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Ingo Schulzes „Tasso im Irrenhaus“ ist ein schmaler Band mit drei konzentrierten Kunsterzählungen. In scheinbar beiläufigen Gesprächen mit Dissidenten, Schweiz-Hassern und einem sterbenden Maler zeigt Schulze, wie sich Moral, Politik und echte Verzweiflung ineinander verhaken. Seine Prosa ist unspektakulär, aber baut raffinierte Falltüren – jedes politisch klare Statement kippt beim nächsten Satz in Ambivalenz, jede Gewissheit über DDR, Gegenwart oder „Unrechtsstaat“ entlarvt sich als zu simpel für die Komplexität der Welt. So sind diese Geschichten zugleich Poetik-Seminare und zugleich sehr lesbare Künstlernovellen. Ist aber keine leichte Nebenbei Lektüre, ich habe das Delacroix Gemäldes im Netz gesucht, und überlegt, wer der Künstler und Dissident sein könnte. Wahrscheinlich nicht Wolfgang Hilbig?! Sondern eher eine Mischung, in der sich Erfahrungen verschiedener DDR-Dissidenten und West-Exilanten bündeln. Er funktioniert eher als Typus des „Ex-Dissidenten“, der von den alten wie den neuen Verhältnissen beschädigt wurde, als als Schlüsselroman-Porträt eines einzigen realen Künstlers. Dennoch, andere Schulze waren zugänglicher und haben mir damit besser gefallen.
Feb 22, 2026
Ingo Schulzes „Tasso im Irrenhaus“ ist ein schmaler Band mit drei konzentrierten Kunsterzählungen. In scheinbar beiläufigen Gesprächen mit Dissidenten, Schweiz-Hassern und einem sterbenden Maler zeigt Schulze, wie sich Moral, Politik und echte Verzweiflung ineinander verhaken. Seine Prosa ist unspektakulär, aber baut raffinierte Falltüren – jedes politisch klare Statement kippt beim nächsten Satz in Ambivalenz, jede Gewissheit über DDR, Gegenwart oder „Unrechtsstaat“ entlarvt sich als zu simpel für die Komplexität der Welt. So sind diese Geschichten zugleich Poetik-Seminare und zugleich sehr lesbare Künstlernovellen. Ist aber keine leichte Nebenbei Lektüre, ich habe das Delacroix Gemäldes im Netz gesucht, und überlegt, wer der Künstler und Dissident sein könnte. Wahrscheinlich nicht Wolfgang Hilbig?! Sondern eher eine Mischung, in der sich Erfahrungen verschiedener DDR-Dissidenten und West-Exilanten bündeln. Er funktioniert eher als Typus des „Ex-Dissidenten“, der von den alten wie den neuen Verhältnissen beschädigt wurde, als als Schlüsselroman-Porträt eines einzigen realen Künstlers. Dennoch, andere Schulze waren zugänglicher und haben mir damit besser gefallen.
Feb 22, 2026





