Saison der Wirbelstürme
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Book Information
Posts
Frisches Setting, schwere Erzählweise
Recht spannende Geschichte, erzählt aus mehreren Perspektiven, die am Ende dann das große Ganze ergeben. Das Setting im mexikanischen Dorf ist frisch und interessant. Die Erzählweise wirkt am Anfang etwas erschlagend und ich habe ziemlich gebraucht, bis ich reingefunden habe. Bspw. Wechselt in einem einzelnen Satz die erzählende Person von einer zur anderen. Wirkt etwas Stream of Consciousness.
3,5. Das Buch hat mich im wahrsten Sinne des Wortes weggefegt - es ist atem- und schonungslos, brutal, vulgär. Vermutlich musste die Geschichte von sexuellem Missbrauch, Drogen, Armut und Gewalt einmal genau so aufgeschrieben werden. Und selbst dann hat man als Leser*in, die*der das Buch einfach wieder zuklappen kann, nur den Hauch einer Ahnung von der realen Grausamkeit dieser Themen.
Die ganze Abscheulichkeit und Widerwärtigkeit der Menschheit wurden in dieses Buch gepackt, doch gleichzeitig hat man das Gefühl nur ein Bruchteil des Entsetzens überhaupt zu erahnen und die wichtige Thematik nur im Ansatz zu begreifen. Dazu kommt dieser Schreibstil, so ekelhaft, dass man es fast nicht aushalten kann. Vielleicht bereut man nach der Lektüre, das Buch überhaupt gelesen zu haben, aber vllt bleibt es irgendwo hartnäckig in einem sitzen, wie ein Geschwür.

"Saison der Wirbelstürme" ist der zweite Roman von Fernanda Melchor und der zweite Roman von ihr, den ich nach Paradais gelesen habe. Auch für dieses Buch muss man sich sehr dick einpacken, denn in dem kleinen mexikanischen Dorf La Matosa stehen Gewalt und Brutalität an der Tagesordnung - und das nicht erst, seit die "Hexe" im Zuckerrohrdickicht tot aufgefunden wurde. Die Autorin öffnet anhand dieser Tat eine Art Milieustudie, indem sie ganz nah an verschiedene Charaktere und deren Umfeld heranzoomt, die in den Mord verwickelt sind. Zum Sound von schnulzigen Liebesliedern, die, als würden sie die Realität verhöhnen, an jeder Ecke gespielt werden - "deine Küsse, deine Umarmung, welch schöne Zeit wir hatten" -, versuchen sich einzelne Gestalten zwischen Machismo, Misogynie und Homophobie zurechtzufinden. Die unterschiedlichen Perspektiven unterscheiden sich sprachlich leider nicht sonderlich, lassen uns aber tief Eintauchen in die Gedankenwelt der einzelnen Protagonisten, sodass die Aufklärung des Mordes zur Nebensache wird. Obwohl die expliziten Darstellungen von Gewalt und Obszönitäten wirklich schwer auszuhalten sind, kam es mir nie wie Effekthascherei vor - für mich klangen die Stimmen authentisch und konnten nur in dieser Drastik die jeweiligen Verhaltensmuster überhaupt erklären. Die Geschichte fußt auf einer wahren Begebenheit, ein Hexenmord, von dem Fernanda Melchor in der Zeitung las. In einem Interview erklärt sie, dass sie im Buch versuchte, das Mexiko von heute abzubilden. Sie möchte die Gewalt verstehen, die letzten Endes zu Femiziden führt - die zweithäufigste Todesursache für Frauen zwischen 15 und 29 Jahren in Mexiko. "Saison der Wirbelstürme" geht dahin wo's weh tut und stand meiner Meinung nach zurecht auf der Shortlist des International Booker Prizes 2020 und gewann 2019 den Anna-Seghers-Preis für Nachwuchsautoren.
Description
Book Information
Posts
Frisches Setting, schwere Erzählweise
Recht spannende Geschichte, erzählt aus mehreren Perspektiven, die am Ende dann das große Ganze ergeben. Das Setting im mexikanischen Dorf ist frisch und interessant. Die Erzählweise wirkt am Anfang etwas erschlagend und ich habe ziemlich gebraucht, bis ich reingefunden habe. Bspw. Wechselt in einem einzelnen Satz die erzählende Person von einer zur anderen. Wirkt etwas Stream of Consciousness.
3,5. Das Buch hat mich im wahrsten Sinne des Wortes weggefegt - es ist atem- und schonungslos, brutal, vulgär. Vermutlich musste die Geschichte von sexuellem Missbrauch, Drogen, Armut und Gewalt einmal genau so aufgeschrieben werden. Und selbst dann hat man als Leser*in, die*der das Buch einfach wieder zuklappen kann, nur den Hauch einer Ahnung von der realen Grausamkeit dieser Themen.
Die ganze Abscheulichkeit und Widerwärtigkeit der Menschheit wurden in dieses Buch gepackt, doch gleichzeitig hat man das Gefühl nur ein Bruchteil des Entsetzens überhaupt zu erahnen und die wichtige Thematik nur im Ansatz zu begreifen. Dazu kommt dieser Schreibstil, so ekelhaft, dass man es fast nicht aushalten kann. Vielleicht bereut man nach der Lektüre, das Buch überhaupt gelesen zu haben, aber vllt bleibt es irgendwo hartnäckig in einem sitzen, wie ein Geschwür.

"Saison der Wirbelstürme" ist der zweite Roman von Fernanda Melchor und der zweite Roman von ihr, den ich nach Paradais gelesen habe. Auch für dieses Buch muss man sich sehr dick einpacken, denn in dem kleinen mexikanischen Dorf La Matosa stehen Gewalt und Brutalität an der Tagesordnung - und das nicht erst, seit die "Hexe" im Zuckerrohrdickicht tot aufgefunden wurde. Die Autorin öffnet anhand dieser Tat eine Art Milieustudie, indem sie ganz nah an verschiedene Charaktere und deren Umfeld heranzoomt, die in den Mord verwickelt sind. Zum Sound von schnulzigen Liebesliedern, die, als würden sie die Realität verhöhnen, an jeder Ecke gespielt werden - "deine Küsse, deine Umarmung, welch schöne Zeit wir hatten" -, versuchen sich einzelne Gestalten zwischen Machismo, Misogynie und Homophobie zurechtzufinden. Die unterschiedlichen Perspektiven unterscheiden sich sprachlich leider nicht sonderlich, lassen uns aber tief Eintauchen in die Gedankenwelt der einzelnen Protagonisten, sodass die Aufklärung des Mordes zur Nebensache wird. Obwohl die expliziten Darstellungen von Gewalt und Obszönitäten wirklich schwer auszuhalten sind, kam es mir nie wie Effekthascherei vor - für mich klangen die Stimmen authentisch und konnten nur in dieser Drastik die jeweiligen Verhaltensmuster überhaupt erklären. Die Geschichte fußt auf einer wahren Begebenheit, ein Hexenmord, von dem Fernanda Melchor in der Zeitung las. In einem Interview erklärt sie, dass sie im Buch versuchte, das Mexiko von heute abzubilden. Sie möchte die Gewalt verstehen, die letzten Endes zu Femiziden führt - die zweithäufigste Todesursache für Frauen zwischen 15 und 29 Jahren in Mexiko. "Saison der Wirbelstürme" geht dahin wo's weh tut und stand meiner Meinung nach zurecht auf der Shortlist des International Booker Prizes 2020 und gewann 2019 den Anna-Seghers-Preis für Nachwuchsautoren.








