Prager Verbrechen

Prager Verbrechen

Hardback
4.04

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Description

Die Gerichts- und Kriminalreporterin Sabine Rückert stellt vor: Egon Erwin Kisch, Wegbereiter der True-Crime-Reportage, als schillernder Ermittler in der Prager Unterwelt.

Was sagen uns Verbrechen über Menschen und Gesellschaften? Was waren die Umstände, die sie ermöglicht haben, was ist das Alltägliche am außergewöhnlichen Geschehen? Vor der Kulisse Prags erzählt Egon Erwin Kisch in literarisch brillanten Reportagen von kaltblütigen Verbrechen und menschlichen Abgründen. Mal tritt er als investigativer Ermittler in Erscheinung, mal lässt er seine Heldinnen und Schurken zu Wort kommen, dann wieder mischt er sich direkt in das Geschehen ein. In ganz eigener Weise verband er journalistische Genauigkeit mit literarischem Stil, noch bevor Truman Capote das Prinzip für sich entdeckte. Sabine Rückert beleuchtet, was uns bis heute daran fasziniert – und was sie anders machen würde als der »rasende Reporter«.

»Das sind ganz tolle Texte. Interessanterweise war Egon Erwin Kisch auch ein Kriminalreporter. Er ermittelte regelrecht. Und manchmal wandte er dabei Methoden an, die uns heute stark verwundern.« Sabine Rückert

Wenn in der Zeitung von heute schon der Mord von morgen steht, kann da nur der »rasende Reporter« am Werk gewesen sein ...

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
True Stories
Format
Hardback
Pages
336
Price
28.80 €

Author Description

Egon Erwin Kisch wurde 1885 in Prag geboren. Dort besuchte er die Journalistenschule, war als Lokalreporter für "Bohemia" tätig. Er war Soldat im ersten Weltkrieg. 1921 übersiedelte er nach Berlin, unternahm Reportagereisen in die Sowjetunion, die USA und nach Australien. Nach dem Reichstagsbrand wurde er festgenommen und anschließend nach Prag abgeschoben. Stationen seines Exils: von 1933 bis 1939 Paris, 1937/38 Spanien, nach Kriegsbeginn USA, seit 1940 Mexiko. 1946 kehrte er nach Prag zurück, dort starb er 1948.

Posts

2
All

Sternebewertung fiktiv

True Crime begleitet mich schon sehr lange. Podcasts, Dokumentationen, Gerichtsreportagen, besonders Zeit Verbrechen mit Sabine Rückert höre ich unglaublich gerne. Deshalb war für mich sofort klar, dass ich Prager Verbrechen von Egon Erwin Kisch lesen möchte. Und eigentlich beschreibt dieses Buch perfekt, warum ich solche Literatur mag: Es geht hier nicht nur um die eigentlichen Fälle, sondern vor allem um die Menschen dahinter und den Blick des Autors auf seine Zeit. Ein buntes Gesellschaftskolorit der Zeiten 1907 bis circa 1940. Egon Erwin Kisch war damals das, was Sabine Rückert heute für viele ist: ein Gerichtsreporter mit einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe. Während man die Fälle liest, bekommt man gleichzeitig ein Bild vom damaligen Prag vermittelt und man liest auch den politischen Wandel. Genau das fand ich eigentlich spannender als manche Fälle selbst. Und das muss man vielleicht auch wissen, bevor man zu diesem Buch greift. Der Fokus liegt für mich weniger auf klassischen spektakulären True-Crime-Fällen, sondern viel stärker auf Kisch selbst, seiner Art zu beobachten und zu erzählen. Manche Geschichten konnten mich deshalb nicht vollständig erreichen oder emotional packen. Nicht jeder Fall blieb hängen, obwohl hier nach an echten Verbrechen berichtet wird. Trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen, weil man merkt, wie modern Kisch in vielen Gedanken eigentlich war. Seine Texte wirken oft eher wie literarische Reportagen als klassische Berichte. Gerade die gesellschaftlichen Beobachtungen fand ich stellenweise deutlich interessanter als die eigentliche Tat. Und optisch ist dieses Buch wirklich ein Highlight. Die Gestaltung der Ausgabe aus Die Andere Bibliothek ist außergewöhnlich schön gelungen. Die Illustrationen, Steckbriefe und die gesamte Aufmachung wirken fast wie eine historische Ermittlungsakte. Für Menschen, die schöne Buchgestaltung lieben, ist das definitiv etwas Besonderes. Für mich also weniger ein klassisches True-Crime-Buch voller Spannung, sondern eher eine atmosphärische literarische Reise durch die damalige Zeit, erzählt von einem Autor, der Menschen und ihre Abgründe unglaublich genau beobachten konnte.

Sternebewertung fiktiv
3.5

»Wer Kriminalreportagen schreibt (oder liest), interessiert sich für die Verhältnisse im Land.«

»Wer Kriminalreportagen schreibt (oder liest), interessiert sich für die Verhältnisse im Land. Im Verbrechen – oder was dafür gehalten beziehungsweise nicht gehalten wird – spiegelt sich die Befindlichkeit einer ganzen Nation.« Mit den Reportagen des „rasenden Reporters“ Egon Erwin Kisch begeben wir Lesenden uns mitten ins Geschehen. Sei es ein Besuch bei einem Henker, eines Gefängnisses oder in die Komplexität einzelner Kriminalfälle und deren Umstände. Egon Erwin Kisch berichtet nicht immer gemäß der Faktenlage, sondern lässt sich vielmehr literarischen Spielraum. Auch journalistische Neutralität sucht man in seinen Reportagen vergeblich. Dafür beweist er eine klare Haltung gegenüber jeglicher sozialer Ungerechtigkeit und begibt sich dorthin, wo es unbequem ist statt mit Abstand zum eigentlichen Geschehen Bericht zu erstatten. Anstelle loser Aneinanderreihung der Begebenheiten, werden die Reportagen literarisch ausgeschmückt. Ihnen wird Lebendigkeit eingehaucht. Das führt dazu, dass die insgesamt 19 Texte vielseitig daherkommen und sich jeder auf seine Weise von den anderen unterscheidet. Das Vorwort von Sabine Rückert ist dabei unverzichtbar, da es sowohl den „rasenden Reporter“ als auch dessen Reportagen in einen Kontext einordnet, der einem sonst – zumindest bereits vor der Lektüre – verwehrt geblieben wäre. Nach anfänglicher Begeisterung aufgrund sehr starker Texte zu Beginn, konnten mich einige der weiteren nicht abholen und ich empfand diese als etwas zu lang und zu ausschweifend, während andere meinem Geschmack nach gerne umfangreicher hätten sein können.

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