Sperrgut

Sperrgut

Hardback
3.95

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Description

Das außergewöhnliche Debüt der Alfred-Döblin-Preisträgerin 2025

Am Anfang steht Kristalloma: Eigenhändig baut sie auf einer Industriebrache ein Haus, und das Lusthansa wird ein Zuhause für Frauen, die keines haben. Jahre später formt sich dort unter der Obhut von Kristalloma und ihrem Partner Bruno eine neue Gemeinschaft: Die Freundinnen Maj und Stevie, deren Vater und seine Frau Linde stoßen hinzu. Drei Generationen leben unter dem selbstgebauten Dach zusammen, teilen Paprikasuppe, schauen gemeinsam Astro-TV und passen aufeinander auf. Bis die naheliegende Stadt mit einem Abrissbescheid vor der Tür steht und das Lusthansa um seine Existenz kämpfen muss.

Sophia Merwald erfindet in ihrem Debüt eine ganz eigene Sprache – lyrisch-verspielt und doch messerscharf in der Beobachtung, surreal und gleichzeitig von tiefer Wahrhaftigkeit. 

***
»Vor ein paar Jahren las eine sehr junge unbekannte Schreibende in meinem Garten vor 100 Gästen, die alle aufhorchten. Weil Text und Sprache verblüffend amüsant, ungeahnt meisterlich waren und der Text im besten Sinne ›funktionierte‹. Vor kurzem wurde diese Autorin mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet. Sie heißt Sophia Merwald. Und dieser Text in Ihren Händen ist das schon jetzt preisgekrönte Debüt.«
Nora Gomringer

»Dieses Buch ist ein Erdbeben durch die deutschsprachige Literaturlandschaft.«
Yevgeniy Breyger


»Es ist die Unberechenbarkeit in Sophia Merwalds Sprache, dieser eigenwillige, märchenhafte Sound, der mich spüren lässt: Diese Autorin könnte mir sehr gern alles erzählen.«
Anne Sauer

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
304
Price
22.70 €

Author Description

Sophia Merwald, geboren 1998, studierte Journalistik sowie Film- und Medienkultur-Forschung und arbeitet als freie Journalistin. Sperrgut ist ihr erster Roman, für den sie bereits vor Erscheinen mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, u.a. dem Alfred-Döblin-Preis. Sie lebt und arbeitet in München.

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„Sperrgut“ von Sophia Merwald ist ein Debüt, das sich jeder bequemen Einordnung entzieht. Dieser Roman will nicht erklären, nicht abbilden, nicht anklagen im klassischen Sinn – er erfindet. Er baut eine Welt aus Resten, Glitzer, Schmerz und Hoffnung und fragt dabei leise, aber beharrlich: Wie könnten wir zusammenleben, wenn wir uns nicht an die vorgegebenen Formen hielten? Im Zentrum steht das Lusthansa, ein selbstgebautes Haus auf einer Industriebrache, erschaffen von Kristalloma, einer Frau, die dort sieht, wo für andere nur Nichts ist. Das Lusthansa wird Zuflucht für Frauen ohne Zuhause, ein Ort jenseits von Marktlogik und staatlicher Ordnung. Jahre später lebt dort eine fragile Gemeinschaft aus drei Generationen: Kristalloma und ihr Partner Bruno, die jungen Frauen Maj und Stevie, später auch Majs Vater und dessen Frau. Sie teilen Paprikasuppe, schauen Astro-TV, passen aufeinander auf – und schaffen etwas, das in der realen Welt selten geworden ist: Vertrauen. Erzählt wird die Geschichte vor allem aus der Perspektive von Stevie, für die das Lusthansa „das erste Haus ist, dem sie traut“. Stevie ist eine verletzte Figur, geprägt von Gewalt und Verlassenwerden, und ihre Stimme trägt den Roman. Sophia Merwalds Sprache ist dabei das eigentlich Außergewöhnliche: märchenhaft, poetisch, manchmal verspielt, dann wieder von messerscharfer Klarheit. Sie verweigert sich dem Sozialrealismus und findet gerade darin eine größere Wahrhaftigkeit. Das Leben am Rand wird hier nicht grau und elend gezeichnet, sondern schmutzig und schön zugleich, erdig und glitzernd. Das Lusthansa ist keine romantische Utopie im Sinne einer heilen Gegenwelt. Es riecht nach Rauch, Motten kommen und gehen, Regenwürmer werden ins Erdgeschoss gespült. Möbel sind zusammengesucht, geflickt, improvisiert. Und doch steckt in diesem Haus Lust – eine Rutsche vom ersten Stock, Glitzerstoff, Sterne aus Flicken, ein Rock, der funkelt. Merwald findet Bilder, die sich einprägen, weil sie nicht gefällig sind, sondern widersprüchlich. Besonders stark ist, wie der Roman seine politische Dimension entfaltet. „Sperrgut“ erzählt von bezahlbarem Wohnen, von Kontrolle, von Behörden, die irgendwann Briefe schicken und den Abriss ankündigen. Aber Merwald macht daraus kein Thesenstück. Die Kritik an westlichen Wohlstands- und Ordnungsfantasien geschieht über Sprache und über Symbole. Der Name „Lusthansa“ ist dabei ein kleiner Kniff, der große Fragen aufwirft: Was bedeutet Freiheit? Was schützt mehr – Gesetze oder Solidarität? Auch die Liebesgeschichte zwischen Stevie und Maj folgt dieser Logik. Sie ist intensiv, zärtlich, manchmal schmerzhaft. Beide Frauen bringen Verletzungen mit, enttäuschen einander, bleiben nicht unversehrt. Doch Merwald interessiert sich weniger für psychologische Erklärung als für das Flirrende dieser Verbindung, für das, was zwischen zwei Menschen aufblitzt, wenn sie sich erkennen. Die Bilder, die sie dafür findet, sind ungewöhnlich und riskant – und gerade deshalb so wirkungsvoll. Dass dieses Märchen kein gutes Ende nimmt, ist früh absehbar. Das Lusthansa steht von Beginn an unter Bedrohung. Und doch bleibt nach der Lektüre nicht nur Verlust. „Sperrgut“ hinterlässt Bilder für ein anderes Zusammenleben, für Schönheit jenseits von Ordnung und Verwertbarkeit. Sophia Merwald hat mit diesem Roman eine eigene literarische Stimme gefunden – unberechenbar, poetisch, politisch, zärtlich. „Sperrgut“ ist kein Buch, das sich anpasst. Es ist eines, das bleibt, weil es neue Räume im Denken öffnet. Ein außergewöhnliches, mutiges Debüt.

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