Privatstädte

Privatstädte

Softcover
5.01
LibertärPolizeiBananenrepublikProprietarismus

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Description

Totalitär-kapitalistische Ideologien und Netzwerke haben sich eines der ärmsten und autoritärsten Länder Lateinamerikas ausgesucht, um dort ihre Version einer ›Brave New World‹ zu realisieren: Honduras. Hier sollen Privatstädte entstehen, in denen Unternehmen mit eigener Gesetzgebung, eigenen Gerichten und privaten Sicherheitsorganen herrschen. Ginge es nach Unternehmern wie Titus Gebel, soll aber nicht nur in Honduras Demokratie »durch den Geldbeutel ersetzt« werden. Eigenen Worten zufolge möchte er noch zu seinen Lebzeiten solche Privatstädte auch in Deutschland sehen. Bereits 2009 wurden unmittelbar nach dem Putsch in Honduras die Weichen für die Übertragung lokaler Staatsgewalt an Privatunternehmen gestellt, um das Land zu einem Experimentierfeld – vor allem auch deutscher – Investor*innen zu machen. In Honduras sind zurzeit bereits drei solcher Investorenstädte vereinbart, mindestens drei weitere sind in Planung. Als ausgewiesene Sonderwirtschaftszonen, denen weitgehende Autonomie in Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung zugesprochen wird, hebeln diese Privatstädte nicht nur die Souveränität des Staates aus, sondern enteignen auch die lokale Bevölkerung und stellen sie vor die Wahl, sich ihren neuen Herren zu unterwerfen und für sie zu arbeiten oder ihre angestammte Heimat zu verlassen. Das Buch wirft einen detailscharfen Blick auf diese manchesterkapitalistischen Netzwerke in Europa und den USA, berichtet aber ebenso auch von den massiven Protesten in immer mehr honduranischen Gemeinden, die sich gegen ihre Enteignung und Vertreibung wehren.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Softcover
Pages
184
Price
14.40 €

Author Description

Andreas Kemper ist Autor zahlreicher Bücher, Artikel und Beiträge zu den Themen Klassismus und Bildungsbenachteiligung, organisierter Antifeminismus, AfD und neue Rechte sowie proprietaristische Ideologien und Netzwerke.

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In „Privatstädte“ (2022) schreibt der Soziologe Andreas Kemper anhand zahlreicher Beispiele über libertäre Projekte zur Privatisierung von Städten. Dabei werden neoliberale Tendenzen, die wir überall in Städten beobachten können, ins Extreme getrieben. Es geht dabei nicht nur um besonders geschützte Stadtviertel (z.B. „gated communities“), sondern um Projekte, bei denen bestimmte Bereiche dem staatlichen Einflussbereich vollständig entzogen werden sollen. In der Privatstadt, wie Kemper sie beschreibt, wird die staatliche Souveränität an ein privates Unternehmen abgegeben, das wiederum privatwirtschaftlich Sicherheitsfirmen und Schiedsgerichte beauftragt. Das Privateigentum wird absolut geschützt. Diesen Projekten liegt eine sozial- und demokratiefeindliche Ideologie zugrunde. Was wie ein dystopischer Zukunftsroman klingt, ist bereits heute Realität. Kemper bringt insbesondere das Beispiel Honduras, wo durch die Entlassung kritischer Verfassungsrichter*innen die entsprechenden Rechtsgrundlagen geschaffen werden konnten und nunmehr die Privatstadt Próspera existiert. Aber auch in Europa gibt es viele Vertreter*innen der Privatstadtidee. Kemper zeigt auf, wie Einzelpersonen (z.B. der deutsche Unternehmer Titus Gebel, der ehemalige AfD-Pressesprecher Christian Lüth oder der PayPal-Gründer Peter Thiel), aber auch Institutionen wie die TU München in antidemokratische Privatstadtprojekte verwickelt sind. Eine neuere Idee sind entpolitisierte, börsennotierte Privatstädte für Geflüchtete. So absurd die Idee klingt, wurde sie etwa auch auf dem Geheimtreffen in Potsdam diskutiert. Das zeigt, wie gefährlich die Idee der Privatstadt ist und wie wichtig es ist, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Kemper hat ein unglaubliches Detailwissen und das Buch zeigt so viele Querverbindungen auf, dass es vielleicht nicht die leichteste Einstiegslektüre in das Thema ist. Zugleich aber finde ich es vertrauenswürdig und emanzipierend, dass durch die vielen Referenzen alles nachprüfbar ist. Auf jeden Fall eine spannende, erschreckende und wichtige Lektüre! Übrigens sind mir hier viele Gedanken aus Theresia Enzensbergers Roman „Auf See“ (2022) wieder begegnet.

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