Sunset Flip

Sunset Flip

Hardback
4.05

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Description

Für Auggie Schnuck sieht die Zukunft so gut aus wie nie zuvor. Als Wrestler hat er fast alles erreicht. Mit Nadine, der Liebe seines Lebens, plant er ein gemeinsames Zuhause. Doch er traut seinem Glück nicht. Je besser es läuft, desto mehr verwandelt sich Auggie, der eigentlich zum Film will, in seine Figur ›The Aug‹. Ein raffiniert erzählter Roman über Träume, die wahr werden und an den Rand von Verstand und Wirklichkeit führen, über Künstlichkeit, Kampf und Zärtlichkeit.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
384
Price
26.80 €

Author Description

Joey Goebel, 1980 in Henderson, Kentucky, geboren, ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Musiker – ein weltweit gefeiertes Multitalent. Seine Romane ›Vincent‹, ›Freaks‹ und ›Heartland‹ wurden in 14 Sprachen übersetzt. Joey Goebel hat einen Sohn und lebt in Henderson, wo er englische Literatur unterrichtet.

Posts

3
All
5

Bin begeistert

Meiner Meinung nach gehört Joey Goebel zu den talentiertesten und unterschätztesten Autoren der Gegenwart und das beweist er auch mit diesem Roman wieder. Die Geschichte über einen Wrestling-Star, der mit inneren Dämonen zu kämpfen hat, überzeugte mich, von der ersten, bis zur letzten Seite. Die Anachronologische Erzählstruktur und die sehr gut geschriebenen Dialoge, helfen dem Roman enorm, ein sensationelles Pacing zu haben. Die Geschichte gibt einem so viele verschiedene Möglichkeiten verschiedene Emotionen durchzuleben. Ich war als Kind und jugendlicher selbst großer Fan vom Wrestling und hatte dementsprechend auch in den Beschreibungen der Kämpfe und storylines ein riesiges Vergnügen. Jedoch glaub ich auch, dass man als nicht Wrestling Fan, viel Freude an diesem großartigen Roman haben wird (auch wenn man vielleicht einige Fachbegriffe nachschlagen muss). Die Übersetzung und das Cover sind sehr gut und passend.

3

Selbstinszenierung, Erfolgsdruck und Tragik. Mit „Sunset Flip“ aus Diogenes Verlag bewegt sich Joey Goebel erneut in den Themen, die viele seiner Romane prägen: Menschen am Rand der Gesellschaft, zerstörerische Sehnsüchte und die Rolle in der Gesellschaft. Diesmal steht die Welt des Wrestlings im Mittelpunkt – eine Branche, in der Show und Realität ständig ineinander übergehen und die Realität vom purem Theater geprägt wird. Hauptfigur ist Auggie Schnuck, der unter seinem Wrestlingnamen „The Aug“ immer erfolgreicher wird. Eigentlich möchte er das Wrestling hinter sich lassen und Schauspieler werden, doch seine Karriere entwickelt sich genau in die entgegengesetzte Richtung. Gemeinsam mit seiner Freundin Nadine versucht er, sich ein normales Leben aufzubauen, während Ruhm, Leistungsdruck und Selbstinszenierung ihn zunehmend vereinnahmen. Der Roman zeigt eindringlich, wie Auggie immer stärker mit seiner Bühnenfigur verschmilzt. Die körperlichen Folgen des Wrestlings, der Umgang mit Steroiden und die psychische Belastung hinter der grellen Fassade spielen dabei eine große Rolle. Besonders gelungen ist die Darstellung dieser künstlichen Unterhaltungswelt, in der Gewalt zur Ware wird und echte Gefühle kaum noch Platz haben. Nadine fungiert dabei als Gegenpol zu Auggies Selbstzerstörung, auch wenn sie als Figur etwas zu wenig Raum erhält. Trotz der interessanten Grundidee bleibt „Sunset Flip“ jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Goebel macht seine Kritik an Medienkultur und Inszenierung oft sehr direkt deutlich. Vieles wird ausgesprochen, statt sich natürlich aus Handlung und Figuren zu entwickeln. Manche Passagen wirken unnötig wiederholend. Vor allem Auggies innere Konflikte drehen sich mehrfach um dieselben Gedanken, ohne dass sich seine Figur entscheidend weiterentwickelt. Auch die Begriffe und Vorgänge aus der Welt des Wrestlings nehmen zu großen Raum ein. Für die Fans von Wrestlings sicherlich sehr interessant und leicht verständlich, doch für Leser, die mit diesem Sport nichts anzufangen wissen, schwierig. Hinzu kommt, dass der Roman emotional eine gewisse Distanz wahrt. Auggie ist bewusst als schwierige, egoistische und destruktive Figur angelegt, was zwar zur Geschichte passt, aber das Mitfühlen erschwert. Gerade in den ruhigeren Momenten fehlt manchmal die emotionale Tiefe, die nötig wäre, um seine Krise wirklich greifbar zu machen. Nebenfiguren bleiben eher funktional und bekommen zu wenig eigene Konturen. Dennoch besitzt „Sunset Flip“ die typische Handschrift von Joey Goebel. Der trockene Humor, die melancholische Stimmung und der Blick auf kaputte Existenzen funktionieren weiterhin gut. Fans seiner früheren Bücher werden viele vertraute Motive erkennen: Menschen, die an ihren Rollen zerbrechen und verzweifelt versuchen, ihrem Leben Bedeutung zu geben. Die Wrestling-Thematik sorgt zwar für ein ungewöhnliches Setting, doch inhaltlich wiederholt der Roman manches, was Goebel in anderen Werken bereits stärker und präziser erzählt hat. Dadurch bleibt „Sunset Flip“ ein interessanter, aber nicht vollständig überzeugender Roman über Selbstinszenierung, Erfolgsdruck und Identitätsverlust.

4.5

Schein und Sein in der Wrestling Welt

Wrestling war für mich immer mehr Show als Sport. Als früherer Fan von 'Hogan Knows Best' (I know) wusste ich nur dass es schlecht für den Rücken ist. Was Wrestling einem Menschen abverlangt, zeigt der Roman 'Sunset Flip' sehr deutlich. Der sympathische und eher zurückhaltende Auggie sieht in seiner Verwandlung in den unberechenbaren und verwirrten 'The Aug' einerseits die Möglichkeit seiner Kindheit in Armut zu entfliehen, andererseits ein Sprungbrett in die Schauspielbranche. 300 Tage im Jahr ist er unterwegs und rackert sich ab, während seine Frau Nadine zurückbleibt. Der Stress, die hohen Erwartungen und der Druck, immer abzuliefern, fordern ihren Tribut: die Grenzen zwischen Auggie und The Aug verschwimmen. Mich hat das sehr an die Rollentheorie aus der Sozialpsychologie erinnert: Wir alle führen je nach sozialer Situation und damit verbundenen Erwartungen unterschiedliche Rollen aus. Gehen die Erwartungen zu weit auseinander, kann es zu einem Rollenkonflikt kommen. Genau das scheint bei Auggie zu geschehen - oder steckt in seiner Figur doch mehr von ihm selbst, als ihm lieb ist? Mir hat das Buch nach einigen Startschwierigkeiten sehr viel Freude bereitet. Es wird wenig zum Thema Wrestling erklärt, ich musste mir viel erschließen. Auch die langen Dialoge sind nicht immer leicht nachzuvollziehen. Unterm Strich fand ich die Handlung und die Protagonist:innen sensibel und fein gezeichnet. Ich kann es also empfehlen und würde 4,5/5⭐ geben!

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