Untertauchen
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Description
Als sie Bilibin kennenlernt, der im gleichen Arbeitslager wie ihr Mann war, sucht sie seine Nähe. Es entspinnt sich eine zarte Zuneigung, doch enttäuscht wendet sie sich ab, als auch Bilibin nicht die Wahrheit, sondern das Verdrängen und Vergessen sucht.
Book Information
Author Description
Lydia Tschukowskaja, geboren 1907 in St. Petersburg, musste mitansehen, wie ihr Mann und viele ihrer Kollegen während des Stalin-Terrors verhaftet und umgebracht wurden. Ihre Erlebnisse verarbeitete sie literarisch unter anderem in Untertauchen (1947). 1974 wurde sie aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Erst 1988 konnten in Moskau Untertauchen und in Leningrad Sofia Petrowna erscheinen. Lydia Tschukowskaja starb 1996 in Peredelkino.
Posts
Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich emotional so bewegt hat. Lydia Tschukowskaja erzählt von den Hinterbliebenen und Überlebenden der Säuberungsaktionen unter Stalin. Selten habe ich ein Buch gelesen das die Hilfslosigkeit angesichts dieses erbarmungslosen Verwaltungsapparats, der Grausamkeiten und der perfiden Propaganda des Staats so greifbar und spürbar macht, ohne mit expliziter Darstellung von Folter oder Gewalt zu schocken. Tschukowskaja bleibt subtil, ruhig und melancholisch. Die verschneite Winterlandschaft läd auch den Leser ein unterzutauchen und sich von der Melancholie und Weite der russischen Seele mit tragen zu lassen. Man liest das Buch anders wenn man weiß, dass hier viel autobiographisches drin steckt. Der Mut der Autorin ein solches Werk inmitten des sowjetischen Terrors zu schreiben und zu veröffentlichen, ist einfach nur bewundernswert. Wenn man bedenkt, dass Tschukowskaja aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen wurde und wie leidenschaftlich sie in "Untertauchen" Dichtung und Dichter im Allgemeinen und von den Sowjets denunzierte Schriftsteller im Besonderen verteidigt, wächst mein Respekt umso mehr. Ein wunderschönes, leises Buch das umso lauter und länger nachklingt. "Und wie kommen wir bloß zu der Vorstellung, wir könnten einem Dichter immer und in allem folgen? Er ist uns doch weit voraus. Er ist von diesem Wald, von dieser Sprache, von diesem Volk geboren und uns allen vorausgeschickt worden."
Man kann ja ein Buch aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beurteilen. Nach Inhalt, Stil, Sprache, Spannungsbogen oder Lesevergnügen. Man kann es aber auch nach den Umständen der Veröffentlichung, nach der Geschichte hinter dem Buch beurteilen und genau das will ich hier machen. Daher besteht gar keine andere Möglichkeit diesem Werk weniger als 5 Sterne zu geben, denn ich habe selten so etwas Couragiertes gelesen. Untertauchen spielt in einem russischen Sanatorium, in dem die Schriftstellerin Nina ein paar Wochen zur Erholung Ende der 40er Jahre zur Zeiten Stalins verbringt. Das Buch befasst sich in der Rahmenhandlung mit dem Zusammentreffen mit anderen Mitpatienten und Bediensteten und weckt so Erinnerung an Manns Zauberberg oder Solschenizyns Krebsstation. Nina hat über 10 Jahre zuvor ihren Mann verloren, der verhaftet und angeblich in ein Arbeitslager gesteckt wurde, ohne die Möglichkeit zum Briefwechsel. Ein älterer Herr, mit dem sie ein freundschaftlich zärtliches Verhältnis während des Aufenthalts beginnt, stellt sich als Mensch heraus, der Arbeitslager kennt. Er macht Nina wenig Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrem Mann und sagt, dass der Sprachgebrauch der Anklage auf eine sofortige Erschießung schließen ließe. Nina will das nicht wahrhaben, klammert sich an das Leben, an die Hoffnung, an das Schöne in der Natur. Der Aufenthalt wirkt in der schneebedeckten Landschaft irgendwie surreal, wenn man bedenkt, welch ein Terror in dem Land zu dieser Zeit herrscht. Tschukowskaja hat eine wunderbare lyrische Sprache, die aber auch an manchen Stellen sehr abwechslungsreich ist und verschiedene Stilmittel zu Tage führt. Sehr bildhaften Landschaftsbeschreibungen stehen dann wieder kurze abgehakte Sätze und Wörter bei der Darstellung des Gefühlslebens gegenüber. Das macht das Lesen sehr interessant. Wenn man bedenkt, dass sie das Buch zu einer Zeit angefangen hat, als der Stalinismus noch in Russland herrschte und es beendete, als die Staatsmacht immer noch einen große Macht und Schrecken in der Zeit nach Stalin verbreitete, dann kann man nur Respekt zollen, vor diesen Mut der Autorin. Die Kritik am System ist auch nie plump, sondern immer wohl formuliert und etwas versteckt. Das Buch hat dann endgültig mich in den Bann gezogen, als ich im Nachwort ihre Rede vor dem Schriftstellerverband im Jahr 1974 las. Sie wurde an diesem Tag ausgeschlossen aus dem Verband und zuvor hielt sie eine bemerkenswert mutige Rede für die Freiheit. Was für eine beachtliche Frau, die fast ihr ganz Leben lang nicht ausreichend gewürdigt und veröffentlicht wurde. Erst Ende der 80er Jahre entdeckte man ihre Werke. Untertauchen ist hervorragendes Buch über die Angst, das Alleinsein, den Tod und die Liebe zu einem Menschen, der schon lange nicht mehr bei einem ist. Das hat mich bewegt.
Man kann ja ein Buch aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beurteilen. Nach Inhalt, Stil, Sprache, Spannungsbogen oder Lesevergnügen. Man kann es aber auch nach den Umständen der Veröffentlichung, nach der Geschichte hinter dem Buch beurteilen und genau das will ich hier machen. Daher besteht gar keine andere Möglichkeit diesem Werk weniger als 5 Sterne zu geben, denn ich habe selten so etwas Couragiertes gelesen. Untertauchen spielt in einem russischen Sanatorium, in dem die Schriftstellerin Nina ein paar Wochen zur Erholung Ende der 40er Jahre zur Zeiten Stalins verbringt. Das Buch befasst sich in der Rahmenhandlung mit dem Zusammentreffen mit anderen Mitpatienten und Bediensteten und weckt so Erinnerung an Manns Zauberberg oder Solschenizyns Krebsstation. Nina hat über 10 Jahre zuvor ihren Mann verloren, der verhaftet und angeblich in ein Arbeitslager gesteckt wurde, ohne die Möglichkeit zum Briefwechsel. Ein älterer Herr, mit dem sie ein freundschaftlich zärtliches Verhältnis während des Aufenthalts beginnt, stellt sich als Mensch heraus, der Arbeitslager kennt. Er macht Nina wenig Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrem Mann und sagt, dass der Sprachgebrauch der Anklage auf eine sofortige Erschießung schließen ließe. Nina will das nicht wahrhaben, klammert sich an das Leben, an die Hoffnung, an das Schöne in der Natur. Der Aufenthalt wirkt in der schneebedeckten Landschaft irgendwie surreal, wenn man bedenkt, welch ein Terror in dem Land zu dieser Zeit herrscht. Tschukowskaja hat eine wunderbare lyrische Sprache, die aber auch an manchen Stellen sehr abwechslungsreich ist und verschiedene Stilmittel zu Tage führt. Sehr bildhaften Landschaftsbeschreibungen stehen dann wieder kurze abgehakte Sätze und Wörter bei der Darstellung des Gefühlslebens gegenüber. Das macht das Lesen sehr interessant. Wenn man bedenkt, dass sie das Buch zu einer Zeit angefangen hat, als der Stalinismus noch in Russland herrschte und es beendete, als die Staatsmacht immer noch einen große Macht und Schrecken in der Zeit nach Stalin verbreitete, dann kann man nur Respekt zollen, vor diesen Mut der Autorin. Die Kritik am System ist auch nie plump, sondern immer wohl formuliert und etwas versteckt. Das Buch hat dann endgültig mich in den Bann gezogen, als ich im Nachwort ihre Rede vor dem Schriftstellerverband im Jahr 1974 las. Sie wurde an diesem Tag ausgeschlossen aus dem Verband und zuvor hielt sie eine bemerkenswert mutige Rede für die Freiheit. Was für eine beachtliche Frau, die fast ihr ganz Leben lang nicht ausreichend gewürdigt und veröffentlicht wurde. Erst Ende der 80er Jahre entdeckte man ihre Werke. Untertauchen ist hervorragendes Buch über die Angst, das Alleinsein, den Tod und die Liebe zu einem Menschen, der schon lange nicht mehr bei einem ist. Das hat mich bewegt.
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Als sie Bilibin kennenlernt, der im gleichen Arbeitslager wie ihr Mann war, sucht sie seine Nähe. Es entspinnt sich eine zarte Zuneigung, doch enttäuscht wendet sie sich ab, als auch Bilibin nicht die Wahrheit, sondern das Verdrängen und Vergessen sucht.
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Lydia Tschukowskaja, geboren 1907 in St. Petersburg, musste mitansehen, wie ihr Mann und viele ihrer Kollegen während des Stalin-Terrors verhaftet und umgebracht wurden. Ihre Erlebnisse verarbeitete sie literarisch unter anderem in Untertauchen (1947). 1974 wurde sie aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Erst 1988 konnten in Moskau Untertauchen und in Leningrad Sofia Petrowna erscheinen. Lydia Tschukowskaja starb 1996 in Peredelkino.
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Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich emotional so bewegt hat. Lydia Tschukowskaja erzählt von den Hinterbliebenen und Überlebenden der Säuberungsaktionen unter Stalin. Selten habe ich ein Buch gelesen das die Hilfslosigkeit angesichts dieses erbarmungslosen Verwaltungsapparats, der Grausamkeiten und der perfiden Propaganda des Staats so greifbar und spürbar macht, ohne mit expliziter Darstellung von Folter oder Gewalt zu schocken. Tschukowskaja bleibt subtil, ruhig und melancholisch. Die verschneite Winterlandschaft läd auch den Leser ein unterzutauchen und sich von der Melancholie und Weite der russischen Seele mit tragen zu lassen. Man liest das Buch anders wenn man weiß, dass hier viel autobiographisches drin steckt. Der Mut der Autorin ein solches Werk inmitten des sowjetischen Terrors zu schreiben und zu veröffentlichen, ist einfach nur bewundernswert. Wenn man bedenkt, dass Tschukowskaja aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen wurde und wie leidenschaftlich sie in "Untertauchen" Dichtung und Dichter im Allgemeinen und von den Sowjets denunzierte Schriftsteller im Besonderen verteidigt, wächst mein Respekt umso mehr. Ein wunderschönes, leises Buch das umso lauter und länger nachklingt. "Und wie kommen wir bloß zu der Vorstellung, wir könnten einem Dichter immer und in allem folgen? Er ist uns doch weit voraus. Er ist von diesem Wald, von dieser Sprache, von diesem Volk geboren und uns allen vorausgeschickt worden."
Man kann ja ein Buch aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beurteilen. Nach Inhalt, Stil, Sprache, Spannungsbogen oder Lesevergnügen. Man kann es aber auch nach den Umständen der Veröffentlichung, nach der Geschichte hinter dem Buch beurteilen und genau das will ich hier machen. Daher besteht gar keine andere Möglichkeit diesem Werk weniger als 5 Sterne zu geben, denn ich habe selten so etwas Couragiertes gelesen. Untertauchen spielt in einem russischen Sanatorium, in dem die Schriftstellerin Nina ein paar Wochen zur Erholung Ende der 40er Jahre zur Zeiten Stalins verbringt. Das Buch befasst sich in der Rahmenhandlung mit dem Zusammentreffen mit anderen Mitpatienten und Bediensteten und weckt so Erinnerung an Manns Zauberberg oder Solschenizyns Krebsstation. Nina hat über 10 Jahre zuvor ihren Mann verloren, der verhaftet und angeblich in ein Arbeitslager gesteckt wurde, ohne die Möglichkeit zum Briefwechsel. Ein älterer Herr, mit dem sie ein freundschaftlich zärtliches Verhältnis während des Aufenthalts beginnt, stellt sich als Mensch heraus, der Arbeitslager kennt. Er macht Nina wenig Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrem Mann und sagt, dass der Sprachgebrauch der Anklage auf eine sofortige Erschießung schließen ließe. Nina will das nicht wahrhaben, klammert sich an das Leben, an die Hoffnung, an das Schöne in der Natur. Der Aufenthalt wirkt in der schneebedeckten Landschaft irgendwie surreal, wenn man bedenkt, welch ein Terror in dem Land zu dieser Zeit herrscht. Tschukowskaja hat eine wunderbare lyrische Sprache, die aber auch an manchen Stellen sehr abwechslungsreich ist und verschiedene Stilmittel zu Tage führt. Sehr bildhaften Landschaftsbeschreibungen stehen dann wieder kurze abgehakte Sätze und Wörter bei der Darstellung des Gefühlslebens gegenüber. Das macht das Lesen sehr interessant. Wenn man bedenkt, dass sie das Buch zu einer Zeit angefangen hat, als der Stalinismus noch in Russland herrschte und es beendete, als die Staatsmacht immer noch einen große Macht und Schrecken in der Zeit nach Stalin verbreitete, dann kann man nur Respekt zollen, vor diesen Mut der Autorin. Die Kritik am System ist auch nie plump, sondern immer wohl formuliert und etwas versteckt. Das Buch hat dann endgültig mich in den Bann gezogen, als ich im Nachwort ihre Rede vor dem Schriftstellerverband im Jahr 1974 las. Sie wurde an diesem Tag ausgeschlossen aus dem Verband und zuvor hielt sie eine bemerkenswert mutige Rede für die Freiheit. Was für eine beachtliche Frau, die fast ihr ganz Leben lang nicht ausreichend gewürdigt und veröffentlicht wurde. Erst Ende der 80er Jahre entdeckte man ihre Werke. Untertauchen ist hervorragendes Buch über die Angst, das Alleinsein, den Tod und die Liebe zu einem Menschen, der schon lange nicht mehr bei einem ist. Das hat mich bewegt.
Man kann ja ein Buch aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beurteilen. Nach Inhalt, Stil, Sprache, Spannungsbogen oder Lesevergnügen. Man kann es aber auch nach den Umständen der Veröffentlichung, nach der Geschichte hinter dem Buch beurteilen und genau das will ich hier machen. Daher besteht gar keine andere Möglichkeit diesem Werk weniger als 5 Sterne zu geben, denn ich habe selten so etwas Couragiertes gelesen. Untertauchen spielt in einem russischen Sanatorium, in dem die Schriftstellerin Nina ein paar Wochen zur Erholung Ende der 40er Jahre zur Zeiten Stalins verbringt. Das Buch befasst sich in der Rahmenhandlung mit dem Zusammentreffen mit anderen Mitpatienten und Bediensteten und weckt so Erinnerung an Manns Zauberberg oder Solschenizyns Krebsstation. Nina hat über 10 Jahre zuvor ihren Mann verloren, der verhaftet und angeblich in ein Arbeitslager gesteckt wurde, ohne die Möglichkeit zum Briefwechsel. Ein älterer Herr, mit dem sie ein freundschaftlich zärtliches Verhältnis während des Aufenthalts beginnt, stellt sich als Mensch heraus, der Arbeitslager kennt. Er macht Nina wenig Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrem Mann und sagt, dass der Sprachgebrauch der Anklage auf eine sofortige Erschießung schließen ließe. Nina will das nicht wahrhaben, klammert sich an das Leben, an die Hoffnung, an das Schöne in der Natur. Der Aufenthalt wirkt in der schneebedeckten Landschaft irgendwie surreal, wenn man bedenkt, welch ein Terror in dem Land zu dieser Zeit herrscht. Tschukowskaja hat eine wunderbare lyrische Sprache, die aber auch an manchen Stellen sehr abwechslungsreich ist und verschiedene Stilmittel zu Tage führt. Sehr bildhaften Landschaftsbeschreibungen stehen dann wieder kurze abgehakte Sätze und Wörter bei der Darstellung des Gefühlslebens gegenüber. Das macht das Lesen sehr interessant. Wenn man bedenkt, dass sie das Buch zu einer Zeit angefangen hat, als der Stalinismus noch in Russland herrschte und es beendete, als die Staatsmacht immer noch einen große Macht und Schrecken in der Zeit nach Stalin verbreitete, dann kann man nur Respekt zollen, vor diesen Mut der Autorin. Die Kritik am System ist auch nie plump, sondern immer wohl formuliert und etwas versteckt. Das Buch hat dann endgültig mich in den Bann gezogen, als ich im Nachwort ihre Rede vor dem Schriftstellerverband im Jahr 1974 las. Sie wurde an diesem Tag ausgeschlossen aus dem Verband und zuvor hielt sie eine bemerkenswert mutige Rede für die Freiheit. Was für eine beachtliche Frau, die fast ihr ganz Leben lang nicht ausreichend gewürdigt und veröffentlicht wurde. Erst Ende der 80er Jahre entdeckte man ihre Werke. Untertauchen ist hervorragendes Buch über die Angst, das Alleinsein, den Tod und die Liebe zu einem Menschen, der schon lange nicht mehr bei einem ist. Das hat mich bewegt.








