Spielende Götter
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Wenn ein Teil der Wirklichkeit nur ein Spiel ist, was macht das mit uns und unserer Moral? Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler über das Ende der Geschichte! Wie die meisten anderen Werke von Alessandra Reß stellt auch »Spielende Götter« tiefgründige Fragen, verpackt in einer spannenden Geschichte. Um Aggressionen und Gewalt aus der von drei Ständen bestimmten Primärrealität fernzuhalten, wurde Holus erschaffen. In dieser VR-Welt kann jeder der berechtigen Alpha- und Beta-Ludens-Klassen sich einen Avatar erschaffen und als Gesandter einer Gottheit unter lauter KI-Figuren tun und lassen, was er will. Kriege werden gefochten, Städte geführt und zerstört und mit genügend Geld, kann man sogar für begrenzte Zeit in die Haut einer Gottheit schlüpfen. Auch Lucie, eine Beta-Ludens, genießt die Parallelrealität von Holus, da sie in der Schule immer wieder von Alpha-Ludens-Mitschülern drangsaliert wird. Als ihr Freund von diesen verletzt wird, fasst sie den Plan, den Kopf der Gruppe in der Spielwelt Holus zu töten, um seinen Status in der Primärrealität so zu schwächen. Doch dabei beginnen für sie Realität und Spiel immer mehr zu verschwimmen. Schon heute sind wir in Computerspielen für das Wohl und Weh von Spielfiguren, Begleitern oder ganzen Völkern verantwortlich – natürlich nur ganz virtuell. Mit »Spielende Götter« denkt Alessandra Reß diese Ausgangslage weiter: Wenn Spielfiguren in Echtzeit auf alles reagieren, was wir im Spiel tun und sagen, was macht das mit uns SpielerInnen? Sehen wir es noch als Spiel an oder verschwimmt die Grenze zur Realität? Können Freundschaften mit KI-Figuren entstehen? Gar mehr? Ist es moralisch vertretbar, solche Figuren zu manipulieren, zu töten, zu opfern? Solche spannenden Fragen bilden das Grundgerüst des Romans, der dabei in zwei verschiedenen Welten angesiedelt ist: in Lucies Realität – einer Science-Fiction-Welt nahe an unserer Gegenwart – und in der mittelalterlichen Fantasy-Welt von Holus. Diese Zweiteilung gibt »Spielende Götter« ein abwechslungsreiches Gesicht, dazu entwickelt sich die Story in eine Art Quest-Richtung, die in beiden Welten die Handlung bestimmt, jedoch jeweils sehr unterschiedlich abläuft. Beide Welten sind gut miteinander verwoben, die Geschichte spannend und die Charaktere – sowohl die realen wie die der KI-Welt – interessant und vielschichtig gestaltet. Die Zweiteilung war jedoch für meinen Geschmack nicht 100%-ig ausgewogen. Die Geschehnisse in Holus nehmen den Großteil der Zeit ein, mir persönlich hätten jedoch noch weitere Szenen in Lucies Primärrealität gut gefallen. Das Thema der Moral gegenüber KI-Figuren war gut in die Story eingewoben, hätte jedoch für meinen Geschmack noch stärker thematisiert werden können. Zudem wird an einem Punkt eine Realitätsfrage gestellt, die jedoch nicht weiter verfolgt wird. Sie bringt einen weiteren interessanten Gedanken hinein, hätte für mich aber stärker integriert werden können. Überraschend kam für mich zudem die Versöhnung am Ende. Die habe ich so nicht kommen sehen, finde sie aber auch als Auflösung nicht ganz gelungen nach all dem, was bis dahin passiert ist. Sie passt zwar hervorragend zum Titel »Spielende Götter«, das Ende hat mich damit aber etwas unbefriedigt zurückgelassen. Unter'm Strich ist »Spielende Götter« aber ein gelungener Fantasy-SciFi-Mix, der mit interessanten Figuren, einer spannenden Geschichte und moralischen Fragen unterhält, die für meinen Geschmack noch mehr in den Fokus hätten rücken können. Daher gebe ich eine 8/10.
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Wenn ein Teil der Wirklichkeit nur ein Spiel ist, was macht das mit uns und unserer Moral? Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler über das Ende der Geschichte! Wie die meisten anderen Werke von Alessandra Reß stellt auch »Spielende Götter« tiefgründige Fragen, verpackt in einer spannenden Geschichte. Um Aggressionen und Gewalt aus der von drei Ständen bestimmten Primärrealität fernzuhalten, wurde Holus erschaffen. In dieser VR-Welt kann jeder der berechtigen Alpha- und Beta-Ludens-Klassen sich einen Avatar erschaffen und als Gesandter einer Gottheit unter lauter KI-Figuren tun und lassen, was er will. Kriege werden gefochten, Städte geführt und zerstört und mit genügend Geld, kann man sogar für begrenzte Zeit in die Haut einer Gottheit schlüpfen. Auch Lucie, eine Beta-Ludens, genießt die Parallelrealität von Holus, da sie in der Schule immer wieder von Alpha-Ludens-Mitschülern drangsaliert wird. Als ihr Freund von diesen verletzt wird, fasst sie den Plan, den Kopf der Gruppe in der Spielwelt Holus zu töten, um seinen Status in der Primärrealität so zu schwächen. Doch dabei beginnen für sie Realität und Spiel immer mehr zu verschwimmen. Schon heute sind wir in Computerspielen für das Wohl und Weh von Spielfiguren, Begleitern oder ganzen Völkern verantwortlich – natürlich nur ganz virtuell. Mit »Spielende Götter« denkt Alessandra Reß diese Ausgangslage weiter: Wenn Spielfiguren in Echtzeit auf alles reagieren, was wir im Spiel tun und sagen, was macht das mit uns SpielerInnen? Sehen wir es noch als Spiel an oder verschwimmt die Grenze zur Realität? Können Freundschaften mit KI-Figuren entstehen? Gar mehr? Ist es moralisch vertretbar, solche Figuren zu manipulieren, zu töten, zu opfern? Solche spannenden Fragen bilden das Grundgerüst des Romans, der dabei in zwei verschiedenen Welten angesiedelt ist: in Lucies Realität – einer Science-Fiction-Welt nahe an unserer Gegenwart – und in der mittelalterlichen Fantasy-Welt von Holus. Diese Zweiteilung gibt »Spielende Götter« ein abwechslungsreiches Gesicht, dazu entwickelt sich die Story in eine Art Quest-Richtung, die in beiden Welten die Handlung bestimmt, jedoch jeweils sehr unterschiedlich abläuft. Beide Welten sind gut miteinander verwoben, die Geschichte spannend und die Charaktere – sowohl die realen wie die der KI-Welt – interessant und vielschichtig gestaltet. Die Zweiteilung war jedoch für meinen Geschmack nicht 100%-ig ausgewogen. Die Geschehnisse in Holus nehmen den Großteil der Zeit ein, mir persönlich hätten jedoch noch weitere Szenen in Lucies Primärrealität gut gefallen. Das Thema der Moral gegenüber KI-Figuren war gut in die Story eingewoben, hätte jedoch für meinen Geschmack noch stärker thematisiert werden können. Zudem wird an einem Punkt eine Realitätsfrage gestellt, die jedoch nicht weiter verfolgt wird. Sie bringt einen weiteren interessanten Gedanken hinein, hätte für mich aber stärker integriert werden können. Überraschend kam für mich zudem die Versöhnung am Ende. Die habe ich so nicht kommen sehen, finde sie aber auch als Auflösung nicht ganz gelungen nach all dem, was bis dahin passiert ist. Sie passt zwar hervorragend zum Titel »Spielende Götter«, das Ende hat mich damit aber etwas unbefriedigt zurückgelassen. Unter'm Strich ist »Spielende Götter« aber ein gelungener Fantasy-SciFi-Mix, der mit interessanten Figuren, einer spannenden Geschichte und moralischen Fragen unterhält, die für meinen Geschmack noch mehr in den Fokus hätten rücken können. Daher gebe ich eine 8/10.




