Mein Leben und meine Zeit - Erlebtes und Beobachtetes 1871-1998

Mein Leben und meine Zeit - Erlebtes und Beobachtetes 1871-1998

Hardback

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Als mein Vater, geb. 1871, ein alter Mann geworden war, bat ich ihn, mir seine Lebensgeschichte aufzuschreiben; ein Wunsch, den er mir in hohem Alter noch erfüllt hat. Die „Chronik der Familie Siebert“ ist daraus geworden. Neben der Lebensbeschreibung meines Vaters enthält sie alles, was über seine Vorfahren und die Ausbreitung der Familie bekannt ist. Nun bin ich selber alt geworden und es wäre an mir, meine eigene Geschichte aufzuschreiben und seine Arbeit fortzusetzen. Lange habe ich damit gezögert. Wird es denn auch mal jemanden interessieren? Die heutige Zeit ist schnellebig und weniger beschaulich als früher. Vergangenes ist schnell vergessen. Aber ich habe ein Dreivierteljahrhundert bewußt miterlebt und immer gut beobachtet. Die Welt hat sich in dieser Zeit gewaltig verändert. Mehrmals schwankte sie in ihren Grundvesten. Vorgeschichte 5 Mein Eintritt in die Welt und meine Kindheit 8 Lehr- und Arbeitsjahre - Erste Reisen - Unheilvolle Politik 24 Soldatenzeit - Mein Feldzug in Afrika 44 Was ich als Kriegsgefangener in Amerika erlebte, sah und hörte 66 Ein Jahr in England - Heimkehr 89 Wieder auf deutschem Boden 100 Das Kriegsende in Zeulenroda 104 Der Neuanfang daheim 105 Eigene Familie - Edeltraut und unser Sohn Manfred - Die neue Scheune 111 Mit Vater in die alte Heimat - Meine Schwester Elise 116 Die LPG - Edeltraut wird Eisenbahnerin - Vaters letzte Tage - Die deutsche Mauer - Unser Trabbi 122 Unsere Wasserversorgung - Menschen auf dem Mond - Krankheiten 127 Die neue Arbeit - Manfreds Heirat - Hausrenovierung - Urlaubserlebnisse - Unser Enkelchen Isabel 131 Ich werde Eisenbahner - Edeltrauts schweres Leiden 137 Kaukasusreise - Operation 140 Es knistert im Gebälk der DDR - Die deutsche Wiedervereinigung 146 Wiedersehen mit Afrika - Vom Wüstenrande zum Eismeerstrande 149 Die Zeit nach der Wende 155 Ausklang 160. Soldatenzeit - Mein Feldzug in Afrika (Auszug): Am 4. Juli 1942 hatte ich mich laut Einberufungsbefehl beim Kradschützen-Ersatzbatallion 1 in Meiningen zu melden. Alle Züge waren an diesem Tage voller Rekruten, die zu ihren Kasernen einrücken mußten. Die Stimmung war: Galgenhumor. Unsere Ausbilder waren Leute, die sich durch gute „Ausbildungsergebnisse“ in der Heimat halten wollten. Sie haben uns furchtbar schikaniert. Sie behaupteten, wir seien die dümmsten und ungeschicktesten Rekruten, die sie je gehabt hätten. Aus der Kaserne durften wir nicht heraus; wir würden die ganze Wehrmacht blamieren, sagten sie. Obwohl ich - von meiner Radfahrleidenschaft abgesehen - nicht besonders sportlich war, kam ich gut durch. Wer hier nämlich einmal auffiel, der wurde seines Lebens bei diesem Haufen nicht mehr froh. Nach vier Wochen Ausbildung kam ein Befehl, wir sollten alle auf Tropendiensttauglichkeit untersucht werden. Meine Kompanie war 600 Mann stark. Es standen nicht zwei Betten über- einander, sondern vier. Trotzdem war in der Kaserne jeder Winkel belegt. Ein Teil wohnte in Baracken. Von den 600 Mann wurden nur zwei als voll tropendiensttauglich befunden, vom Batallion waren es acht. Und ich gehörte dazu! Wir acht sollten zu den Panzergrenadieren nach Küstrin versetzt werden. Und dabei waren wir so dämlich! Sie hatten uns gar nicht das Grüßen gelernt, weil sie gemeint hatten, sie müßten uns verstecken. Und jetzt sollten wir alleine nach Küstrin! Einen ganzen Tag lang mußten wir auf dem Kasernenhof aneinander vorbeimarschieren, um das militärische Grüßen zu erlernen. Dann erhielt einer von uns die Papiere und die Verantwortung für den kleinen Trupp und wir marschierten zum Bahnhof. Gefahren wurde man nicht. Ich habe auch gar nicht viel Fahrzeuge in der Kaserne gesehen und kaum eines der schweren Beiwagenkräder mit einem MG darauf. Wer damit gegen den Feind geschickt wurde, der konnte seine drei Kreuze machen. In Berlin mußten wir umsteigen. Es war alles gut gegangen und wir erlaubten uns sogar einen kleinen Stadtspaziergang. Grüßen konnten wir ja nun schon ganz gut. Es war am 21. August 1942.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
168
Price
26.50 €

Author Description

Am 26. April 2012 verstarb im 97. Lebensjahr Horst Siebert. Mit ihm ging ein liebenswerter Laienforscher, das letzte noch lebende Mitglied des einstigen Heimat- und Geschichtsvereins Zeulenroda, in die Ewigkeit. Am 13. November 1914 wurde er in dem kleinen Dorf Loitsch, heute ein Ortsteil der Gemeinde Steinsdorf, geboren. Sein Vater war dort Betriebsleiter im Steinbruch der Firma Kahnes. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verlor er diese Stelle. Daraufhin siedelte die Familie nach Bad Elster über und erwarb dort ein großes Haus, um es an Kurgäste zu vermieten. Aber schon nach wenigen Jahren verkaufte man es wieder, und nun erwarb der Vater ein massives Landhaus mit 1 ha Grundbesitz in der Oberen Haardt bei Zeulenroda. Das wurde nun zur Heimat für die Familie, später auch für die Familie des Sohnes Horst und seiner Nachkommen. Für viele Jahre wurde die Landwirtschaft der Beruf von Horst Siebert. Es würde zu weit führen, hier sein Leben darzustellen. Wer sich dafür interessiert, kann es in seinen Lebenserinnerungen „Mein Leben und meine Zeit“ (erschienen 1998 im Verlag Rockstuhl) genau nachlesen. Er hat dort auch Erinnerungen seines Vaters mit einbezogen. 1942 wurde er Soldat und geriet zum Deutschen Afrikakorps in Tunesien - ein Nebenkriegsschauplatz des Zweiten Weltkrieges. Dort war er als Sanitäter auf einem Hauptverbandsplatz eingesetzt, und die Schilderung der Soldatenzeit und der anschließenden Kriegsgefangenschaft, die z. T. in Lagern in den USA und England verbracht wurde (was sich teilweise wie ein Touristenaufenthalt liest) nimmt den größten Teil der Aufzeichnungen ein. Im März 1947 traf er schließlich wieder bei seinen Eltern in Zeulenroda ein. Nun arbeitete er wieder in der elterlichen Landwirtschaft, heiratete 1950 seine Edeltraut, ein Flüchtlingsmädchen aus Westpreußen, der Sohn Manfred wurde geboren, das Leben ging seinen Gang. Durchaus erheiternd ist die Schilderung, wie er 1955 zusammen mit seinem Vater einen gebrauchten Gespanngrasmäher aus Töpen bei Hof mit Muskelkraft über die Grenze nach Hirschberg gezogen hat, wobei sogar die DDR-Grenzposten mit zugegriffen haben - auch so etwas war zeitweilig im geteilten Deutschland möglich! 1960 trat der landwirtschaftliche Betrieb Siebert der neu gegründeten LPG „Goldene Ähre" in Zeulenroda-Märien bei, und Horst Siebert wurde nach Zureden durch die anderen Mitglieder der Buchhalter dieser LPG. Seine Frau war kein Mitglied, sie bekam eine Stelle bei der Deutschen Reichsbahn, und zwar als Schrankenwärterin beim Bahnübergang Schwarzbach - heute kaum noch vorstellbar, dass es das einmal gab. 1973 ging die LPG in der KAP („Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion“) auf, einem Agrar-Großbetrieb mit 7.000 ha Nutzfläche und 90 Traktoren. Horst Siebert wurde Finanzbuchhalter dieses Großbetriebes und hatte seinen Arbeitsplatz in Arnsgrün. Nach dem Eintritt ins Rentenalter (1979) wechselte er zur Reichsbahn und versah nun noch für einige Jahre den Schrankenposten in Schwarzbach, den zuvor seine Frau bedient hatte. 1983 verstarb sie. Das ist sicherlich ein ganz anderes Leben gewesen, als man es normalerweise von einem Heimalschriftsteller erwarten kann. Ein ganz einfaches und nützliches Leben der täglichen Pflichterfüllung, jahrein, jahraus. In seiner Autobiographie erzählte er das alles ausführlich, und er machte auch viele Bemerkungen zu den politischen Vorgängen während seiner Lebenszeit. Er war eigentlich genau das, was sich die Kulturpolitik der DDR immer erträumt hatte, aber was so schwer zu verwirklichen war: der Schreibende Arbeiter. In seinen späten Lebensjahren hat er noch einige Aufsätze für den „Karpfenpfeifer“ geschrieben, durchsetzt mit Erinnerungen. Wie es bei alten Menschen üblich ist, kreisten sie immer stärker um seine Kinder- und Soldatenjahre. Sie sollten nicht vergessen werden, und auch das hübsche Eisenbahnbuch „Theure Mehlbahn: Lebenslauf einer kleinen Bahn““ (erschienen 1998), mit vielen schönen Farbfotos des Fotografen G. Schilke, ist der Erwähnung wert. Er nahm sogar, wie er in einem Aufsatz erzählte, nach 1990 für einige Jahre an den Sonntagsgespr