No Limit

No Limit

Hardback
4.514

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Description

Es gibt keine Grenzen mehr: Das glaubt man jedenfalls am Beginn der Neunzigerjahre. Die Berliner Mauer fällt, die Welt rückt zusammen, und sie vernetzt sich. Die ersten Knoten des World Wide Web werden geknüpft, die ersten Suchmaschinen programmiert. In Berlin wird Techno zum Soundtrack der Wiedervereinigung, Neonfarben beherrschen das Bild, Piercings und Tätowierungen erobern den Mainstream, das Arschgeweih gerät zum stilistischen Symbol der Dekade. Aber unter der heiteren Oberfläche brechen alte Konflikte auf, Gespenster aus der Vergangenheit kehren zurück. Im Osten Deutschlands, aber nicht nur dort, entsteht eine rechte Jugendkultur bislang ungekannten Ausmaßes. Im zerfallenden Jugoslawien geschieht das Unfassbare: der erste Krieg in Europa seit 1945. Der politische Islam wird zur globalen Bedrohung, und das lange Jahrzehnt endet am 11. September 2001 mit dem Anschlag auf das World Trade Center, das auch ein Symbol der spielerischen, globalisierten Postmoderne gewesen ist.

In einem großen, farbigen Panorama erzählt Jens Balzer von einem Jahrzehnt, in dem man an die Zukunft glaubte und ans «anything goes» – und in dem doch auch ein neues Zeitalter der Grenzen, der Identitäten und der Kämpfe beginnt.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
History & Archaeology
Format
Hardback
Pages
384
Price
28.80 €

Author Description

Jens Balzer, geboren 1969, ist Schriftsteller und Journalist im Feuilleton der Zeit. Er ist Autor hochgelobter Bücher, 2021 erschien High Energy. Die Achtziger – das pulsierende Jahrzehnt, 2023 No Limit. Die Neunziger – das Jahrzehnt der Freiheit, eine «grandiose Kulturbetrachtung» (NZZ), «äußerst unterhaltsam und facettenreich» (SWR 2). Sein Essay After Woke (2024) stand auf Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste von Die Zeit, ZDF und Deutschlandfunk Kultur sowie auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Posts

5
All
4.5

“No no, no no no no, no no no no, no no there's no limit” “The Lost Boys”, Rick Astlay, Bruce Springsteen, Commodore64, Depeche Mode, Metallica, Belinda Carlisle, Kate Bush, Walkmen, Straight Edge und Hardcore, Angst vor der atomaren Bedrohung, Kalter Krieg und demokratische Selbstermächtigung – die (Pop)Kulturgeschichte der 80er ist reichhaltig und zeigt nicht erst seit ihrem Revival durch Serien wie „Stranger Things“ oder „The Americans“ einen Nachhall bis in unsere Gegenwart. Wie aber ist das mit jener Dekade nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem, was Francis Fukuyama als „Ende der Geschichte“ bezeichnete, nach dessen These sich im Nachgang des Zusammenbruchs der Sowjetunion alsbald Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft durchsetzen würden und der Konflikt widersprechender Systeme als Motor der Geschichte somit entfalle? Und taugen Jahrzehntgrenzen überhaupt als Werkzeug zur Epochenkonstruktion deutscher Kulturgeschichte? Auf die letzte Frage hat der Kulturjournalist Jens Balzer mit den beiden Vorgängerbänden einer Kulturgeschichte der Gegenwart „Das entfesselte Jahrzehnt. Sound und Geist der 70er“ und „High Energy: Die Achtziger – das pulsierende Jahrzehnt“ versucht, eine Antwort zu liefern. Ob dieser Versuch gelungen in den beiden Publikationen gelang, kann ich bisher nicht sagen, da aufgrund persönlicher Betroffenheit beschlossen habe, das Pferd von hinten aufzuzäumen und mit dem dritten Band des Projekts „No Limit. Die Neunziger - das Jahrzehnt der Freiheit“ eingestiegen bin. Nun kann man dieses Jahrzehnt aufgrund seiner Kulturerzeugnisse, wie z.B. der Kelly Family, Blümchen, „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“, DJ Bobo leicht verachten; Balzer jedoch erzählt nicht die Geschichte eines Jahrzehnts der künstlerischen Entwertung, sondern diagnostiziert für diese Epoche, deren Beginn er bei Günter Schabowskis „[…] unverzüglich“ verortet und die für ihn mit dem Fall der Türme des World Trade Centers am 11.9.01 endet, eine Tendenz zur Entgrenzung, der zugleich immer schon die Möglichkeit eines dialektischen Backlashs in Form neuer Grenzsetzungen innewohnte. [1/] So führte z.B. die Öffnung der innerdeutschen Grenzen zu einer Ausweitung des Bewegungsraums und der Konsummöglichkeiten und zugleich kam es zu einer identitätstheoretischen Abschottung der Deutschen, die sich in letzter Instanz in Form der tödlichen, rassistischen Gewalttaten in den 90ern äußerte. Von dieser Gleichzeitigkeit erzählt Jens Balzer und verbindet dabei die Simpsons, „Faserland“, Dinosaur Jr. und Nirvana, Techno und HipHop, das World Wide Web und „Matrix“, rechte Gewalt und die Fatwa gegen Salman Rushdie, „Jurassic Park“ und Gerhard Schröder und viele mehr zu einem nachvollziehbaren Epochennarrativ, dessen erzählerischer Reiz und Smartheit sich u.a. darin zeigt, dass der von Balzer erwähnte Gedanke des Abschieds von der Linearität durch Denker*innen der Postmoderne sich in der Struktur und den Sprüngen dieses Sachbuches wiederfinden lässt. Zwar ist der Gedanke, dass gesellschaftliche Individualisierungsprozesse und die damit verbundenen Schwierigkeiten in der Identitätsarbeit von Individuen im Negativen wie Positiven bis in unsere Gegenwart hineinreichen kein neuer, aber diese Prozesse anhand des letzten Jahrzehnts des vorherigen Jahrtausends zu analysieren und damit dessen Bedeutung für unsere Gegenwart populärwissenschaftlich zu unterstreichen, hatte ich bisher so noch nicht gelesen. Klar hätte ich mir gewünscht, dass Balzer auch auf Videospiele und stärker auf Popliteratur eingeht, aber vielleicht kommt dazu ja noch etwas in eventuellen Folgebänden. Unterm Strich bleibt ein Buch, das ich mit großem Gewinn gelesen habe, das mal amüsant, manchmal schockierend, stets klug und in unterhaltsamem Stil auf einem Fundament aus Philosophie und Kulturtheorie und -Geschichte unglaublich dicht von dieser Zeit erzählt und dabei und bleibt dabei trotzdem zu jeder Zeit zugänglich bleibt. Dicke Leseempfehlung!

5

Der Fall der Mauer, Techno, Grunge, das Internet, über das Arschgeweih, die unsägliche Kaffee-to-go-Kultur bis zum Fall der WTC-Türme, eine  Unmenge popkultureller, politischer und historischer Details machen das Jahrzehnt wieder lebendig und für nachgeborene begreifbarwr. Sehr lesenswert.

5

Obwohl dieses Jahr noch einige Monate hat, lege ich mich einfach jetzt schon mal fest: Jens Balzers Kultur- und Gesellschaftsgeschichte der Neunzigerjahre wird eindeutig zu meinen Jahreshighlights gehören (und vermutlich muss ich jetzt auch noch seine Bücher zu den Siebziger- und Achtzigerjahren lesen!). So flüssig, so dicht, so hellsichtig ist es geschrieben, durchzogen von einem feinen Humor, der niemals aufdringlich, sondern immer ziemlich genau on point ist. Etwa dort, wo Balzer von der Einführung des Anrufbeantworters erzählt – seinerzeit eine ziemlich große Sache – und im Zuge dessen von einem Unternehmen, das sein Geld mit Auftragsbandansagen verdient. Freche Sprüche kann man sich dort buchen, womöglich sogar vertont von einem Stimmimitator irgendeines Promis. Balzer findet im vermeintlich Kleinen den generellen Mentalitätswandel der Zeit verkörpert und mit scharfem Blick (und dem nicht unerheblichen Vorteil, mit dem Wissen von heute auf die Neunziger blicken zu können) seziert er die großen Themen, die bis in die Jetztzeit hineinwirken. Vieles, was wir heute diskutieren, hat die geschätzte Öffentlichkeit schon früher umgetrieben: insbesondere die sogenannte „Political Correctness“ (heute eher Wokeism oder Gendergaga), Rechtsxtremismus oder Migration. „No Limit“ gelingt es, Verknüpfungen herzustellen zwischen vermeintlich disparaten Ereignissen und Trends, um daraus kulturelle Entwicklungen zu destillieren; mithin also das, was richtig gute Kulturwissenschaft tut. Nicht nur entlang von Großereignissen wie dem Mauerfall, um den es natürlich auch geht, sondern auch entlang der scheinbar kleineren Veränderungen wie den Aufstieg des Privatfernsehens oder des schnurlosen Telefons. Es geht um Techno, Temporär Autonome und „national befreite“ Zonen, rechtsextreme Gewalt, das Internet, Nachmittagstalkshows, Schönheitschirurgie und den Wunsch, jeden Aspekt der eigenen Persönlichkeit zu individualisieren. Es geht um das vermeintliche Ende der Geschichte und die Rückkehr derselben in Form von extremistischen, totalitären Ideologien, von rechts oder aus der Richtung des fundamentalistischen Islam. Es geht um Matrix, Body Modification, Ich-AGs und die Verhipsterung des Kaffeetrinkens. Und um so viel mehr, was ich hier gar nicht nacherzählen kann oder will. Weil ich wirklich nur jedem und jeder dazu raten möchte und muss, dieses ungemein kluge, kurzweilige Buch zu lesen.

5

Ein sehr schönes Buch! Viele Erinnerungen tauchen auf. Sehr empfehlenswert, für alle Altersklassen. 😊

5

Sehr zu empfehlen.

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