Siebenmeilenherz

Siebenmeilenherz

Hardback
4.525

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Description

Katharina Winkler stellt sich in diesem unter die Haut gehenden Roman mit den Mitteln der Literatur gegen die Gewalt und schildert das zu einer Erzählung verdichtete Erlebnis eines Missbrauchs und das lange beschädigte Leben danach. So wie das Mädchen, aus dessen Innenperspektive Katharina Winkler erzählt, ihrem Vater ausgeliefert ist, liefert die Autorin uns der Geschichte aus, die von der Kinderstube aus auf alle weiteren Aspekte eines Lebens übergreift – denn weder eine neue Stadt, neue Freunde noch eine Liebesbeziehung bringen Linderung für ein traumatisches Geschehen, das sich dem Körper, Denken und der Wahrnehmung eingeschrieben hat und oft aus Scham verborgen bleibt. Siebenmeilenherz erzählt von einer Tat, die tagtäglich tausendfach in den Familien unserer Gesellschaft begangen wird, und rüttelt damit am Tabu, darüber zu sprechen.

Wie schon in ihrem Debütroman Blauschmuck geht es Katharina Winkler auch in Siebenmeilenherz darum, das Schweigen zu brechen, mit dem Gewalterfahrungen von Frauen in Familien und in der Liebe belegt sind. Aus tiefer Überzeugung, dass Literatur Empathie ermöglichen und Veränderungen auslösen kann, findet die preisgekrönte Autorin eine beeindruckende Sprache, einen adäquaten ästhetischen Ausdruck für das, worüber keiner spricht.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
240
Price
24.70 €

Author Description

Katharina Winkler, 1979 in Wien geboren, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft. Mit Blauschmuck (Suhrkamp) erschien 2016 ihr vielfach ausgezeichneter Debütroman. Das Buch wurde in sechs Sprachen übersetzt und erhielt u. a. den baskischen Buchpreis Premio Euskadi de Plata für den besten deutschsprachigen Roman sowie den französischen Prix du premier roman étranger 2017, den Preis für das beste fremdsprachige Debüt. Siebenmeilenherz ist ihre erste Veröffentlichung bei Matthes & Seitz Berlin.

Posts

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All
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"Mein Papa ist der beste Papa der Welt." (S. 9) Ein Trugschluss, an dem die namenlose Erzählerin in Katharina Winklers "Siebenmeilenherz" als Kind festhält. Sie will es glauben – will, dass ihre Welt heil ist, obwohl sie es besser weiß. Und erst Jahre später kann sie das, was der Vater ihr antat, als das benennen, was es war: sexueller Missbrauch. Die Gewalt schleicht sich ein, wird zur schrecklichen Normalität, verwebt sich mit allem, was das Mädchen täglich tut. Mama weiß nichts. Wer es erfährt, wird sofort sterben. So hat es ihr der Vater eintättowiert. Ein Geheimnis zwischen ihm und seiner Tochter. Was nicht sein darf, wird verschwiegen – ist's dann überhaupt geschehen?! Zum Selbstschutz löscht ihr Kopf Erinnerungen aus. Die Welt wird still, aber nie ruhig und mit den Jahren kommt die Gewissheit: Es ist Gewalt, die sie erlebt. Die Lügen halten dem Wissen nicht Stand. Die Scham muss betäubt werden; der Schmerz braucht einen Gegenschmerz. Die Geschichte des kleinen Mädchens, das schweigsam erduldet, wird zu der einer jungen Frau, die rastlos auf der Suche ist nach Frieden. Weg von zu Hause führt sie ein hektisches Leben, ein unruhiges Sein, keine Lücke lassen zum Nachdenken, nur nach vorne, nie zurückschauen. Dürstend nach Leben, doch innerlich taub, sucht sie nach Liebe und nach einem Zugang zu ihren eigenen Empfindungen. "Ich bin, ich bin, ich weiß nicht wer, schiebe hin und schiebe her, schiebe her und schiebe hin, denn ich weiß nicht, wer ich bin." (S. 166) Ihre "Beziehungen" sind geprägt von Misstrauen, zerbrechen unter den Flashbacks des Traumas. Und immer wieder ist da der Wunsch, die Eltern zu hassen, der Wille, ihnen zu vergeben – und das tiefe, verzweifelte Scheitern daran. Der Täter ist frei, während das Opfer ein Lebenslänglich hat. Doch schlimmer noch als die Lüge ist das Leugnen. Wenn der Täter seine Schuld von sich weist, stößt die Hoffnung das Opfer in den Abgrund. Denn ohne Geständnis bleibt der Schmerz offen und das Opfer ohne Erlösung. Wie findet man eine Sprache, woher kommen die Worte für das Unaussprechliche: den Missbrauch eines Vaters an seiner Tochter? Katharina Winkler hat sie gefunden. Eine Sprache, die mit leisen Tönen schreit, behutsam an mir reißt und zerrt, mir zaghaft die Kehle zuschnürt. Sie modelliert Verse, die mich in kleinen Schritten durch die Geschichte führen – eine Sprache, die zwischen Prosa und Lyrik wandelt, so intensiv, dass sie manchmal kaum lesbar ist vor Schmerz. Ihre Sätze sind wie Atemzüge: kurz, stoßweise, manchmal nur Andeutungen – und doch voller Zündstoff. Katharina Winkler hat mit "Siebenmeilenherz" ein Werk geschaffen, das verstört, bewegt und bleibt. Es ist kein Buch, das man liest und beiseitelegt. Es ist ein Buch, das nachwirkt – weil es etwas sichtbar macht, das hinter vielen Türen geschieht, ohne dass wir davon ahnen. Es ist ein literarischer Aufschrei in Flüstertönen. Ein Plädoyer für das Hinschauen, das Hinhören – und für das Sprechen über das, was nicht erzählt werden kann.

4

„Ich kann meinen Namen schreiben und das Geheimnis bewahren.“ Kindesmissbrauch aus Sicht des Opfers - harter Tobak in einer poetischen Form.

4.5

Einer der heftigsten, berührendsten und schmerzhaftesten Texte dieses Jahres.

5

Wow, einfach nur wow. Dieses Buch hat mich schockiert wie schon lange keines mehr! Ganz wichtig: Dieses Buch erzählt vom Missbrauch eines kleinen Mädchens. Daher ist es so ziemlich unmöglich, dieses Thema in meiner Rezension auszusparen. Solltet ihr euch also nicht mit diesem Thema beschäftigen können, solltet ihr die Rezension jetzt wegklicken. Wie ihr nach dem Klappentext und diesem ersten Absatz schon erahnen könnt: Hier erzählt ein kleines Mädchen von der Liebe zu ihrem Vater und seiner zu ihr. Er liebt sie sogar so sehr, dass das Herz ihrer Mutter einfach stehen bleiben würde, wenn sie wüsste, wie sehr er sie liebt - zumindest erzählt er ihr das. Und das Mädchen glaubt das, denn du zu Beginn der Handlung ist sie sicher nicht älter als sechs Jahre, wahrscheinlich sogar jünger. In Lyrikform erzählt sie vom Missbrauch durch ihren Vater. Die verwendete Sprache ist vor allem zu Beginn sehr kindlich, was das Beschriebene noch schockierender macht. Es ist zur Rede von der "Mäusehöhle" des Mädchens, vom "Horn" und vom "Wundersaft" des Vaters. Der Missbrauch wird auf der Seite geschildert und dadurch ist der Text sehr nahe an der Schmerzensgrenze. Wie gesagt: Wer davon getriggert werden könnte, sollte sich vom Text fernhalten. Der Rest muss dieses Buch lesen, auch wenn es unangenehm ist und schmerzt. Setzt euch diesem Schmerz aus, denn das ist so ein unglaublich wichtiges Thema! Wir verfolgen hier das Mädchen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben und auch die langfristigen Probleme durch den Missbrauch werden sichtbar. Das Mädchen, das namenlos bleibt, bekommt schlechte Noten, leidet unter Gedächtnislücken, hat Ängste und Probleme, anderen zu vertrauen. Mein Fazit? Das hier ist eines der stärksten Bücher, die ich 2024 lesen durfte. Am liebsten würde ich euch alle dazu zwingen, dieses Buch zu lesen.

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