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Sternebewertung fiktiv
Ich lese viele Romane mit historischem Bezug und denke oft, schon ziemlich viel zu kennen. Umso überraschter war ich, dass mir die Tragödie der Cap Arcona bis zu diesem Buch überhaupt kein Begriff war. Kurz vor Kriegsende, am 3. Mai 1945, wurden tausende KZ-Häftlinge auf Schiffe gebracht, die anschließend von den Alliierten bombardiert wurden. Mehr als 7.000 Menschen verloren ihr Leben. Sharon Dodua Otoo greift dieses historische Ereignis auf und macht daraus keinen historischen Roman, sondern eine Geschichte über Erinnerung, Rassismus und die Frage, wie ein Mensch an seine Grenzen gebracht werden kann. Im Mittelpunkt steht Amata Haller, die bereits zu Beginn im Gefängnis sitzt. Sie hat ihren Chef Heinz getötet, ohne Reue, ohne Ausreden und ohne den Versuch, ihre Tat schönzureden. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Was ist passiert? sondern warum? Jedes Jahr fährt Amata mit ihrer Mutter an den Timmendorfer Strand, um ihres Großvaters zu gedenken, einem Überlebenden der Cap-Arcona-Katastrophe. Als sie dieses Mal vergisst, einen Mietwagen zu reservieren, bietet ihr ausgerechnet ihr Chef an, sie zu fahren. Eine scheinbar gewöhnliche Autofahrt entwickelt sich zu einem beklemmenden Gespräch, das immer deutlicher macht, wie unterschiedlich zwei Menschen dieselbe Welt erleben. Heinz hält sich für einen guten Menschen. Doch gerade seine beiläufigen Bemerkungen, seine Unsicherheit und sein fehlendes Bewusstsein für alltäglichen Rassismus zeigen, wie tief Vorurteile und Mikroaggressionen in unserer Gesellschaft verankert sind. Während er vieles für harmlos hält, trägt Amata ein Leben voller Erfahrungen mit Ausgrenzung, Verletzungen und den Folgen generationsübergreifender Traumata mit sich. Besonders beeindruckt hat mich, wie fein Sharon Dodua Otoo diese psychologische Entwicklung zeichnet. Es gibt keinen plötzlichen Ausbruch, sondern das Gefühl, dass sich über Jahre etwas angestaut hat, bis irgendwann nichts mehr zurückgehalten werden kann. Das macht die Geschichte so eindringlich und gleichzeitig auch eine beklemmende Atmosphäre. Ein wichtiges Buch, das mich noch lange beschäftigt hat.
Jul 2, 2026
Sternebewertung fiktiv
Ich lese viele Romane mit historischem Bezug und denke oft, schon ziemlich viel zu kennen. Umso überraschter war ich, dass mir die Tragödie der Cap Arcona bis zu diesem Buch überhaupt kein Begriff war. Kurz vor Kriegsende, am 3. Mai 1945, wurden tausende KZ-Häftlinge auf Schiffe gebracht, die anschließend von den Alliierten bombardiert wurden. Mehr als 7.000 Menschen verloren ihr Leben. Sharon Dodua Otoo greift dieses historische Ereignis auf und macht daraus keinen historischen Roman, sondern eine Geschichte über Erinnerung, Rassismus und die Frage, wie ein Mensch an seine Grenzen gebracht werden kann. Im Mittelpunkt steht Amata Haller, die bereits zu Beginn im Gefängnis sitzt. Sie hat ihren Chef Heinz getötet, ohne Reue, ohne Ausreden und ohne den Versuch, ihre Tat schönzureden. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Was ist passiert? sondern warum? Jedes Jahr fährt Amata mit ihrer Mutter an den Timmendorfer Strand, um ihres Großvaters zu gedenken, einem Überlebenden der Cap-Arcona-Katastrophe. Als sie dieses Mal vergisst, einen Mietwagen zu reservieren, bietet ihr ausgerechnet ihr Chef an, sie zu fahren. Eine scheinbar gewöhnliche Autofahrt entwickelt sich zu einem beklemmenden Gespräch, das immer deutlicher macht, wie unterschiedlich zwei Menschen dieselbe Welt erleben. Heinz hält sich für einen guten Menschen. Doch gerade seine beiläufigen Bemerkungen, seine Unsicherheit und sein fehlendes Bewusstsein für alltäglichen Rassismus zeigen, wie tief Vorurteile und Mikroaggressionen in unserer Gesellschaft verankert sind. Während er vieles für harmlos hält, trägt Amata ein Leben voller Erfahrungen mit Ausgrenzung, Verletzungen und den Folgen generationsübergreifender Traumata mit sich. Besonders beeindruckt hat mich, wie fein Sharon Dodua Otoo diese psychologische Entwicklung zeichnet. Es gibt keinen plötzlichen Ausbruch, sondern das Gefühl, dass sich über Jahre etwas angestaut hat, bis irgendwann nichts mehr zurückgehalten werden kann. Das macht die Geschichte so eindringlich und gleichzeitig auch eine beklemmende Atmosphäre. Ein wichtiges Buch, das mich noch lange beschäftigt hat.
Jul 2, 2026








