Prototyp 1928–33
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Ein sehr interessanter, historischer Beitrag zu Gertrud Hermes' "Schule der Arbeit" und den Bildungsbestrebungen zur Ausbildung eines Klassenbewusstseins für junge Leipziger Arbeiter zwischen 1928 und 1933
»Eine „Wirklichkeit, die zum Gedanken drängt“, würde erfasst von einem „Gedanken, der zur Wirklichkeit drängt“. Die Idee der Arbeiterbildung hat somit zwei parallel laufende Stränge: einen realpolitischen und einen transzendenten, revolutionären. Die Ermächtigung durch die Vermittlung von Wissen und Erfahrung betrifft zunächst das Leben innerhalb der real bestehenden gesellschaftlichen Ordnung, zielt jedoch ebenso auf ihre Überwindung.« aus „Prototyp 1928-33“ (2025) von Ute Richter & Radek Krolczyk, S. 43, Verbrecher Verlag »Was in der „Schule der Arbeit“ erprobt werden sollte, war eine Idee von Teilhabe am Produktionsprozess. Das Lehrangebot war breit. Es ging um Wissen auf politischem, wirtschaftlichem und auch kulturellem Gebiet. Das war als Ermächtigung der jungen Arbeiter gedacht: um Produktionszusammenhänge zu verstehen, die Betriebe, in denen sie beschäftigt waren, selbst verwalten und über Produktionsprozesse selbst entscheiden zu können. [...] das Ziel war der mündige Arbeiter.« aus „Prototyp 1928-33“ (2025) von Ute Richter & Radek Krolczyk, S. 100, Verbrecher Verlag Historische Zeitzeugnisse über den Alltag klassenbewusster, proletarischer Jugendlicher aus den 1920ern zu finden, ist leider ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen. Ähnlich wie mit Olga Benarios Schriften zu „Berliner Kommunistische Jugend“, die ursprünglich für die Sowjetische Kommunistische Jugend gedacht waren und auch dort nur existierten, weil sie dazumal ins Russische übersetzt wurden und die Zeit des Nationalsozialismus dort überdauerten, fielen eben auch jene Werke, Schriften und Akten den Nazis zum Opfer, die aus dem kollektiven Gedächtnis gebannt werden sollten. „Prototyp 1928-33“ von Ute Richter versammelt verschiedene Materialien (Fotografien, Zeitungsartikel, Berichte, Skizzen, Zitate, behördliche Schreiben) zur „Schule der Arbeit“ in Leipzig-Schleußig in einem nicht abgeschlossenen Buch. Es handelt sich hierbei um eine von Gertrud Hermes (christlich-marxistische Pädagogin) im Jahre 1928 gegründete Schule, die aufbauend auf ihren Gedanken und Erfahrungen zur Arbeiterbildung in Connewitz zum Ziel hatte, junge Lohnarbeiter im Alter zwischen 18 und 24 Jahren zu „mündigen Arbeitern“ zu befähigen. Durch ihre erhaltene Bildung sollen die Arbeiter die Verstrickungen ihrer Selbst und ihrer Lohnarbeit im kapitalistischen System erkennen und dadurch ein gestärktes Klassenbewusstsein erfahren. In einem zu diesem Zwecke neu errichteten, modernen Gebäude war Platz für bis 17 junger Arbeiter, die zwei Drittel ihres Lohns an die Schule zahlten, um dort über eine Zeitdauer von bis zu 10 Monaten an drei Abenden in der Woche gemeinsam zu diskutieren, sich kollektiv weiterzubilden und ihre freie Zeit miteinander zu verbringen. Kurze Zeit nach der Machtergreifung 1933 fiel auch die „Schule der Arbeit“ den Nazis zum Opfer. Es ist faszinierend und erstaunlich zugleich, dass - trotz der systematischen Bekämpfung und Zerstörung durch die Nationalsozialisten einerseits und trotz der historisch-politischen Ignoranz der DDR gegenüber einer parteiunabhängigen, dennoch der Befreiung der Arbeiterklasse verschriebenen Kollektivbildung andererseits - solche historischen Funde wie zur Leipziger „Schule der Arbeit“ die Zeiten und Regime überstehen und heute wiederentdeckt werden. Nach der Wende war das Gebäude in öffentlicher Hand der Stadt Leipzig (aber ohne historische Restaurierungsambitionen), bevor es dann 2004 verkauft wurde und seitdem der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Gertrud Hermes’ Vermächtnis ist und bleibt unvollständig, doch hat es in Ute Richters Werken ein Zuhause gefunden, um als Idee wieder lebendig werden und bleiben zu können. Und so steht der Prototyp auf seinen eigenen Beinen und gibt einen kurzen, aber intensiven Ausschnitt in ein hoffnungsvolles Arbeiterbildungsprojekt (m)einer industrialisierten Nachbarschaft Leipzigs Ende der 1920er.

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Ein sehr interessanter, historischer Beitrag zu Gertrud Hermes' "Schule der Arbeit" und den Bildungsbestrebungen zur Ausbildung eines Klassenbewusstseins für junge Leipziger Arbeiter zwischen 1928 und 1933
»Eine „Wirklichkeit, die zum Gedanken drängt“, würde erfasst von einem „Gedanken, der zur Wirklichkeit drängt“. Die Idee der Arbeiterbildung hat somit zwei parallel laufende Stränge: einen realpolitischen und einen transzendenten, revolutionären. Die Ermächtigung durch die Vermittlung von Wissen und Erfahrung betrifft zunächst das Leben innerhalb der real bestehenden gesellschaftlichen Ordnung, zielt jedoch ebenso auf ihre Überwindung.« aus „Prototyp 1928-33“ (2025) von Ute Richter & Radek Krolczyk, S. 43, Verbrecher Verlag »Was in der „Schule der Arbeit“ erprobt werden sollte, war eine Idee von Teilhabe am Produktionsprozess. Das Lehrangebot war breit. Es ging um Wissen auf politischem, wirtschaftlichem und auch kulturellem Gebiet. Das war als Ermächtigung der jungen Arbeiter gedacht: um Produktionszusammenhänge zu verstehen, die Betriebe, in denen sie beschäftigt waren, selbst verwalten und über Produktionsprozesse selbst entscheiden zu können. [...] das Ziel war der mündige Arbeiter.« aus „Prototyp 1928-33“ (2025) von Ute Richter & Radek Krolczyk, S. 100, Verbrecher Verlag Historische Zeitzeugnisse über den Alltag klassenbewusster, proletarischer Jugendlicher aus den 1920ern zu finden, ist leider ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen. Ähnlich wie mit Olga Benarios Schriften zu „Berliner Kommunistische Jugend“, die ursprünglich für die Sowjetische Kommunistische Jugend gedacht waren und auch dort nur existierten, weil sie dazumal ins Russische übersetzt wurden und die Zeit des Nationalsozialismus dort überdauerten, fielen eben auch jene Werke, Schriften und Akten den Nazis zum Opfer, die aus dem kollektiven Gedächtnis gebannt werden sollten. „Prototyp 1928-33“ von Ute Richter versammelt verschiedene Materialien (Fotografien, Zeitungsartikel, Berichte, Skizzen, Zitate, behördliche Schreiben) zur „Schule der Arbeit“ in Leipzig-Schleußig in einem nicht abgeschlossenen Buch. Es handelt sich hierbei um eine von Gertrud Hermes (christlich-marxistische Pädagogin) im Jahre 1928 gegründete Schule, die aufbauend auf ihren Gedanken und Erfahrungen zur Arbeiterbildung in Connewitz zum Ziel hatte, junge Lohnarbeiter im Alter zwischen 18 und 24 Jahren zu „mündigen Arbeitern“ zu befähigen. Durch ihre erhaltene Bildung sollen die Arbeiter die Verstrickungen ihrer Selbst und ihrer Lohnarbeit im kapitalistischen System erkennen und dadurch ein gestärktes Klassenbewusstsein erfahren. In einem zu diesem Zwecke neu errichteten, modernen Gebäude war Platz für bis 17 junger Arbeiter, die zwei Drittel ihres Lohns an die Schule zahlten, um dort über eine Zeitdauer von bis zu 10 Monaten an drei Abenden in der Woche gemeinsam zu diskutieren, sich kollektiv weiterzubilden und ihre freie Zeit miteinander zu verbringen. Kurze Zeit nach der Machtergreifung 1933 fiel auch die „Schule der Arbeit“ den Nazis zum Opfer. Es ist faszinierend und erstaunlich zugleich, dass - trotz der systematischen Bekämpfung und Zerstörung durch die Nationalsozialisten einerseits und trotz der historisch-politischen Ignoranz der DDR gegenüber einer parteiunabhängigen, dennoch der Befreiung der Arbeiterklasse verschriebenen Kollektivbildung andererseits - solche historischen Funde wie zur Leipziger „Schule der Arbeit“ die Zeiten und Regime überstehen und heute wiederentdeckt werden. Nach der Wende war das Gebäude in öffentlicher Hand der Stadt Leipzig (aber ohne historische Restaurierungsambitionen), bevor es dann 2004 verkauft wurde und seitdem der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Gertrud Hermes’ Vermächtnis ist und bleibt unvollständig, doch hat es in Ute Richters Werken ein Zuhause gefunden, um als Idee wieder lebendig werden und bleiben zu können. Und so steht der Prototyp auf seinen eigenen Beinen und gibt einen kurzen, aber intensiven Ausschnitt in ein hoffnungsvolles Arbeiterbildungsprojekt (m)einer industrialisierten Nachbarschaft Leipzigs Ende der 1920er.





