Sie leben unter uns. Sie verwandeln sich. Sie kämpfen gegen ihre Unterdrücker – uns!
Als Regierungsagenten Claire Forresters Haustür eintreten und ihre Eltern ermorden, muss sie erkennen, dass sie und ihre Familie schon immer Ausgestoßene waren.
Chase Williams hat seinen Wählern versprochen, die USA vor Terror zu beschützen. Doch nun wird er selbst zu dem, was er zu vernichten geschworen hat.
Bis heute wird die Bedrohung durch Gesetze, Gewalt und Drogen in Schach gehalten. Doch die Nacht des Roten Mondes rückt näher, wenn die Welt für immer ihr Antlitz verändern wird – und die Schlacht um die Menschlichkeit beginnt …
Eine überzeugende Parabel auf die Welt, in der wir leben.
Eine Werwolfapokalypse in Romanform. Spannend, vor allem wegen der Handlung, nicht des Stils, aber nicht reißerisch und insgesamt etwas deprimierend von der Atmosphäre her(und auch gelegentlich explizit blutig). Da kommt beim Lesen richtig Endzeitstimmung auf. Es gibt sehr viele Perspektivwechsel und Protagonisten, wodurch mehr ein Porträt der Gesellschaft erzählt wird denn die Geschichte einer Person. Auch gibt es viele Brüche in der Erzählung, dadurch keine wirkliche zusammenhängende Geschichte. Sprachlich und inhaltlich eindeutig ein anspruchsvoller Roman, kein einfaches Science Fiction Werk.
Jan 15, 2024
4.0
Eine Werwolfapokalypse in Romanform. Spannend, vor allem wegen der Handlung, nicht des Stils, aber nicht reißerisch und insgesamt etwas deprimierend von der Atmosphäre her(und auch gelegentlich explizit blutig). Da kommt beim Lesen richtig Endzeitstimmung auf. Es gibt sehr viele Perspektivwechsel und Protagonisten, wodurch mehr ein Porträt der Gesellschaft erzählt wird denn die Geschichte einer Person. Auch gibt es viele Brüche in der Erzählung, dadurch keine wirkliche zusammenhängende Geschichte. Sprachlich und inhaltlich eindeutig ein anspruchsvoller Roman, kein einfaches Science Fiction Werk.
Roter Mond ist nach „Wölfe der Nacht“ das zweite Werk des Autors Benjamin Percy. Viel ist noch nicht über diesen Mann bekannt, nur dass er Oregon geboren und aufgewachsen ist und an der Iowa State University Creative Writing unterrichtet. Einige weitere Informationen lassen sich noch über seine Homepage finden, die allerdings nur in Englisch verfasst ist.
Bei einem Cover wie diesem schlägt mein Herz doch glatt ein bisschen höher. Ein schreiend roter Mond auf einem tiefschwarzen Hintergrund verspricht in meinen Augen nicht nur, dass ich es mit einer düstern Geschichte zu tun bekomme, sondern auch einiges an Action und Geheimnissen. Der Titel passt perfekt zum Cover (oder passt das Cover zum Titel? ;)). Düster, geheimnisvoll und spannend. Das sind zumindest die Dinge die mir dabei in den Sinn kommen und die mich geködert haben.
Zusammen sind Cover und Titel ein wunderbares Dou, das den Leser dazu bringt dieses Buch hoch zu nehmen und mal zu schauen, was die Story zu bieten hat.
Ein Flugzeugabsturz mit nur einem Überlebenden? Hell yeah. Da will ich doch gleich wissen, wieso, weshalb, warum und was passiert mit dem Jungen, der überlebt hat. Dazu Regierungsbeamte, die Haustüren eintreten und Eltern ermorden? Was hier los?! Da muss ich doch wissen warum. Und ganz wichtig, hängt das mit dem Flugzeugabsturz zusammen?
Außerdem gibt es noch eine Pressestimme:
„Hätte George Orwell sich eine Zukunft mit Werwölfen ausgemalt, dann wäre genau dieser Roman dabei herausgekommen.“ - John Irving
Erst mal ein kleiner Exkurs zum Thema „Wer ist John Irving“ (ich hatte nämlich keine Ahnung bis ich Tante Google gefragt habe): John Irving ist ein US-amerikanischer Autor, dessen berühmtestes Werk wohl „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ist. Er hat auch das Drehbuch zum gleichnamigen Film verfasst und wurde für dieses mehrfach ausgezeichnet. Weitere Werke sind unter anderem: Garp und wie er die Welt sah, Owen Meany, Bis ich dich finde und Straße der Wunder.
Auch darüber wer George Orwell ist will ich ein paar Worte verlieren: George Orwell lebte zwischen 1903 und 1950 und war ein englischer Schriftsteller, Essayist und Journalist. Zu seinen bekanntesten Werken gehören seine Dystopien Farm der Tiere und 1984 .
Diese Pressestimme finde ich recht interessant, denn sie gibt dem Leser noch einen Hinweis mehr, worum es in diesem Buch geht, denn es fällt das Wort „Werwölfe“. Kann man natürlich prima Leser mit anlocken, genauso wie mit der Erwähnung von George Orwell, der für seine Dystopien bis heute bekannt ist. Aber ich bin, nachdem ich dieses Buch beendet habe alles andere als glücklich damit.
Lasst mich erklären wieso: Die Erwähnung von George Orwell in Verbindung mit einer negativen Zukunftsvision. Natürlich ist Orwell bis heute bekannt für seine Dystopien, aber ich frage mich auf was genau bezieht sich Irving hier eigentlich? Auf die Farm der Tiere, die die Geschichte der Sowjetunion darstellen soll oder aber auf 1984, das einen totalitären Überwachungsstaat darstellt? Es wird einfach nicht mehr dazu gesagt, aber ich vermute, dass bei Irvings Aussage eher 1984 aufgegriffen werden soll.
Passt meinem Empfinden nach leider nicht. Natürlich ist Roter Mond dystopisch, aber es gab in den letzten Jahren verdammt viele Dystopien, die nicht alle damit verglichen werden. Auch findet in Roter Mond eine immer stärkere Überwachung der Lykaner statt, was definitiv in Richtung „Big Brother is watching you“ geht, aber längst nicht in dem Maße wie Orwell es beschreibt.
Ein paar kleine Bespiele: Für Orwell spricht, dass eine der Figuren gefoltert wird und versucht wird ihr eine andere Denkweise einzuimpfen. Nur leider ist das eher ein Randelement und spiel keine Rolle. Dann werden Reiseverbote, Ergänzungen im Pass und weitere Gesetzte für Lykaner erlassen, was ein bisschen für Überwachung spricht, aber in meinen Augen tatsächlich mehr dazu dient aus Lykanern Bürger zweiter Klasse zu machen.
Ihr merkt sicherlich was mich an dieser Pressestimme stört, weil ich könnte das ganze jetzt noch ein bisschen weiter zerrupfen und ausführen, aber das Sprengt denke ich mal den Rahmen dieser Rezension.
Die Geschichte fängt viel versprechend an. Der Leser wird gleich mitten in die Handlung gezogen. Patrik muss zu seiner Mutter ziehen, da sein Vater „in den Krieg zieht“ (sorry mir fällt gerade keine bessere Wortwahl ein) und landet eben in einem jener Flugzeuge, die „abstürzen“. Wobei Patrick Glück hat, da sein Flieger nicht abstürzt.
Flugzeugabstürze und -entführungen sind ein heikles Thema, welche Auswirkungen sie haben können wurde der Welt 2002 wieder in Erinnerung gerufen. Und genau das ist auch in diesem Buch der Aufhänger. Diese Entführungen sollen die Aufmerksamkeit der Welt auf etwas richten und zwar auf die radikale und gewalttätige Art und Weise. Dies ist der Punkt an dem sich (ich möchte ja jetzt eigentlich Welt schreiben, aber das wäre falschen, denn die Reaktion der Welt erfährt man gar nicht) die Vereinigten Staaten von Amerika ändert. Flugverbote, Verdächtigungen und Gefangennahmen von und für Lykaner sind an der Tagesordnung und der Beginn einer Abwärtsspirale, die sich durch das gesamte Buch fortsetzt. Dazu vielleicht später noch ein bisschen was.
Ein paar Worte noch zu Patrick, er ist ein ganz normaler Teenager, der damit klar kommen muss, dass seine Eltern geschieden sind und obwohl er die Flugzeugentführung überlebt will er weiter hin nur sein normales Leben führen. In meinen Augen zeichnet gerade die Tatsache, dass er ein ganz normaler Teenager ist ihn aus, besonders, wenn man sich Claire ansieht.
Claire ist im Gegensatz dazu eine junge Lykanerin, die auch ein ganz normales Leben führt, was gerade im Vergleich zu Patricks Leben erstaunlich ist. Denn so unterschiedlich die beiden auch sind, so ähnlich sind sie sich auch. Auch Claire möchte ein ganz normales, selbstbestimmtes Leben führen, was auch vor den Flugzeugentführungen nicht leicht ist. Ihr Leben ändert sich schlagartig als Regierungsbeamte scheinbar grundlos ihr Haus stürmen und ihre Eltern töten. Sie selbst kann nur knapp entkommen und irrt durchs Land, bis sie ihre Tante findet…
Auch Claires Welt erlebt der Leser als eine Abwärtsspirale, auch wenn ich diese nicht so gelungen finde, wie die der „normalen“ Menschen. Man sieht wie sie immer mehr von dem „normal“ weggezogen wird, auch wenn es immer wieder Phasen der Ruhe zu geben scheint.
„Normaler“ Mensch und Lykaner im Vergleich ergibt ein interessantes Bild, besonders wenn man als Leser beobachten kann, wie sich die Leben der Beiden verändert durch die Dinge, die ein paar lykanische Extremisten verursachen, um den Blick der Öffentlichkeit auf etwas zu richten das in ihren Augen schief läuft.
Das Buch gliedert sich insgesamt in drei Teile, wobei zwischen den einzelnen Teilen immer ein kleiner Zeitsprung eingebaut ist, so dass immer paar Monate dazwischen liegen. Hat zur Folge, dass der Leser in diesem Punkt keine langen Zwischenpassagen hat, bis es wieder interessant wird. Aber was mich angeht so haben mich diese Zeitsprünge immer sehr raus gebracht und ich brauchte immer ein paar Seiten bis ich mich wieder zu Recht gefunden habe. Beispiel: Claire wird von ihre Tante und Patrick gerettet und die drei kehren mehr oder weniger nach Hause zurück, es endet mit einem gewissen Cliffhänger und der zweite Teil beginnt damit, dass Patrick sich im aktiven Militärdienst befindet und Claire aufs College geht. Komplett andere Situationen mit erst mal wenig input… Hat mich einfach gestört.
Zusammenfassend passiert viel in diesem Buch und es finden auch einige sehr krasse Entwicklung statt, trotzdem habe ich mich, glaube ich, durch die letzten 150-100 Seiten geseufzt. Das war nicht schön.
Wenn ich benennen müsste woran das lag, würde ich sagen, dass das Worst-Case-Szenario irgendwann erreicht war, es so keine wirkliche Aussicht auf Besserung gab, die „Love-Story“, wenn man sie denn so nennen will, so platt war, dass Ostfriesland bergig. Es gab keine Konsequenzen mehr, es wurde einfach nur noch weiter gemacht und gezeigt wie dieses Amerika jetzt aussieht und sorry, das war wirklich nicht spannend gemacht.
Versteht mich nicht falsch, die ersten zwei Drittel des Buchen waren gut gemacht und haben gezeigt, wie sich Dinge verändern, wenn ein Stein ins Rollen gebracht wurde, ich konnte bis zu einem gewissen Punkt mit Claire und Patrik mit fühlen und verstehen was in ihnen vorgeht.
Aber insgesamt konnte mich dieses Buch nicht überzeugen. Die Idee war interessant hat aber leider im Verlauf sehr gelitten, weil der Autor in meinen Augen zum Schluss zu viel wollte, ohne die Konsequenzen wirklich zu bedenken. Auch die Charaktere, die anfangs sehr schön präsent waren, haben, für mich, in diesem letzten Teil einfach ihre Dreidimensionalität verloren und waren nur noch blass und unverständlich.
Und dann ist da eben noch diese Anspielung auf George Orwell, die am Anfang des Buches zwar sehr interessant klingt, aber am Ende für mich einfach nur unpassend war.
Feb 17, 2023
3.0
Roter Mond ist nach „Wölfe der Nacht“ das zweite Werk des Autors Benjamin Percy. Viel ist noch nicht über diesen Mann bekannt, nur dass er Oregon geboren und aufgewachsen ist und an der Iowa State University Creative Writing unterrichtet. Einige weitere Informationen lassen sich noch über seine Homepage finden, die allerdings nur in Englisch verfasst ist.
Bei einem Cover wie diesem schlägt mein Herz doch glatt ein bisschen höher. Ein schreiend roter Mond auf einem tiefschwarzen Hintergrund verspricht in meinen Augen nicht nur, dass ich es mit einer düstern Geschichte zu tun bekomme, sondern auch einiges an Action und Geheimnissen. Der Titel passt perfekt zum Cover (oder passt das Cover zum Titel? ;)). Düster, geheimnisvoll und spannend. Das sind zumindest die Dinge die mir dabei in den Sinn kommen und die mich geködert haben.
Zusammen sind Cover und Titel ein wunderbares Dou, das den Leser dazu bringt dieses Buch hoch zu nehmen und mal zu schauen, was die Story zu bieten hat.
Ein Flugzeugabsturz mit nur einem Überlebenden? Hell yeah. Da will ich doch gleich wissen, wieso, weshalb, warum und was passiert mit dem Jungen, der überlebt hat. Dazu Regierungsbeamte, die Haustüren eintreten und Eltern ermorden? Was hier los?! Da muss ich doch wissen warum. Und ganz wichtig, hängt das mit dem Flugzeugabsturz zusammen?
Außerdem gibt es noch eine Pressestimme:
„Hätte George Orwell sich eine Zukunft mit Werwölfen ausgemalt, dann wäre genau dieser Roman dabei herausgekommen.“ - John Irving
Erst mal ein kleiner Exkurs zum Thema „Wer ist John Irving“ (ich hatte nämlich keine Ahnung bis ich Tante Google gefragt habe): John Irving ist ein US-amerikanischer Autor, dessen berühmtestes Werk wohl „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ist. Er hat auch das Drehbuch zum gleichnamigen Film verfasst und wurde für dieses mehrfach ausgezeichnet. Weitere Werke sind unter anderem: Garp und wie er die Welt sah, Owen Meany, Bis ich dich finde und Straße der Wunder.
Auch darüber wer George Orwell ist will ich ein paar Worte verlieren: George Orwell lebte zwischen 1903 und 1950 und war ein englischer Schriftsteller, Essayist und Journalist. Zu seinen bekanntesten Werken gehören seine Dystopien Farm der Tiere und 1984 .
Diese Pressestimme finde ich recht interessant, denn sie gibt dem Leser noch einen Hinweis mehr, worum es in diesem Buch geht, denn es fällt das Wort „Werwölfe“. Kann man natürlich prima Leser mit anlocken, genauso wie mit der Erwähnung von George Orwell, der für seine Dystopien bis heute bekannt ist. Aber ich bin, nachdem ich dieses Buch beendet habe alles andere als glücklich damit.
Lasst mich erklären wieso: Die Erwähnung von George Orwell in Verbindung mit einer negativen Zukunftsvision. Natürlich ist Orwell bis heute bekannt für seine Dystopien, aber ich frage mich auf was genau bezieht sich Irving hier eigentlich? Auf die Farm der Tiere, die die Geschichte der Sowjetunion darstellen soll oder aber auf 1984, das einen totalitären Überwachungsstaat darstellt? Es wird einfach nicht mehr dazu gesagt, aber ich vermute, dass bei Irvings Aussage eher 1984 aufgegriffen werden soll.
Passt meinem Empfinden nach leider nicht. Natürlich ist Roter Mond dystopisch, aber es gab in den letzten Jahren verdammt viele Dystopien, die nicht alle damit verglichen werden. Auch findet in Roter Mond eine immer stärkere Überwachung der Lykaner statt, was definitiv in Richtung „Big Brother is watching you“ geht, aber längst nicht in dem Maße wie Orwell es beschreibt.
Ein paar kleine Bespiele: Für Orwell spricht, dass eine der Figuren gefoltert wird und versucht wird ihr eine andere Denkweise einzuimpfen. Nur leider ist das eher ein Randelement und spiel keine Rolle. Dann werden Reiseverbote, Ergänzungen im Pass und weitere Gesetzte für Lykaner erlassen, was ein bisschen für Überwachung spricht, aber in meinen Augen tatsächlich mehr dazu dient aus Lykanern Bürger zweiter Klasse zu machen.
Ihr merkt sicherlich was mich an dieser Pressestimme stört, weil ich könnte das ganze jetzt noch ein bisschen weiter zerrupfen und ausführen, aber das Sprengt denke ich mal den Rahmen dieser Rezension.
Die Geschichte fängt viel versprechend an. Der Leser wird gleich mitten in die Handlung gezogen. Patrik muss zu seiner Mutter ziehen, da sein Vater „in den Krieg zieht“ (sorry mir fällt gerade keine bessere Wortwahl ein) und landet eben in einem jener Flugzeuge, die „abstürzen“. Wobei Patrick Glück hat, da sein Flieger nicht abstürzt.
Flugzeugabstürze und -entführungen sind ein heikles Thema, welche Auswirkungen sie haben können wurde der Welt 2002 wieder in Erinnerung gerufen. Und genau das ist auch in diesem Buch der Aufhänger. Diese Entführungen sollen die Aufmerksamkeit der Welt auf etwas richten und zwar auf die radikale und gewalttätige Art und Weise. Dies ist der Punkt an dem sich (ich möchte ja jetzt eigentlich Welt schreiben, aber das wäre falschen, denn die Reaktion der Welt erfährt man gar nicht) die Vereinigten Staaten von Amerika ändert. Flugverbote, Verdächtigungen und Gefangennahmen von und für Lykaner sind an der Tagesordnung und der Beginn einer Abwärtsspirale, die sich durch das gesamte Buch fortsetzt. Dazu vielleicht später noch ein bisschen was.
Ein paar Worte noch zu Patrick, er ist ein ganz normaler Teenager, der damit klar kommen muss, dass seine Eltern geschieden sind und obwohl er die Flugzeugentführung überlebt will er weiter hin nur sein normales Leben führen. In meinen Augen zeichnet gerade die Tatsache, dass er ein ganz normaler Teenager ist ihn aus, besonders, wenn man sich Claire ansieht.
Claire ist im Gegensatz dazu eine junge Lykanerin, die auch ein ganz normales Leben führt, was gerade im Vergleich zu Patricks Leben erstaunlich ist. Denn so unterschiedlich die beiden auch sind, so ähnlich sind sie sich auch. Auch Claire möchte ein ganz normales, selbstbestimmtes Leben führen, was auch vor den Flugzeugentführungen nicht leicht ist. Ihr Leben ändert sich schlagartig als Regierungsbeamte scheinbar grundlos ihr Haus stürmen und ihre Eltern töten. Sie selbst kann nur knapp entkommen und irrt durchs Land, bis sie ihre Tante findet…
Auch Claires Welt erlebt der Leser als eine Abwärtsspirale, auch wenn ich diese nicht so gelungen finde, wie die der „normalen“ Menschen. Man sieht wie sie immer mehr von dem „normal“ weggezogen wird, auch wenn es immer wieder Phasen der Ruhe zu geben scheint.
„Normaler“ Mensch und Lykaner im Vergleich ergibt ein interessantes Bild, besonders wenn man als Leser beobachten kann, wie sich die Leben der Beiden verändert durch die Dinge, die ein paar lykanische Extremisten verursachen, um den Blick der Öffentlichkeit auf etwas zu richten das in ihren Augen schief läuft.
Das Buch gliedert sich insgesamt in drei Teile, wobei zwischen den einzelnen Teilen immer ein kleiner Zeitsprung eingebaut ist, so dass immer paar Monate dazwischen liegen. Hat zur Folge, dass der Leser in diesem Punkt keine langen Zwischenpassagen hat, bis es wieder interessant wird. Aber was mich angeht so haben mich diese Zeitsprünge immer sehr raus gebracht und ich brauchte immer ein paar Seiten bis ich mich wieder zu Recht gefunden habe. Beispiel: Claire wird von ihre Tante und Patrick gerettet und die drei kehren mehr oder weniger nach Hause zurück, es endet mit einem gewissen Cliffhänger und der zweite Teil beginnt damit, dass Patrick sich im aktiven Militärdienst befindet und Claire aufs College geht. Komplett andere Situationen mit erst mal wenig input… Hat mich einfach gestört.
Zusammenfassend passiert viel in diesem Buch und es finden auch einige sehr krasse Entwicklung statt, trotzdem habe ich mich, glaube ich, durch die letzten 150-100 Seiten geseufzt. Das war nicht schön.
Wenn ich benennen müsste woran das lag, würde ich sagen, dass das Worst-Case-Szenario irgendwann erreicht war, es so keine wirkliche Aussicht auf Besserung gab, die „Love-Story“, wenn man sie denn so nennen will, so platt war, dass Ostfriesland bergig. Es gab keine Konsequenzen mehr, es wurde einfach nur noch weiter gemacht und gezeigt wie dieses Amerika jetzt aussieht und sorry, das war wirklich nicht spannend gemacht.
Versteht mich nicht falsch, die ersten zwei Drittel des Buchen waren gut gemacht und haben gezeigt, wie sich Dinge verändern, wenn ein Stein ins Rollen gebracht wurde, ich konnte bis zu einem gewissen Punkt mit Claire und Patrik mit fühlen und verstehen was in ihnen vorgeht.
Aber insgesamt konnte mich dieses Buch nicht überzeugen. Die Idee war interessant hat aber leider im Verlauf sehr gelitten, weil der Autor in meinen Augen zum Schluss zu viel wollte, ohne die Konsequenzen wirklich zu bedenken. Auch die Charaktere, die anfangs sehr schön präsent waren, haben, für mich, in diesem letzten Teil einfach ihre Dreidimensionalität verloren und waren nur noch blass und unverständlich.
Und dann ist da eben noch diese Anspielung auf George Orwell, die am Anfang des Buches zwar sehr interessant klingt, aber am Ende für mich einfach nur unpassend war.
Ich bin mir immer noch nicht so ganz sicher, was ich von dieser Geschichte halten soll. Sie ist düster, apokalyptisch, brutal, aber obwohl ich sie durchaus als sehr fesselnd empfunden habe, haben mich die Schicksale der Charaktere nicht allzu sehr getroffen. Vielleicht lag das daran, dass es so viele Sichtweisen gab, und ich persönlich einfach nicht so der Fan bin.
Interessant waren vor allem die behandelten Themen. Das Buch spielt quasi in einer alternativen Realität, mit dem einzigen Unterschied zu unserer, dass es Werwölfe gibt. Werwölfe respektive Lykaner*innen werden auf eine Art Virus zurückgeführt, der über Blut übertragen wird, ähnlich wie Aids. Sie leben als Menschen zweiter Klasse in den USA, haben aber Ende der 1940er-Jahre auch eine eigene Republik irgendwo in Nordosteuropa gegründet, die von den Amerikaner*innen besetzt wird. Die Amerikaner*innen bauen das dortige Uran-Vorkommen ab und garantieren im Gegenzug den Lykaner*innen Sicherheit - so heißt es jedenfalls. Mit anderen Worten: Werwölfe, aber auf sehr politische Weise.
Ihr merkt, das Ganze ist sehr durchdacht und spricht eine Menge Themen an. Innerhalb der Lykaner*innen gibt es eine Widerstandsgruppe, die eben auch die terroristischen Angriffe durchführt. Es werden Fragen von (staatlicher) Diskriminierung, Terrorismus, Rassismus, Kolonialismus, Machtstrukturen und Widerstand aufgeworfen und letztendlich bleibt es dem*der Leser*in selbst überlassen, welche Botschaft er*sie daraus mitnimmt.
Daran lässt sich auch Gesellschaftskritik an Diskriminierung durch Gesellschaft und Staat in unserer Welt erkennen, denn auch wenn statistisch nur wenige Lykaner*innen überhaupt Menschen anfallen, sehen sich die oft friedlich lebenden Lykaner*innen mit Vorurteilen und Diskriminierungsmechanismen konfrontiert.
Spätestens hier zeigen sich aber auch moralische Fragen. Klar, irgendwie sind die Ziele des Widerstands, ihr Land zu befreien und für ihre Rechte zu kämpfen, Ziele, mit denen man sich als Leser*in identifizieren würde. Andererseits - dafür die Passagiere ganzer Flugzeuge auf bestialische Weise umbringen? Der Autor macht es einem nicht leicht, klare Sympathien zu entwickeln, dadurch dass die Charaktere auf verschiedenste Weise verstrickt sind und handeln und auf unterschiedlichen Seiten stehen, sodass ich mich wiederholt fragte, wer jetzt eigentlich die Bösen sind und ob ich Charakter x mögen darf.
Irgendwie bin ich aber nicht wirklich an die Charaktere herangekommen, sie wurden für mich nicht ganz greifbar, sondern blieben immer auf einer gewissen Distanz. Dabei durchlaufen gerade Claire und Patrick eine enorme Entwicklung und generell bieten die Motive der handelnden Charaktere genügend Potenzial für Tiefe.
Beide Protagonisten sehen sich damit konfrontiert, dass sich ihr Leben von einen Tag auf den anderen radikal verändert, und doch haben sie erst mal nicht wirklich was miteinander zu tun, sodass es auch ein wenig spannend ist, zu verfolgen, wie der Autor die Erzählstränge verbindet.
Das Buch war auch durchaus spannend, die Handlung steigt direkt rein und auch wenn ich das Buch teilweise etwas lang fand, wurde es nie langatmig. Es weicht von den Erzählstrukturen ab, die ich erwartet hätte, und auch das Ende ist eher offen gehalten. Dabei gibt es auch einige krasse Szenen - ich meine, zu Beginn zerfleischt ein verwandelter Mann Passagiere eines Flugzeuges. Und auch Vergewaltigungen finden statt. Ansonsten gibt es auch die obligatorische Liebesgeschichte, die allerdings ohne Herzrasen und tiefe Romantik auskommt, wodurch dann auch nicht wirklich Gefühle ankommen - aber wie gesagt, damit hatte ich ja generell ein Problem.
Fazit: Spannende, brutale Geschichte, die das Thema Werwölfe sehr politisch umsetzt und dabei von bekannten Erzählstrukturen abweicht. Viele Perspektivenwechsel mit zwei Hauptfiguren, die eine enorme Entwicklung durchlaufen. Dabei wurden die Charaktere für mich persönlich nicht wirklich greifbar, sodass eine gewisse Distanz zum Geschehen für mich blieb.
Sep 13, 2019
3.0
Ich bin mir immer noch nicht so ganz sicher, was ich von dieser Geschichte halten soll. Sie ist düster, apokalyptisch, brutal, aber obwohl ich sie durchaus als sehr fesselnd empfunden habe, haben mich die Schicksale der Charaktere nicht allzu sehr getroffen. Vielleicht lag das daran, dass es so viele Sichtweisen gab, und ich persönlich einfach nicht so der Fan bin.
Interessant waren vor allem die behandelten Themen. Das Buch spielt quasi in einer alternativen Realität, mit dem einzigen Unterschied zu unserer, dass es Werwölfe gibt. Werwölfe respektive Lykaner*innen werden auf eine Art Virus zurückgeführt, der über Blut übertragen wird, ähnlich wie Aids. Sie leben als Menschen zweiter Klasse in den USA, haben aber Ende der 1940er-Jahre auch eine eigene Republik irgendwo in Nordosteuropa gegründet, die von den Amerikaner*innen besetzt wird. Die Amerikaner*innen bauen das dortige Uran-Vorkommen ab und garantieren im Gegenzug den Lykaner*innen Sicherheit - so heißt es jedenfalls. Mit anderen Worten: Werwölfe, aber auf sehr politische Weise.
Ihr merkt, das Ganze ist sehr durchdacht und spricht eine Menge Themen an. Innerhalb der Lykaner*innen gibt es eine Widerstandsgruppe, die eben auch die terroristischen Angriffe durchführt. Es werden Fragen von (staatlicher) Diskriminierung, Terrorismus, Rassismus, Kolonialismus, Machtstrukturen und Widerstand aufgeworfen und letztendlich bleibt es dem*der Leser*in selbst überlassen, welche Botschaft er*sie daraus mitnimmt.
Daran lässt sich auch Gesellschaftskritik an Diskriminierung durch Gesellschaft und Staat in unserer Welt erkennen, denn auch wenn statistisch nur wenige Lykaner*innen überhaupt Menschen anfallen, sehen sich die oft friedlich lebenden Lykaner*innen mit Vorurteilen und Diskriminierungsmechanismen konfrontiert.
Spätestens hier zeigen sich aber auch moralische Fragen. Klar, irgendwie sind die Ziele des Widerstands, ihr Land zu befreien und für ihre Rechte zu kämpfen, Ziele, mit denen man sich als Leser*in identifizieren würde. Andererseits - dafür die Passagiere ganzer Flugzeuge auf bestialische Weise umbringen? Der Autor macht es einem nicht leicht, klare Sympathien zu entwickeln, dadurch dass die Charaktere auf verschiedenste Weise verstrickt sind und handeln und auf unterschiedlichen Seiten stehen, sodass ich mich wiederholt fragte, wer jetzt eigentlich die Bösen sind und ob ich Charakter x mögen darf.
Irgendwie bin ich aber nicht wirklich an die Charaktere herangekommen, sie wurden für mich nicht ganz greifbar, sondern blieben immer auf einer gewissen Distanz. Dabei durchlaufen gerade Claire und Patrick eine enorme Entwicklung und generell bieten die Motive der handelnden Charaktere genügend Potenzial für Tiefe.
Beide Protagonisten sehen sich damit konfrontiert, dass sich ihr Leben von einen Tag auf den anderen radikal verändert, und doch haben sie erst mal nicht wirklich was miteinander zu tun, sodass es auch ein wenig spannend ist, zu verfolgen, wie der Autor die Erzählstränge verbindet.
Das Buch war auch durchaus spannend, die Handlung steigt direkt rein und auch wenn ich das Buch teilweise etwas lang fand, wurde es nie langatmig. Es weicht von den Erzählstrukturen ab, die ich erwartet hätte, und auch das Ende ist eher offen gehalten. Dabei gibt es auch einige krasse Szenen - ich meine, zu Beginn zerfleischt ein verwandelter Mann Passagiere eines Flugzeuges. Und auch Vergewaltigungen finden statt. Ansonsten gibt es auch die obligatorische Liebesgeschichte, die allerdings ohne Herzrasen und tiefe Romantik auskommt, wodurch dann auch nicht wirklich Gefühle ankommen - aber wie gesagt, damit hatte ich ja generell ein Problem.
Fazit: Spannende, brutale Geschichte, die das Thema Werwölfe sehr politisch umsetzt und dabei von bekannten Erzählstrukturen abweicht. Viele Perspektivenwechsel mit zwei Hauptfiguren, die eine enorme Entwicklung durchlaufen. Dabei wurden die Charaktere für mich persönlich nicht wirklich greifbar, sodass eine gewisse Distanz zum Geschehen für mich blieb.
Sep 13, 2019
3 of 5 reviews
Author
About Benjamin Percy
Benjamin Percy wuchs im tiefsten Oregon auf. Vor seinem Romandebüt „Wölfe der Nacht“ schrieb er zwei hochgelobte Erzählbände. Er lehrt Creative Writing an der Iowa State University.