Schön ist die Nacht
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Description
Das Dröhnen und die Herrlichkeit, die Bürde und die Notwendigkeit des Lebens der „einfachen Leute“
Willy sehnt sich nach nichts so sehr wie nach einem normalen Leben. Er will seine Arbeit als Zimmerer gut machen, er will für seine Familie sorgen, er träumt vom eigenen Häuschen. Mit seiner ehrlichen Art stößt er immer wieder an Grenzen, was nichts an seinem Entschluss ändert, anständig zu bleiben.
Horst, ein ungelernter Hilfsarbeiter, glaubt schon lange nicht mehr daran, auf ehrliche Weise nach oben zu kommen. Er greift zu halbseidenen Mitteln, und seine Existenz entgleitet ihm in dem Maße, in dem er seine Aggressionen nicht im Griff hat. In die Spirale des Abstiegs zieht er seinen Freund Willy hinein – mit katastrophalen Folgen für beide.
Schön ist die Nacht ist ein Roman über die westdeutschen Siebzigerjahre, der Roman einer ganzen sozialen Klasse. Zwischen ihren nach Emanzipation strebenden Frauen und streikwilligen „Gastarbeitern“, zwischen ihnen entgleitenden Kindern und sie unter Druck setzenden Chefs, zwischen Spekulantenträumen und Baustellenwirklichkeit führen Willy und Horst aussichtslose Kämpfe um ihren Anteil am Wohlstand. Müssen wir sie uns als glückliche Menschen vorstellen?
Book Information
Author Description
Christian Baron, geboren 1985 in Kaiserslautern, lebt als freier Autor in Berlin. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik in Trier arbeitete er mehrere Jahre als Zeitungsredakteur. 2020 erschien bei Claassen sein literarisches Debüt Ein Mann seiner Klasse, wofür er den Klaus-Michael-Kühne-Preis und den Literaturpreis »Aufstieg durch Bildung« der noon-Foundation erhielt. Die von ihm zusammen mit Maria Barankow herausgegebene Anthologie Klasse und Kampf erschien 2021 bei Claassen.
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🌑 [Werbung. Rezensionsexemplar.] Rezension zu „Schön ist die Nacht“ von Christian Baron, Roman, Hardcover, 384 Seiten, 23€, erschienen am 28 Juli 2022 im Claassen Verlag. Der Klappentext hat sich für mich nach gutem Material für einen aufregenden Roman angehört - starke Figuren (sowohl Männer als auch Frauen), die wilden 1970er Jahre und alles zusammen gehalten durch Freundschaft und Familie. Vielleicht habe ich zu viel erwartet oder etwas ganz anderes, denn begeistern konnten mich die 384 Seiten leider nicht… Wird „Schön ist die Nacht“ von Christian Baron für mich zum Paradebeispiel, warum ich mittlerweile nicht mehr allzu gerne Bücher mit emotionalem Anspruch von männlichen Autoren lese? Vielleicht. Denn um ganz ehrlich zu sein, verbindet der neueste Roman von Christian Baron alles, worüber ich nicht (mehr) gerne lese. Der Einstieg in die Geschichte um die beiden Freunde Horst und Willy war trotz der widrigen Umstände schön, im zerbombten Deutschland am Ende des Zweiten Weltkriegs. Dort lernten sich die beiden kennen und knüpften ein Band, was ihre Freundschaft mehr oder weniger zusammenhalten sollte. Doch kann ihre Freundschaft über die Jahre bestehen bleiben? Christian Baron erzählt offen und schonungslos über seine eigenen Großväter, erzählt ihre Lebensgeschichten, wenn auch die Figuren frei erfunden sind. Dabei ist Horst wirklich kein netter Mensch, kein guter Vater. Willy dagegen war okay, nicht so arg schlimm wie Horst, aber dennoch kein Heiliger. Beide Protagonisten haben keine Sympathie-Punkte bei mir sammeln können. Danach wurde aber meines Erachtens nach viel Potential verschenkt. Gerne hätte ich mehr vom Treffen von unseren beiden Protagonisten gelesen, über ihr Kennenlernen, das Entstehen ihrer Freundschaft bis in die wilden 1970er Jahre. Denn wild waren sie, die 70er. Wild, unberechenbar, manchmal intensiv, aber auch ganz oft an der Grenze des guten Geschmacks. In „Schön ist die Nacht“ kommt viel toxische Männlichkeit vor, prügelnde Männer, die ihre eigenen Kinder schlagen und beleidigen, es wird viel Alkohol getrunken, es herrscht zu viel Missgunst, Neid und Beleidigungen. Wie oft ich bei dem unterschwelligen Rassismus, Sexismus, Homofeindlichkeit und der Misogynie die Augen gerollt habe, kann ich leider mehr zählen - es war leider zu viel und zu oft. Für mich gilt hier keine Ausrede, auch nicht, dass es „halt die 1970er Jahre und andere Zeiten waren“. Von mir gibt es leider keine Empfehlung für „Schön ist die Nacht“ von Christian Baron - leider konnte es mich aus den oben genannten Gründen nicht überzeugen… Es hätte eine schöne Geschichte über Familienbande und Freundschaft werden können, aber mit dem vielen Neid und den vielen Prügeleien und Beleidigungen war es leider nicht meins. („Klasse und Kampf“ von den Herausgeber*innen Maria Barankow und Christian Baron möchte ich dennoch unbedingt lesen, eventuell bekomme ich nach dem Sachbuch mehr Verständnis für „Schön ist die Nacht“.)

Eine Familiengeschichte, die deswegen so wehtut, weil Christian Baron im Hintergrund die Grausamkeit des Systems mitschwingen lässt, das überhaupt erst daran schuld ist, dass seine Hauptfiguren immer wieder zurück in den Dreck gestoßen werden, dem sie zu entfliehen versuchen. Der Kapitalismus hat versagt, die falschen Versprechen des Neoliberalismus zerrinnen den Protagonisten in den Fingern. Die Figur der Hulda wird dabei als Charakter aufgebaut, der nicht nur die Personen Willy und Hans zusammenhält, sondern auch die Verrohtheit des Kapitalismus erkennt und sie beide dazu drängt dies auch zu tun - wobei sie scheitert. Die Verweise auf Alfred Döblins ,,Berlin Alexanderplatz", Hermann Hesses ,,Narziss und Goldmund" und John Steinbecks ,,Von Mäusen und Menschen" stellen ,,Schön ist die Nacht" dabei (nicht unverdient) in eine Reihe mit einigen der ganz großen Literaturklassiker.
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Das Dröhnen und die Herrlichkeit, die Bürde und die Notwendigkeit des Lebens der „einfachen Leute“
Willy sehnt sich nach nichts so sehr wie nach einem normalen Leben. Er will seine Arbeit als Zimmerer gut machen, er will für seine Familie sorgen, er träumt vom eigenen Häuschen. Mit seiner ehrlichen Art stößt er immer wieder an Grenzen, was nichts an seinem Entschluss ändert, anständig zu bleiben.
Horst, ein ungelernter Hilfsarbeiter, glaubt schon lange nicht mehr daran, auf ehrliche Weise nach oben zu kommen. Er greift zu halbseidenen Mitteln, und seine Existenz entgleitet ihm in dem Maße, in dem er seine Aggressionen nicht im Griff hat. In die Spirale des Abstiegs zieht er seinen Freund Willy hinein – mit katastrophalen Folgen für beide.
Schön ist die Nacht ist ein Roman über die westdeutschen Siebzigerjahre, der Roman einer ganzen sozialen Klasse. Zwischen ihren nach Emanzipation strebenden Frauen und streikwilligen „Gastarbeitern“, zwischen ihnen entgleitenden Kindern und sie unter Druck setzenden Chefs, zwischen Spekulantenträumen und Baustellenwirklichkeit führen Willy und Horst aussichtslose Kämpfe um ihren Anteil am Wohlstand. Müssen wir sie uns als glückliche Menschen vorstellen?
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Author Description
Christian Baron, geboren 1985 in Kaiserslautern, lebt als freier Autor in Berlin. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik in Trier arbeitete er mehrere Jahre als Zeitungsredakteur. 2020 erschien bei Claassen sein literarisches Debüt Ein Mann seiner Klasse, wofür er den Klaus-Michael-Kühne-Preis und den Literaturpreis »Aufstieg durch Bildung« der noon-Foundation erhielt. Die von ihm zusammen mit Maria Barankow herausgegebene Anthologie Klasse und Kampf erschien 2021 bei Claassen.
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🌑 [Werbung. Rezensionsexemplar.] Rezension zu „Schön ist die Nacht“ von Christian Baron, Roman, Hardcover, 384 Seiten, 23€, erschienen am 28 Juli 2022 im Claassen Verlag. Der Klappentext hat sich für mich nach gutem Material für einen aufregenden Roman angehört - starke Figuren (sowohl Männer als auch Frauen), die wilden 1970er Jahre und alles zusammen gehalten durch Freundschaft und Familie. Vielleicht habe ich zu viel erwartet oder etwas ganz anderes, denn begeistern konnten mich die 384 Seiten leider nicht… Wird „Schön ist die Nacht“ von Christian Baron für mich zum Paradebeispiel, warum ich mittlerweile nicht mehr allzu gerne Bücher mit emotionalem Anspruch von männlichen Autoren lese? Vielleicht. Denn um ganz ehrlich zu sein, verbindet der neueste Roman von Christian Baron alles, worüber ich nicht (mehr) gerne lese. Der Einstieg in die Geschichte um die beiden Freunde Horst und Willy war trotz der widrigen Umstände schön, im zerbombten Deutschland am Ende des Zweiten Weltkriegs. Dort lernten sich die beiden kennen und knüpften ein Band, was ihre Freundschaft mehr oder weniger zusammenhalten sollte. Doch kann ihre Freundschaft über die Jahre bestehen bleiben? Christian Baron erzählt offen und schonungslos über seine eigenen Großväter, erzählt ihre Lebensgeschichten, wenn auch die Figuren frei erfunden sind. Dabei ist Horst wirklich kein netter Mensch, kein guter Vater. Willy dagegen war okay, nicht so arg schlimm wie Horst, aber dennoch kein Heiliger. Beide Protagonisten haben keine Sympathie-Punkte bei mir sammeln können. Danach wurde aber meines Erachtens nach viel Potential verschenkt. Gerne hätte ich mehr vom Treffen von unseren beiden Protagonisten gelesen, über ihr Kennenlernen, das Entstehen ihrer Freundschaft bis in die wilden 1970er Jahre. Denn wild waren sie, die 70er. Wild, unberechenbar, manchmal intensiv, aber auch ganz oft an der Grenze des guten Geschmacks. In „Schön ist die Nacht“ kommt viel toxische Männlichkeit vor, prügelnde Männer, die ihre eigenen Kinder schlagen und beleidigen, es wird viel Alkohol getrunken, es herrscht zu viel Missgunst, Neid und Beleidigungen. Wie oft ich bei dem unterschwelligen Rassismus, Sexismus, Homofeindlichkeit und der Misogynie die Augen gerollt habe, kann ich leider mehr zählen - es war leider zu viel und zu oft. Für mich gilt hier keine Ausrede, auch nicht, dass es „halt die 1970er Jahre und andere Zeiten waren“. Von mir gibt es leider keine Empfehlung für „Schön ist die Nacht“ von Christian Baron - leider konnte es mich aus den oben genannten Gründen nicht überzeugen… Es hätte eine schöne Geschichte über Familienbande und Freundschaft werden können, aber mit dem vielen Neid und den vielen Prügeleien und Beleidigungen war es leider nicht meins. („Klasse und Kampf“ von den Herausgeber*innen Maria Barankow und Christian Baron möchte ich dennoch unbedingt lesen, eventuell bekomme ich nach dem Sachbuch mehr Verständnis für „Schön ist die Nacht“.)

Eine Familiengeschichte, die deswegen so wehtut, weil Christian Baron im Hintergrund die Grausamkeit des Systems mitschwingen lässt, das überhaupt erst daran schuld ist, dass seine Hauptfiguren immer wieder zurück in den Dreck gestoßen werden, dem sie zu entfliehen versuchen. Der Kapitalismus hat versagt, die falschen Versprechen des Neoliberalismus zerrinnen den Protagonisten in den Fingern. Die Figur der Hulda wird dabei als Charakter aufgebaut, der nicht nur die Personen Willy und Hans zusammenhält, sondern auch die Verrohtheit des Kapitalismus erkennt und sie beide dazu drängt dies auch zu tun - wobei sie scheitert. Die Verweise auf Alfred Döblins ,,Berlin Alexanderplatz", Hermann Hesses ,,Narziss und Goldmund" und John Steinbecks ,,Von Mäusen und Menschen" stellen ,,Schön ist die Nacht" dabei (nicht unverdient) in eine Reihe mit einigen der ganz großen Literaturklassiker.





