Margarete Böhme
Hardback
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Description
Margarete Böhme (1867-1939)
Margarete Böhme, zweifellos eine der interessantesten und erfolgreichsten Schriftstellerpersönlichkeiten des deutschen Sprachraums ihrer Zeit, erlangte Weltgeltung mit ihrem 1905 erschienenen „Tagebuch einer Verlorenen“. Mit einer Gesamtauflage von 1.200.000 Exemplaren und Übersetzungen in vierzehn Sprachen wurde es nur von Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ übertroffen. Es folgten Bühnenbearbeitungen und Theaterskandale, Verbotsanträge und Polizeiaktionen. Zahlreiche Plagiate erschienen, und zweimal wurde es verfilmt, 1918 von Richard Oswald und 1929 von Georg Wilhelm Pabst mit Louise Brooks in der Hauptrolle. Hochschullehrer empfahlen, das Buch in der akademischen Lehre als psychologische Fallstudie einzusetzen. In der Soziologie wurde es als sozialpsychologische Studie von größter Wichtigkeit bezeichnet. In den Wiener Prozessen „Weinlich“ und „Riehl“, in denen es um Kinderprostitution ging, wurde auf das Buch Bezug genommen. Ähnlich erfolgreich wurden weitere sozialkritische Romane Margarete Böhmes, die sich gleichfalls durch akribische Recherche vor Ort und gefällige Darstellungsweise auszeichnen: der Kaufhausroman „W.A.G.M.U.S.“; die Schilderung der unmenschlichen Arbeitsverhältnisse der Telefonistinnen in „Christine Immersen“ (1913), dieser „lebendigen Automaten am Apparat“; das Schicksal der Unternehmerin „Sarah von Lindholm“ (1914) in einer
Dichterinnen des Nordens. Schreibende Frauen im Nordfriesland des Fin de Siècle. Eine Projektdokumentation
Die Kultur der Westküstenlandschaft Schleswig-Holsteins erschöpft sich nicht in dem, was Emil Nolde und Theodor Storm gesagt, gemalt, geschrieben haben. Sie ist unendlich viel reicher. Etwas davon, was vergessen wurde, ins Bewusstsein der Landschaft zurückzuholen, war das Ziel des empirisch-literatursoziologischen Projekts „Dichterinnen des Nordens“. Das Ergebnis der Recherchen zwischen 1992 und 2001, die unter anderem Interviews, Ortsbegehungen, Sichtungen der Nachlässe und Einblicke in Archive umfassten, sind in den zehn Bänden der Reihe, geordnet nach Autorinnen, zusammengefasst. Sie bildeten zugleich die Grundlage der anschließenden Neuausgabe der Romane Thusnelda Kühls, K. v. d. Eiders, Elfriede Rotermunds, Margarete Böhmes sowie der gemeinsam mit Thomas Steensen herausgegebenen zwanzig Bände umfassen Buchreihe „Nordfriesland im Roman“ zwischen 2007 und 2025.
Die Themen der Autorinnen, die gemeinhin dem poetischen Realismus und der Heimat- bzw. Regionalliteratur zugerechnet werden, umfassen unter anderem das obsolet Werden der bisherigen Geschlechterverhältnisse, den Rollenwandel der Frauen, den Übergang von der traditionellen Landwirtschaft zur Agrarindustrie, die größer werdende Differenz zwischen Arm und Reich. Insofern können sie durchaus der gesellschaftskritischen Belletristik ihrer Zeit zugerechnet werden, das auch deshalb, weil sie in ihren Schilderungen sehr dicht an der beobachteten Realität bleiben. Obwohl die zehn Autorinnen damals überregionale Beachtung, einige sogar Weltgeltung erlangten, zählten sie lange Zeit zu den von der Literaturwissenschaft zu Unrecht vernachlässigten poetae minores. Zu Unrecht vernachlässigt, weil die „kleineren Geister“ für die Bewusstseinsgeschichte ihrer Epoche und ihrer Region häufig repräsentativer sind als die sogenannten „großen Geister“. Repräsentativer sind sie, weil sie, im „kollektiven Unbewussten“ verharrend, unmittelbarer auf Denkgewohnheiten und Weltanschauungen, auf Ideen und Ideologien ihrer Zeit zurückgreifen und reagieren, sie aufnehmen und literarisch verarbeiten, gleichsam ein Sittengemälde ihrer Region und Epoche. Sie sind so zu einem Dokument der Mentalhistorie geworden wie Zeitungsartikel, Tagebücher, Biographien etc., die der Realgeschichte ihren Sinn gaben.
Arno Bammé
Es handelt sich hier um einen übernommenen Restbestand des ursprünglich im Münchner Profi-Verlag erschienenen Buches.
Book Information
Main Genre
N/A
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
798
Price
49.40 €
Description
Margarete Böhme (1867-1939)
Margarete Böhme, zweifellos eine der interessantesten und erfolgreichsten Schriftstellerpersönlichkeiten des deutschen Sprachraums ihrer Zeit, erlangte Weltgeltung mit ihrem 1905 erschienenen „Tagebuch einer Verlorenen“. Mit einer Gesamtauflage von 1.200.000 Exemplaren und Übersetzungen in vierzehn Sprachen wurde es nur von Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ übertroffen. Es folgten Bühnenbearbeitungen und Theaterskandale, Verbotsanträge und Polizeiaktionen. Zahlreiche Plagiate erschienen, und zweimal wurde es verfilmt, 1918 von Richard Oswald und 1929 von Georg Wilhelm Pabst mit Louise Brooks in der Hauptrolle. Hochschullehrer empfahlen, das Buch in der akademischen Lehre als psychologische Fallstudie einzusetzen. In der Soziologie wurde es als sozialpsychologische Studie von größter Wichtigkeit bezeichnet. In den Wiener Prozessen „Weinlich“ und „Riehl“, in denen es um Kinderprostitution ging, wurde auf das Buch Bezug genommen. Ähnlich erfolgreich wurden weitere sozialkritische Romane Margarete Böhmes, die sich gleichfalls durch akribische Recherche vor Ort und gefällige Darstellungsweise auszeichnen: der Kaufhausroman „W.A.G.M.U.S.“; die Schilderung der unmenschlichen Arbeitsverhältnisse der Telefonistinnen in „Christine Immersen“ (1913), dieser „lebendigen Automaten am Apparat“; das Schicksal der Unternehmerin „Sarah von Lindholm“ (1914) in einer
Dichterinnen des Nordens. Schreibende Frauen im Nordfriesland des Fin de Siècle. Eine Projektdokumentation
Die Kultur der Westküstenlandschaft Schleswig-Holsteins erschöpft sich nicht in dem, was Emil Nolde und Theodor Storm gesagt, gemalt, geschrieben haben. Sie ist unendlich viel reicher. Etwas davon, was vergessen wurde, ins Bewusstsein der Landschaft zurückzuholen, war das Ziel des empirisch-literatursoziologischen Projekts „Dichterinnen des Nordens“. Das Ergebnis der Recherchen zwischen 1992 und 2001, die unter anderem Interviews, Ortsbegehungen, Sichtungen der Nachlässe und Einblicke in Archive umfassten, sind in den zehn Bänden der Reihe, geordnet nach Autorinnen, zusammengefasst. Sie bildeten zugleich die Grundlage der anschließenden Neuausgabe der Romane Thusnelda Kühls, K. v. d. Eiders, Elfriede Rotermunds, Margarete Böhmes sowie der gemeinsam mit Thomas Steensen herausgegebenen zwanzig Bände umfassen Buchreihe „Nordfriesland im Roman“ zwischen 2007 und 2025.
Die Themen der Autorinnen, die gemeinhin dem poetischen Realismus und der Heimat- bzw. Regionalliteratur zugerechnet werden, umfassen unter anderem das obsolet Werden der bisherigen Geschlechterverhältnisse, den Rollenwandel der Frauen, den Übergang von der traditionellen Landwirtschaft zur Agrarindustrie, die größer werdende Differenz zwischen Arm und Reich. Insofern können sie durchaus der gesellschaftskritischen Belletristik ihrer Zeit zugerechnet werden, das auch deshalb, weil sie in ihren Schilderungen sehr dicht an der beobachteten Realität bleiben. Obwohl die zehn Autorinnen damals überregionale Beachtung, einige sogar Weltgeltung erlangten, zählten sie lange Zeit zu den von der Literaturwissenschaft zu Unrecht vernachlässigten poetae minores. Zu Unrecht vernachlässigt, weil die „kleineren Geister“ für die Bewusstseinsgeschichte ihrer Epoche und ihrer Region häufig repräsentativer sind als die sogenannten „großen Geister“. Repräsentativer sind sie, weil sie, im „kollektiven Unbewussten“ verharrend, unmittelbarer auf Denkgewohnheiten und Weltanschauungen, auf Ideen und Ideologien ihrer Zeit zurückgreifen und reagieren, sie aufnehmen und literarisch verarbeiten, gleichsam ein Sittengemälde ihrer Region und Epoche. Sie sind so zu einem Dokument der Mentalhistorie geworden wie Zeitungsartikel, Tagebücher, Biographien etc., die der Realgeschichte ihren Sinn gaben.
Arno Bammé
Es handelt sich hier um einen übernommenen Restbestand des ursprünglich im Münchner Profi-Verlag erschienenen Buches.
Book Information
Main Genre
N/A
Sub Genre
N/A
Format
Hardback
Pages
798
Price
49.40 €



