Saving Time
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Description
We're living on the wrong clock. And it's destroying us.
'To read it is ... to experience how freedom might feel' Oliver Burkeman, author of Four Thousand Weeks
Our life is dominated by the corporate clock that so many of us contort ourselves to fit inside. It wasn't devised for people, but for profit. We need to embrace a whole new concept of time: one that gives us and our planet a brighter future.
In Saving Time, Jenny Odell, bestselling author of How to Do Nothing, examines how we got to the point where time became money. Taking inspiration from the pre-industrial, ecological and geological rhythms of our world, she offers us radical new models to live by that make a more humane, more hopeful existence seem possible.
Now is our moment to rethink. And if we do, time might just save us.
'An inimitable gift' Jia Tolentino, author of Trick Mirror
'One of the most important books I've read in my life' Ed Yong, author of An Immense World
Saving Time featured on the New York Times bestseller list 26.3.23
Book Information
Posts
Ganz neue Erkenntnisse über Zeit
Für mich sind Jenny Odells Bücher eine Offenbarung. Sie schreibt derart vielfältig und tief über ein Thema, dass ich nicht nur Wissen sondern Weisheit und Erkenntnis dazu erlange. Ich habe monatelang an diesem Buch gelesen. Immer wieder ein Häppchen und dann tagelang gedanklich darauf rum gekaut. Zeit - Odell beschreibt wie und warum die Zeit als Konstrukt, wie wir es heute kennen, geschaffen wurde, um Menschen zur Arbeit für Andere zu organisieren. Vorher arbeitete man so viel nötig war, ein Zeitschema war nicht nötig. Zeit existierte nur soweit der Glockenturm, der "die Stunde schlug" zu hören war. Ausserhalb gab es keine "Zeit". Sie beschreibt die geschichtliche Entwicklung über die Industrialisierung bis hin zu unserer heutigen Zeit und ihre Auswirkungen auf den Menschen. Vielfach widmet Sie sich Kulturen, die ein gänzlich anderes Konzept von Zeit haben und - jenseits unserer linearen Zeitvorstellung - in jedem Ding und jedem Ort seine eigene Zeit sehen. Denn wir haben nicht Zeit. Wir sind Zeit. Ein faszinierendes Buch - nicht leicht aber es lohnt sich. Wärmstens möchte ich hier auch "Nichts tun" von Jenny Odell empfehlen, der Vorgänger dieses Buches, der mir noch besser gefallen hat.
Die Autorin betrachtet das Phänomen Zeit und spannt dabei einen weiten Bogen von Arbeitszeit bis zur Lebenszeit sowohl historisch, biografisch als auch kulturell. Die Verknüpfung von Zeit mit Arbeit und Geld, die Zeiterfassung, Freizeit, Zeitwahrnehmung von indigenen Völkern, geologische Zeiträume werden individuell und philosophisch durchleuchtet. Vom Lebensratgeber über Schriften von Kulturphilosophen oder Märchen und Gedichten wird alles zitiert, was sich in irgendeiner Weise mit Zeit befasst. Wer viel Zeit hat, kann in dieses Mammutwerk (ca 500 Seiten, davon 100 Quellenangaben) eintauchen.
What makes the world go round?
So gern ich darauf mit Schlagworten wie Solidarität und Mitgefühl antworten würde, so realistisch kann es ich nur mit „Geld“ beantworten. „Money makes the world go round“ . Weil wir gerade bei Redewendungen sind, lässt sich hier ideal mit „Zeit ist Geld“ anknüpfen. Diese Phrase ist nicht mehr nur so zu verstehen, dass man sich beeilen sollte, um viel zu erledigen. Sie passt auch auf das Phänomen, das ich als das große Buhlen um unsere Zeit und um unsere Aufmerksamkeit bezeichnen möchte. In mir regt sich seit Längerem ein dumpfes Gefühl der Abgrenzung dagegen, das ich bisher kaum in konkrete Worte fassen konnte. Umso interessierter war ich als ich, als ich Jenny Odell und ihre Bücher entdeckte, die dann auch noch in einem meiner „Top 3“ Verlage, dem C.H. Beck Verlag in der deutschen Übersetzung von Annabel Zettel verlegt wurden. Im Oktober gesellten sich somit gleich zwei Bücher zu meinen Sachbuch-Jahresfavoriten. Jenny Odell ist Schriftstellerin, Künstlerin und Dozentin, sie lehrt in Stanford, schreibt für verschiedenste Zeitungen und war als Künstlerin u.a. Teil des Residency Projekts von Facebook. „Nichts tun. Die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen“ und „Zeit finden. Jenseits des durchgetakteten Lebens“ beschäftigen sich beide mit der Frage, wie wir unsere Balance im Umgang mit der Ökonomisierung unserer Aufmerksamkeit und Zeit finden. Von allen Seiten wird mittels mehr oder weniger subtiler Werbung um unsere Konsumentscheidungen gebuhlt und damit um unsere Aufmerksamkeit und Zeit. Gleichzeitung wird uns suggeriert, dass Selbstoptimierung und Effizienzstreben unsere Ziele sein sollen. Da die Welt Menschen wie uns braucht und unser Engagement zum Besseren, ist ein Eremitendasein keine Alternative. So liegt es an uns, diese Prozesse bewusst zu reflektieren und inne zu halten und Kunst, Muße, Kreativität, echtem Austausch und politischem Engagement Raum zu geben und somit nicht zuletzt ein Zeichen des Protests und für den Naturschutz (Thema KI) zu setzen. Wem nutzt es, wenn jede Minute unseres Tages durchökonomisiert ist, wie kam es kulturhistorisch dazu? Zu diesen und noch vielen weiteren Schwerpunkten legt die Autorin in beiden Büchern ihre Gedankengänge dar, schildert viele Hintergründe und Beispiele. Der Stil ist durchweg anspruchsvoll, die Lektüre verlangt stetiges Mitdenken. Hier liegt womöglich auch der größte, denkbare Kritikpunkt verankert: Beide Texte imponieren in ihrer Form eher wie ein essayistisches Selbstgespräch, wie ein gemeinsames Nachdenken und nicht wie ein klar strukturiertes Sachbuch, in man stets den Überblick über das bisher Gesagte behält. Ich konnte mich gut auf diesen Reflektionsfluss einlassen, insofern habe ich mich daran nicht gestört. Vielmehr war ich immer wieder begeistert und berührt, dass Odell Dinge, die ich seit Längerem spüre, so treffend in Worte kleiden konnte. Beide Bücher klingen immer noch nach in meinen Gedanken und setzen immer wieder den Impuls, mir die Verfügungshoheit über meine Zeit und meine Aufmerksamkeit zurück zu erobern. Am Beispiel kommerzieller sozialer Medien möchte ich die Vorteile für mich nutzen und mich nicht von jeder Wellenbewegung umstoßen lassen, in der es letztlich nur ums aufmerksamkeitsbindende Gruppen-Echauffieren (ergo Engagement Provozieren) und nicht um inhaltliche Schwerpunkte geht. Eine Leseempfehlung mit Tiefgang und (nice to have) großer Coverliebe meinerseits.
Anspruchsvoll, interessant und anregend
**** Worum geht es? **** Der Titel „Zeit finden: jenseits des durchgetakteten Lebens“ gibt den Inhalt des Buches optimal wieder. Jeder Moment im Leben wird erfasst und optimiert. Zeit wird zu einer Ressource und hetzt und tag täglich ein bisschen mehr. Unsere Wahrnehmung von Zeit macht uns kaputt. Was sind die falschen Vorstellungen von Zeit und wie kann man diese neben der perfekten Durchtaktung finden? Darf man frei und menschlich sein? **** Mein Eindruck **** Da es sich hierbei um ein Sachbuch handelt, habe ich mit einem gewissen Anspruch im Text gerechnet. Das dieser tatsächlich nahezu wissenschaftlich formuliert ist hat mich mehr als positiv überrascht. Ein Meinungsbild konnte klar von Fakten getrennt werden, Beispiele unterstrichen Aussagen und ermöglichten immer wieder einen neuen Zugang zu der Thematik. Die Zitation ist übersichtlich und nachvollziehbar. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass dieser Stil abschreckend wirken kann. Das Buch ist kein Text für zwischendurch. Es beschäftigt sich tiefgreifend und detailreich mit dem Thema Zeit, wie wir diese wahrnehmen, woher diese Wahrnehmungen kommen können und wie man eben Zeit „finden“ kann. Ich habe einiges Bekanntes und auch Neues lernen dürfen und habe das Buch immer mit Interesse und Neugierde aufgeschlagen. Aufgrund des Umfangs und des Anspruchs beschäftigte ich mich hier über einen längeren Zeitraum mit dem Begriff und der Wahrnehmung von Zeit, was ich auf der einen Seite sehr lehrreich fand und auf der anderen Seite manchmal auch etwas langwierig. Manche Stellen hätten meiner Ansicht nach noch etwas gekürzt werden können. **** Empfehlung? **** Ein Sachbuch ganz nach meinem Geschmack. Aufgrund des Anspruchs und der Dicke empfehle ich eines der Kapitel einfach mal anzulesen. Wer sich mit dem Thema Zeit und der Suche danach beschäftigen möchte hält hiermit ein besonderes und thematisch angemessenes Buch in der Hand.
Description
We're living on the wrong clock. And it's destroying us.
'To read it is ... to experience how freedom might feel' Oliver Burkeman, author of Four Thousand Weeks
Our life is dominated by the corporate clock that so many of us contort ourselves to fit inside. It wasn't devised for people, but for profit. We need to embrace a whole new concept of time: one that gives us and our planet a brighter future.
In Saving Time, Jenny Odell, bestselling author of How to Do Nothing, examines how we got to the point where time became money. Taking inspiration from the pre-industrial, ecological and geological rhythms of our world, she offers us radical new models to live by that make a more humane, more hopeful existence seem possible.
Now is our moment to rethink. And if we do, time might just save us.
'An inimitable gift' Jia Tolentino, author of Trick Mirror
'One of the most important books I've read in my life' Ed Yong, author of An Immense World
Saving Time featured on the New York Times bestseller list 26.3.23
Book Information
Posts
Ganz neue Erkenntnisse über Zeit
Für mich sind Jenny Odells Bücher eine Offenbarung. Sie schreibt derart vielfältig und tief über ein Thema, dass ich nicht nur Wissen sondern Weisheit und Erkenntnis dazu erlange. Ich habe monatelang an diesem Buch gelesen. Immer wieder ein Häppchen und dann tagelang gedanklich darauf rum gekaut. Zeit - Odell beschreibt wie und warum die Zeit als Konstrukt, wie wir es heute kennen, geschaffen wurde, um Menschen zur Arbeit für Andere zu organisieren. Vorher arbeitete man so viel nötig war, ein Zeitschema war nicht nötig. Zeit existierte nur soweit der Glockenturm, der "die Stunde schlug" zu hören war. Ausserhalb gab es keine "Zeit". Sie beschreibt die geschichtliche Entwicklung über die Industrialisierung bis hin zu unserer heutigen Zeit und ihre Auswirkungen auf den Menschen. Vielfach widmet Sie sich Kulturen, die ein gänzlich anderes Konzept von Zeit haben und - jenseits unserer linearen Zeitvorstellung - in jedem Ding und jedem Ort seine eigene Zeit sehen. Denn wir haben nicht Zeit. Wir sind Zeit. Ein faszinierendes Buch - nicht leicht aber es lohnt sich. Wärmstens möchte ich hier auch "Nichts tun" von Jenny Odell empfehlen, der Vorgänger dieses Buches, der mir noch besser gefallen hat.
Die Autorin betrachtet das Phänomen Zeit und spannt dabei einen weiten Bogen von Arbeitszeit bis zur Lebenszeit sowohl historisch, biografisch als auch kulturell. Die Verknüpfung von Zeit mit Arbeit und Geld, die Zeiterfassung, Freizeit, Zeitwahrnehmung von indigenen Völkern, geologische Zeiträume werden individuell und philosophisch durchleuchtet. Vom Lebensratgeber über Schriften von Kulturphilosophen oder Märchen und Gedichten wird alles zitiert, was sich in irgendeiner Weise mit Zeit befasst. Wer viel Zeit hat, kann in dieses Mammutwerk (ca 500 Seiten, davon 100 Quellenangaben) eintauchen.
What makes the world go round?
So gern ich darauf mit Schlagworten wie Solidarität und Mitgefühl antworten würde, so realistisch kann es ich nur mit „Geld“ beantworten. „Money makes the world go round“ . Weil wir gerade bei Redewendungen sind, lässt sich hier ideal mit „Zeit ist Geld“ anknüpfen. Diese Phrase ist nicht mehr nur so zu verstehen, dass man sich beeilen sollte, um viel zu erledigen. Sie passt auch auf das Phänomen, das ich als das große Buhlen um unsere Zeit und um unsere Aufmerksamkeit bezeichnen möchte. In mir regt sich seit Längerem ein dumpfes Gefühl der Abgrenzung dagegen, das ich bisher kaum in konkrete Worte fassen konnte. Umso interessierter war ich als ich, als ich Jenny Odell und ihre Bücher entdeckte, die dann auch noch in einem meiner „Top 3“ Verlage, dem C.H. Beck Verlag in der deutschen Übersetzung von Annabel Zettel verlegt wurden. Im Oktober gesellten sich somit gleich zwei Bücher zu meinen Sachbuch-Jahresfavoriten. Jenny Odell ist Schriftstellerin, Künstlerin und Dozentin, sie lehrt in Stanford, schreibt für verschiedenste Zeitungen und war als Künstlerin u.a. Teil des Residency Projekts von Facebook. „Nichts tun. Die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen“ und „Zeit finden. Jenseits des durchgetakteten Lebens“ beschäftigen sich beide mit der Frage, wie wir unsere Balance im Umgang mit der Ökonomisierung unserer Aufmerksamkeit und Zeit finden. Von allen Seiten wird mittels mehr oder weniger subtiler Werbung um unsere Konsumentscheidungen gebuhlt und damit um unsere Aufmerksamkeit und Zeit. Gleichzeitung wird uns suggeriert, dass Selbstoptimierung und Effizienzstreben unsere Ziele sein sollen. Da die Welt Menschen wie uns braucht und unser Engagement zum Besseren, ist ein Eremitendasein keine Alternative. So liegt es an uns, diese Prozesse bewusst zu reflektieren und inne zu halten und Kunst, Muße, Kreativität, echtem Austausch und politischem Engagement Raum zu geben und somit nicht zuletzt ein Zeichen des Protests und für den Naturschutz (Thema KI) zu setzen. Wem nutzt es, wenn jede Minute unseres Tages durchökonomisiert ist, wie kam es kulturhistorisch dazu? Zu diesen und noch vielen weiteren Schwerpunkten legt die Autorin in beiden Büchern ihre Gedankengänge dar, schildert viele Hintergründe und Beispiele. Der Stil ist durchweg anspruchsvoll, die Lektüre verlangt stetiges Mitdenken. Hier liegt womöglich auch der größte, denkbare Kritikpunkt verankert: Beide Texte imponieren in ihrer Form eher wie ein essayistisches Selbstgespräch, wie ein gemeinsames Nachdenken und nicht wie ein klar strukturiertes Sachbuch, in man stets den Überblick über das bisher Gesagte behält. Ich konnte mich gut auf diesen Reflektionsfluss einlassen, insofern habe ich mich daran nicht gestört. Vielmehr war ich immer wieder begeistert und berührt, dass Odell Dinge, die ich seit Längerem spüre, so treffend in Worte kleiden konnte. Beide Bücher klingen immer noch nach in meinen Gedanken und setzen immer wieder den Impuls, mir die Verfügungshoheit über meine Zeit und meine Aufmerksamkeit zurück zu erobern. Am Beispiel kommerzieller sozialer Medien möchte ich die Vorteile für mich nutzen und mich nicht von jeder Wellenbewegung umstoßen lassen, in der es letztlich nur ums aufmerksamkeitsbindende Gruppen-Echauffieren (ergo Engagement Provozieren) und nicht um inhaltliche Schwerpunkte geht. Eine Leseempfehlung mit Tiefgang und (nice to have) großer Coverliebe meinerseits.
Anspruchsvoll, interessant und anregend
**** Worum geht es? **** Der Titel „Zeit finden: jenseits des durchgetakteten Lebens“ gibt den Inhalt des Buches optimal wieder. Jeder Moment im Leben wird erfasst und optimiert. Zeit wird zu einer Ressource und hetzt und tag täglich ein bisschen mehr. Unsere Wahrnehmung von Zeit macht uns kaputt. Was sind die falschen Vorstellungen von Zeit und wie kann man diese neben der perfekten Durchtaktung finden? Darf man frei und menschlich sein? **** Mein Eindruck **** Da es sich hierbei um ein Sachbuch handelt, habe ich mit einem gewissen Anspruch im Text gerechnet. Das dieser tatsächlich nahezu wissenschaftlich formuliert ist hat mich mehr als positiv überrascht. Ein Meinungsbild konnte klar von Fakten getrennt werden, Beispiele unterstrichen Aussagen und ermöglichten immer wieder einen neuen Zugang zu der Thematik. Die Zitation ist übersichtlich und nachvollziehbar. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass dieser Stil abschreckend wirken kann. Das Buch ist kein Text für zwischendurch. Es beschäftigt sich tiefgreifend und detailreich mit dem Thema Zeit, wie wir diese wahrnehmen, woher diese Wahrnehmungen kommen können und wie man eben Zeit „finden“ kann. Ich habe einiges Bekanntes und auch Neues lernen dürfen und habe das Buch immer mit Interesse und Neugierde aufgeschlagen. Aufgrund des Umfangs und des Anspruchs beschäftigte ich mich hier über einen längeren Zeitraum mit dem Begriff und der Wahrnehmung von Zeit, was ich auf der einen Seite sehr lehrreich fand und auf der anderen Seite manchmal auch etwas langwierig. Manche Stellen hätten meiner Ansicht nach noch etwas gekürzt werden können. **** Empfehlung? **** Ein Sachbuch ganz nach meinem Geschmack. Aufgrund des Anspruchs und der Dicke empfehle ich eines der Kapitel einfach mal anzulesen. Wer sich mit dem Thema Zeit und der Suche danach beschäftigen möchte hält hiermit ein besonderes und thematisch angemessenes Buch in der Hand.








