Musterbruch
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Description
Book Information
Author Description
Patricia Cammarata ist Diplompsychologin und gefragte Keynote-Speakerin zum Thema Vereinbarkeit und Gleichberechtigung. Mit ihrem SPIEGEL-Bestseller »Raus aus der Mental Load Falle« machte sie den Begriff Mental Load im deutschsprachigen Raum bekannt und hat eine breite gesellschaftliche Debatte zum Thema Gleichberechtigung angestoßen. Für ihr Blog »dasnuf« gewann sie zahlreiche Preise, ihre Podcasts »Mit Kindern leben« und »Nur 30 Minuten« werden von mehreren Tausend Menschen gehört. Mit ihren Kindern und ihrem Partner lebt sie in Berlin.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Ich dachte eigentlich, ich hätte mir mittlerweile alle Facetten und Gesichtspunkte zu den Themen Gleichberechtigung, Mental Load und Equal Care angelesen, aber Patricia Cammarata hat mich vom Gegenteil überzeugt und mir gezeigt, dass ich eben doch noch ein Wissensdefizit habe. Was "Musterbruch" aber zu einem außergewöhnlich guten Sachbuch für mich macht, ist weniger das Wissen, das vermittelt wird, sondern mehr die Handlungsspielräume, die die Autorin eröffnet. Wir sind uns alle einig, dass das System repariert werden muss - das dauert aber manchmal auf individueller Ebene dann trotzdem zu lange. Es ist schwer, gegen den Strom zu schwimmen und gewohnte Muster aufzubrechen, es wird aber einfacher, wenn wir merken, dass wir nicht alleine auf diesem Weg sind. Genau das macht Bücher wie "Musterbruch" so wichtig. Sei es in der Familie, in Paarbeziehungen oder bei der Arbeit, Patricia Cammarata setzt an den verschiedensten Punkten an, vermittelt das nötige Wissen und zeigt uns Möglichkeiten zu Handeln, die man am liebsten sofort umsetzen möchte. Besonders spannend fand ich die Kapitel zu Elternzeit, Pausen und Arbeitgeber*innen. Hier konnte ich sehr viel für mich mitnehmen, auch für die Zukunft. Lest das Buch unbedingt oder hört wie ich das wirklich toll von Christiane Marx und der Autorin selbst eingesprochene Hörbuch - es lohnt sich, versprochen!

"Dann sollen Frauen doch einfach so verhandeln wie Männer "
Wichtiges Buch! Ich habe es als Hörbuch gehört und mochte es sehr. Wichtige Themen werden auf den Punkt gebracht, zahlen und Daten werden genannt. Sei es dass nur 18% der Männer Elternzeit nimmt,oder man Kita Plätze einklagen muss. Frauen müssen Kitas mit Anwälten drohen, um Plätze zu bekommen oder mit Erstattung des lohns, ist der Lohn der Frau aber zu gering, weigert sich die Kita zu zahlen. Meldet aber der Familien Vater dann Elternzeit an, so würde dann der größere finanzielle Part ausfallen, zahlen Kitas den Lohnausfall oder geben Müttern plötzlich doch einen Platz! Traurige Welten werden in diesem Buch beschrieben, leider ist das die Realität.
Ein kurzweiliges, aber wichtiges Buch, besonders für "Neu-Feminist*innen".
Patricia Cammarata hat es geschafft, so viele wichtige Aspekte des Feminismus in einem Buch zu vereinen: Mit vielen Quellen, tollen Literaturnachweisen und Social Media Beiträgen angereichert, kommt man in Berührung mit Fragen, die mensch sich stellen sollte, um Lösungen zu finden, die individuell und gesamtgesellschaftlich relevant und auch machbar sind.
Meiner Rezension voran: Ich bin nur teilweise die Zielgruppe für dieses Buch. Zwar möchte ich früher oder später Familie, aber aktuell habe ich weder einen Partner, noch ein Kind. Das "teilweise" kommt also eigentlich nur daher, dass ich mir das für die Zukunft wünsche. Lesen wollte ich dieses Buch trotzdem - vor allem, weil mir nicht klar war, dass hier der Fokus auf dem Zusammenleben (in diesem Buch genauso wie in vielen anderen Büchern zum Thema meist zwischen Mann und Frau) in einer Partnerschaft liegt. Ich dachte, dass die Themen weiter gefächert sind, denn Verbündete kann man sich ja auch im Arbeitsleben suchen, Stereotypen begegne ich auch im Amt und richtige Kommunikation ist in jeder Art von Beziehung wichtig, und nicht nur in romantischen Beziehungen. Dass es hier tatsächlich um Care-Arbeit geht, wurde mir erst beim Lesen klar. Im Nachhinein lässt sich das jetzt irgendwie im Klappentext erkennen, aber vorher war das für mich nicht sichtbar. Und bitte versteht mich nicht falsch: Dieses Thema ist super wichtig! Für jede Person, nicht nur für Frauen. Wir alle sollten wissen, dass Care-Arbeit harte Arbeit ist und der Mental Load meist auf Frauen abgeladen wird. Aber ein Buch, das sich nur mit diesem Thema beschäftigt, hätte ich wohl nicht einfach so in die Hand genommen. Trotzdem war dieses Buch dann aber über weite Teile spannend für mich. Die Autorin hat es sich hier zur Aufgabe gemacht, verschiedene konkrete Handlungsideen vorzustellen, wie Gleichberechtigung in der Partnerschaft und im Familienleben gelingen kann. Dabei überzeugt sie mit Daten und Fakten, bietet Material zum Weiterlesen auf ihrer Website an und flicht geschickt auch Erlebnisse aus dem Alltag ihrer eigenen Familie ein. All das war für mich überraschend interessant. Gut finde ich auch die kurzen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels - und die literarische Anspielung, die mich hier immer erwartete (So heißt dieser Kapitelabschnitt "des Pudels Kern"). Kritisieren möchte ich aber, dass an einer Stelle Daten mithilfe einer Instagram-Umfrage ermittelt wurden. Zwar betont die Autorin, dass diese Umfrage nicht repräsentativ ist, aber trotzdem stellten sich da bei mir die Haare auf. Denn wie die Autorin schon sagt: Das ist nicht repräsentativ. Ich verstehe, dass es zu diesem Thema noch keine Daten gab, trotzdem muss ich diese Art der Datenerhebung nicht unbedingt in einem Sachbuch sehen. Mein Fazit? Ganz interessant, aber auch nicht mehr. Schade.
Ich kannte Patricia Cammarata bisher nur von ihrem Blog Das Nuf. Da haben mir manche Texte früher ganz gut gefallen, darum dachte ich, hey, probier es mal mit ihrem aktuellen Buch. In Musterbruch geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und - Cammaratas Steckenpferd - Mental Load. Sie legt den Finger in die Wunde der nicht wirklich gleichberechtigten, durchschnittlichen (hetero) Beziehung, alles mit Zahlen untermauert. Und auch wenn es viele gute Aussagen, Ideen und Ansätze gibt, ist dieses Buch doch nur für einen bestimmten Teil an Menschen relevant. Queere und/oder Kinderlose finden sich hier wenig bis gar nicht wieder. Die Autorin plädiert zwar für vielfältige, unterschiedliche Familienmodelle, allerdings immer in Bezug zu Kindern. Das Paar ist vor allem “Eltern” in diesem Buch. Auch alle Frauen, die nicht in Büros arbeiten, werden nur bedingt hilfreiche Stellen finden. Daran sieht man auch leider wieder, dass publizierende Feministinnen den Blick für den Alltag der Durchschnittsfrau verloren haben, die ja eher im Handel, in der Gastro oder im Gesundheitswesen zu finden ist. Mit Meetings, die sie sich irgendwo hinlegen oder gar vertagen kann, hat diese Frau eher nichts am Hut. Homeoffice funktioniert auch nicht, wenn man im Laden, Restaurant oder Pflegeheim präsent sein muss. Im Kapitel zu Kommunikation gibt es das Übliche: die andere Person auch sprechen lassen, Gefühle verbalisieren, Ich-Botschaften. Ich hoffe, es hilft Leuten weiter. Im Abschnitt zu Männlichkeit werden Privilegien und Benachteiligungen von Männern benannt, dafür aber wieder weggelassen, dass so einige von ihnen Letztere (die übrigens hausgemacht sind) ganz gerne in Kauf nehmen, wenn sie dafür einen höheren gesellschaftlichen Status genießen und Macht ausüben können. Es gibt auch einen Abschnitt zu Weiblichkeit, der… tja. Also es geht um Schwanger- und Mutterschaft. That's it. Ob sich noch nicht rumgesprochen hat, dass nicht alle Frauen schwanger werden können und/oder wollen? Andere Geschlechter dafür aber möglicherweise schon? Und dass Weiblichkeit sowieso mehr ist als nur das? Interessant war auf jeden Fall der Teil mit der Partnerwahl, also welche Männer sich “die Frauen” so aussuchen und was sich da ändern muss (das Buch ist meist komplett heteronormativ und nicht sehr inklusiv, alles andere wurde in eine kleine Fußnote geschoben und nur da kurz erwähnt). Ich bin sehr hin- und hergerissen, denn natürlich ist es richtig, dass auch Frauen an tradierten Rollen- und Männlichkeitsbildern festhalten können. Allerdings ist meine Erfahrung als bi/pan Frau auch sehr ernüchternd. Ich war ziemlich lange mit einer Frau liiert. Danach habe ich erstmal viele Männer gedatet. Einen mit progressiven Ansichten zu finden, der nicht homofeindlich ist, nicht an alten Rollenbildern hängt, feministisch denkt, ist… geradezu unmöglich. Also, ich habe keinen gefunden. Nun date ich wieder Nicht-Männer und das läuft sehr schön, entspannt und ich bin glücklich. Aber was sollen hetero Frauen denn machen? Für immer single bleiben, wenn sie die Nadel im Heuhaufen nicht finden? Obwohl viele Dinge in späteren Kapiteln unnötig wiederholt werden, fand ich den Schreibstil recht angenehm und zugänglich. Einen Satz gab es jedoch, bei dem ist mir richtig die Kinnlade runter geklappt. Ich habe jetzt schon mehrfach versucht, meine Gefühle dazu in Worte zu fassen, werde aber immer zu emotional und ungehalten. Das gefällt mir selber nicht. Ich sage deshalb jetzt mal nur, dass ich den sonst hauptsächlich von Antifeministen und Männern höre, die sich aus der Verantwortung ziehen wollen: “Es heißt nicht umsonst, der größte Feind der Frauen seien sie selbst.” Der größte (!) Feind, soso. Im selben Buch steht später übrigens das: “Mich macht wütend, dass Frauen nicht angstfrei leben können, dass sie 2023 nachts immer noch spitze Gegenstände in ihre Hand nehmen, wenn sie nach Hause laufen, um sich notfalls zur Wehr setzen zu können, dass jedes Jahr weiterhin so viele Frauen von ihren Partnern und Expartnern umgebracht werden, dass wir ein Wort dafür brauchen: Femizide.” Und da werden die vielen von männlicher Gewalt Betroffenen (im häuslichen Umfeld meist Frauen) noch gar nicht erwähnt. Aber Frauen sind der “größte Feind" der Frauen. Ich werd nicht mehr. Ich fand das Buch aber stellenweise ganz gut, weil zB immerhin Finanzen und Abhängigkeitsverhältnisse erwähnt werden, die Hausfrau und Choice-Feminism auch etwas kritisch betrachtet werden (solange die Welt so ist, wie sie leider ist, gibt es keine freie Wahl). Allerdings war es - wie so oft - nicht für mich geschrieben. Ich bin wider Erwarten gar nicht die Zielgruppe und fühle mich deshalb schlecht, dem Buch nur zwei Sterne zu geben. Die Bewertung ist aber ehrlich. Und ich hoffe sehr, dass viele Menschen, die sich in den Modellen wiederfinden, ganz viel lernen und mitnehmen können.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Author Description
Patricia Cammarata ist Diplompsychologin und gefragte Keynote-Speakerin zum Thema Vereinbarkeit und Gleichberechtigung. Mit ihrem SPIEGEL-Bestseller »Raus aus der Mental Load Falle« machte sie den Begriff Mental Load im deutschsprachigen Raum bekannt und hat eine breite gesellschaftliche Debatte zum Thema Gleichberechtigung angestoßen. Für ihr Blog »dasnuf« gewann sie zahlreiche Preise, ihre Podcasts »Mit Kindern leben« und »Nur 30 Minuten« werden von mehreren Tausend Menschen gehört. Mit ihren Kindern und ihrem Partner lebt sie in Berlin.
Posts
Ich dachte eigentlich, ich hätte mir mittlerweile alle Facetten und Gesichtspunkte zu den Themen Gleichberechtigung, Mental Load und Equal Care angelesen, aber Patricia Cammarata hat mich vom Gegenteil überzeugt und mir gezeigt, dass ich eben doch noch ein Wissensdefizit habe. Was "Musterbruch" aber zu einem außergewöhnlich guten Sachbuch für mich macht, ist weniger das Wissen, das vermittelt wird, sondern mehr die Handlungsspielräume, die die Autorin eröffnet. Wir sind uns alle einig, dass das System repariert werden muss - das dauert aber manchmal auf individueller Ebene dann trotzdem zu lange. Es ist schwer, gegen den Strom zu schwimmen und gewohnte Muster aufzubrechen, es wird aber einfacher, wenn wir merken, dass wir nicht alleine auf diesem Weg sind. Genau das macht Bücher wie "Musterbruch" so wichtig. Sei es in der Familie, in Paarbeziehungen oder bei der Arbeit, Patricia Cammarata setzt an den verschiedensten Punkten an, vermittelt das nötige Wissen und zeigt uns Möglichkeiten zu Handeln, die man am liebsten sofort umsetzen möchte. Besonders spannend fand ich die Kapitel zu Elternzeit, Pausen und Arbeitgeber*innen. Hier konnte ich sehr viel für mich mitnehmen, auch für die Zukunft. Lest das Buch unbedingt oder hört wie ich das wirklich toll von Christiane Marx und der Autorin selbst eingesprochene Hörbuch - es lohnt sich, versprochen!

"Dann sollen Frauen doch einfach so verhandeln wie Männer "
Wichtiges Buch! Ich habe es als Hörbuch gehört und mochte es sehr. Wichtige Themen werden auf den Punkt gebracht, zahlen und Daten werden genannt. Sei es dass nur 18% der Männer Elternzeit nimmt,oder man Kita Plätze einklagen muss. Frauen müssen Kitas mit Anwälten drohen, um Plätze zu bekommen oder mit Erstattung des lohns, ist der Lohn der Frau aber zu gering, weigert sich die Kita zu zahlen. Meldet aber der Familien Vater dann Elternzeit an, so würde dann der größere finanzielle Part ausfallen, zahlen Kitas den Lohnausfall oder geben Müttern plötzlich doch einen Platz! Traurige Welten werden in diesem Buch beschrieben, leider ist das die Realität.
Ein kurzweiliges, aber wichtiges Buch, besonders für "Neu-Feminist*innen".
Patricia Cammarata hat es geschafft, so viele wichtige Aspekte des Feminismus in einem Buch zu vereinen: Mit vielen Quellen, tollen Literaturnachweisen und Social Media Beiträgen angereichert, kommt man in Berührung mit Fragen, die mensch sich stellen sollte, um Lösungen zu finden, die individuell und gesamtgesellschaftlich relevant und auch machbar sind.
Meiner Rezension voran: Ich bin nur teilweise die Zielgruppe für dieses Buch. Zwar möchte ich früher oder später Familie, aber aktuell habe ich weder einen Partner, noch ein Kind. Das "teilweise" kommt also eigentlich nur daher, dass ich mir das für die Zukunft wünsche. Lesen wollte ich dieses Buch trotzdem - vor allem, weil mir nicht klar war, dass hier der Fokus auf dem Zusammenleben (in diesem Buch genauso wie in vielen anderen Büchern zum Thema meist zwischen Mann und Frau) in einer Partnerschaft liegt. Ich dachte, dass die Themen weiter gefächert sind, denn Verbündete kann man sich ja auch im Arbeitsleben suchen, Stereotypen begegne ich auch im Amt und richtige Kommunikation ist in jeder Art von Beziehung wichtig, und nicht nur in romantischen Beziehungen. Dass es hier tatsächlich um Care-Arbeit geht, wurde mir erst beim Lesen klar. Im Nachhinein lässt sich das jetzt irgendwie im Klappentext erkennen, aber vorher war das für mich nicht sichtbar. Und bitte versteht mich nicht falsch: Dieses Thema ist super wichtig! Für jede Person, nicht nur für Frauen. Wir alle sollten wissen, dass Care-Arbeit harte Arbeit ist und der Mental Load meist auf Frauen abgeladen wird. Aber ein Buch, das sich nur mit diesem Thema beschäftigt, hätte ich wohl nicht einfach so in die Hand genommen. Trotzdem war dieses Buch dann aber über weite Teile spannend für mich. Die Autorin hat es sich hier zur Aufgabe gemacht, verschiedene konkrete Handlungsideen vorzustellen, wie Gleichberechtigung in der Partnerschaft und im Familienleben gelingen kann. Dabei überzeugt sie mit Daten und Fakten, bietet Material zum Weiterlesen auf ihrer Website an und flicht geschickt auch Erlebnisse aus dem Alltag ihrer eigenen Familie ein. All das war für mich überraschend interessant. Gut finde ich auch die kurzen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels - und die literarische Anspielung, die mich hier immer erwartete (So heißt dieser Kapitelabschnitt "des Pudels Kern"). Kritisieren möchte ich aber, dass an einer Stelle Daten mithilfe einer Instagram-Umfrage ermittelt wurden. Zwar betont die Autorin, dass diese Umfrage nicht repräsentativ ist, aber trotzdem stellten sich da bei mir die Haare auf. Denn wie die Autorin schon sagt: Das ist nicht repräsentativ. Ich verstehe, dass es zu diesem Thema noch keine Daten gab, trotzdem muss ich diese Art der Datenerhebung nicht unbedingt in einem Sachbuch sehen. Mein Fazit? Ganz interessant, aber auch nicht mehr. Schade.
Ich kannte Patricia Cammarata bisher nur von ihrem Blog Das Nuf. Da haben mir manche Texte früher ganz gut gefallen, darum dachte ich, hey, probier es mal mit ihrem aktuellen Buch. In Musterbruch geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und - Cammaratas Steckenpferd - Mental Load. Sie legt den Finger in die Wunde der nicht wirklich gleichberechtigten, durchschnittlichen (hetero) Beziehung, alles mit Zahlen untermauert. Und auch wenn es viele gute Aussagen, Ideen und Ansätze gibt, ist dieses Buch doch nur für einen bestimmten Teil an Menschen relevant. Queere und/oder Kinderlose finden sich hier wenig bis gar nicht wieder. Die Autorin plädiert zwar für vielfältige, unterschiedliche Familienmodelle, allerdings immer in Bezug zu Kindern. Das Paar ist vor allem “Eltern” in diesem Buch. Auch alle Frauen, die nicht in Büros arbeiten, werden nur bedingt hilfreiche Stellen finden. Daran sieht man auch leider wieder, dass publizierende Feministinnen den Blick für den Alltag der Durchschnittsfrau verloren haben, die ja eher im Handel, in der Gastro oder im Gesundheitswesen zu finden ist. Mit Meetings, die sie sich irgendwo hinlegen oder gar vertagen kann, hat diese Frau eher nichts am Hut. Homeoffice funktioniert auch nicht, wenn man im Laden, Restaurant oder Pflegeheim präsent sein muss. Im Kapitel zu Kommunikation gibt es das Übliche: die andere Person auch sprechen lassen, Gefühle verbalisieren, Ich-Botschaften. Ich hoffe, es hilft Leuten weiter. Im Abschnitt zu Männlichkeit werden Privilegien und Benachteiligungen von Männern benannt, dafür aber wieder weggelassen, dass so einige von ihnen Letztere (die übrigens hausgemacht sind) ganz gerne in Kauf nehmen, wenn sie dafür einen höheren gesellschaftlichen Status genießen und Macht ausüben können. Es gibt auch einen Abschnitt zu Weiblichkeit, der… tja. Also es geht um Schwanger- und Mutterschaft. That's it. Ob sich noch nicht rumgesprochen hat, dass nicht alle Frauen schwanger werden können und/oder wollen? Andere Geschlechter dafür aber möglicherweise schon? Und dass Weiblichkeit sowieso mehr ist als nur das? Interessant war auf jeden Fall der Teil mit der Partnerwahl, also welche Männer sich “die Frauen” so aussuchen und was sich da ändern muss (das Buch ist meist komplett heteronormativ und nicht sehr inklusiv, alles andere wurde in eine kleine Fußnote geschoben und nur da kurz erwähnt). Ich bin sehr hin- und hergerissen, denn natürlich ist es richtig, dass auch Frauen an tradierten Rollen- und Männlichkeitsbildern festhalten können. Allerdings ist meine Erfahrung als bi/pan Frau auch sehr ernüchternd. Ich war ziemlich lange mit einer Frau liiert. Danach habe ich erstmal viele Männer gedatet. Einen mit progressiven Ansichten zu finden, der nicht homofeindlich ist, nicht an alten Rollenbildern hängt, feministisch denkt, ist… geradezu unmöglich. Also, ich habe keinen gefunden. Nun date ich wieder Nicht-Männer und das läuft sehr schön, entspannt und ich bin glücklich. Aber was sollen hetero Frauen denn machen? Für immer single bleiben, wenn sie die Nadel im Heuhaufen nicht finden? Obwohl viele Dinge in späteren Kapiteln unnötig wiederholt werden, fand ich den Schreibstil recht angenehm und zugänglich. Einen Satz gab es jedoch, bei dem ist mir richtig die Kinnlade runter geklappt. Ich habe jetzt schon mehrfach versucht, meine Gefühle dazu in Worte zu fassen, werde aber immer zu emotional und ungehalten. Das gefällt mir selber nicht. Ich sage deshalb jetzt mal nur, dass ich den sonst hauptsächlich von Antifeministen und Männern höre, die sich aus der Verantwortung ziehen wollen: “Es heißt nicht umsonst, der größte Feind der Frauen seien sie selbst.” Der größte (!) Feind, soso. Im selben Buch steht später übrigens das: “Mich macht wütend, dass Frauen nicht angstfrei leben können, dass sie 2023 nachts immer noch spitze Gegenstände in ihre Hand nehmen, wenn sie nach Hause laufen, um sich notfalls zur Wehr setzen zu können, dass jedes Jahr weiterhin so viele Frauen von ihren Partnern und Expartnern umgebracht werden, dass wir ein Wort dafür brauchen: Femizide.” Und da werden die vielen von männlicher Gewalt Betroffenen (im häuslichen Umfeld meist Frauen) noch gar nicht erwähnt. Aber Frauen sind der “größte Feind" der Frauen. Ich werd nicht mehr. Ich fand das Buch aber stellenweise ganz gut, weil zB immerhin Finanzen und Abhängigkeitsverhältnisse erwähnt werden, die Hausfrau und Choice-Feminism auch etwas kritisch betrachtet werden (solange die Welt so ist, wie sie leider ist, gibt es keine freie Wahl). Allerdings war es - wie so oft - nicht für mich geschrieben. Ich bin wider Erwarten gar nicht die Zielgruppe und fühle mich deshalb schlecht, dem Buch nur zwei Sterne zu geben. Die Bewertung ist aber ehrlich. Und ich hoffe sehr, dass viele Menschen, die sich in den Modellen wiederfinden, ganz viel lernen und mitnehmen können.









