Schwanentage
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Description
»Zhang Yuerans Szenen und Bilder haben einen weltentrückten Glanz, der sowohl von hart gewonnener Einsicht als auch von zeitloser Wahrheit geprägt ist.« Ian McEwan
Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos – und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen …
Zhang Yueran schreibt zärtlich, doch mit unerbittlicher Prägnanz über Beziehungsdynamiken und Klassismus aus der Sicht eines Kindermädchens und gewährt so einen einzigartigen Blick auf die chinesische Gesellschaft.
»Zhang Yueran hat mit Schwanentage ein wirklich lesenswertes, böses Buch geschrieben.« Elke Heidenreich
Book Information
Author Description
Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und eine der wichtigsten Stimmen junger urbaner Literatur. Schon 2012 zählte sie das taiwanische Unitas-Magazin zu den 20 wichtigsten Schreibenden unter 40. Ihre Romane und Erzählungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihr Roman »Cocoon« wurde von der New York Times zu den besten Büchern 2022 gewählt und gewann in Frankreich den Prix Transfuge 2019 für den besten asiatischen Roman.
Posts
Drei Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, ein Kind und eine Gans sinnieren über, erfreuen sich am oder bedauern das Leben. Der Beginn war richtig stark. Wechselte von langsam zu schnell, von Genre zu Genre und bleibt dann abrupt stehen nach dem ersten Drittel. Nach einer Weile wird es philosophisch und fast heiter, um dann zum Schluss nochmal aufzudrehen. Ein feministisches, sozialkritisches Werk, welches sprachlich absolut feinste Literatur ist und inhaltlich viele große Themen auf engstem Raum verarbeitet. Dass manchmal die Rollen der Frauen, die einzig unter dem Mann leidet, zu sehr betont wurde, hat den Lesegenuss etwas getrübt, da ich es generell ungerecht finde, Geschlechter so zu generalisieren (umgekehrt gibt es auch Beispiele), aber allein die Sprache und das mal subtile und mal mit Vollgas ausgeführte Brechen der Erwartungen, hat mich mal irritiert und mal richtig mitgerissen. Am Ende bleibt ein Roman den ich ganz sicher irgendwann nochmal lesen will. Dann wird es zwar keine Überraschung mehr geben, aber sicher noch tieferes Verständnis für dieses empfehlenswerte Werk.
Von Schwänen und Gänsen
Yu Ling arbeitet seit Jahren als Kindermädchen für eine reiche Familie. Die Geschichte beginnt, als sie gerade das Kind entführt, um von der Familie Lösegeld zu erhalten und ein besseres Leben führen zu können. Doch diesen Plan kann sie nicht zu Ende bringen, denn Großvater und Vater des Kindes werden wegen Korruption verhaftet und die Mutter ist nicht mehr erreichbar. Yu Ling muss nun entscheiden, wie es für sie und das Kind weitergehen soll. Obwohl die Geschichte nicht sehr lang ist, bekommen wir einen Einblick in die Gesellschaftsstrukturen Chinas. Es wird das Machtgefälle zwischen Arm und Reich beschrieben, die Korruption in der hohen Gesellschaftsschicht, welche ihren Standard hält, indem eine Hand die andere wäscht, aber es geht auch darum, wie fragil dieses Konstrukt ist, sodass Menschen von ganz oben schnell ganz unten sein können. Über das gesamte Buch hinweg begleitet uns der Schwan, den der Junge des Hauses gerettet hat und als Haustier hält. Bei diesem handelt es sich eigentlich um eine Gans, aber alle lassen das Kind in seinem Glauben. Dies steht für die Unschuld des Kindes, welches von dem ganzen Wirbel Dank Yu Lings liebevoller Fürsorge nichts mitbekommt. Der Schreibstil ist unruhig, manchmal etwas abgehackt, und die Dinge werden eher subtil aufgezeigt. Die Figuren werden durch ihre Taten und Vergangenheit greifbar, aber weniger durch ihre Gedankengänge, wodurch sie oberflächlich bleiben. Die Entwicklung der Charaktere konnte ich manchmal nicht in Einklang mit den Beschreibungen der Personen bringen. So erschließt sich mir die aufopfernde Yu Ling nicht ganz als Kindesentführerin und auch die Hausherrin benimmt sich gegen Ende unerwartet. Das Buch bietet trotz der Kürze interessante Einblicke und Beobachtungen, konnte mich aber nicht mitreißen.
Wenn Fürsorge zur Selbstaufgabe wird
„Schwanentage“ erzählt die leise, aber eindringliche Geschichte eines Kindermädchens, das nach der Verhaftung des Vaters und dem Weggang der Mutter die Fürsorge für ein Kind übernimmt, das nicht ihr eigenes ist. Mit jeder Seite spürt man, wie sie ihr eigenes Leben für das Wohl anderer aufgibt – bis sie sich selbst darin verliert. Besonders eindrucksvoll gelingt es der Autorin, das Paradox des Lebens im Luxus zu zeichnen: im Überfluss zu wohnen, aber nicht dazuzugehören; alles zu berühren, ohne etwas davon wirklich besitzen zu dürfen. Dieses stille, nagende Bewusstsein – dass der Reichtum, den man täglich um sich hat, nie der eigene sein wird – schafft eine bedrückende Atmosphäre, die sich durch jede Seite zieht. Und als dieses fragile Konstrukt aus Loyalität, Pflicht und Illusion schließlich zusammenbricht, bleibt die Protagonistin vor der nackten Frage zurück: Wer bin ich noch, wenn das Leben, das ich geführt habe, nie wirklich meines war? „Schwanentage“ verhandelt Armut und Klassismus nicht laut oder plakativ, sondern mit einer feinen, fast schmerzhaften Zurückhaltung. Gerade diese kühle Distanz, die asiatische Literatur oft auszeichnet, findet sich hier wieder – eine Sprache, die Emotionen nicht ausschmückt, sondern sie durch Schweigen, durch kleine Gesten und unausgesprochene Gedanken spürbar macht. Anfangs mag diese Emotionslosigkeit befremden, als hielte sie den Leser auf Abstand. Doch je länger man liest, desto deutlicher erkennt man: Genau in dieser Distanziertheit liegt die eigentliche Intensität. Trotz einer reduzierten Handlung entfaltet sich eine Spannung, die nicht aus äußeren Ereignissen entsteht, sondern aus inneren Brüchen – aus der stillen Revolte gegen ein Leben, das nie das eigene war. „Schwanentage“ ist kein lautes Buch, aber ein nachhaltiges. Es bleibt im Kopf, weil es die großen Fragen in die kleinsten Momente legt. Und weil es zeigt, wie schwer es ist, sich selbst wiederzufinden, wenn man jahrelang jemand anderes gewesen ist.
Man spürt, wie unterschiedliche Welten aufeinanderprallen.
Von Beginn an war ich neugierig, welche Einblicke eine Autorin geben kann, die noch mitten in China lebt und schreibt. Am meisten bewegt hat mich die Figur des Jungen. Er war sehr greifbar dargestellt und seine leise Sehnsucht nach Zuwendung hat mich oft Mitleid spüren lassen. Trotz aller Privilegien fehlte ihm das Wesentliche: Liebe und Nähe. Deshalb entwickelte er zum Kindermädchen eine enge Bindung, die ich aus eigener Au-Pair-Erfahrung gut nachvollziehen konnte. „Man tauchte in einen völlig anderen Lebensstil ein, wurde davon in gewisser Weise geprägt, aber zurück in seinem alten Leben, würde man damit so lächerlich wirken wie ein ausgebauter Einbaubackofen.“ Die Sprache ist bildreich und zugleich schlicht, vermutlich geprägt durch die Übersetzung aus dem Mandarin. Dieses Buch macht nachdenklich und bereichert zugleich.
“Schwanentage” von Zhang Yueran (ins Deutsche übersetzt von Karin Betz) handelt von Yu Ling, die als Kindermädchen arbeitet, und plant, das Kind ihrer Arbeitgeber gegen Lösegeld zu entführen. Doch genau an diesem Tag wird der Vater festgenommen und die Mutter kehrt von einer Reise nicht zurück, sodass Yu Ling plötzlich die einzige vorhandene Bezugsperson für den kleinen Kuang Kuang ist. Der Autorin gelingt es, trotz des etwas behäbigen Stils, der Erzählungen von chinesischen Autor*innen eigen zu sein scheint, eine spannende, fokussierte Geschichte zu erzählen, in der es um Verantwortung, Entscheidungen und die Unsichtbarkeit chinesischer Frauen im öffentlichen Raum geht. Die Gans (der titelgebende “Schwan”) als Metapher für das Wilde, Unvorhersehbare, mit der die Geschichte beginnt und endet, hat mir als erzählerische Klammer sehr gut gefallen, ebenso die Ausarbeitung der verschiedenen (weiblichen) Charaktere, die hier im Fokus stehen. Ein tiefes, packendes Buch, das man durchaus mehrfach lesen kann (vielleicht sogar sollte), um die diversen Schichten Gesellschaftsbeschreibung und -kritik zu fassen, die in ihm stecken. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Schwanentage von Zhang Yueran war, glaube ich, mein erstes Buch einer chinesischen Autorin. Den Schreibstil fand ich insgesamt okay, aber nicht herausragend. Die Hauptfigur Yu Ling nimmt sich selbst ständig zurück und versucht es allen recht zu machen, wodurch sie auf mich recht naiv wirkte, stellenweise hatte ich fast Mitleid mit ihr. "Es hieß, die Armen lieben es zu träumen, doch das stimmt nicht; Träume gehörten zu den Privilegien der Reichen, und die Welt sorgte auf alle erdenkliche Arten dafür, ihnen diese Träume vorzubehalten." (S. 102) Es geht in diesem Roman um eine superreiche chinesische Famile und ihr Kindermädchen. Die Geschichte entfaltet sich ruhig. Insgesamt plätschert die Handlung eher dahin, was mir auf Dauer etwas zu langweilig war. Mich hätte z.B. auch interessiert, in welche Finanzskandale der Familienvater involviert war, was aber nicht aufgegriffen wurde. Aber vielleicht möchte bzw. kann eine chinesische Autorin oder auch Autor (aus Selbstschutz) nicht darüber schreiben. Who knows. 🤷♂️

Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ein unabhängiges Leben führen zu können. Alles kommt jedoch ganz anders: aus dem Radio erfährt sie, dass Großvater des Jungen wegen Korruption verhaftet wurde und den restlichen Familienmitgliedern dasselbe Schicksal droht. Yu Ling muss sich entscheiden, wo ihre Loyalität liegt und was sie bereit ist, für ihren Job und ihren Schützling aufzugeben. Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und gehört zu den wichtigsten Stimmen junger Literatur. „Schwanentage“ ist ihre erste Übersetzung ins Deutsche, verfasst wurde sie von Karin Betz. Der Titel bezieht sich auf die gemeinsame Zeit von Yu Ling, Kuan Kuan und einer Gans, die der Kleine unbedingt freikaufen wollte. So wie er diese Gans als einen Schwan wahrnimmt und von seinem Kindermädchen dabei nicht korrigiert wird, so bewegt er sich auch völlig ahnungslos durch diese schwierige Zeit. Für ihn ist, dank Yu Ling, alles ein einziges Spiel und Abenteuer. Der Roman macht die Diskrepanz zwischen den beinahe mittellosen, wenig geschätzten Hausangestellten und dem Reichtum, von dem sie umgeben sind, deutlich. So ist es an sich nicht verwunderlich, dass Yu Ling für ihre Treue gerne ein Stück des großen Kuchens abhaben möchte, vor allem ihr neuer Freund Chen Donghu bestärkt sie immer wieder in diesen Gedanken. Während Yu Ling jedoch Gewissensbisse hat, handelt eine weitere Angestellte sofort, als die Vorwürfe gegen die Familie lautwerden und verschwindet mit Schmuck und einem Teil der Einrichtung. Auch wenn das Thema ein wichtiges ist, plätschert der Roman die meiste Zeit leider nur vor sich hin und beschreibt ausführlich, was Yu Ling kocht und was Kuan Kuan so anstellt. Das Ende jedoch hat es in sich und zeigt noch einmal umso deutlicher, welchem Konflikt Yu Ling ausgesetzt ist und welche folgenschweren Entscheidungen sie treffen muss. Hier ist „Schwanentage“ wirklich stark – die Hinleitung hätte aber kürzer sein dürfen!
Yu Ling arbeitet als Kindermädchen bei einer wohlhabenden Familie der chinesischen Elite. Sie kümmert sich hingebungsvoll um den siebenjährigen Jungen Kuan Kuan und kennt die Geheimnisse der Familie – doch auch Yu Ling trägt eigene Geheimnisse in sich. In der Hoffnung auf ein besseres Leben und mit dem Traum, sich aus ihrer prekären Lage zu lösen, plant Yu Ling gemeinsam mit einem Freund, den Jungen zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Der Einstieg hat mich wirklich neugierig gemacht – die Atmosphäre, die Figuren und der Schreibstil hatten etwas Besonderes. Ich dachte zuerst, das könnte richtig gut werden. Aber je weiter ich gelesen habe, desto zäher wurde es für mich. Die Handlung hat sich irgendwie verloren, und am Ende hatte ich das Gefühl, den eigentlichen Sinn der Geschichte gar nicht so richtig verstanden zu haben. Vielleicht liegt es an der Erzählweise oder daran, dass vieles eher symbolisch gemeint war – aber für mich blieb leider zu viel unklar. Schade, denn der Anfang hatte definitiv Potenzial! ⭐️⭐️/ 5 Sternen

Wer Bücher aus dem asiatischen Raum liest, merkt schnell: Hier erzählt man anders, oft leiser, mit mehr Zwischentönen. Auch Zhang Yuerans Schwanentage entführt uns mitten ins Geschehen. Der Blick richtet sich auf die Entwicklung der Figuren und ihre Beziehungen. Eine reiche Familie, zwei Haushälterinnen – und im Zentrum die verbitterte Yu Ling, deren Perspektive den Roman prägt. Die Autorin Zhang Yueran macht in einer turbulenten Geschichte deutlich, dass nicht alles so klar erscheint, wie es scheint. Arm oder reich, mit Geheimnissen oder Fehlern, niemand ist eindimensional. Der Einstieg wirkt zwar zunächst entrückt, führt aber bald zu den titelgebenden Schwanentagen. Der Schwan selbst ist stets präsent, nimmt fast eine Hauptrolle ein und verändert sich wie die Figuren. Er verkörpert gemeinsam mit dem Sohn der Familie die Reinheit einer noch unbescholtenen Seele. Der Roman erzeugt Spannung vor allem zu Beginn und am Ende. Das spurlosen Verschwinden der Frau und die Festnahme des Vaters bleiben hier leider oberflächlich. In der Mitte jedoch verlangsamt sich das Tempo. Wir beobachten Yu Ling, wie sie zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und den Ansprüchen des Kindes ihrer Arbeitgeber schwankt. Zhang Yueran bringt viele Charaktere ins Spiel. Fast jede Figur erhält einen kurzen Abschnitt, bevor sie wieder verschwindet. Ein verbindender Erzählstrang fehlt – vermutlich bewusst –, sodass jede Geschichte für sich steht. Das lenkt den Blick auf das Wesentliche. Für mich ist die asiatische Schreibeweise oft auf eine spezielle Art reizvoll. Sie lädt dazu ein, innezuhalten, zu reflektieren und die Nuancen zu betrachten. Yueran zeigt in ihrem Roman, dass Machtgefälle und Abhängigkeiten sich in westlichem und asiatischem Raum kaum unterscheiden. Ein vollständiges Bild bleibt offen – stattdessen entfaltet sich im Schwanenhotel ein Geflecht aus Metaphern und Bildern, das surreal und zugleich tief berührend wirkt.

Mit Feingefühl gibt die Autorin dem Handlungsverlauf immer mal wieder eine neue Richtung oder pflicht Geschehnisse ein, die unseren Blick verändern. Yu Ling ist das Kindermädchen in einer sehr wohlhabenden Familie. Viel besitzt sie nicht. Um das zu ändern, beschließt sie, ihren Schützling Kuan Kuan zu entführen, damit sie mit dem erhofften Lösegeld ihre Träume verwirklichen kann. So richtig geht dieser Plan allerdings nicht auf. Die Eltern des Jungen sind nämlich nicht mehr zu erreichen. Plötzlich erscheinen ihre Gesichter in sämtlichen Nachrichten: Haftbefehl wegen krimineller Machenschaften. Mir hat sehr gefallen, wie Zhang Yueran die Nervosität von Yu Ling spürbar macht, als sie ihren Entführungsplan beginnt, in die Tat umzusetzen. Dieses Unbehagen im Wissen, hier gerade eine Straftat begehen zu wollen, kommt sehr gut rüber. Auch die Verbindung zwischen ihr und dem Jungen wirkt von beiden Seiten sehr vertraut. Man spürt, wie sehr sie dem Jungen am Herzen liegt. Das Ende hat mich mit einer leichten Unzufriedenheit zurückgelassen. Aber irgendwie glaube ich, dass diese Geschichte auch gar nicht den Anspruch hat, alle Unklarheiten zu beseitigen. Es geht viel mehr um das aufopfernde Verhalten von Yu Ling. Es gab mehrere Momente, in denen es sich angefühlt hat, als würde die “Intensität” raus sein. Da die Geschichte direkt mit der Entführung beginnt, ist das Tempo zunächst leicht erhöht. Im weiteren Verlauf bleibt es hingegen gemächlich. Die Autorin trifft einen klaren und ruhigen Erzählton. Man erhält einen minimal angedeuteten Einblick in die Thematiken “Sohn vs. Tochter”, Stellungen und ungleichen Aufstiegschancen. Diese Themen schwingen am Rande mit, bzw. werden kurz indirekt erwähnt, sind aber nicht Hauptthema. Der Roman war durch seine ruhige Art entspannt zu lesen. In den Bann gezogen hat er mich jedoch nicht so richtig.
"Es hieß, die Armen liebten es zu träumen, doch das stimmte nicht; Träume gehörten zu den Privilegien der Reichen, und die Welt sorgte auf alle erdenklichen Arten dafür, ihnen diese Träume vorzubehalten."
++ Rezensionsexemplar ++ Der Anfang war etwas holprig, was für mich u.a. an der Übersetzung lag. Als junge Leserin muss ich einfach leider sagen, das es in einem 2025 übersetzten Buch sehr irritierend war direkt am Anfang "zeitig aufstehen", "aus dem Bett purzeln" zu lesen, wenn man aufgrund der Aufmachung des Buches mit einer modernen Übersetzung rechnet. Das war aber nur auf den ersten beiden Seiten so, danach war man gut in dem Fluss der Sprache drin. Eine andere Herausforderung war der Schreibstil Zhang Yuerans. Ich empfand die Erzählung der Geschichte als sehr sprunghaft. Würde man sich mit der Protagonistin im echten Leben unterhalten würde es sich anfühlen, als ob sie von Thema zu Thema springt. Auch das hat Eingewöhnung beim Lesen gekostet. Mit 224 Seiten kann man sich aber die Zeit gut nehmen, die Geschichte ist schnell erzählt. So sehr ich mich am Anfang eingewöhnen musste, war ich aber doch auch schnell gepackt. Ich habe zwischen 3,5 Sternen und 4 geschwankt. Das Buch hat mir aber am Ende das gegeben, was ich mir von einem Buch wünsche: Für eine kurze Weile konnte ich kurz in eine andere Welt abtauchen. Bisher habe ich am meisten Tatsachenberichte von chinesischen Frauen gelesen, die Verarbeitung dieses Themas in einem kurzen Roman war erfrischend. Zhang Yueran spricht subtil, und doch deutlich erkennbar strukturelle Probleme an: Die große Schere zwischen Arm und Reich in China, die Vorteile die man mit einem guten Netzwerk dort genießen kann. Der Druck als Frau, wenn man ab Alter X immer noch unverheiratet ist. Spannend war der Dialog zwischen Qin Wen und Xiaomin. "... es folgte derselben Logik, die ich seit der zweiten Klasse kannte: Eine Hand wäscht die andere. Mein Vater tat jemandem einen Gefallen und bekam dafür einen Gefallen zurück." Zhang Yueran schreibt sprunghaft, aber auch sehr atmosphärisch. Wenn die Gerichte beschrieben wurden, die Yu Ling kocht, habe ich mich gesehnt, in China zu sein und das alles sofort genießen zu können. Sogar heißes Wasser habe ich getrunken, so drin war ich wieder in der Kultur haha. Das offene Ende macht mich fertig. Ich habe so mit den Frauen mitgefiebert, wie bitte, ich erfahre nicht, wie es ihnen jetzt geht? Ein tolles Buch für Zwischendurch, meiner Meinung nach auch eine gute Möglichkeit über leichte Kost Einblick in die chinesische Kultur und Denkweise zu erhalten. Danke an den Ecco Verlag, das E-Book wurde mir über Netgalley zur Verfügung gestellt.

Der siebenjährige Kuan Kuan liebt sein Kindermädchen Yu Ling abgöttisch. Seine Eltern, Mutter Qin Wen und Vater Hu Yafei, sind wohlhabend und gehören zu Pekings Elite. Als Yu Ling einen Frühlingsausflug mit dem Jungen plant, ahnen die Eltern nicht, dass das Kindermädchen ihren Sohn entführen will. Denn Yu Ling möchte nicht mehr als Kindermädchen arbeiten, sondern ihre Träume verwirklichen. Die Ereignisse überrollen sich als Kuan Kuans Vater wegen Korruption festgenommen wird und seine Mutter abtaucht. Plötzlich ist Yu Ling ganz alleine, mit dem Jungen und seiner Gans, in dem Haus der Golden Lake Villen. Die Autorin gilt, laut Information auf dem Buch, als eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas. Zhang Yueran schreibt in einer klaren und eher sachlichen Sprache. Ihr Protagonistin YuLing ist eine tiefgründige Figur. Sie arbeitet als Kindermädchen bei einer wohlhabenden Familie in Peking und sie träumt von so viel mehr. Sie möchte weg. Denn sie fühlt sich gefangen durch das gute Gehalt und die Trägheit des Lebens. Dadurch ist sie empfänglich für den verhängnisvollen Plan von ihrem neuen Freund Chen Donghu: die Entführung ihres Schützlings. Man spürt ihr Zaudern gut, denn eigentlich ist sie nicht die, die kriminell wird. Eigentlich geht Kriminalität über ihr Naturell, ihre Erziehung, ihre Weltanschauung. Die Autorin hebt deutlich die Unterschiede der Macht in der Bevölkerung hervor. Die Eltern von Kuan Kuan sind reich, leicht arrogant, gewohnt zu befehlen und alles zu bekommen, was sie sich wünschen. Ihr siebenjähriger Sohn Kuan Kuan ist mit kleinen Abstrichen ein Ebenbild der Eltern und ebenfalls gewohnt zu bekommen, was er will. Ein verwöhnter Bengel, wie wohl viele in China, die in der Ein-Kind-Politik aufwachsen. Die schöne Ueberraschung ist, dass er eine Gans kauft. Da diese, eingepfercht in einem Käfig, ihm leidtut. Die Gans, von der der Junge denkt, sie sei ein Schwan. Damit haben wir die Erklärung für die Illustration des Covers! Immer wieder finden sich leise Zwischentöne, die mich haben nachdenken lassen. Oft musste ich innehalten beim Lesen und über einen gelesenen Satz nachdenken. Leider verflüchtigen sich diese Zwischentöne gegen Schluss und die Geschichte driftet in eine mühsame Angelegenheit ab. Plötzlich dreht sich vieles um die Beziehungsgeschichte zwischen Kuan Kuans Eltern. Ich empfand den Schluss oberflächlich und hektisch. Die Handlung überrollt, das Tiefsinnige verliert sich.
Okayish Buch für Zwischendurch
SchwanentageDas Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich um deren Sohn. Eines Tages macht sie einen Ausflug mit dem Jungen, jedoch will Sie eigentlich Lösegeld fordern, aber alles geht den Bach runter. Der Großvater und Vater werden wegen Korruptionsverdacht verhaftet, die Mutter flieht… 🫀 Meine Meinung: Das Buch war für mich okay. Ich habe es als Leseexemplar auf der FBM erwerben können. Es ist nicht das Genre indem ich normal lese, jedoch konnte ich es an einem Stück lesen… auch wenn ich es nicht nochmal lesen wollen würde. Ich kann mir vorstellen, dass andere, die ein solches Genre mögen, viel Spaß mit dem Buch haben werden. Der Schreibstil allerdings war echt gut!

„Schwanentage“ war für mich ein merkwürdiges Leseerlebnis: Ich war schnell durch, der Schreibstil ist ruhig und flüssig, aber am Ende hatte ich das Gefühl, entweder habe ich etwas Entscheidendes verpasst, oder es ist einfach wirklich nicht besonders viel passiert. Die Atmosphäre ist semi spannend, die Themen sind interessant, aber die Handlung bleibt sehr leise und zurückhaltend. Vieles wird nur angedeutet, wenig wirklich aufgelöst. Unterm Strich: schön geschrieben, aber emotional und inhaltlich seltsam flach für mich.
Klassismus in China
Yu Ling ist Kindermädchen bei einer angesehenen chinesischen Familie. Ihr Pflegekind Kuan Kuan und sie haben eine tiefe Bindung. Eines Tages planen Yu Ling und Ihr Freund den Jungen zu entführen und Lösegeld zu fordern. Für den Jungen soll alles wie ein Ausflug aussehen. Doch dann werden der Vater und der Großvater des Jungen verhaftet und die Mutter ist nicht auffindbar. Für Yu Ling entsteht eine vollkommen neue Situation. Der Schreibstil ist einfach und flüssig, dadurch lässt sich die Geschichte gut lesen. Der vorherrschende Klassismus in China und seine Folgen werde deutlich aufgezeigt. In kurzen Rückblenden erfahren wir das ein oder andere über Yu Ling und ihre Arbeitgeber, was die Sichtweise auf das Geschehen verändert. Interessant ist auch die Symbolik des Schwans, bzw. der Gans. Ich musste mich darüber erst einmal informieren, um zu verstehen welche Bedeutung beide in China haben.
Yu Ling ist Kindermädchen und arbeitet für ein wohlhabendes chinesisches Ehepaar und kümmert sich um dessen siebenjährigen Sohn. Als Teil des Haushalts ist sie immer da, in alles integriert und dennoch allen untergeordnet. Der Roman startet damit, dass Yu Ling, die Entführung des Sohnes der Familie plant, um sich Geld dazu zu verdienen. Doch dann erfährt sie währenddessen, dass der Großvater und Vater des Jungen im Gefängnis sitzen, die Mutter ist spurlos verschwunden. Der Vorwurf: Korruption. Yu Lings Plan zerschlägt sich, denn jetzt ist sie die letzte Person, die dem Sohn geblieben ist. Sie muss sich entscheiden, ob sie sich auch wie alle anderen Bediensteten absetzt und den Jungen zurücklässt, oder sich weiterhin um ihn kümmert. Zhang Yuerans handelt von der chinesischen Gesellschaft, der Ungleichheit, die herrscht, und auch den Schwierigkeiten in der Politik, dem Macht-Ungleichgewicht. Ich habe noch keinen Roman einer chinesischen Autorin gelesen und fand den Einblick in die Gesellschaft sehr spannend. Dennoch sind die Figuren mir nicht wirklich ans Herz gewachsen, gegen Ende wirkt die Handlung etwas gehetzt und überspitzt und auch das offene Ende hat mich nicht so wirklich zufrieden gestellt. Dennoch war das Buch kurzweilig und schnell zu lesen und ich empfehle es allen, die einen Einblick in eine andere Kultur bekommen wollen.
Description
»Zhang Yuerans Szenen und Bilder haben einen weltentrückten Glanz, der sowohl von hart gewonnener Einsicht als auch von zeitloser Wahrheit geprägt ist.« Ian McEwan
Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos – und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen …
Zhang Yueran schreibt zärtlich, doch mit unerbittlicher Prägnanz über Beziehungsdynamiken und Klassismus aus der Sicht eines Kindermädchens und gewährt so einen einzigartigen Blick auf die chinesische Gesellschaft.
»Zhang Yueran hat mit Schwanentage ein wirklich lesenswertes, böses Buch geschrieben.« Elke Heidenreich
Book Information
Author Description
Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und eine der wichtigsten Stimmen junger urbaner Literatur. Schon 2012 zählte sie das taiwanische Unitas-Magazin zu den 20 wichtigsten Schreibenden unter 40. Ihre Romane und Erzählungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihr Roman »Cocoon« wurde von der New York Times zu den besten Büchern 2022 gewählt und gewann in Frankreich den Prix Transfuge 2019 für den besten asiatischen Roman.
Posts
Drei Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, ein Kind und eine Gans sinnieren über, erfreuen sich am oder bedauern das Leben. Der Beginn war richtig stark. Wechselte von langsam zu schnell, von Genre zu Genre und bleibt dann abrupt stehen nach dem ersten Drittel. Nach einer Weile wird es philosophisch und fast heiter, um dann zum Schluss nochmal aufzudrehen. Ein feministisches, sozialkritisches Werk, welches sprachlich absolut feinste Literatur ist und inhaltlich viele große Themen auf engstem Raum verarbeitet. Dass manchmal die Rollen der Frauen, die einzig unter dem Mann leidet, zu sehr betont wurde, hat den Lesegenuss etwas getrübt, da ich es generell ungerecht finde, Geschlechter so zu generalisieren (umgekehrt gibt es auch Beispiele), aber allein die Sprache und das mal subtile und mal mit Vollgas ausgeführte Brechen der Erwartungen, hat mich mal irritiert und mal richtig mitgerissen. Am Ende bleibt ein Roman den ich ganz sicher irgendwann nochmal lesen will. Dann wird es zwar keine Überraschung mehr geben, aber sicher noch tieferes Verständnis für dieses empfehlenswerte Werk.
Von Schwänen und Gänsen
Yu Ling arbeitet seit Jahren als Kindermädchen für eine reiche Familie. Die Geschichte beginnt, als sie gerade das Kind entführt, um von der Familie Lösegeld zu erhalten und ein besseres Leben führen zu können. Doch diesen Plan kann sie nicht zu Ende bringen, denn Großvater und Vater des Kindes werden wegen Korruption verhaftet und die Mutter ist nicht mehr erreichbar. Yu Ling muss nun entscheiden, wie es für sie und das Kind weitergehen soll. Obwohl die Geschichte nicht sehr lang ist, bekommen wir einen Einblick in die Gesellschaftsstrukturen Chinas. Es wird das Machtgefälle zwischen Arm und Reich beschrieben, die Korruption in der hohen Gesellschaftsschicht, welche ihren Standard hält, indem eine Hand die andere wäscht, aber es geht auch darum, wie fragil dieses Konstrukt ist, sodass Menschen von ganz oben schnell ganz unten sein können. Über das gesamte Buch hinweg begleitet uns der Schwan, den der Junge des Hauses gerettet hat und als Haustier hält. Bei diesem handelt es sich eigentlich um eine Gans, aber alle lassen das Kind in seinem Glauben. Dies steht für die Unschuld des Kindes, welches von dem ganzen Wirbel Dank Yu Lings liebevoller Fürsorge nichts mitbekommt. Der Schreibstil ist unruhig, manchmal etwas abgehackt, und die Dinge werden eher subtil aufgezeigt. Die Figuren werden durch ihre Taten und Vergangenheit greifbar, aber weniger durch ihre Gedankengänge, wodurch sie oberflächlich bleiben. Die Entwicklung der Charaktere konnte ich manchmal nicht in Einklang mit den Beschreibungen der Personen bringen. So erschließt sich mir die aufopfernde Yu Ling nicht ganz als Kindesentführerin und auch die Hausherrin benimmt sich gegen Ende unerwartet. Das Buch bietet trotz der Kürze interessante Einblicke und Beobachtungen, konnte mich aber nicht mitreißen.
Wenn Fürsorge zur Selbstaufgabe wird
„Schwanentage“ erzählt die leise, aber eindringliche Geschichte eines Kindermädchens, das nach der Verhaftung des Vaters und dem Weggang der Mutter die Fürsorge für ein Kind übernimmt, das nicht ihr eigenes ist. Mit jeder Seite spürt man, wie sie ihr eigenes Leben für das Wohl anderer aufgibt – bis sie sich selbst darin verliert. Besonders eindrucksvoll gelingt es der Autorin, das Paradox des Lebens im Luxus zu zeichnen: im Überfluss zu wohnen, aber nicht dazuzugehören; alles zu berühren, ohne etwas davon wirklich besitzen zu dürfen. Dieses stille, nagende Bewusstsein – dass der Reichtum, den man täglich um sich hat, nie der eigene sein wird – schafft eine bedrückende Atmosphäre, die sich durch jede Seite zieht. Und als dieses fragile Konstrukt aus Loyalität, Pflicht und Illusion schließlich zusammenbricht, bleibt die Protagonistin vor der nackten Frage zurück: Wer bin ich noch, wenn das Leben, das ich geführt habe, nie wirklich meines war? „Schwanentage“ verhandelt Armut und Klassismus nicht laut oder plakativ, sondern mit einer feinen, fast schmerzhaften Zurückhaltung. Gerade diese kühle Distanz, die asiatische Literatur oft auszeichnet, findet sich hier wieder – eine Sprache, die Emotionen nicht ausschmückt, sondern sie durch Schweigen, durch kleine Gesten und unausgesprochene Gedanken spürbar macht. Anfangs mag diese Emotionslosigkeit befremden, als hielte sie den Leser auf Abstand. Doch je länger man liest, desto deutlicher erkennt man: Genau in dieser Distanziertheit liegt die eigentliche Intensität. Trotz einer reduzierten Handlung entfaltet sich eine Spannung, die nicht aus äußeren Ereignissen entsteht, sondern aus inneren Brüchen – aus der stillen Revolte gegen ein Leben, das nie das eigene war. „Schwanentage“ ist kein lautes Buch, aber ein nachhaltiges. Es bleibt im Kopf, weil es die großen Fragen in die kleinsten Momente legt. Und weil es zeigt, wie schwer es ist, sich selbst wiederzufinden, wenn man jahrelang jemand anderes gewesen ist.
Man spürt, wie unterschiedliche Welten aufeinanderprallen.
Von Beginn an war ich neugierig, welche Einblicke eine Autorin geben kann, die noch mitten in China lebt und schreibt. Am meisten bewegt hat mich die Figur des Jungen. Er war sehr greifbar dargestellt und seine leise Sehnsucht nach Zuwendung hat mich oft Mitleid spüren lassen. Trotz aller Privilegien fehlte ihm das Wesentliche: Liebe und Nähe. Deshalb entwickelte er zum Kindermädchen eine enge Bindung, die ich aus eigener Au-Pair-Erfahrung gut nachvollziehen konnte. „Man tauchte in einen völlig anderen Lebensstil ein, wurde davon in gewisser Weise geprägt, aber zurück in seinem alten Leben, würde man damit so lächerlich wirken wie ein ausgebauter Einbaubackofen.“ Die Sprache ist bildreich und zugleich schlicht, vermutlich geprägt durch die Übersetzung aus dem Mandarin. Dieses Buch macht nachdenklich und bereichert zugleich.
“Schwanentage” von Zhang Yueran (ins Deutsche übersetzt von Karin Betz) handelt von Yu Ling, die als Kindermädchen arbeitet, und plant, das Kind ihrer Arbeitgeber gegen Lösegeld zu entführen. Doch genau an diesem Tag wird der Vater festgenommen und die Mutter kehrt von einer Reise nicht zurück, sodass Yu Ling plötzlich die einzige vorhandene Bezugsperson für den kleinen Kuang Kuang ist. Der Autorin gelingt es, trotz des etwas behäbigen Stils, der Erzählungen von chinesischen Autor*innen eigen zu sein scheint, eine spannende, fokussierte Geschichte zu erzählen, in der es um Verantwortung, Entscheidungen und die Unsichtbarkeit chinesischer Frauen im öffentlichen Raum geht. Die Gans (der titelgebende “Schwan”) als Metapher für das Wilde, Unvorhersehbare, mit der die Geschichte beginnt und endet, hat mir als erzählerische Klammer sehr gut gefallen, ebenso die Ausarbeitung der verschiedenen (weiblichen) Charaktere, die hier im Fokus stehen. Ein tiefes, packendes Buch, das man durchaus mehrfach lesen kann (vielleicht sogar sollte), um die diversen Schichten Gesellschaftsbeschreibung und -kritik zu fassen, die in ihm stecken. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Schwanentage von Zhang Yueran war, glaube ich, mein erstes Buch einer chinesischen Autorin. Den Schreibstil fand ich insgesamt okay, aber nicht herausragend. Die Hauptfigur Yu Ling nimmt sich selbst ständig zurück und versucht es allen recht zu machen, wodurch sie auf mich recht naiv wirkte, stellenweise hatte ich fast Mitleid mit ihr. "Es hieß, die Armen lieben es zu träumen, doch das stimmt nicht; Träume gehörten zu den Privilegien der Reichen, und die Welt sorgte auf alle erdenkliche Arten dafür, ihnen diese Träume vorzubehalten." (S. 102) Es geht in diesem Roman um eine superreiche chinesische Famile und ihr Kindermädchen. Die Geschichte entfaltet sich ruhig. Insgesamt plätschert die Handlung eher dahin, was mir auf Dauer etwas zu langweilig war. Mich hätte z.B. auch interessiert, in welche Finanzskandale der Familienvater involviert war, was aber nicht aufgegriffen wurde. Aber vielleicht möchte bzw. kann eine chinesische Autorin oder auch Autor (aus Selbstschutz) nicht darüber schreiben. Who knows. 🤷♂️

Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ein unabhängiges Leben führen zu können. Alles kommt jedoch ganz anders: aus dem Radio erfährt sie, dass Großvater des Jungen wegen Korruption verhaftet wurde und den restlichen Familienmitgliedern dasselbe Schicksal droht. Yu Ling muss sich entscheiden, wo ihre Loyalität liegt und was sie bereit ist, für ihren Job und ihren Schützling aufzugeben. Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und gehört zu den wichtigsten Stimmen junger Literatur. „Schwanentage“ ist ihre erste Übersetzung ins Deutsche, verfasst wurde sie von Karin Betz. Der Titel bezieht sich auf die gemeinsame Zeit von Yu Ling, Kuan Kuan und einer Gans, die der Kleine unbedingt freikaufen wollte. So wie er diese Gans als einen Schwan wahrnimmt und von seinem Kindermädchen dabei nicht korrigiert wird, so bewegt er sich auch völlig ahnungslos durch diese schwierige Zeit. Für ihn ist, dank Yu Ling, alles ein einziges Spiel und Abenteuer. Der Roman macht die Diskrepanz zwischen den beinahe mittellosen, wenig geschätzten Hausangestellten und dem Reichtum, von dem sie umgeben sind, deutlich. So ist es an sich nicht verwunderlich, dass Yu Ling für ihre Treue gerne ein Stück des großen Kuchens abhaben möchte, vor allem ihr neuer Freund Chen Donghu bestärkt sie immer wieder in diesen Gedanken. Während Yu Ling jedoch Gewissensbisse hat, handelt eine weitere Angestellte sofort, als die Vorwürfe gegen die Familie lautwerden und verschwindet mit Schmuck und einem Teil der Einrichtung. Auch wenn das Thema ein wichtiges ist, plätschert der Roman die meiste Zeit leider nur vor sich hin und beschreibt ausführlich, was Yu Ling kocht und was Kuan Kuan so anstellt. Das Ende jedoch hat es in sich und zeigt noch einmal umso deutlicher, welchem Konflikt Yu Ling ausgesetzt ist und welche folgenschweren Entscheidungen sie treffen muss. Hier ist „Schwanentage“ wirklich stark – die Hinleitung hätte aber kürzer sein dürfen!
Yu Ling arbeitet als Kindermädchen bei einer wohlhabenden Familie der chinesischen Elite. Sie kümmert sich hingebungsvoll um den siebenjährigen Jungen Kuan Kuan und kennt die Geheimnisse der Familie – doch auch Yu Ling trägt eigene Geheimnisse in sich. In der Hoffnung auf ein besseres Leben und mit dem Traum, sich aus ihrer prekären Lage zu lösen, plant Yu Ling gemeinsam mit einem Freund, den Jungen zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Der Einstieg hat mich wirklich neugierig gemacht – die Atmosphäre, die Figuren und der Schreibstil hatten etwas Besonderes. Ich dachte zuerst, das könnte richtig gut werden. Aber je weiter ich gelesen habe, desto zäher wurde es für mich. Die Handlung hat sich irgendwie verloren, und am Ende hatte ich das Gefühl, den eigentlichen Sinn der Geschichte gar nicht so richtig verstanden zu haben. Vielleicht liegt es an der Erzählweise oder daran, dass vieles eher symbolisch gemeint war – aber für mich blieb leider zu viel unklar. Schade, denn der Anfang hatte definitiv Potenzial! ⭐️⭐️/ 5 Sternen

Wer Bücher aus dem asiatischen Raum liest, merkt schnell: Hier erzählt man anders, oft leiser, mit mehr Zwischentönen. Auch Zhang Yuerans Schwanentage entführt uns mitten ins Geschehen. Der Blick richtet sich auf die Entwicklung der Figuren und ihre Beziehungen. Eine reiche Familie, zwei Haushälterinnen – und im Zentrum die verbitterte Yu Ling, deren Perspektive den Roman prägt. Die Autorin Zhang Yueran macht in einer turbulenten Geschichte deutlich, dass nicht alles so klar erscheint, wie es scheint. Arm oder reich, mit Geheimnissen oder Fehlern, niemand ist eindimensional. Der Einstieg wirkt zwar zunächst entrückt, führt aber bald zu den titelgebenden Schwanentagen. Der Schwan selbst ist stets präsent, nimmt fast eine Hauptrolle ein und verändert sich wie die Figuren. Er verkörpert gemeinsam mit dem Sohn der Familie die Reinheit einer noch unbescholtenen Seele. Der Roman erzeugt Spannung vor allem zu Beginn und am Ende. Das spurlosen Verschwinden der Frau und die Festnahme des Vaters bleiben hier leider oberflächlich. In der Mitte jedoch verlangsamt sich das Tempo. Wir beobachten Yu Ling, wie sie zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und den Ansprüchen des Kindes ihrer Arbeitgeber schwankt. Zhang Yueran bringt viele Charaktere ins Spiel. Fast jede Figur erhält einen kurzen Abschnitt, bevor sie wieder verschwindet. Ein verbindender Erzählstrang fehlt – vermutlich bewusst –, sodass jede Geschichte für sich steht. Das lenkt den Blick auf das Wesentliche. Für mich ist die asiatische Schreibeweise oft auf eine spezielle Art reizvoll. Sie lädt dazu ein, innezuhalten, zu reflektieren und die Nuancen zu betrachten. Yueran zeigt in ihrem Roman, dass Machtgefälle und Abhängigkeiten sich in westlichem und asiatischem Raum kaum unterscheiden. Ein vollständiges Bild bleibt offen – stattdessen entfaltet sich im Schwanenhotel ein Geflecht aus Metaphern und Bildern, das surreal und zugleich tief berührend wirkt.

Mit Feingefühl gibt die Autorin dem Handlungsverlauf immer mal wieder eine neue Richtung oder pflicht Geschehnisse ein, die unseren Blick verändern. Yu Ling ist das Kindermädchen in einer sehr wohlhabenden Familie. Viel besitzt sie nicht. Um das zu ändern, beschließt sie, ihren Schützling Kuan Kuan zu entführen, damit sie mit dem erhofften Lösegeld ihre Träume verwirklichen kann. So richtig geht dieser Plan allerdings nicht auf. Die Eltern des Jungen sind nämlich nicht mehr zu erreichen. Plötzlich erscheinen ihre Gesichter in sämtlichen Nachrichten: Haftbefehl wegen krimineller Machenschaften. Mir hat sehr gefallen, wie Zhang Yueran die Nervosität von Yu Ling spürbar macht, als sie ihren Entführungsplan beginnt, in die Tat umzusetzen. Dieses Unbehagen im Wissen, hier gerade eine Straftat begehen zu wollen, kommt sehr gut rüber. Auch die Verbindung zwischen ihr und dem Jungen wirkt von beiden Seiten sehr vertraut. Man spürt, wie sehr sie dem Jungen am Herzen liegt. Das Ende hat mich mit einer leichten Unzufriedenheit zurückgelassen. Aber irgendwie glaube ich, dass diese Geschichte auch gar nicht den Anspruch hat, alle Unklarheiten zu beseitigen. Es geht viel mehr um das aufopfernde Verhalten von Yu Ling. Es gab mehrere Momente, in denen es sich angefühlt hat, als würde die “Intensität” raus sein. Da die Geschichte direkt mit der Entführung beginnt, ist das Tempo zunächst leicht erhöht. Im weiteren Verlauf bleibt es hingegen gemächlich. Die Autorin trifft einen klaren und ruhigen Erzählton. Man erhält einen minimal angedeuteten Einblick in die Thematiken “Sohn vs. Tochter”, Stellungen und ungleichen Aufstiegschancen. Diese Themen schwingen am Rande mit, bzw. werden kurz indirekt erwähnt, sind aber nicht Hauptthema. Der Roman war durch seine ruhige Art entspannt zu lesen. In den Bann gezogen hat er mich jedoch nicht so richtig.
"Es hieß, die Armen liebten es zu träumen, doch das stimmte nicht; Träume gehörten zu den Privilegien der Reichen, und die Welt sorgte auf alle erdenklichen Arten dafür, ihnen diese Träume vorzubehalten."
++ Rezensionsexemplar ++ Der Anfang war etwas holprig, was für mich u.a. an der Übersetzung lag. Als junge Leserin muss ich einfach leider sagen, das es in einem 2025 übersetzten Buch sehr irritierend war direkt am Anfang "zeitig aufstehen", "aus dem Bett purzeln" zu lesen, wenn man aufgrund der Aufmachung des Buches mit einer modernen Übersetzung rechnet. Das war aber nur auf den ersten beiden Seiten so, danach war man gut in dem Fluss der Sprache drin. Eine andere Herausforderung war der Schreibstil Zhang Yuerans. Ich empfand die Erzählung der Geschichte als sehr sprunghaft. Würde man sich mit der Protagonistin im echten Leben unterhalten würde es sich anfühlen, als ob sie von Thema zu Thema springt. Auch das hat Eingewöhnung beim Lesen gekostet. Mit 224 Seiten kann man sich aber die Zeit gut nehmen, die Geschichte ist schnell erzählt. So sehr ich mich am Anfang eingewöhnen musste, war ich aber doch auch schnell gepackt. Ich habe zwischen 3,5 Sternen und 4 geschwankt. Das Buch hat mir aber am Ende das gegeben, was ich mir von einem Buch wünsche: Für eine kurze Weile konnte ich kurz in eine andere Welt abtauchen. Bisher habe ich am meisten Tatsachenberichte von chinesischen Frauen gelesen, die Verarbeitung dieses Themas in einem kurzen Roman war erfrischend. Zhang Yueran spricht subtil, und doch deutlich erkennbar strukturelle Probleme an: Die große Schere zwischen Arm und Reich in China, die Vorteile die man mit einem guten Netzwerk dort genießen kann. Der Druck als Frau, wenn man ab Alter X immer noch unverheiratet ist. Spannend war der Dialog zwischen Qin Wen und Xiaomin. "... es folgte derselben Logik, die ich seit der zweiten Klasse kannte: Eine Hand wäscht die andere. Mein Vater tat jemandem einen Gefallen und bekam dafür einen Gefallen zurück." Zhang Yueran schreibt sprunghaft, aber auch sehr atmosphärisch. Wenn die Gerichte beschrieben wurden, die Yu Ling kocht, habe ich mich gesehnt, in China zu sein und das alles sofort genießen zu können. Sogar heißes Wasser habe ich getrunken, so drin war ich wieder in der Kultur haha. Das offene Ende macht mich fertig. Ich habe so mit den Frauen mitgefiebert, wie bitte, ich erfahre nicht, wie es ihnen jetzt geht? Ein tolles Buch für Zwischendurch, meiner Meinung nach auch eine gute Möglichkeit über leichte Kost Einblick in die chinesische Kultur und Denkweise zu erhalten. Danke an den Ecco Verlag, das E-Book wurde mir über Netgalley zur Verfügung gestellt.

Der siebenjährige Kuan Kuan liebt sein Kindermädchen Yu Ling abgöttisch. Seine Eltern, Mutter Qin Wen und Vater Hu Yafei, sind wohlhabend und gehören zu Pekings Elite. Als Yu Ling einen Frühlingsausflug mit dem Jungen plant, ahnen die Eltern nicht, dass das Kindermädchen ihren Sohn entführen will. Denn Yu Ling möchte nicht mehr als Kindermädchen arbeiten, sondern ihre Träume verwirklichen. Die Ereignisse überrollen sich als Kuan Kuans Vater wegen Korruption festgenommen wird und seine Mutter abtaucht. Plötzlich ist Yu Ling ganz alleine, mit dem Jungen und seiner Gans, in dem Haus der Golden Lake Villen. Die Autorin gilt, laut Information auf dem Buch, als eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas. Zhang Yueran schreibt in einer klaren und eher sachlichen Sprache. Ihr Protagonistin YuLing ist eine tiefgründige Figur. Sie arbeitet als Kindermädchen bei einer wohlhabenden Familie in Peking und sie träumt von so viel mehr. Sie möchte weg. Denn sie fühlt sich gefangen durch das gute Gehalt und die Trägheit des Lebens. Dadurch ist sie empfänglich für den verhängnisvollen Plan von ihrem neuen Freund Chen Donghu: die Entführung ihres Schützlings. Man spürt ihr Zaudern gut, denn eigentlich ist sie nicht die, die kriminell wird. Eigentlich geht Kriminalität über ihr Naturell, ihre Erziehung, ihre Weltanschauung. Die Autorin hebt deutlich die Unterschiede der Macht in der Bevölkerung hervor. Die Eltern von Kuan Kuan sind reich, leicht arrogant, gewohnt zu befehlen und alles zu bekommen, was sie sich wünschen. Ihr siebenjähriger Sohn Kuan Kuan ist mit kleinen Abstrichen ein Ebenbild der Eltern und ebenfalls gewohnt zu bekommen, was er will. Ein verwöhnter Bengel, wie wohl viele in China, die in der Ein-Kind-Politik aufwachsen. Die schöne Ueberraschung ist, dass er eine Gans kauft. Da diese, eingepfercht in einem Käfig, ihm leidtut. Die Gans, von der der Junge denkt, sie sei ein Schwan. Damit haben wir die Erklärung für die Illustration des Covers! Immer wieder finden sich leise Zwischentöne, die mich haben nachdenken lassen. Oft musste ich innehalten beim Lesen und über einen gelesenen Satz nachdenken. Leider verflüchtigen sich diese Zwischentöne gegen Schluss und die Geschichte driftet in eine mühsame Angelegenheit ab. Plötzlich dreht sich vieles um die Beziehungsgeschichte zwischen Kuan Kuans Eltern. Ich empfand den Schluss oberflächlich und hektisch. Die Handlung überrollt, das Tiefsinnige verliert sich.
Okayish Buch für Zwischendurch
SchwanentageDas Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich um deren Sohn. Eines Tages macht sie einen Ausflug mit dem Jungen, jedoch will Sie eigentlich Lösegeld fordern, aber alles geht den Bach runter. Der Großvater und Vater werden wegen Korruptionsverdacht verhaftet, die Mutter flieht… 🫀 Meine Meinung: Das Buch war für mich okay. Ich habe es als Leseexemplar auf der FBM erwerben können. Es ist nicht das Genre indem ich normal lese, jedoch konnte ich es an einem Stück lesen… auch wenn ich es nicht nochmal lesen wollen würde. Ich kann mir vorstellen, dass andere, die ein solches Genre mögen, viel Spaß mit dem Buch haben werden. Der Schreibstil allerdings war echt gut!

„Schwanentage“ war für mich ein merkwürdiges Leseerlebnis: Ich war schnell durch, der Schreibstil ist ruhig und flüssig, aber am Ende hatte ich das Gefühl, entweder habe ich etwas Entscheidendes verpasst, oder es ist einfach wirklich nicht besonders viel passiert. Die Atmosphäre ist semi spannend, die Themen sind interessant, aber die Handlung bleibt sehr leise und zurückhaltend. Vieles wird nur angedeutet, wenig wirklich aufgelöst. Unterm Strich: schön geschrieben, aber emotional und inhaltlich seltsam flach für mich.
Klassismus in China
Yu Ling ist Kindermädchen bei einer angesehenen chinesischen Familie. Ihr Pflegekind Kuan Kuan und sie haben eine tiefe Bindung. Eines Tages planen Yu Ling und Ihr Freund den Jungen zu entführen und Lösegeld zu fordern. Für den Jungen soll alles wie ein Ausflug aussehen. Doch dann werden der Vater und der Großvater des Jungen verhaftet und die Mutter ist nicht auffindbar. Für Yu Ling entsteht eine vollkommen neue Situation. Der Schreibstil ist einfach und flüssig, dadurch lässt sich die Geschichte gut lesen. Der vorherrschende Klassismus in China und seine Folgen werde deutlich aufgezeigt. In kurzen Rückblenden erfahren wir das ein oder andere über Yu Ling und ihre Arbeitgeber, was die Sichtweise auf das Geschehen verändert. Interessant ist auch die Symbolik des Schwans, bzw. der Gans. Ich musste mich darüber erst einmal informieren, um zu verstehen welche Bedeutung beide in China haben.
Yu Ling ist Kindermädchen und arbeitet für ein wohlhabendes chinesisches Ehepaar und kümmert sich um dessen siebenjährigen Sohn. Als Teil des Haushalts ist sie immer da, in alles integriert und dennoch allen untergeordnet. Der Roman startet damit, dass Yu Ling, die Entführung des Sohnes der Familie plant, um sich Geld dazu zu verdienen. Doch dann erfährt sie währenddessen, dass der Großvater und Vater des Jungen im Gefängnis sitzen, die Mutter ist spurlos verschwunden. Der Vorwurf: Korruption. Yu Lings Plan zerschlägt sich, denn jetzt ist sie die letzte Person, die dem Sohn geblieben ist. Sie muss sich entscheiden, ob sie sich auch wie alle anderen Bediensteten absetzt und den Jungen zurücklässt, oder sich weiterhin um ihn kümmert. Zhang Yuerans handelt von der chinesischen Gesellschaft, der Ungleichheit, die herrscht, und auch den Schwierigkeiten in der Politik, dem Macht-Ungleichgewicht. Ich habe noch keinen Roman einer chinesischen Autorin gelesen und fand den Einblick in die Gesellschaft sehr spannend. Dennoch sind die Figuren mir nicht wirklich ans Herz gewachsen, gegen Ende wirkt die Handlung etwas gehetzt und überspitzt und auch das offene Ende hat mich nicht so wirklich zufrieden gestellt. Dennoch war das Buch kurzweilig und schnell zu lesen und ich empfehle es allen, die einen Einblick in eine andere Kultur bekommen wollen.






















