Sobald wir angekommen sind

Sobald wir angekommen sind

Hardback
3.632

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Ben Oppenheim balanciert zwischen Ex-Frau, zwei Kindern und seiner Liebe zu Julia. Er hat Rückenschmerzen und Geldsorgen, aber was ihn wirklich ängstigt, ist der Krieg in Osteuropa. Getrieben vom jüdischen Fluchtinstinkt steigt er eines Morgens kurzerhand in ein Flugzeug nach Brasilien. Mitsamt Ex-Frau und Kindern, aber ohne Julia. Im Krisenmodus läuft Ben zur Hochform auf. Nur der Atomkrieg lässt auf sich warten. Ben dämmert, dass er sich ändern muss, wenn sich etwas ändern soll.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
288
Price
25.70 €

Author Description

Micha Lewinsky, geboren 1972 in Kassel, ist Drehbuchautor und Filmregisseur, u. a. von ›Der Freund‹ (Schweizer Filmpreis), ›Die Standesbeamtin‹ und ›Moskau einfach!‹. Für Kinder hat er das Buch ›Holly im Himmel‹ geschrieben. 2024 erschien sein literarisches Debüt, ›Sobald wir angekommen sind‹, das wochenlang auf der Schweizer Bestsellerliste stand und in Frankreich für den Prix Médicis nominiert war.

Posts

14
All
4

Ben ist ängstlich, unsicher und fühlt sich irgendwie verfolgt. Möglicherweise aufgrund seiner jüdischen Herkunft (wie er sich selbst fragt)? Besonders deutlich wird sein Fluchtinstinkt als er angesichts des Ukrainekriegs, der ihn einen dritten Weltkrieg befürchten lässt, mit seiner es-Frau und seinen beiden Kindern Hals über Kopf aus der Schweiz nach Brasilien flüchtet. Doch angekommen fühlt er sich irgendwie trotzdem nicht. Denn zu allem Überfluss hat er seine neue Freundin in der Schweiz zurückgelassen und ist sich plötzlich auch gar nicht mehr so sicher, wie er zu seiner Ex-Frau steht… doch er beschließt (mehrfach) sein Leben in den Griff zu bekommen: “Ben war bereit, sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen. Er wollte sich rasieren, seine Steuererklärung erledigen und endlich mal die Rückenübungen machen, die er immer wieder vergaß. Er wollte all das tun, was man tat, wenn man angekommen war. Sobald er angekommen war.“ (S. 22) Für mich war das Lesen ein bisschen wie als Katastrophentouristin. Denn Ben ist katastrophal unsicher und desorientiert und sowohl die Situation, in der er sich befindet als auch die, vor der er flieht, ist auf vielfältige Weise katastrophal… Ja, das klingt jetzt vielleicht auch nach einer katastrophalen Lektüre… ist es aber keineswegs!! Denn @micha hat das Ganze mit so viel Witz und Ironie gespickt, dass das Lesen wirklich Spaß macht. Man schwankt zwischen Mitleid, Kopfschütteln, Augenrollen und lautem Lachen hinsichtlich Bens Verhalten und seinen teils abstrusen Gedanken und Ideen. Er hat mit Ben den klassischen Anti-Helden gezeichnet, der nicht unbedingt sympathisch, aber absolut authentisch ist. Denn wer von uns handelt ständig rational, kennt seinen Weg und zweifelt nie? Genau! Wohl eher klassische Held*innen, die es so im echten Leben nicht gibt.

4

Familie und Entscheidungen

„Sobald wir angekommen sind“ von Micha Lewinsky erzählt die Geschichte von Ben Oppenheim, der zwischen den Herausforderungen seines Alltags balanciert: Ex-Frau, Kinder und seine Liebe zu Julia. Geplagt von Rückenschmerzen und Geldsorgen, ist es jedoch der Krieg in Osteuropa, der ihn wirklich beunruhigt. Getrieben von einem jüdischen Fluchtinstinkt, flüchtet er spontan nach Brasilien – ohne Julia, aber mit seiner Familie. Lewinskys Debütroman behandelt die drängenden Themen unserer Zeit mit halsbrecherischer Geschwindigkeit, Intelligenz und einer Prise Humor. Der Roman ist selbstironisch und bietet einen tiefgründigen Einblick in die Komplexität menschlicher Beziehungen und Ängste. Ein fesselndes Werk, das zum Nachdenken anregt.

4

Aus Angst vor dem nächsten Weltkrieg flüchtet der Ende 40-jährige Schweizer Drehbuchautor Ben Oppenheim mit seinen beiden Kindern und seiner Ex-Frau nach Brasilien. Ben und seine Ex-Frau Marina fühlen sich in der Schweiz nicht mehr sicher, da der nächste Atomkrieg wohl bevorsteht. Also ab ins Exil, ab nach Recife, Brasilien. Bei der überhasteten Entscheidung die Schweiz mit seiner Familie zu verlassen, vergisst Ben völlig seine Freundin Julia in seine Pläne miteinzubeziehen. Das Leben von Ben Oppenheim ähnelt sehr dem des Stefan Zweig. In »Sobald wir angekommen sind« skizziert Micha Lewinsky zahlreiche parallelen zwischen den beiden Männern. Ben selbst vergleicht sich auch immer wieder mit Zweig. In seinem Handeln schwankt Ben Oppenheim zwischen halsbrecherischen Wagnissen und völlig rationalen Gedanken. Er erinnert mich an vielen Stellen an die Figur des Motti Wolkenbruch (Thomas Meyer). Waghalsig, mit einem Hang zur Komik. Ein kurzweiliges Romandebüt mit hohem Unterhaltungsfaktor.

4

Ein Mann auf der Flucht vor sich selbst

Wenn das Flucht- Gen von Generation zu Generation weitergegeben wird, kann das bei manchen Menschen, in einer relativ sicheren Gesellschaft, zu merkwürdigen Auswüchsen mutieren. Man folgt dann irgendwann nicht mehr seiner Bestimmung, sondern der Angst. Ben Oppenheim ist so einer, permanent auf der Suche, ständig auf der Flucht und immer in Angst, von der er gar nicht so genau weiß, wo sie herkommt und wo sie hin will. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und er praktiziert mit ihr wegen der beiden Kindern das „Nestprinzip“. Sie teilen sich weiterhin eine Wohnung allerdings nacheinander und zwischendurch lebt er bei seiner neuen Freundin Julia oder in seinem Schreib-Atelier, wo er an einem Buch über das Leben von Stefan Zweig arbeitet. Aber nichts will ihm so richtig gelingen und die Welt, scheint für ihn ein einzig großer Escape Room zu sein. Er, als Mensch jüdischen Glaubens, ist immer in „Hab-Acht“ Stellung. Als der Konflikt im Osten Europas zu eskalieren droht, flieht er mit Frau und Kindern nach Brasilien. Julia lässt er zurück und es scheint mit seiner Familie alles auf Neuanfang zu stehen. Doch so einfach ist das nicht. Micha Lewinsky hat einen Roman voller gut gezeichneter Charaktere verfasst, in der die Hauptfigur aus Mosaiksteinchen zusammengesetzt scheint, die jeden Moment auseinanderzubrechen drohen. In Ben manifestiert sich ein transgenerationales Trauma, das durch ein unaufmerksames Elternhaus und überzogene gesellschaftliche Ansprüche verstärkt, in seinem Selbstbewusstsein breitmacht. Er läuft mit geschärftem Blick und gespitzten Ohren durchs Leben, immer auf der Suche nach jemandem, der ihn klein macht, ansteckt (großer Hypochonder!), oder angewidert von ihm weg dreht. Seine zukünftige Exfrau scheint in ähnlichen Gewässern zu schwimmen, und die beiden wirken wie Magnete, die sich anziehen, aber im letzten Moment dreht einer von Ihnen den Pol herum, und sie stoßen sich voneinander wieder ab. Recife in Brasilien ist dabei der Place to be und dient als exotische Kulisse, nicht mehr und nicht weniger. Hauptsache weit weg von zu Hause und ein bisschen näher dran an Stefan Zweig. Auch die Kinder Rosa und Moritz gehören dazu, übernehmen aber nur die Rolle des Kitts, der die Eltern mehr schlecht als recht zusammenhält. Dabei gibt es ein paar kluge Dialoge mit den Nachkommen, genauso wie mit dem Vater von Ben, der seinem Sohn ein Buch über Rassenideologie in die Hände drückt und unkommentiert lässt. Lewinskiy spickt seinen Roman mit vielen Anekdoten, verwebt ihn mit einem ganz besonders feinen Humor, der mir sich leise heran schleicht um mir, dann unerwartet lautes Lachen zu entlocken. Der Autor kommt immer wieder mit Tiefgang zum Ursprung Thema zurück - „Wer bin ich?“ „Warum bin ich?“ und „Wo will ich hin?“ Mir hat das Ende ganz besonders gut gefallen und der nicht immer so sympathische Protagonist gewinnt auf einmal an Format, das ihm vorher verloren gegangen, oder nie ein Teil seiner Persönlichkeit war. Ein feiner, kleiner Roman der eine Geschichte über die jüdische Identität einer Generation erzählt, die die Shoa nur aus den Erinnerungen Anderer kennt und trotzdem ein Teil von ihr ist, und der das männliche Selbstverständnis in seiner heutigen Ambivalenz deutlich macht.

4

Ein besonderes Buch zum Nachdenken!

Ben lebt in Zürich und ist Drehbuchautor. Nachdem sein Debüt, ein Roman namens Karies, durch die Decke ging, kam keine weitere gute Idee und er hat sich was anderes gesucht und so versucht er mit seiner Familie über Wasser zu bleiben. Getrieben mit dem Schicksal seiner Vorfahren, die ihn auch als sein Leben als Jude auswirkt, versucht er einfach nur zu überleben und zudem mit dem Gefühl nicht richtig anzukommen und getrieben Angst vor dem Krieg in Osteuropa , flieht er mit seiner Ex-Frau Marina und den beiden Kinder nach Brasilien. Ganz nach dem Vorbild von Ben's Idol, Stefan Zweig. Dieser Einblick, was Ben umtreibt, hat das Buch zu was besonderen gemacht und darauf muss man sich einlassen können. Mir hat es gut gefallen, hab öfters mich dabei erwischt wie ich denke würde und manches ist einfach übertrieben, aber was wäre wenn Ben recht hat? Die Zentrale frage ist definitiv: Kampf oder Flucht? Für was entscheidet ihr Euch und was sagt ihr zu Ben? Wer mal was anderes lesen möchte, ist das bestimmt einen genauen Blick wert.

4

witzig & nivauvoll

"Ben hatte nie eine Frau gesucht, die bereit war, sich mit ihm niederzulassen...er hatte eine Frau gesucht, die bereit war, mit ihm zu fliehen." Ben Oppenheim lebt in Zürich und ist als Schriftsteller mittelmäßig erfolgreich. Aus finanziellen Gründen teilt er daher weiterhin die Wohnung mit Ex-Frau Marina und den Kindern im Schichtsystem und hat nebenher noch eine Freundin, Julia. In der Manier eines Woody Allen'schen Stadtneurotikers beschreibt Micha Lewinsky das Leben eines jüdischen Mannes, der sich seinem Schicksal nicht aktiv entgegen stellen mag. Von Ängste und Selbstzweifeln geplagt lässt sich Protagonist Ben vom Leben treiben, stets mit einem Bein - ganz gemäß der jahrtausenden alten jüdischen Tradition - auf der Flucht. Und so beschließt die Familie auch vor einem drohendem Atomkrieg nach Brasilien zu fliehen. Aber wird die Zweckgemeinschaft ihr Glück in Brasilien finden, die Ex-Eheleute vielleicht sogar wieder zueinander finden? Die zurück gelassene Julia fordert Ben auf, sein Leben endlich auf die Reihe zu kriegen und Stellung zu beziehen. Am Schluss sitzt Ben in einem Starbucks, dwr Laden gesichtlos wie er selbst. Der Roman ist witzig, kurzweilig geschrieben und sehr selbstironisch. So hat Ben seine Ex-Frau in ihrer Physiotherapiepraxis kennengelernt, als er sich beim Einüben des Hitlergrußes für ein Drehbuch den Arm ausgerenkt hat. Im Flugzeug wird er von einem ehemaligen Schulkamerad wiedererkannt und als "Ben Oppenschwein" begrüßt. Die humorvollen Seitenhiebe auf das Leben eines jüdischen Mittelklassemannes haben mir sehr gefallen, ist es doch ein Thema, über das man sonst keine Witze machen "darf". Das Buch ist leicht zu lesen, leider fehlt es ihm aber etwas an Tiefe. Trotzdem ist es ein empfehlenswerter Roman, der niveauvoll unterhält.

2

Ein ewiges hin und her

„Ich habe keine Lust, darüber nachzudenken, Ben. Du kannst nicht immer hin und her machen. Kümmere dich mal um deinen Scheiß. Dann sehen wir weiter.“ S. 268 Phuu das Buch war wirklich nicht mein Fall. Die Geschichte hat mich so sehr interessiert und ich wurde total enttäuscht. Dieses hin und her von Ben ging mir dann irgendwann richtig auf die Nerven. Ein Mann, der nicht weiß was er will und wie ein Fähnchen im Wind weht. So schade! Dabei wäre das Thema doch so wichtig gewesen. Geschichte! Judentum! Flucht! Krieg! Selbstfindung! Zugehörigkeit! All diese Themen werden kurz gestreift. Aber es wird nicht viel daraus gemacht. Hab deswegen auch so lange für das Buch gebraucht. In der Hoffnung, dass es vielleicht besser wird, hab ich es dann zu Ende gelesen. Leider. So so schade.

4

Ein unterhaltsames Buch zwischen Flucht, Furcht und der inneren Zerrissenheit

Bei Ben Oppenheim dreht sich alles um seine jüdischen Wurzeln und was er glaubt, wie er sich deshalb zu verhalten hat. Außerdem pendelt sein Herz zwischen seiner Ex-Frau Marina, seinen beiden Kindern und seiner neuen Freundin Julia. Ben ist das reinste Nervenbündel und fürchtet sich vor so ziemlich allem - aktuell am meisten vor dem Ukrainekrieg, der seiner Meinung nach in Kürze in einem Atomkrieg und den Dritten Weltkrieg münden wird. Seine letzte Rettung ist die Flucht nach Brasilien und das zieht er Hals über Kopf durch. 🐆🌴☀️ Ich glaube, der Begriff „Anti-Held“ wurde für die Figur Ben Oppenheim erfunden, denn er verkörpert wirklich alles, was ich nicht sein möchte und was ich an anderen Menschen äußerst störend finde. Und für ihn ist sein Penis viel zu bedeutungsvoll. Der Autor Micha Lewinsky nimmt uns in seinem Roman mit in den paranoiden, beeinflussbaren und ziemlich rückgratlosen Geist von Ben. Obwohl der Charakter an sich wirklich unsympathisch ist, gelingt es dem Autor, ihn auf äußerst ironische Weise als Negativbeispiel zu präsentieren. Am besten gefallen haben mir all die Stellen, an welchen Ben nicht den Mumm hatte, für das Richtige einzustehen und seine Meinung zu sagen. Das zeigt uns so wunderbar, wie wichtig es ist, dass wir genau das nicht tun und stattdessen den Mund aufmachen. Es ist spannend, dass ich den Roman so gerne und schnell durchgelesen habe, obwohl Ben so ein aalglatter und charakterloser Typ ist. Ich denke, es liegt an seinen Mitmenschen, die das Gegenteil von ihm verkörpern. Denn seine Freundin, seine Ex-Frau und vor allem seine beiden Kinder sind tolle Charaktere, die meist kein Blatt vor den Mund nehmen. Insgesamt war die Lesezeit für mich auf außergewöhnliche Weise unterhaltsam, lustig und lehrreich. Es wurden viele wichtige Themen angerissen, auch wenn in diesem Roman kein Raum war, um diese besonders zu vertiefen. Manchmal hat mich Ben zu sehr geärgert, auch wenn ich sicher bin, dass genau das beabsichtigt war.

Ein unterhaltsames Buch zwischen Flucht, Furcht und der inneren Zerrissenheit
4

Ernster Hintergrund sehr unterhaltsam und zum Schmunzeln verpackt

Hier wird alles in eine Geschichte geworfen und zusammengerührt, was an aktuellen Themen greifbar war und so auf knapp 300 Seiten kurzweilig meist mit subtilem Humor angesprochen: Angst vor dem Dritten Weltkrieg, atomares Aufrüsten, jüdische Familienvergangenheit, Flucht, Rassentheorien, Scheidung, Nestprinzip, Drogentrips im Dschungel, Mid-Life-Crisis und vieles mehr. Und trotz des ernsten Backgrounds schafft Micha Lewinsky eine leichtherzige Erzählweise, ohne dabei den gebührenden Respekt zu verlieren oder ins Klamaukige abzudriften. Die Hauptfigur Ben lebt in Scheidung, hat eine jüngere Freundin, jüdische Wurzeln und einen ausgeprägten Fluchtinstinkt, der die Familie bis nach Brasilien bringt. Enjoy the Ride! „„Willst du deiner Bestimmung folgen oder deiner Angst?“ fragte Roger. „Die Angst ist meine Bestimmung.“ [Alle] lachten, als hätte er einen Witz gemacht. „

3

Ein vielschichtiger Komplexer Egoist, der seinen Platz auf der Welt sucht!

Eine kurze Sequenz in das Leben eines klugen vielschichtigen, aber genauso komplizierten, egoistisch, paranoiden Mannes. Ich mochte das Buch zu beginn sehr, gegen Ende war alles so abrupt und verworren, dass ich ganz froh war, es beendet zu haben. Das Buch trägt mehrere Tiefen in sich, wie das Auf und Ab des Familienlebens, die eigenen Bedürfnisse und Sexualität. Sowie Traumata, psychische Gesundheit und Krieg. Es war beinahe witzig, wie die Familie vor dem vermeintlichen „dritten Weltkrieg“ flüchtete und in Brasilien die vermeintliche Sicherheit suchte, wie Stefan Zweig seiner Zeit. War mir der Protagonist Ben sympathisch? Nein, doch sicher sollte er dies auch nicht sein. Er ist komplex, sprunghaft, narzisstisch. Dennoch konnte man seinen verworren Gedanken gut folgen, den Ben schieb seine Angst vor allem und jeden auf das Generatiosbedingte Traumata der Juden. Wer sich mit dieser Kultur wenig auskennt, würde ihn sicherlich als Antisemitisch bezeichnen. Doch Ben sucht, er sucht irgendwas… Eine Herkunft, ein Land, eine Frau, ein Zuhause, sich selber. Der Titel des Buches ist gut gewählt, und auch wenn man nicht weiß, wie es nach dem Schluss weitergeht, kann man nur hoffen, dass Ben, nachdem er im Haus seines Idols Zweig war, ein wenig aufwacht, und dafür sorgt ein eigenes Leben zu haben. Frei von all den Dingen, die ihn abhalten ein gutes Leben zu führen, ein guter Vater und manchmal auch guter Mensch zu sein.

4

Unterhaltsamer Roman

5

Das Romandebüt von Micha Lewinsky ist schon etwas besonderes. Die Story ist simpel und komplex zugleich. Ben Oppenheim und seine Frau haben sich getrennt. Einst glaubten beide, den Partner der Träume gefunden zu haben; insbesondere Ben fühlte sich sehr geborgen. Was Marina an ihm fand, wird nie wirklich klar, da die Story in erster Linie auf der Gefühlswelt und den Gedanken Bens fußt. Nach der Geburt des ersten Kindes fühlt Ben sich ausgeschlossen - er liebt sein Kind, doch findet er keinen Zugang mehr zu Marina, weder emotional noch körperlich. Der Versuch der Annäherung scheitert immer wieder, bis dann der Versuch eines Neustarts zur zweiten Schwangerschaft Marinas führt; nun ist alles vorbei, ihr wird bei seinem Geruch zunehmend übel. Man einigt sich - auch ob der hohen Mietpreise in Zürich - zur Lösung des Nestprinzips; man behält die gemeinsame Wohnung und teilt sich das Schlafzimmer wie im Schichtdienst. Ben findet sehr schnell eine Neue. Julia die selbstständige aber sehr junge Künstlerin - mit einem Kleinstkind, welches Ben dauernd offen den Tod wünscht. Oder, ganz einfach: »Wieso hast du eigentlich so viele Falten?« »Weil ich alt bin.« »Wenn man alt ist, stirbt man.« Ben, ein großer Stefan Zweig Verehrer, ist geplagt von Alltagsneurosen, welche er letztlich auf seine jüdische Herkunft zurückführt. Sein Heil liegt in der Flucht - sowie sein Volk es (seiner Meinung nach) schon immer hält. Einige Juden mochten sich in der Vergangenheit entschieden haben, zu bleiben und sich zur Wehr zu setzen. In der genetischen Auslese hatten diejenigen, die rasch flohen, meist die besseren Karten gehabt. Als in Europa der dritte Weltkrieg droht (Russland überfällt die Ukraine) ist für Ben klar: Es wird zum Atomschlag kommen - die Schweiz wird verseucht; somit eifert er seinem Vorbild Stefan Zweig nach und flieht nach Brasilien. Da schon lange vorher geplant, unternimmt er diese Flucht mit seiner Ex-Frau und den Kindern; Julia lässt er zurück. In Brasilien angekommen, erfährt er, dass es vielleicht doch einen Unterschied gibt, zwischen seiner Flucht und der von Zweig. Dann hat er das Gefühl, dass er und Marina sich vielleicht doch noch einmal näher kommen könnten. Weiter möchte ich hier nicht erzählen, um ein Spoilern zu vermeiden. Lewinsky erzählt diese Story dermaßen selbstironisch - aus Sicht von Ben und gleichzeitig aus Sicht des jüdischen Volks - dass man immer wieder hinter vorgehaltener Hand hervorlugt und fürchtet, es könnte kippen; doch das tut es nicht. Der Autor schafft es immer wieder, die Kurve dergestalt zu bekommen, dass er problemlos in sichere Gewässer kommt. Und damit greift er ernste Themen und die Selbstzweifel seines Protagonisten in einer Leichtigkeit auf, dass es dem Leser einfach Spaß macht, Ben zu begleiten, in seinem Dahinstolpern. Er begeht einen Fehler nach dem nächsten, überschätzt sich und ignoriert die Gefühle und Beweggründe der Menschen, die ihm am wichtigsten sind. Und man geht weiter an seiner Seite - mit einem Schmunzeln auf den Lippen - und ist gespannt, ob er erkennt, was zu tun ist und was das Leben ihm schließlich bietet. Ein schönes Buch, das es wert ist, von ganz vielen Menschen gelesen zu werden; denn manchmal benötigt man ein Augenzwinkern, um zu erkennen, dass die Probleme des Einzelnen zwar für diesen sehr groß sein können - global gesehen, gibt es jedoch schwerwiegendere. Und manchmal sollte man nicht alles mit seiner oder der Vergangenheit der Ahnen erklären, sondern sich einfach mal reflektieren und die anderen Menschen sehen. Dann geht es manchmal leichter im Leben. Von mir deutliche 5/5

3.5

Verwirrend aber unterhaltsam

3.5

Ben ist nicht wirklich sympathisch, mit Ende 40 stolpert er zum Teil kindisch, überzogen und auch überfordert durchs Leben - was aber natürlich dadurch durchaus komische Momente hat. Nur Partnerin dieses Mannes, der aus Angst vor dem 3. Weltkrieg beim ersten leisen Anzeichen mit seiner Familie, fast Ex-Frau und Kindern, nach Brasilien flieht und die Freundin ihrem Schicksal überlässt, möchte frau lieber nicht sein 😉 Abgesehen davon ein recht witz- und geistreiches Buch, das einen entspannten Blick auf jüdische Tradition und Geschichte wirft, Ben nimmt sich und seine Religion auch mal ganz sympathisch auf die Schippe. Insgesamt lesenswert, es ist eine unterhaltsame Lektüre, die auch zum Nachdenken anregt. Nur als Hörbuch finde ich es nicht empfehlenswert, die über weite Strecken überhastete Art des Sprechers war kein Hörvergnügen.

Create Post