The Mystery is: You are and you are not /Das Geheimnis ist: Du bist und Du bist nicht

The Mystery is: You are and you are not /Das Geheimnis ist: Du bist und Du bist nicht

Softcover

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Description

PROF. DR. RONALD HORWEGE Ein Kolumbus aus Leipzig Mehr als 40 Jahre bestand eine Grenze zwischen Ost und West, die Deutschland in der Mitte teilte. Eine Trennung von Menschen, Landschaften und Ideen. Die Menschen zu beiden Seiten des sogenannten Eisernen Vorhangs wußten wenig voneinander und hatten kaum Gelegenheit, einander kennenzulernen. In den letzten Jahren vor dem Fall der Berliner Mauer und in den ersten Jahren der Wiedervereinigung sind viele Kulturaustausche zwischen den Künstlern aus dem ehemaligen Ost- und Westblock hergestellt worden. Eine Organisation in den U.S.A., die viel zur Förderung der Kontakte unter diesen Künstlern geleistet hat, ist das 'Virginia Center for Creative Arts' auf dem Campus von Sweet Briar College, ein College in der Nähe von Lynchburg, Virginia. Durch deren Bemühungen sind zahlreiche Verbindungen zu Künstlergruppen in der ehemaligen Sowjetunion und in Osteuropa hergestellt worden. Gleichzeitig gibt es seitdem Möglichkeiten für Künstler in den USA, nach Europa zu reisen. Das Sweet Briar College hat aus diesen Vereinbarungen viel Nutzen gezogen, denn eine Vielzahl der Gastkünstler am VCCA hat Verbindung zum College aufgenommen. Durch diese Verbindungen zwischen dem College und dem VCCA habe ich als Professor für Germanistik etliche Künstler und Schriftsteller aus deutschsprachigen Ländern kennengelernt – aber bis vor kurzem nur die aus dem Westen. Dann erfuhr ich im August 1997 von der Ankunft eines Dichters aus einem der neuen Bundesländer. Ich lud die- sen Dichter zu einer Begegnung mit Studentinnen am SBC ein. RALPH GRÜNEBERGER, für mich ein Kolumbus aus Leipzig, akzeptierte bereitwillig diese Einladung. Nach dem Essen las er aus seinen Gedichten. Einige von den Teilnehmerinnen halten noch heute diesen Abend für einen von den angenehmsten, den sie überhaupt auf dem Sweet Briar College verbracht haben. Wer würde letzten Endes erwarten, auf einem kleinen College in Virginia die Gelegenheit zu bekommen, einen deutschen Dichter aus einem der fünf neuen Bundesländer kennenzulernen. Am darauffolgenden Wochenende veranstaltete das Sweet Briar College in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Haus in New York City ein Seminar für Deutschlehrer, bei dem die Teilnehmer die ganze Zeit nur Deutsch sprechen durften (immersion weekend). Für dieses Wochenende sollten dreißig Deutschlehrer von verschiedenen Oberschulen und Hoch- schulen in Virginia zwei Tage auf dem Campus verbringen, an Seminar-Aktivitäten teilnehmen und natürlich Deutsch sprechen. Als RALPH GRÜNEBERGER hörte, daß das Thema des Seminars 'Die deutschen Bundesländer' sein sollte, und daß eine der Gruppen beim Seminar vorhatte, Informationen über Sachsen zu sammeln, meldete er sich sofort freiwillig, an den Aktivitäten des Wochenendes teilzunehmen. Das machte er auch und noch mehr. Nachdem er am Samstag den ganzen Tag mit den Deutschlehrern gearbeitet hatte, nahm der Dichter eine Einladung an, am Abend einige von seinen Gedichten vorzulesen. Bei Virginia-Wein und Snacks hielt GRÜNEBERGER für die Seminarteilnehmer eine Dichterlesung und führte mit ihnen dann eine lange Diskussion über seine Situation und die der neuen Bundesländer. Durch seine Teilnahme an diesem Unternehmen lernte er seine erste amerikanische Germanistengruppe kennen, und viele dieser Deutschlehrer verbrachten zum ersten Mal einen Abend mit einem deutschen Dichter aus der ehemaligen DDR. So wurde er mit seinen Werken amerikanischen Deutschlehrern vorgestellt. Die Gedichte, die RALPH GRÜNEBERGER in Virginia verfaßt hat, sollten sowohl den deutschen als auch den amerikanischen Leser interessieren. Die Frische seiner Beobachtungen ist auffallend, und er bietet dem Leser auch viele Überraschungen. Die Mühle, die er in 'Old Virginia' beschreibt, existiert in Wirklichkeit. Man kann aber täglich daran vorbeifahren und auch gelegentlich da Mehl kaufen, ohne die Einzelheiten zu bemerken, die er im Gedicht darstellt. (Wenn einem so ein nettes Gedicht gewidmet ist, sollte man sich jedenfalls bemühen, die Mühle selbst besser ken-nenzulernen.) 'Nach Krieg' ist durch den Vergleich zwischen Amerikanern und Deutschen im Zweiten Weltkrieg besonders eindrucksvoll, und in 'Erste Nacht in Virginia' spürt man die Gefühle und Gedanken des Dichters bei seiner Ankunft in Amerika. In 'Potlatsch am Potamac' erteilt er Informationen über die Westküsten-Indianer, macht wenig schmei-chelhafte Bemerkungen über das amerikanische Bier und äußert seine Gefühle betreffs seiner zu Hause in Deutschland zurückgebliebenen Familie. Ein besonders interessantes Gedicht ist 'At Noon in Washington'. Indem der Dichter seinen ersten Dollar an den Bettler schenkt, spricht er diejenigen von den Lesern in Amerika (und in anderen Ländern) an, die vielleicht für die Not der Obdachlosen und Benachteiligten in dieser Welt blind geworden sind. Man kann durchaus in GRÜNEBERGERs Lyrik auch Einflüsse von modernen amerikanischen Dichtern spüren. Wer z.B. Werke von Dichtern wie ALLEN GINSBERG (1926-1997), WILLIAM CARLOS WILLIAMS (1883-1963) oder FRANK O’HARA (1926-1966) kennt, wird ohne viele Schwierigkeiten Verbindungen zu der Lyrik von GRÜNEBERGER feststellen. In gewisser Hinsicht ist somit auch die These zu vertreten, daß GRÜNEBERGERs Gedichte auch formell Amerika-Gedichte sind, d.h. Gedichte, die eine Affinität zur amerikanischen Gegenwartslyrik haben. Zu untersuchen bleibt, inwieweit ein Dichter, der in der DDR aufgewachsen ist und erst als Erwachsener seinen Anschluß an den Westen gefunden hat, von Dichtern aus dem Westen beeinflußt wurde und inwieweit er von ihnen entlehnte Ideen weiterentwickelt hat. Zum Schluß möchte ich nur die folgende Bemerkung machen: Auch wenn ich mich freue, die Gelegenheit gehabt zu haben, mit RALPH GRÜNEBERGER bei diesem Unternehmen mitzuarbeiten, bin ich mit meinen Übersetzungen nicht ganz zufrieden. Wie bei jeder Übersetzung eines Gedichts in eine andere Sprache können die in einer Sprache ausge-drückten Gefühle und Ideen in der Übersetzung nicht vollständig vermittelt werden. GRÜNEBERGER ist ein deutscher Dichter, und der echte poetische Ausdruck liegt in der deutschen Fassung seiner Gedichte. Die englische Fassung bleibt trotz meiner Bemühungen nur ein relativ schwaches Spiegelbild der deutschen Originalfassung. RALPH GRÜNEBERGERs erste Entdeckung Amerikas brachte diese Gedichtsammlung zur Sprache. Man kann hoffen, daß weitere Reisen noch viele weitere frische, neue, durch seine 'östlichen Augen' gemachte Beobachtungen zur Sprache bringen.

Book Information

Main Genre
Poetry & Drama
Sub Genre
N/A
Format
Softcover
Pages
64
Price
16.00 €