Quallen haben keine Ohren

Quallen haben keine Ohren

Hardback
3.023

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Description

In ihr rechtes Ohr dringen noch ein paar Töne, links herrscht Stille. Seit ihrer Kindheit befindet Louise sich in einer Zwischenwelt. Im Hellen kann Louise die Lippen der Menschen lesen. Wird es dunkler oder sind Gesichter abgewandt, driftet sie ab in einen Zustand zwischen Imagination und Realität, in einen Raum der unendlichen Möglichkeiten. Dann beginnt sie, die Hörlücken mit ihrer Fantasie zu füllen, die bevölkert ist von drei fiktiven Figuren: einem Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, einem Hund namens Zirrus sowie einer launischen Botanikerin, die Louise während der langen Monate des Nachdenkens und Zweifelns begleiten. Denn Louise steht vor einem radikalen Schritt: Ihr Gehör schwindet nach und nach, und die Ärzte raten ihr, ihr verbleibendes natürliches Gehör durch ein Cochlea-Implantat zu ersetzen. Um sich der Entscheidung zu entziehen, flüchtet sich Louise immer mehr in ihre Traumwelt, die ständig mit den großen Veränderungen in ihrem Leben kollidiert – einer beginnenden Liebesbeziehung, dem ersten Job bei der Stadtverwaltung, einer zerbrechenden Freundschaft. Doch die Zeit drängt, und Louise muss ihre Entscheidung treffen.

Quallen haben keine Ohren taucht mit kraftvoll poetischen und überraschenden Bildern ein in die Welt der Gehörlosen. Eine junge, hörbeeinträchtigte Pariserin hat sich den Fallstricken der Sprache zu stellen und erlebt die Unzulänglichkeit von Licht und Schatten. Und zugleich zeigt sich gerade in diesem Schwebezustand die Kraft der Imagination.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
221
Price
23.70 €

Author Description

Adèle Rosenfeld ist 1986 geboren und lebt in Paris. Quallen haben keine Ohren ist ihr erster Roman, stand auf der Shortlist des Prix Goncourt du Premier Roman und wurde ausgezeichnet mit dem Prix Fénéon 2022.

Posts

5
All
3.5

Skurril und einzigartig

Ich habe mit einem Einblick in die Welt der Gehörlosigkeit gerechnet und stattdessen eine mäandernde Szenenfolge bekommen, die mehr gefragt als beantwortet hat. Schön geschrieben, aber schwer zu verstehen, mit eingeworfenen philosophischen Fragen und Figuren, die eigentlich gar nicht existierten.

2

Irgendwie bin ich nicht reingekommen - ich war durchweg verwirrt vom Soldaten und dem Hund, keine Ahnung welche Personen überhaupt echt waren & irgendwie, puh. Hab das Gefühl, ich hab irgendwas essentielles nicht kapiert.

3

»[…] das Gefühlt, keiner Welt anzugehören. Nicht taub genug, um der Kultur der Tauben zugeordnet zu werden, nicht hörend genug, um voll und ganz an der Welt der Hörenden teilzunehmen. « S. 17 Die Protagonistin und Ich-Erzählerin Louise nimmt uns mit in ihre einzigartige Welt. Es ist eine Zwischenwelt. Sie ist weder ganz taub noch ganz hörend. Während sie im rechten Ohr noch ein paar Klänge vernimmt, herrscht auf dem linken Ohr Stille. Bei Tageslicht vermag Louise die Lippen der Menschen zu lesen. Doch wenn die Dunkelheit hereinbricht oder sich ihr Gegenüber von ihr abwendet, gleitet sie in ihre eigene Welt. In einen Raum unendlicher Möglichkeiten und Missverständnisse. Ein Zustand, zwischen Realität und Fantasie. Sie beginnt, die Hörlücken mit drei fiktiven, leicht skurrilen Figuren zu füllen. Während des Romans flüchtet Louise immer tiefer in ihre Traumwelt. Auch wenn diese fortwährend mit den bedeutenden Veränderungen in ihrem Leben, der Außenwelt, kollidiert. Ihr Gehör droht gänzlich zu verschwinden und so steht Louise vor der Entscheidung, ihr verbleibendes, natürliches Gehör durch ein Cochlea-Implantat zu ersetzen. Die Autorin taucht mit ihrer einzigartigen Prosa ein in die Welt der Gehörlosen. Die Sprache ist zart, poetisch und bildgewaltig. Rosenfeld zeigt die wohltuende Kraft und den Zauber der eigenen Fantasie in Zeiten der Einsamkeit und Isolation. Dennoch habe ich mich mit dem Schreibstil schwergetan. Ich fühlte mich in einem Schwebezustand zwischen Realität und Imagination, in dem ich mit fortschreitender Handlung nicht mehr zwischen beiden Welten differenzieren konnte und mich leider letztendlich auch verloren habe. Trotz meiner sehr subjektiven Kritik, handelt es sich um ein wichtiges Buch, das auf eindrucksvolle Weise die Lebensrealität mit einer unsichtbaren Behinderung skizziert. Aus dem Französischen von Nicola Denis. Der Debütroman »Quallen haben keine Ohren« von Adèle Rosenfeld hat es 2022 auf die Shortlist für den Debütpreis des Prix Goncourt geschafft und wurde mit dem Prix Fénéon ausgezeichnet.

Post image
4

Läd zum Nachdenken ein

3

Als selbst auf ein Implantat angewiesene Person kenne ich die Situationen, in denen man mehrfach nachfragen muss, um zu verstehen. So ergeht es auch der Protagonistin Louise in „Quallen haben keine Ohren“. Am Rande der Taubheit stehend, schildert der Roman ihren Umgang mit ihrer Behinderung, ihre Auseinandersetzung mit dem Dazwischensein zwischen der Welt der Tauben und der Hörenden sowie die Entscheidung für oder gegen ein Implantat. Mit dem fortschreitenden Verlust ihres Gehörs füllt Louises Fantasie zunehmend die entstehenden Lücken. Sie erschafft Begleiter*innen, die ihre Unsicherheiten und inneren Konflikte personifizieren. Eine spannende Prämisse, die sich meiner Meinung nach jedoch ein paar Mal zu oft im Kreis dreht. Dieses Gefühl wird dadurch verstärkt, dass die Kapitel mit ihren 1–3 Seiten sehr kurz sind und wir die Handlung so nur bruchstückhaft verfolgen. Mir ist klar, dass diese Form die lückenhafte Wahrnehmung dessen, was um Louise passiert, widerspiegeln soll, bedingt durch ihren Zustand. Trotzdem hatte ich das Gefühl, auf emotionaler Ebene nicht so hineingezogen zu werden, wie es potenziell möglich gewesen wäre. Den Ausflug in diese Geschichte habe ich dennoch sehr genossen. Nicht nur, weil mir die Thematik sehr vertraut war, sondern auch, weil Adèle Rosenfeld eindrucksvoll das auditive Erleben in Worte zu fassen vermag und dabei spannende Fragen zum Kern dessen aufwirft, was Sprache und Kommunikation ausmacht.

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