PNR: La Bella Vita
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Description
Revolution machen kann (fast) jeder. Eine neue Gesellschaftsordnung aufbauen: das schaffen nur ein paar Nerds. Und Sibylle Berg. Nach einer gelungenen Revolution, die das Finanz- und Gesellschaftssystem sanft beseitigt hat, wird sie endlich errichtet: d ie schöne neue Welt nach dem Kapitalismus.
In dieser Welt ist alles verschwunden, woran die Menschen zu glauben gelernt hatten, in der jeder erstaunt bemerkt – dass es möglich ist, ohne Angst zu existieren und ohne sein Leben an einen Arbeitgeber zu verkaufen. Vom Wohnen bis zur Landwirtschaft, von der Art Urlaub zu machen bis zu der Frage: Wohin mit der Bürokratie? erfindet sich Europa neu. Aber: Was interessiert Don Europa? Sie ist in Italien, dem besten Ort, um auf Ruinen etwas Neues zu errichten.
Book Information
Author Description
Sibylle Berg lebt in Zürich. Ihr Werk umfasst 27 Theaterstücke, 15 Bücher und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Berg ist Herausgeberin von drei Büchern und verfasst Hörspiele und Essays. Sie erhielt diverse Preise und Auszeichnungen, u. a. den Schweizer Buchpreis, den Grand Prix Literatur, den Bertolt-Brecht-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Seit 2024 ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments. Bei Kiepenheuer & Witsch erschienen zuletzt die Romane »GRM/Brainfuck« (2019) und »RCE« (2022) sowie der Gesprächsband »Nerds retten die Welt« (2020) und der Gedichtband »Try Praying« (2024).
Posts
Wer sich von der Erwartung eines konventionellen Spannungsbogens löst, wird belohnt. Dieses Buch ist eher ein Manifest, Kommentar und Utopie-Skizze zugleich. Wer Handlung sucht, wird hier kaum fündig. Wer gern über Alternativen zum Bestehenden nachdenkt, dafür umso mehr. Nach "GRM. Brainfuck" (2019) und "RCE – Remote Code Execution" (2022) für mich ein kluges, provokantes und stellenweise sehr komisches Finale dieser dystopischen Trilogie. ✨️
Sibylle Berg entwirft in „PNR: La Bella Vita“ eine Zukunft nach dem großen Umbruch und fragt weniger nach dem "Wie kommen wir dahin?" als nach dem "Wie leben wir dann eigentlich?". Statt klassischer Handlung gibt es Momentaufnahmen, Beobachtungen und Gedankenexperimente, die zeigen, wie sich ein Alltag ohne Leistungsdruck, Angst und Verwertung anfühlen könnte. Das liest sich mutig, irritierend und überraschend ruhig. 🌍 Was mich besonders beeindruckt hat, ist Bergs Sprache: Messerscharf, trocken, oft brutal ehrlich – und dann wieder unerwartet zärtlich. Jeder Satz sitzt perfekt, ihre Pointen sind pechschwarz, und trotzdem schwingt hier mehr Hoffnung mit als in vielen ihrer früheren Texte. Der Roman traut seiner eigenen Utopie nicht ganz, macht sich über sie lustig und bleibt dadurch angenehm ambivalent. ✍️ Man muss weder anarchistische Theorie studiert haben noch Bergs politische Haltung teilen, um sich auf dieses Buch einzulassen. Gerade weil vieles bewusst vereinfacht oder offen gelassen wird, funktioniert „PNR: La Bella Vita“ eher wie ein gedanklicher Spielraum als wie ein fertiger Gesellschaftsentwurf. Nicht alles ist bis ins Letzte durchdacht, aber vielleicht ist genau das der Punkt. 🤔
Wenn man die Ausdauer aufgebracht hat, sich erst GRM zu geben, danach RCE, ohne sich die Laune komplett verderben zu lassen von all dem Zynismus und der Hässlichkeit, mit der Sybille Berg die Welt beschreibt, in der wir alle leben, wird mit diesem dritten Teil belohnt: Es ist der längste Epilog, dem man wohl jemals begegnet, welcher uns eine Utopie beschreibt, die es trotz alledem geben könnte: Wenn die Menschen sich auf einmal einig wären — was nie passieren wird.
PNR erzählt von einer utopischen Gesellschaft kurz nach einer anarchistischen Revolution.
Die Geschichte spielt in Italien, genauer in Rom, wo die Protagonistin - die selbst Britin ist - vor Jahren hingezogen ist und mit einer Gruppe von Freund:innen rund um den Revolutions"führer" Ben die Revolution angestoßen hat. Der größte Teil der Welt ist der Teil der neuen Weltordnung - mit Ausnahme von u.A. der USA. Das Buch ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, die alle einzelne Aspekte der neuen Verfassung darstellen und die Geschichte ist ein Mix aus Erzählungen zum neuen Jetzt - meist unter Vergleich der "alten" (also jetzigen) Weltordnung und dem Aufdecken einiger Skandale und Umstände, die mir persönlich auch neu waren (z.B. dass die Mafia den Büffelmozzarella-Markt kontrolliert). Das Gelesene hat mir viel zu denken gegeben, mich gleichzeitig entschleunigt und teils traurig gemacht - vor allem im Hinblick auf die aktuellen weltlichen und politischen Geschehnisse, sowie die Entwicklungen rund um KI. Es war schön, in eine alternative Welt einzutauchen, in der Menschen erst lernen mussten, dass sie auch glücklich sein können und dürfen statt dauerhaft gestresst, dass ihr Wert als Mensch nicht durch ihre Produktivität bestimmt wird, dass die Welt nicht von reißerischen Nachrichten und korrupten Politiker:innen regiert wird. Schön wäre es. Insgesamt gibt es nur 4 Sterne, weil das Buch sich teils doch sehr zäh und lang gezogen hat und ich länger gebraucht habe, die Geschichte zu Ende zu lesen. Aber es lohnt sich!! Vielen dank an NetGalley und Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar im Austausch für meine ehrliche Meinung.
Anleitung zum Anarchismus light
Das dritte und letzte Buch der GRM Reihe schließt die Geschichte um Don, Hannah, Karen, Pjotr und Ben ab und spielt ein paar Jahre nach der große Revolution am Ende von RCE. Man begleitet hauptsächlich Don durch Episoden ihres Alltags, anhand derer sie erklärt, wie der nun etablierte Anarchismus in Europa funktioniert. Abgetrennt sind die Kapitel durch einzelne Paragraphen der neuen Verfassung. Teilweise wird die Perspektive für ein Kapitel gewechselt, um die Sicht auf das neue System durch andere Betroffene darzustellen, die nicht an der Planung beteiligt waren und eines Tages im Anarchismus aufgewacht sind. Jedes Kapitel verfolgt dabei den ungefähren Aufbau “so ist es jetzt, so war es früher, so geht es mir damit”. Dabei nimmt Sibylle Berg die Ungerechtigkeit, Überwachung, soziale Verrohung, Umweltzerstörung, Machthunger – kurz den Kapitalismus und all seine neoliberalen Auswüchse – in ihrer gewohnt pointierten, sarkastischen und bildlichen Sprache gekonnt auseinander. Das Buch ist dabei aber wesentlich freundlicher und zuversichtlicher als seine Vorgänger und andere Bücher von Sibylle Berg. Die anarchistischen Gesellschaftsansätze werden jedoch sehr oberflächlich erklärt und vermeintliche Kritiken, die zB bei fehlenden Sanktionssystemen, Polizei und Waffen/Krieg, sicherlich häufig angebracht werden adressiert. Wobei die Autorin hier endgültige Lösungen schuldig bleibt und sich manchmal dann eher einer deus ex machina gleichen Wendung der Problematik entzieht. Es ist eben ein gesellschaftliches Experiment mit offenem Ende, und bedarf einer gehörigen Portion Hoffnung. Für Leser*innen, die in RCE schon eine fehlende Handlung kritisierten: diese fehlt hier ebenfalls fast komplett. Die einzelnen Hauptcharaktere scheinen nur noch aufzutauchen, um irgendwie an die Vorgänger anzuknüpfen. Die einzelnen Kritiken und Lösungsansätze scheinen sich mit aktueller wissenschaftlichen Forschung zu decken. Ich kann mir aber vorstellen, dass für Fachleute manche Beschreibungen dann doch etwas überzogen sind oder großes Wunschdenken beinhalten. Teilweise wäre etwas mehr Tiefgang und weniger Plakativität schön gewesen. Grundsätzlich halte ich das Buch dennoch für wichtig, da es bestimmt für viele Leser*innen die ersten Berührungspunkte mit anarchistischer Theorie beinhaltet und in verständlicher Weise Alternativen zum heutigen Leben aufzeigt.
Nach GRM und RCE gelungener Abschluss der Trilogie. Grandios. Sibylle Bergs neuester Roman lässt in raffiniert düsteren Farben eine utopische Vision aufblitzen, die zugleich wie ein Spiegel unserer Gegenwart wirkt: sie spiegelt hier sehr kunstvoll das Gelingen der Utopie einer neuen Gesellschaftsform mit den momentanen Verhältnissen, in denen Überwachung, ökonomische Verwerfungen und soziale Kälte nicht mehr dystopische Warnung, sondern fast schon normative Realität sind. Ihr Vergleich zwischen der visionären Utopie – etwa in Momenten, in denen Gemeinschaft, solidarisches Handeln und Widerstand gegen die Mächtigen möglich scheinen – und der aktuellen Situation ist dabei so elektrisierend und aufrüttelnd, dass man unwillkürlich fragt: Wie nah sind wir schon an dieser Fiktion? Die Macht des Romans liegt in seiner brutalen Ehrlichkeit und seiner schöpferischen Wut – Berg malt mit Worten, die wehtun, aber auch aufwühlen, Hoffnung keimen lassen und gleichzeitig dafür mahnen, dass diese Zukunft nur erkämpft ist. Nach der Lektüre bleibt ein pochendes Bewusstsein: Die Utopie mag fantastisch klingen, aber sie ist kein ferner Traum mehr – sie ist ein Möglichkeitsraum, den unsere Realität mit jedem Tag enger umklammert.
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Revolution machen kann (fast) jeder. Eine neue Gesellschaftsordnung aufbauen: das schaffen nur ein paar Nerds. Und Sibylle Berg. Nach einer gelungenen Revolution, die das Finanz- und Gesellschaftssystem sanft beseitigt hat, wird sie endlich errichtet: d ie schöne neue Welt nach dem Kapitalismus.
In dieser Welt ist alles verschwunden, woran die Menschen zu glauben gelernt hatten, in der jeder erstaunt bemerkt – dass es möglich ist, ohne Angst zu existieren und ohne sein Leben an einen Arbeitgeber zu verkaufen. Vom Wohnen bis zur Landwirtschaft, von der Art Urlaub zu machen bis zu der Frage: Wohin mit der Bürokratie? erfindet sich Europa neu. Aber: Was interessiert Don Europa? Sie ist in Italien, dem besten Ort, um auf Ruinen etwas Neues zu errichten.
Book Information
Author Description
Sibylle Berg lebt in Zürich. Ihr Werk umfasst 27 Theaterstücke, 15 Bücher und wurde in 34 Sprachen übersetzt. Berg ist Herausgeberin von drei Büchern und verfasst Hörspiele und Essays. Sie erhielt diverse Preise und Auszeichnungen, u. a. den Schweizer Buchpreis, den Grand Prix Literatur, den Bertolt-Brecht-Preis und den Johann-Peter-Hebel-Preis. Seit 2024 ist sie Mitglied des Europäischen Parlaments. Bei Kiepenheuer & Witsch erschienen zuletzt die Romane »GRM/Brainfuck« (2019) und »RCE« (2022) sowie der Gesprächsband »Nerds retten die Welt« (2020) und der Gedichtband »Try Praying« (2024).
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Wer sich von der Erwartung eines konventionellen Spannungsbogens löst, wird belohnt. Dieses Buch ist eher ein Manifest, Kommentar und Utopie-Skizze zugleich. Wer Handlung sucht, wird hier kaum fündig. Wer gern über Alternativen zum Bestehenden nachdenkt, dafür umso mehr. Nach "GRM. Brainfuck" (2019) und "RCE – Remote Code Execution" (2022) für mich ein kluges, provokantes und stellenweise sehr komisches Finale dieser dystopischen Trilogie. ✨️
Sibylle Berg entwirft in „PNR: La Bella Vita“ eine Zukunft nach dem großen Umbruch und fragt weniger nach dem "Wie kommen wir dahin?" als nach dem "Wie leben wir dann eigentlich?". Statt klassischer Handlung gibt es Momentaufnahmen, Beobachtungen und Gedankenexperimente, die zeigen, wie sich ein Alltag ohne Leistungsdruck, Angst und Verwertung anfühlen könnte. Das liest sich mutig, irritierend und überraschend ruhig. 🌍 Was mich besonders beeindruckt hat, ist Bergs Sprache: Messerscharf, trocken, oft brutal ehrlich – und dann wieder unerwartet zärtlich. Jeder Satz sitzt perfekt, ihre Pointen sind pechschwarz, und trotzdem schwingt hier mehr Hoffnung mit als in vielen ihrer früheren Texte. Der Roman traut seiner eigenen Utopie nicht ganz, macht sich über sie lustig und bleibt dadurch angenehm ambivalent. ✍️ Man muss weder anarchistische Theorie studiert haben noch Bergs politische Haltung teilen, um sich auf dieses Buch einzulassen. Gerade weil vieles bewusst vereinfacht oder offen gelassen wird, funktioniert „PNR: La Bella Vita“ eher wie ein gedanklicher Spielraum als wie ein fertiger Gesellschaftsentwurf. Nicht alles ist bis ins Letzte durchdacht, aber vielleicht ist genau das der Punkt. 🤔
Wenn man die Ausdauer aufgebracht hat, sich erst GRM zu geben, danach RCE, ohne sich die Laune komplett verderben zu lassen von all dem Zynismus und der Hässlichkeit, mit der Sybille Berg die Welt beschreibt, in der wir alle leben, wird mit diesem dritten Teil belohnt: Es ist der längste Epilog, dem man wohl jemals begegnet, welcher uns eine Utopie beschreibt, die es trotz alledem geben könnte: Wenn die Menschen sich auf einmal einig wären — was nie passieren wird.
PNR erzählt von einer utopischen Gesellschaft kurz nach einer anarchistischen Revolution.
Die Geschichte spielt in Italien, genauer in Rom, wo die Protagonistin - die selbst Britin ist - vor Jahren hingezogen ist und mit einer Gruppe von Freund:innen rund um den Revolutions"führer" Ben die Revolution angestoßen hat. Der größte Teil der Welt ist der Teil der neuen Weltordnung - mit Ausnahme von u.A. der USA. Das Buch ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, die alle einzelne Aspekte der neuen Verfassung darstellen und die Geschichte ist ein Mix aus Erzählungen zum neuen Jetzt - meist unter Vergleich der "alten" (also jetzigen) Weltordnung und dem Aufdecken einiger Skandale und Umstände, die mir persönlich auch neu waren (z.B. dass die Mafia den Büffelmozzarella-Markt kontrolliert). Das Gelesene hat mir viel zu denken gegeben, mich gleichzeitig entschleunigt und teils traurig gemacht - vor allem im Hinblick auf die aktuellen weltlichen und politischen Geschehnisse, sowie die Entwicklungen rund um KI. Es war schön, in eine alternative Welt einzutauchen, in der Menschen erst lernen mussten, dass sie auch glücklich sein können und dürfen statt dauerhaft gestresst, dass ihr Wert als Mensch nicht durch ihre Produktivität bestimmt wird, dass die Welt nicht von reißerischen Nachrichten und korrupten Politiker:innen regiert wird. Schön wäre es. Insgesamt gibt es nur 4 Sterne, weil das Buch sich teils doch sehr zäh und lang gezogen hat und ich länger gebraucht habe, die Geschichte zu Ende zu lesen. Aber es lohnt sich!! Vielen dank an NetGalley und Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar im Austausch für meine ehrliche Meinung.
Anleitung zum Anarchismus light
Das dritte und letzte Buch der GRM Reihe schließt die Geschichte um Don, Hannah, Karen, Pjotr und Ben ab und spielt ein paar Jahre nach der große Revolution am Ende von RCE. Man begleitet hauptsächlich Don durch Episoden ihres Alltags, anhand derer sie erklärt, wie der nun etablierte Anarchismus in Europa funktioniert. Abgetrennt sind die Kapitel durch einzelne Paragraphen der neuen Verfassung. Teilweise wird die Perspektive für ein Kapitel gewechselt, um die Sicht auf das neue System durch andere Betroffene darzustellen, die nicht an der Planung beteiligt waren und eines Tages im Anarchismus aufgewacht sind. Jedes Kapitel verfolgt dabei den ungefähren Aufbau “so ist es jetzt, so war es früher, so geht es mir damit”. Dabei nimmt Sibylle Berg die Ungerechtigkeit, Überwachung, soziale Verrohung, Umweltzerstörung, Machthunger – kurz den Kapitalismus und all seine neoliberalen Auswüchse – in ihrer gewohnt pointierten, sarkastischen und bildlichen Sprache gekonnt auseinander. Das Buch ist dabei aber wesentlich freundlicher und zuversichtlicher als seine Vorgänger und andere Bücher von Sibylle Berg. Die anarchistischen Gesellschaftsansätze werden jedoch sehr oberflächlich erklärt und vermeintliche Kritiken, die zB bei fehlenden Sanktionssystemen, Polizei und Waffen/Krieg, sicherlich häufig angebracht werden adressiert. Wobei die Autorin hier endgültige Lösungen schuldig bleibt und sich manchmal dann eher einer deus ex machina gleichen Wendung der Problematik entzieht. Es ist eben ein gesellschaftliches Experiment mit offenem Ende, und bedarf einer gehörigen Portion Hoffnung. Für Leser*innen, die in RCE schon eine fehlende Handlung kritisierten: diese fehlt hier ebenfalls fast komplett. Die einzelnen Hauptcharaktere scheinen nur noch aufzutauchen, um irgendwie an die Vorgänger anzuknüpfen. Die einzelnen Kritiken und Lösungsansätze scheinen sich mit aktueller wissenschaftlichen Forschung zu decken. Ich kann mir aber vorstellen, dass für Fachleute manche Beschreibungen dann doch etwas überzogen sind oder großes Wunschdenken beinhalten. Teilweise wäre etwas mehr Tiefgang und weniger Plakativität schön gewesen. Grundsätzlich halte ich das Buch dennoch für wichtig, da es bestimmt für viele Leser*innen die ersten Berührungspunkte mit anarchistischer Theorie beinhaltet und in verständlicher Weise Alternativen zum heutigen Leben aufzeigt.
Nach GRM und RCE gelungener Abschluss der Trilogie. Grandios. Sibylle Bergs neuester Roman lässt in raffiniert düsteren Farben eine utopische Vision aufblitzen, die zugleich wie ein Spiegel unserer Gegenwart wirkt: sie spiegelt hier sehr kunstvoll das Gelingen der Utopie einer neuen Gesellschaftsform mit den momentanen Verhältnissen, in denen Überwachung, ökonomische Verwerfungen und soziale Kälte nicht mehr dystopische Warnung, sondern fast schon normative Realität sind. Ihr Vergleich zwischen der visionären Utopie – etwa in Momenten, in denen Gemeinschaft, solidarisches Handeln und Widerstand gegen die Mächtigen möglich scheinen – und der aktuellen Situation ist dabei so elektrisierend und aufrüttelnd, dass man unwillkürlich fragt: Wie nah sind wir schon an dieser Fiktion? Die Macht des Romans liegt in seiner brutalen Ehrlichkeit und seiner schöpferischen Wut – Berg malt mit Worten, die wehtun, aber auch aufwühlen, Hoffnung keimen lassen und gleichzeitig dafür mahnen, dass diese Zukunft nur erkämpft ist. Nach der Lektüre bleibt ein pochendes Bewusstsein: Die Utopie mag fantastisch klingen, aber sie ist kein ferner Traum mehr – sie ist ein Möglichkeitsraum, den unsere Realität mit jedem Tag enger umklammert.











