Stunden wie Tage

Stunden wie Tage

Hardback
4.641

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
272
Price
25.70 €

Author Description

Shelly Kupferberg, geboren 1974 in Tel Aviv, ist in Westberlin aufgewachsen und hat Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften studiert. Sie ist Journalistin und moderiert für ›Deutschlandfunk Kultur‹ und ›RBB radio3‹ Sendungen zu Kultur und Gesellschaft. Ihr erstes Buch ›Isidor‹ war ein Erfolg bei Publikum und Presse. Shelly Kupferberg lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Posts

13
All
5

Sternebewertung fiktiv

Shelly Kupferberg hat mit Stunden wie Tage einen sehr eindrücklichen und emotionalen Roman über die Machtergreifung und den Nationalsozialismus geschrieben. Ich habe „Isidor“ damals ziemlich spät gelesen, nachdem der erste Hype vorbei war. Das hat mir gutgetan, weil ich mich viel intensiver auf die Geschichte einlassen konnte. Bei Stunden wie Tage wollte ich diesmal nicht so lange warten. Vor allem, weil ich die Nachbemerkungen zuerst gelesen habe und sofort das Gefühl hatte, ich möchte Martha kennenlernen. Diese Frau mit ihren eisblauen Augen und dem mehrfach geflickten blauen Mantel. Ich wollte verstehen, wer sie ist. Und im Nachhinein kann ich sagen, wir alle kennen jemanden wie Martha. Vielleicht aus der eigenen Familie, vielleicht aus dem Bekanntenkreis. Diese Menschen, die sich aufopfern, die fleißig sind, zuverlässig, vertrauenswürdig und denen das Glück trotzdem oft verwehrt bleibt. Martha ist genau so eine Person. Sie bekommt die Stelle als Hausbesorgerin im Haus Berkowitz, obwohl ihr die Erfahrung fehlt. Doch sie wächst schnell in diese Aufgabe hinein. Sie kümmert sich um alles, hält das Haus zusammen, sorgt für Ordnung und Struktur. Man spürt in jeder Zeile ihre Disziplin, ihre Sparsamkeit und ihre Haltung. Gleichzeitig begegnen wir in diesem Haus so vielen unterschiedlichen Figuren, skurril, eigen, lebendig. Besonders gefallen hat mir auch die Beziehung zu Willy. Dieses vorsichtige Kennenlernen, dieses Zögern, dieses langsame Öffnen. Und dann diese Selbstverständlichkeit, mit der sie zusammenfinden. Mit der Zeit ab 1933 verändert sich jedoch alles. Die Verfolgung jüdischer Menschen beginnt. Existenzen brechen weg. Menschen verlieren ihre Sicherheit, ihre Rechte und ihre Heimat. Die Familie Berkowitz zerfällt. Entscheidungen werden getroffen, die niemand wirklich treffen möchte. Und zurück bleiben diejenigen, die die Konsequenzen tragen müssen. Besonders intensiv war für mich die Beziehung zwischen Martha und Liane. Diese Nähe, dieses Vertrauen, fast wie zwischen Mutter und Tochter. Und als Liane verhaftet wird, hat mich das wirklich getroffen. Ab diesem Punkt wurde das Lesen schwer. Nicht, weil es schlecht geschrieben ist, sondern weil es so real ist. Ich musste oft schlucken und hatte mehr als einmal Tränen in den Augen. Diese Ohnmacht. Diese Ungerechtigkeit. Diese Brutalität gegenüber einem jungen Menschen, der einfach nur denkt, fühlt und lebt. Shelly Kupferberg schreibt eindringlich, klar und gleichzeitig sehr sensibel. Sie zeigt nicht nur die großen historischen Ereignisse, sondern vor allem die leisen, persönlichen Konsequenzen, wie Familien zerbrechen, wie Angst wächst und wie sich Leben unwiderruflich verändern. Ein emotional fordernder, sehr nahbarer Roman, der lange nachwirkt. Nicht leicht zu lesen, aber sehr wichtig.

Sternebewertung fiktiv
3

So nah und doch so weit

Eine Geschichte, die mich berührt hat – und gleichzeitig frustriert. Denn der Stoff ist so reich, so bewegend, dass ich mir so viel mehr gewünscht hätte. Martha mochte ich sehr. Ihre Geschichte ist eindrücklich und trägt einen durch das Buch. Und doch – der Schreibstil hat mich nie wirklich erreicht. So kühl, so emotionslos erzählt, dass eine Distanz entsteht, die ich nicht überwinden konnte. Genau das hat mich geschmerzt, weil das Potenzial da war. Ein paar Tränen sind trotzdem geflossen – die Geschichte ist stärker als die Sprache. Und weil es eine wahre Begebenheit ist, trägt sie noch einmal ganz anders.

So nah und doch so weit
3

Für den Einstieg habe ich tatsächlich etwas länger gebraucht – das Buch greift auf jeden Fall sehr emotionale Themen auf. Besonders bei der berlinerischen Mundart musste ich so oft an Shelly denken, als sie uns auf der Leipziger Buchmesse daraus vorgelesen und auch den Hintergrund sowie ihre Recherche dazu erzählt hat. Die Geschichte beruht nämlich tatsächlich auf wahren Begebenheiten, was sie nochmal besonders macht. Allerdings muss ich sagen, dass ich den Schreibstil etwas zu nüchtern fand. Dadurch konnte ich keine wirkliche Nähe zu Martha und den anderen Charakteren aufbauen. Gerade weil so viele emotionale Dinge passieren – vor allem in den ersten 60 Seiten – hätte ich mir gewünscht, mehr mitzufühlen. Leider hat mich das Buch dadurch nicht zu 100 % abgeholt.

Post image
5

🖤 STUNDEN WIE TAGE - Shelly Kupferberg - Diogenes - ET 25.03.2026 - 272 Seiten HAPPY RELEASE DAY ✨Leseempfehlung!✨ Worum geht‘s? Ein eindrucksvoller Roman über Menschen und deren Schicksale, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Fokus: Frauenschicksale, Kriegsgeschehen, Judentum, Nationalsozialismus, Widerstandskampf, 1940er-Jahre Autorenportrait: Shelly Kupferberg, geboren 1974 in Tel Aviv, ist in Westberlin aufgewachsen und hat Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften studiert. Sie ist Journalistin und moderiert für ›Deutschlandfunk Kultur‹ und ›RBB radio3‹ Sendungen zu Kultur und Gesellschaft. Ihr erstes Buch ›Isidor‹ war ein Erfolg bei Publikum und Presse. Shelly Kupferberg lebt mit ihrer Familie in Berlin. Mein Leseeindruck: Berlin, in den 1940er-Jahren: Die junge Martha aus einfachem Haus ist fleißig, fürsorglich und sparsam – Eigenschaften, die sie zur idealen Hausbesorgerin im Schöneberger Mietshaus der jüdischen Familie Berkowitz machen, welchem sie ein Leben lang verbunden sein wird. Stieftochter Liane, ein aufgeschlossenes Mädchen und Mutter einer Russin, geht gerne bei Martha und ihrem Ehemann Willy ein und aus, wird zum Ersatzkind. -„Stunden wie Tage ist ein Roman, welcher gleichzeitig Zeitgeschichte und Schicksale vereint. Kupferberg verhandelt eine ruhige, eindringliche Geschichte anhand zweier Frauen, deren Leben miteinander verwoben sind, mit glaubwürdigen, liebenswerten Protagonisten und gut eingebetteten historischen, auf wahren Begebenheiten beruhenden Details, die in Erinnerung bleibt. Wer historische Romane mit authentischen Figuren, subtiler Spannung und einem warmen, unaufgeregten Schreibstil schätzt, wird dieses Buch lieben. Eine klare Leseempfehlung für alle, die in diese Zeit eintauchen möchten, ohne dass die Handlung übertrieben dramatisiert ist. Hat dir mein Beitrag gefallen? Dann folge mir gerne, um weitere Besprechungen zu erhalten. Eine schöne Bestätigung ist es natürlich auch immer, wenn ein Buch abgespeichert wird in deine Wunschliste!

Post image
4.5

Wenn ein stilles Leben plötzlich Geschichte erzählt

Manchmal sind es nicht die lauten Heldengeschichten, die am tiefsten treffen, sondern die leisen Leben, die fast übersehen werden. Stunden wie Tage hat mich genau dort erwischt. In einem Schöneberger Mietshaus, zwischen Treppenhaus, Kriegslärm, Alltagsgeräuschen und unausgesprochenen Ängsten, entfaltet Shelly Kupferberg eine Geschichte, die behutsam erzählt und trotzdem schwer im Herzen liegt. Martha E. ist keine Figur, die sich in den Vordergrund drängt. Sie wirkt zunächst schlicht, sparsam, pflichtbewusst und fast unscheinbar. Doch gerade diese stille Art macht sie so eindringlich. Ich mochte, wie sich ihr Leben langsam öffnet, wie hinter der zerlumpten alten Frau nach und nach eine Vergangenheit sichtbar wird, die voller Verantwortung, Nähe und Schmerz steckt. Besonders berührt hat mich die Verbindung zu Liane Berkowitz. Dieses junge, neugierige, lebenshungrige Mädchen, das mitten in einer grausamen Zeit Liebe, Mut und Widerstand findet, bringt Licht in die Geschichte, aber auch eine Traurigkeit, die lange nachhallt. Die wahre historische Grundlage macht das Lesen noch intensiver, weil man spürt, dass hinter diesen Seiten echte Schicksale stehen. Der Stil ist ruhig, fein und eher zurückhaltend. Wer großes Drama erwartet, könnte den Einstieg etwas langsam finden. Für mich passte diese leise Erzählweise aber sehr gut zum Thema. Sie gibt den Figuren Würde und lässt Raum für das, was zwischen den Zeilen steht. Stunden wie Tage ist ein bewegender, stiller und kluger Roman über Erinnerung, Menschlichkeit, Mut und darüber, wie viel Geschichte in einem einzigen Haus wohnen kann.

Wenn ein stilles Leben plötzlich Geschichte erzählt
5

STUNDEN WIE TAGE Shelly Kupferberg ET: 25.03.26 Berlin in den 1940er-Jahren: Die junge Martha bewirbt sich bei den jüdischen Berkowitz-Brüdern als Hausbesorgerin in ihrem Mehrfamilienhaus in Schöneberg. Sie gilt als fleißig, sittsam, sparsam und loyal. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Miete einzusammeln, sich um kleinere Reparaturen zu kümmern, das Treppenhaus zu pflegen und darauf zu achten, dass sich die Mieter an die Regeln des Hauses halten. Schon bald lernt Martha den Postzusteller Willy kennen und verliebt sich in sein ruhiges, gutmütiges Wesen. Gemeinsam leben sie in der kleinen Dienstwohnung des Hauses in Schöneberg. Der Wunsch nach einem eigenen Kind bleibt jedoch unerfüllt. Umso mehr freut sich Martha über die Besuche von Liane, der adoptierten Tochter von Henry Berkowitz, dem jüngeren der beiden Brüder. Henry bringt das Mädchen häufig zu den Hausbegehungen mit, und zwischen Martha und Liane entsteht schnell eine enge Verbindung. Bald besucht Liane Martha und Willy regelmäßig, und das Mädchen wird zu einem wichtigen Teil ihres Lebens. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zieht sich die Schlinge jedoch immer enger um die Familie Berkowitz. Der ältere Bruder erkennt früh die Gefahr und emigriert nach London. Henry hingegen will die Zeichen der Zeit lange nicht wahrhaben. Seine Frau Katharina, die bereits einmal aus Russland fliehen musste, weigert sich, noch einmal alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben in einem fremden Land zu beginnen. Während Henry vor einer folgenschweren Entscheidung steht, verliebt sich Liane – und erkennt viel zu spät, dass sie sich mitten im Umfeld einer Widerstandsgruppe bewegt. Shelly Kupferberg gelingt es eindrucksvoll, Fiktion und historische Fakten miteinander zu verweben. Auf diese Weise arbeitet sie erneut ein wichtiges Stück Zeitgeschichte literarisch auf. Besonders der ruhige Beginn der Geschichte hat mir sehr gefallen. Zwar entfaltet sich die Handlung zunächst langsam, doch genau dadurch entsteht ein sehr lebendiges Bild des damaligen Alltags. Die vielen alten deutschen Begriffe und Formulierungen verleihen dem Text zusätzlich Authentizität – eine sprachliche Atmosphäre, die heute kaum noch zu finden ist und die ich sehr gern gelesen habe. Im weiteren Verlauf nimmt die Geschichte jedoch enorme Fahrt auf, und die zunehmende Bedrohung ist beim Lesen deutlich spürbar. Ich konnte diese beklemmende Atmosphäre sehr gut nachempfinden. Fazit: Ein eindringlicher Roman über Menschen und Schicksale, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen – und zugleich eine bewegende Geschichte über Mut und Widerstand in dunklen Zeiten. Eine klare Leseempfehlung. 5/5

Post image
5

Fesselnde Geschichte

Martha fängt 1925 als Hausbesorgerin in einem Wohnhaus in Berlin Schöneberg an. Die Besitzer halten große Stücke auf sie, vorallem Henry Berkowitz. Oft bringt er seine kleine Tochter Liane zu den monatlichen Abrechnungsterminen mit und so entsteht zwischen Martha und Liane eine innige Beziehung und die Beiden verbringen viel Zeit miteinander. Martha ist mir sofort ans Herz gewachsen. Mit ihrer bescheidenen, fleißigen und resoluten Art. Sie hatte das Herz am rechten Fleck und war für Liane eine wichtige Bezugsperson. Ein berührende Geschichte über die Widerstandskämpfer Liane Berkowitz, die die ganze Härte der Nazizeit zu spüren bekommen hat. Ein fesselndes Buch, das deutlich macht, daß so etwas nie wieder geschehen darf.

4

Emotional und ergreifend!

Bereits durch die Lesung beim Bloggertreffen des Diogenes-Verlags habe ich erste Einblicke in das Buch erhalten und auch in die eindrucksvolle Recherche, die hinter dieser, auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte, steckt. Das hat eine Vorfreude geweckt und ich hatte Lust auch mal ein Buch zu lesen, was ich mir selbst wahrscheinlich nicht ausgesucht hätte. Die saloppe Berliner Mundart und witzigen Sprüche, durch welche die sonst eher tragische Familien- und Lebensgeschichte aufgelockert wird, haben mir bereits beim Zuhören total gut gefallen, hier ein kleines Beispiel: „Einer lässt gern den Blick schweifen? Der andere gern den Schweif blicken“ und waren wirklich zwingend notwendig, um die eindringliche Erzählung über so eine schreckliche Zeit durchzustehen. Die Protagonistin Martha ist eine taffe und entschlossene Frau, bekannt für ihre selbst eingelegten sauren Gurken und gibt sich bescheiden. Sie ist, ebenso wie auch die anderen handelnden Figuren, fein gezeichnet und liebenswert. Die historischen Details sind gut in die Geschichte eingebunden, setzen jedoch ein Grundwissen voraus. Durch die Tatsache, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, wirken die Personen total nah. Auch ihre Entscheidungen und Emotionen sind glaubwürdig und nachvollziehbar. Das besondere an diesem Buch war für mich die Art und Weise, wie mich die Geschichte in ihren Bann gezogen hat, nämlich nicht durch Dramatik und Spannung, sondern vielmehr durch die Nähe zu den Figuren, die großartige Erzählweise und die ganz wunderbare Atmosphäre 🫶 🐭 Wem würde ich das Buch empfehlen? Wer auf historische Romane mit authentischen Figuren, leiser Spannung und einer warmen, teils witzigen, Erzählweise steht, der wird hier bestens bedient!

Emotional und ergreifend!
5

Ein hervorragendes Buch

Martha, eine fleißige junge Frau, findet Arbeit als Hausbesorgerin in einem Mietshaus der Familie Berkowitz im Berliner Stadtteil Schöneberg. Sie ist eine fürsorgliche Seele, die sich liebevoll um alles kümmert, was ihr lieb und teuer ist – Menschen, Dinge und Tiere. Das Buch erzählt von ihrem Leben, dem der Bewohner des Hauses und der Familie Berkowitz: dem jüdischen Vater Henry, der russischen Mutter Katharina und ihrer Tochter Liane – zwischen 1930 und 1960. Die Figuren sind fein gezeichnet und liebenswert, mit all ihren Ecken und Kanten. Es sind ganz normale Menschen, die zur falschen Zeit leben mussten. Während des Lesens lebt und leidet man mit ihnen. Shelly Kupferberg hat ein wunderbares Buch geschrieben. Ihr anschaulicher und bildhafter Erzählstil versetzt den Leser direkt in die damalige Zeit. Die Nazizeit wird mit all ihren Schrecken sachlich dargestellt, ohne pathetisch zu werden, was den Blick auf das Geschehen lenkt, ohne dass dem Ganzen an Empathie fehlt. Ich habe dies sehr geschätzt, selten habe ich ein Buch über die Nazizeit gelesen, das mich so in die Geschichte hineingezogen hat. Erschreckend, aber durchaus glaubwürdig, liest man im Abspann, dass das meiste auf Tatsachen beruht und diese Schicksale wirklich passiert sind. Ich habe das hervorragende Buch mit großem Interesse gelesen und empfehle es jedem, der sich für deutsche Geschichte interessiert. Es ist sicherlich nicht das letzte Buch, das ich von Shelly Kupferberg lesen werde.

5

Ein stiller, tiefgehender Roman, der zeigt, dass wahre Menschlichkeit oft in den kleinsten, intuitiven Entscheidungen liegt – und gerade deshalb eine so große Wirkung entfalten kann.

Mit Stunden wie Tage erzählt Shelly Kupferberg eine leise, aber tief erschütternde Geschichte über Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. Der Roman spielt im Berlin der NS-Zeit und entfaltet seine Wirkung nicht durch große dramatische Wendungen, sondern durch die stillen, oft unscheinbaren Entscheidungen seiner Figuren. Im Mittelpunkt steht Martha, eine Frau, die zunächst unauffällig wirkt – beinahe gewöhnlich. Doch gerade in dieser Unscheinbarkeit liegt ihre Stärke. Martha handelt nicht aus Kalkül oder dem Wunsch heraus, mutig zu sein. Sie folgt keinem großen Plan. Stattdessen trifft sie ihre Entscheidungen intuitiv, geleitet von einem klaren moralischen Kompass. Sie hilft, wo sie kann, sieht hin, wo andere wegsehen – nicht, weil sie Heldin sein will, sondern weil sie gar nicht anders handeln kann. Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie der Roman zeigt, dass Menschlichkeit nicht immer laut oder heroisch sein muss. Martha bewegt sich in einer Grauzone: Sie leistet keinen offenen Widerstand, aber sie passt sich auch nicht einfach an. Ihre Handlungen sind leise, vorsichtig – und doch bedeutsam. Gerade darin wird deutlich, wie schwierig es war, im Alltag des NS-Regimes menschlich zu bleiben, ohne sich selbst unmittelbar in größte Gefahr zu bringen. Und dennoch spürt man: Ganz ohne Risiko ist auch dieser Weg nicht. Die Stärke des Romans liegt in seiner Zurückhaltung. Kupferberg verzichtet auf Pathos und lässt die Geschichte für sich sprechen. Das macht sie umso eindringlicher. Als Leser*in wird man nicht mit moralischen Urteilen konfrontiert, sondern mit Fragen: Wie hätte ich gehandelt? Wo hätte ich gestanden? Stunden wie Tage ist keine leichte Lektüre. Die Geschichte ist schwer, oft bedrückend – und genau deshalb so wirkungsvoll. Sie endet nicht einfach mit der letzten Seite, sondern bleibt im Kopf, begleitet einen weiter und fordert zur Auseinandersetzung heraus.

5

"Irgendwo Wurzeln schlagen, das bleibt ein Traum, eine Art Sehnsucht, scheint mir. [...] Vielleicht sind es Luftwurzeln, die man sich zulegen muss." Martha ist glücklich, als sie um 1930 die Stellung als Hausbesorgerin in einem Berliner Mehrparteienhaus im Stadtteil Schöneberg antreten darf. Ihre Arbeitgeber, die Brüder Berkowitz, schätzen den Fleiß und die Sparsamkeit der jungen Frau. Über viele Jahre hinweg kümmert sich Martha um das Haus und seine Bewohner*innen - und um Liane, die Tochter ihres Arbeitgebers Henry Berkowitz. Als Hitler und die Nazis die Macht ergreifen, beginnt für die Figuren in Shelly Kupferbergs Roman eine entsetzliche Zeit, denn die Berkowitz sind Juden und Liane beim Widerstand tätig. Von 1930 bis ca. 1960 begleiten die Lesenden Martha, Liane und ihre Angehörigen sowie die Bewohner*innen des Schöneberger Mietshauses, erleben Freundschaft, Liebe und menschliche Abgründe. "Stunden wie Tage" beruht auf wahren Begebenheiten, im Nachwort erklärt die Autorin, dass es Martha, Liane und ihre Mutter Katharina wirklich gegeben hat, was mich umso mehr erschüttert. Das Lesen ist mir sehr nahe gegangen und ich habe mit den Protagonist*innen, insbesondere mit Liane, extrem mitgefühlt. Die Autorin versteht es, mit viel Empathie und ohne Pathos über die Schrecken der Nazizeit zu schreiben - ein historischer Roman, der mich ungemein gefesselt und berührt hat. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung!

Post image
4.5

Martha eine starke Frau in schweren Jahren

Martha lebt und liebt ihr Berlin Schöneberg wo sie still und sparsam lebt Sie schenkt Menschen Liebe Geborgenheit und Wärme auch in der dunkelsten Zeit

5

So viel mehr als ein historischer Roman und warum man dieses Buch unbedingt lesen muss…

In ‚Stunden wie Tage’ lernen wir die junge Martha kennen, die ihre erste Anstellung als Hausbesorgerin bei den Brüdern Berkowitz in einem großen Wohnhaus im Berliner Stadtteil Schöneberg antritt. Die Brüder, russischer Abstammung und jüdischen Glaubens, haben im pulsierenden Berlin der damaligen Zeit im Immobiliengeschäft Fuß gefasst. Die Atmosphäre dieser Epoche wird eindrucksvoll eingefangen: Man spürt förmlich das Leben in den Straßen, hört die Berliner Schnauze und taucht ein in das bunte, lebendige Stadtbild jener Jahre. Mit vielen Details wird Marthas Leben sprachlich gezeichnet. Ihre Sparsamkeit, Genauigkeit und ihr unermüdlicher Fleiß prägen nicht nur ihren Arbeitsalltag, sondern auch ihren persönlichen Werdegang. Schritt für Schritt wächst sie an ihren Aufgaben, beginnt zu lieben und findet ihren Platz im Leben. Doch während sie sich entfaltet, verändert sich auch die Welt um sie herum. Unaufhaltsam nähert sich die Handlung den 1940er Jahren. Als Lesende spürt man die drohende Zäsur lange bevor sie offen zutage tritt. Der Wandel kommt nicht abrupt, sondern schleicht sich leise ein in Form politischer Veränderungen, im Verhalten der Nachbarn, in ersten Abschieden aus Berlin. Und plötzlich ist er da, unübersehbar und erschütternd. Auch wenn man es sich die ganze Zeit anders wünscht: die Zeit des Nationalsozialismus lässt keine Unversehrtheit um die Geschichte von Martha zu. Besonders berührend ist die Beziehung zwischen Martha und der kleinen Liane, der Tochter von Henry und Katharina Berkowitz. Ihre Verbindung ist der Anker in der Geschichte des Buches. Während wir Martha auf ihrem Weg begleiten, erleben wir auch Lianes Entwicklung und teilen ihren Wunsch nach Leben, Selbstständigkeit und vom „Ausbrechen“. Dieses Buch erzählt nicht nur von den Schrecken des Nationalsozialismus, sondern auch vom leisen Widerstand, vom Alltag der Menschen im Kiez und von ihren Ängsten, Hoffnungen und inneren Konflikten. Martha bleibt dabei die Konstante: eine Figur, durch deren Augen wir die Veränderungen erleben. Gerade diese Perspektive macht die Geschichte so fühlbar und bewegend. Die Jahre, die wir mit ihr durchleben, lasten schwer auf dem Lesenden, auch wenn der historische Rahmen bekannt ist. „Aus dem mondänen Berlin mit seinen Tanzpalästen, dem quirligen Leben und den schnoddrig-freundlichen Menschen war eine Stadt mit Ausgangssperren geworden, eine Stadt, die Lebensmittel in mageren Rationen zusammenkratzte und vor den Luftangriffen der Alliierten und den Bespitzelungen der Gestapo gleichermaßen zitterte.“ Im dritten Part des Buches kommt es zu einem Wiedersehen, welches zugleich eine überraschende Wendung bereithält. Hier zeigt sich auf schmerzhafte Weise, wie nah Wunsch und Enttäuschung beieinanderliegen können. Einmal mehr wird hier deutlich, wie komplex menschliches Verhalten in Zeiten moralischer Extreme ist und wie schwer es sein kann, Gerechtigkeit zu beurteilen, wenn persönliche Bindungen im Spiel sind. Für mich steht fest: Dieses Buch darf, nein muss man einfach gelesen haben. Ich habe beim Lesen die Luft angehalten, gelitten und auch geweint. Geschichten die von Martha, Henry, Liane und Co. könnte man noch in vielfacher Menge lesen und immer wieder würden sie mich aufs neue zutiefst traurig machen und berühren. Die Martha, die gibt es wirklich und das kann man im gesamten Buch spüren. Ich war bereits begeistert von ‚Isidor‘ und möchte ‚Stunden wie Tage‘ jedem ans Herz legen. Von mir bekommt das Buch 5 von 5 Buchsterne.

So viel mehr als ein historischer Roman und warum man dieses Buch unbedingt lesen muss…
Create Post