsamkeit und Isolation und den Schmerz unerwiderter Liebe.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
752
Price
13.00 €

Posts

8
All
4.5

Darstellung von Einsamkeit

Villette von Charlotte Brontë ist ein Roman, der sich anfühlt wie stille Einsamkeit. Die Autorin gibt den Lesern bei "Jane Eyre" zumindest noch Romantik, Dramatik und emotionale Katharsis. Villette dagegen verweigert Trost fast konsequent. Dieser Roman möchte nicht gefallen. Er möchte verstanden werden. Und vielleicht macht ihn gerade das zu einem starken Werk. Lucy Snowe gehört für mich zu den faszinierendsten Erzählerinnen der klassischen Literatur. Sie ist intelligent, scharf beobachtend und emotional unglaublich kontrolliert. Während viele viktorianische Heldinnen ihre Gefühle offen ausdrücken, wirkt Lucy beinahe verschlossen gegen ihre eigene Innenwelt. Und genau das macht sie so real. Sie erzählt ihre Geschichte nicht ehrlich im klassischen Sinn. Sie verschweigt Dinge. Weicht aus. Formuliert Gefühle indirekt oder versteckt sie hinter Ironie. Als Leser hat man ständig das Gefühl, dass unter ihren Worten noch eine zweite, viel verletzlichere Wahrheit liegt. Das erzeugt eine seltsame Form emotionaler Distanz. Es ist ein Werk über Einsamkeit, nicht über Romantik. Viele gehen vermutlich mit der Erwartung an Villette heran, einen weiteren viktorianischen Liebesroman zu lesen. Aber eigentlich interessiert sich Charlotte Brontë für etwas völlig anderes. Dieses Buch handelt von Einsamkeit. Nicht von dramatischer, poetischer Einsamkeit, sondern von stiller, alltäglicher Isolation. Lucy bewegt sich ständig unter Menschen und bleibt trotzdem emotional abgeschnitten. Genau das macht den Roman stellenweise fast schmerzhaft zu lesen. Brontë beschreibt das Gefühl, übersehen zu werden, mit einer Präzision, die selbst heute noch unangenehm aktuell wirkt. Es gibt in Villette keine große emotionale Sicherheit. Keine einfache Hoffnung. Selbst schöne Momente tragen immer eine gewisse Traurigkeit in sich. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum das Buch so lange nachhallt. Was mich besonders beeindruckt hat, war die Stimmung des Romans. Villette selbst — diese fiktionalisierte Version Brüssels — wirkt permanent fremd und leicht traumartig. Das Internat, die langen Flure, die religiösen Spannungen und die ständige soziale Beobachtung erzeugen eine Atmosphäre, die sich fast wie Gothic Horror anfühlt, aber nicht auf offensichtliche Weise. Das Unheimliche in diesem Buch entsteht selten durch große Ereignisse. Es steckt eher in Blicken, Schweigen und emotionaler Isolation. Selbst die berühmte Nonne wirkt weniger wie ein klassischer Geist und mehr wie eine Manifestation unterdrückter Gefühle. Charlotte Brontë schreibt Horror hier nicht als äußere Bedrohung, sondern als psychischen Zustand. Die Liebesgeschichte fühlt sich wohl absichtlich unbefriedigend an. Auch die Romantik in Villette funktioniert völlig anders als in vielen klassischen Romanen. Die Beziehung zwischen Lucy und Monsieur Paul besitzt durchaus emotionale Intensität, aber sie wirkt nie idealisiert. Zwischen den beiden bleibt immer Distanz. Missverständnisse, Stolz und emotionale Zurückhaltung verhindern echte Einfachheit. Das Interessante ist: Brontë scheint sich viel stärker für Sehnsucht zu interessieren als für Erfüllung. Liebe erscheint in diesem Roman nie als Rettung. Eher wie etwas Zerbrechliches, das jederzeit verschwinden kann. Und das Ende… ehrlich gesagt glaube ich, dass genau dieses Ende perfekt zu Villette passt und dann auch wieder nicht 🤣 Charlotte Brontë verweigert ihren Lesern bewusst eine klare emotionale Auflösung. Kein großes Happy End. Keine vollständige Katharsis nach all den unzähligen Seiten. Ich verstehe aber vollkommen, warum manche Leser Schwierigkeiten mit Villette haben, denn der Roman ist langsam. Melancholisch. Emotional verschlossen. Manchmal wirkt Lucy fast frustrierend passiv, und die Handlung entfaltet sich deutlich weniger dramatisch als in Jane Eyre. Außerdem verlangt das Buch Geduld. Vieles wird nur angedeutet statt ausgesprochen. Aber genau darin liegt auch seine Stärke. Villette fühlt sich nicht wie ein künstlich konstruiertes Drama an. Es fühlt sich wie ein echtes Bewusstsein an — kompliziert, widersprüchlich und oft einsam. Fazit Villette ist kein tröstlicher Roman. Charlotte Brontë schreibt hier keine klassische Liebesgeschichte und keine einfache Entwicklungserzählung. Stattdessen erschafft sie ein stilles, melancholisches Porträt emotionaler Einsamkeit. Lucy Snowe ist dabei eine der faszinierendsten und menschlichsten Erzählerinnen, die ich in klassischer Literatur erlebt habe — gerade weil sie sich nie vollständig entschlüsseln lässt. Dieses Buch ist nicht romantisch im klassischen Sinn. Nicht angenehm. Nicht leicht zugänglich. Aber es besitzt eine emotionale Ehrlichkeit, die viele modernere Romane nicht erreichen. Villette fühlt sich an wie ein langer Winterabend: still, dunkel, einsam — und unmöglich ganz zu vergessen.

Darstellung von Einsamkeit
4

Ein auf und ab…

Jane Eyre gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern - also wollte ich gern weitere Bücher von Charlotte Brontë lesen. Meine Wahl fiel dabei auf „Villette“. Das Buch ist ein sehr beeindruckendes Werk, welches das Leben einer modern denkenden Frau zu damaliger Zeit schildert. Lucy Snowe versucht ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und immer das beste aus der Situation zu machen. Ihre starken Gefühle hält sie dabei oft zurück. Dadurch wirkt so oft reserviert bis zynisch. Trotzdem zeigt sich, dass sie sich immer um ihre Mitmenschen kümmert, sie umsorgt, Interesse zeigt und ihnen keineswegs zur Last fallen möchte. Sie führt ein sehr einfaches Leben, versucht aber irgendwann ihren Traum zu verwirklichen. Das Buch führt den Leser durch ein ständiges auf und ab durch Lucys Gedanken und Gefühle. Mal wirklich langweilig, mal total verwirrend, mal sehr spannend. Irgendwann beginnt man sich mehr und mehr für Lucy zu freuen und ihr einfach nur das Beste im Leben zu wünschen. Dass sie endlich ankommt. Glücklich wird. Und je weiter man gelangt, desto mehr hat der Leser den Eindruck, dass genau das passiert. Lucy wird glücklich. Oder nur kurz? Oder gar nicht? Das Ende lässt den Leser ratlos und wirklich unglücklich zurück. Von einem offenen Ende kann nicht gesprochen werden. Eher nach der Möglichkeit, die Tatsachen zu verdrängen. Ich versuche es.

4

für die introvertierten

villette ist das letzte buch von charlotte bronte und halb-autobiografisch. die protagonistin lucy snowe hat niemanden, keine freunde oder familie, und beschließt nach frankreich zu gehen wo sie, vom schicksal geleitet, die stelle einer lehrerin annimmt. lucy leidet unter starken depressionen, ist selbstunsicher, im wesen introvertiert und sehr einsam. man bekommt tiefe einblicke in ihre gedanken- und gefühlswelt was lucy zu einem fehlerbehafteten aber menschlichen charakter macht. nicht wenige dialoge werden auf französisch geführt, was ich mit meinem staubigen a2 zertifikat gerade noch verstehen konnte. am ende des buches gibt es alle französischen begriffe & sätze ins deutsche übersetzt. villette ist von charlotte brontes romanen der ruhigste und weniger ereignisreich als shirley. ich habe ihn sehr genossen, aber wer von bronte noch nie etwas gelesen hat, dem empfehle ich zunächst jane eyre zu lesen.

4

Eine eigenartige Liebe

Nicht nur erleben wir, wie die Protagonistin Lucy ihren eigenen Lebensweg und die Liebe findet, die so eigenartig und unerwartet ist wie ich es bisher nie in einem Roman erlebt habe. Gleichzeitig ist meine persönliche Liebe zu dem Buch auch genauso unerwartet gewesen. Über Youtube bekam ich die Empfehlung das Buch zu lesen, habe mich aber nicht mit dem Inhalt befasst. Bis zur Hälfte ging es schleppend (im Durchschnitt 3% Lesefortschritt pro Tag) und ab der Hälfte begann ich mich in den Schreibstil und die Handlung zu verlieben und konnte bei den letzten 400(!) Seiten das Buch nicht mehr aus der Hand legen und las es innerhalb von 24h zu Ende. Ein Buch das mir wirklich ans Herz gewachsen ist und ich bin sehr froh es gelesen zu haben!

3

ich liebe die brontës, aber für dieses buch bin ich einfach zu sehr eine atheistin

auch wenn "jane eyre" von charlotte brontë eines meiner liebsten bücher ist, war dieses werk der autorin für mich das bisher schwächste der brontë-schwestern. wie immer konnte ich mich für die sprache sowie die eindrückliche beschreibung des lebens einer so einer intelligenten und einfühlsamen frau begeistern, die im noch stark rückschrittlichen zeitalter des 19. jahrhunderts lebt und doch eigentlich zu weit mehr bestimmt wäre. dabei lassen sich auch hier wieder viele kluge gedanken finden, die meiner meinung nach bis heute eine gewisse allgemeingültigkeit besitzen. allerdings konnte mich die geschichte einfach nicht so fesseln, weswegen sie sich für mich ziemlich gezogen hat. außerdem hat mir das thema religion zu viel raum eingenommen. viele der charaktere blieben für mich blass, und auch der männliche hauptcharakter war bis zum ende eher ein grobian, für den ich trotz einiger netter gesten kaum verständnis aufbringen konnte. dennoch mochte ich unsere protagonistin lucy sehr und empfand das ende des buches sowohl für sie als auch für mich als leserin als absolut versöhnlich. trotzdem würde ich das buch nicht unbedingt weiterempfehlen, ich denke, es ist eher etwas für echte brontë-ultras.

1

Das Buch hat mir nicht gefallen. Natürlich war der Schreibstil antiquiert und schwerer zu lesen als ein zeitgenössischer Roman. Das war auch nicht der Grund, warum ich es nicht mochte! Ich lese sehr gerne ab und zu mal Romane aus dieser Zeit z.B. von Jane Austen oder auch das Buch "Sturmhöhe" von Charlottes Schwester Emily Bronte und ihr Buch "Jane Eyre" haben mir sehr gut gefallen. Bei diesem Buch handelt es sich um einen Roman mit starken autobiographischen Bezügen. Es gefiel mir so wenig, da es einfach dadurch bestach, dass im ganzen Buch nahezu nichts interessantes passiert. Zudem wirft sie unwahrscheinlich viele französische Brocken in Form von wörtlicher Rede ins Buch hinein. Waren denn damals in der Mitte des 19. Jahrhunderts wirklich jeder Leser dieser mächtig? Ich bin es nicht und so hat das den Lesefluss erheblich gestört. Ich hatte den Eindruck, Charlotte Bronte wollte damit ihre Bildung demonstrieren... Des weiteren waren mir in diesem Roman wirklich alle Haupt- und Nebenpersonen unsymphatisch. Von ihren Mitmenschen zeichnet die Protagonstin Lucy Snowe ohnehin ein schlechtes Bild. Alle werden als mehr oder weniger einfältig, dumm oder langweilig betitelt. Ihre Vorgesetzte in der Schule in Villette Madame Beck spioniert in ihren persönliche Dingen herum, dies wird ohne Gegenwehr von ihr geduldet. Ihr Kollege Monsieur Paul ist ein versnobbter, eingebildeter Mensch, der andauernd versucht sie klein zu halten und jegliches Aufflammen von Selbstbewusstsein bei Lucy zu verhindern. Jedenfalls bis zu seiner wundersamen Verwandlung. Die meisten Schülerinnen sind einfältige und ungebildete Mädchen. Und so geht es in einem fort... Viele Rezensenten meinen, dass Lucy Snowe depressiv sei. Aber ich finde das nicht. Denn dann würde sie nicht dermaßen hochnäsig über alle anderen urteilen. Sie selbst bezeichnet sich zwar ständig als unscheinbar und grau und nicht liebenswert, betont aber ständig, dass ihr Wesen das richtige ist und alle anderen weit unter ihr stehen. Im Nachwort schreibt Sabrina Hausdörfer, dass die Schwestern Charlotte und Emily den Mitschülern in Brüssel als "komisch-altmodisches,vorurteilsbeladenes, überernst-langweiliges Spinster" galten und diesen Eindruck macht Lucy Snowe auch auf mich. Sie, die in Villette als Protestantin unter lauter Katholiken lebt, kommt mit deren Lebensbejahung und Feierlust überhaupt nicht klar und hält mit allem was sie aufbieten kann an dieser Verstocktheit fest. Auch in diesem Buch fiel mir wieder auf( wie schon bei "Jane Eyre"), wie schrecklich kaltherzig die Kinder in dieser Zeit erzogen wurden! Da muss man sich nicht fragen, woher diese kaltherzigen, freudlosen Erwachsenen kamen. Und selbst wenn Lucy einmal echtes Mitgefühl entgegengebracht wird und Madame Beck sie sanft überreden will, nach einem nahezu hysterischen Anfall ins Bett zu gehen, sie aber nicht will, wird es von Lucy Snowe als "Zusammenstoß bei dem Funken sprühten" bezeichnet. Am liebsten hätte ich diese Protagonstin mehrmals durchgeschüttelt, so hat sie mich aufgeregt...

4

Eine spannende Gemengelage. War mir die Heldin sympathisch? - Nein. Sie war wenig empathisch und vorurteilsbelastet. Fand ich ihre Männer attraktiv? - Oh, nein. Einer schlimmer als der andere. War die Handlung abwechslungsreich? - Eigentlich nicht. Aber trotzdem zieht der Roman einen in Lucys Gefühlswelt hinein und wirkt echt bis tragisch. Ein zufriedenes Leben haben am Ende alle, aber ihr scheint es verwehrt. Und der Roman ist ein spannendes Zeugnis seiner Zeit. Frauen waren offensichtlich autonomer, als man so denkt - oder die Ideologie vermittelt.

5

no book has ever left me so frustrated which in this case i deem an achievement

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