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Niemals und immer derselbe

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About the book

Einst sollt ich was in ein Stammbuch schreiben. Vor mir hatte sich ein Kandidat eingetragen, mit seinem Wahlspruch: »Immer derselbe!« Flugs schrieb ich als meinen darunter: »Niemals derselbe!« Das kam mir damals recht vom Herzen, denn mit Freuden warf ich stets den Gestrigen weit von mir, stets wieder des Morgigen froh gewärtig. Und in dieser schönen Zeit konnte man mich auch gern beteuern hören, daß in den meisten Fragen, gar aber in den entscheidenden, niemals bloß eine Antwort wahr sei, sondern immer ihr Gegenteil auch; und wer also sich um die ganze Wahrheit bemühe, müsse darum bereit sein, Montag, Mittwoch und Freitag das eine, Dienstag, Donnerstag und Samstag das andere, aber Sonntag sowohl das eine als auch das andere zusammen für wahr zu halten. Mit Schrecken vernahmen es die tüchtig Gesinnten und wichen von dem Sophisten. Nun, ich denke heute noch ziemlich ebenso, wenn mir auch längst die Wahrheit keine solche wendische Mamsell mehr scheint. Ihr muß ich abbitten, ich glaube jetzt nicht mehr, daß die Wahrheit mit dem Winde wechselt. Sie steht ganz fest, irgendwo drüben. Wir aber nicht, wir hier herüben.
ISBN9783852529851
PublisherBibliothek der Provinz
Publication Date01/19/09
Pages48

Author

About Hermann Bahr

Österr. Schriftsteller, Journalist, Regisseur, Dramaturg u. Literaturkritiker, 1863–1934

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