Privatstädte
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Book Information
Author Description
Andreas Kemper ist Autor zahlreicher Bücher, Artikel und Beiträge zu den Themen Klassismus und Bildungsbenachteiligung, organisierter Antifeminismus, AfD und neue Rechte sowie proprietaristische Ideologien und Netzwerke.
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In „Privatstädte“ (2022) schreibt der Soziologe Andreas Kemper anhand zahlreicher Beispiele über libertäre Projekte zur Privatisierung von Städten. Dabei werden neoliberale Tendenzen, die wir überall in Städten beobachten können, ins Extreme getrieben. Es geht dabei nicht nur um besonders geschützte Stadtviertel (z.B. „gated communities“), sondern um Projekte, bei denen bestimmte Bereiche dem staatlichen Einflussbereich vollständig entzogen werden sollen. In der Privatstadt, wie Kemper sie beschreibt, wird die staatliche Souveränität an ein privates Unternehmen abgegeben, das wiederum privatwirtschaftlich Sicherheitsfirmen und Schiedsgerichte beauftragt. Das Privateigentum wird absolut geschützt. Diesen Projekten liegt eine sozial- und demokratiefeindliche Ideologie zugrunde. Was wie ein dystopischer Zukunftsroman klingt, ist bereits heute Realität. Kemper bringt insbesondere das Beispiel Honduras, wo durch die Entlassung kritischer Verfassungsrichter*innen die entsprechenden Rechtsgrundlagen geschaffen werden konnten und nunmehr die Privatstadt Próspera existiert. Aber auch in Europa gibt es viele Vertreter*innen der Privatstadtidee. Kemper zeigt auf, wie Einzelpersonen (z.B. der deutsche Unternehmer Titus Gebel, der ehemalige AfD-Pressesprecher Christian Lüth oder der PayPal-Gründer Peter Thiel), aber auch Institutionen wie die TU München in antidemokratische Privatstadtprojekte verwickelt sind. Eine neuere Idee sind entpolitisierte, börsennotierte Privatstädte für Geflüchtete. So absurd die Idee klingt, wurde sie etwa auch auf dem Geheimtreffen in Potsdam diskutiert. Das zeigt, wie gefährlich die Idee der Privatstadt ist und wie wichtig es ist, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Kemper hat ein unglaubliches Detailwissen und das Buch zeigt so viele Querverbindungen auf, dass es vielleicht nicht die leichteste Einstiegslektüre in das Thema ist. Zugleich aber finde ich es vertrauenswürdig und emanzipierend, dass durch die vielen Referenzen alles nachprüfbar ist. Auf jeden Fall eine spannende, erschreckende und wichtige Lektüre! Übrigens sind mir hier viele Gedanken aus Theresia Enzensbergers Roman „Auf See“ (2022) wieder begegnet.
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Andreas Kemper ist Autor zahlreicher Bücher, Artikel und Beiträge zu den Themen Klassismus und Bildungsbenachteiligung, organisierter Antifeminismus, AfD und neue Rechte sowie proprietaristische Ideologien und Netzwerke.
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In „Privatstädte“ (2022) schreibt der Soziologe Andreas Kemper anhand zahlreicher Beispiele über libertäre Projekte zur Privatisierung von Städten. Dabei werden neoliberale Tendenzen, die wir überall in Städten beobachten können, ins Extreme getrieben. Es geht dabei nicht nur um besonders geschützte Stadtviertel (z.B. „gated communities“), sondern um Projekte, bei denen bestimmte Bereiche dem staatlichen Einflussbereich vollständig entzogen werden sollen. In der Privatstadt, wie Kemper sie beschreibt, wird die staatliche Souveränität an ein privates Unternehmen abgegeben, das wiederum privatwirtschaftlich Sicherheitsfirmen und Schiedsgerichte beauftragt. Das Privateigentum wird absolut geschützt. Diesen Projekten liegt eine sozial- und demokratiefeindliche Ideologie zugrunde. Was wie ein dystopischer Zukunftsroman klingt, ist bereits heute Realität. Kemper bringt insbesondere das Beispiel Honduras, wo durch die Entlassung kritischer Verfassungsrichter*innen die entsprechenden Rechtsgrundlagen geschaffen werden konnten und nunmehr die Privatstadt Próspera existiert. Aber auch in Europa gibt es viele Vertreter*innen der Privatstadtidee. Kemper zeigt auf, wie Einzelpersonen (z.B. der deutsche Unternehmer Titus Gebel, der ehemalige AfD-Pressesprecher Christian Lüth oder der PayPal-Gründer Peter Thiel), aber auch Institutionen wie die TU München in antidemokratische Privatstadtprojekte verwickelt sind. Eine neuere Idee sind entpolitisierte, börsennotierte Privatstädte für Geflüchtete. So absurd die Idee klingt, wurde sie etwa auch auf dem Geheimtreffen in Potsdam diskutiert. Das zeigt, wie gefährlich die Idee der Privatstadt ist und wie wichtig es ist, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Kemper hat ein unglaubliches Detailwissen und das Buch zeigt so viele Querverbindungen auf, dass es vielleicht nicht die leichteste Einstiegslektüre in das Thema ist. Zugleich aber finde ich es vertrauenswürdig und emanzipierend, dass durch die vielen Referenzen alles nachprüfbar ist. Auf jeden Fall eine spannende, erschreckende und wichtige Lektüre! Übrigens sind mir hier viele Gedanken aus Theresia Enzensbergers Roman „Auf See“ (2022) wieder begegnet.




