Lügen im Paradies
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Description
In ihrem autofiktionalen Roman schreibt die französische Autorin Colombe Schneck («Paris Trilogie») berührend über Schmerz, Heilung und Familie. Dieses Buch ist Reise und Recherche, es erzählt, wie Erinnerungsblasen platzen und dennoch einen goldenen Glanz bewahren. Weil Lügen für das Glück eine größere Rolle spielen, als gemeinhin vermutet wird.
Jeden Sommer ihrer Kindheit verbrachte Colombe in den Schweizer Bergen. Zusammen mit anderen Jugendlichen aus aller Welt wurde sie in die Obhut eines Ehepaars gegeben, das sich liebevoll und zugleich streng um die Kinderschar kümmerte: alle aus gutem Hause, alle aus kaputtem Elternhaus, so wie auch Colombe, deren jüdische Mutter, als sie klein war, sich in einem Kloster verstecken musste, und deren Vater, der Verfolgung gerade so entkommen, doch zeit seines Lebens ein Flüchtender blieb.
Dreißig Jahre braucht es, damit Colombe das Bild dieser Kindheitsidylle korrigiert. Sie reist in die Schweiz, trifft die Menschen von damals wieder und vor allem die beiden Kinder des Ehepaars, das sich um all die fremden Zöglinge so aufopferungsvoll kümmerte, die eigenen aber sträflich vernachlässigte.
«Colombe Schneck hat einen scharfen Blick für Details und ein exzellentes Gespür für deren suggestive Kräfte.» FAZ
«Schnecks Erzählhaltung ist bemerkenswert.» Mara Delius, Welt am Sonntag
Book Information
Author Description
Colombe Schneck, geboren 1966 in Paris, hat an einer der renommiertesten Hochschulen in Paris Politik studiert und arbeitet als Journalistin. Schriftstellerin wurde sie eher durch Zufall, nachdem sie entdeckte hatte, dass ihr Großvater von seinem Liebhaber ermordet worden war, der ihn in Stücke zersägt in einem Koffer durch Frankreich bugsierte. Seitdem ist Colombe Schneck besessen von der Wahrheit und hat viel über die Geheimnisse ihre jüdisch-großbürgerliche Familiengeschichte geschrieben, ihre Bücher wurden in Frankreich mehrfach ausgezeichnet.
Posts
Ein autofiktionaler Roman über eine vermeintlich glückliche Kindheit in einem Schweizer Chalet.
Colombe Schneck erzählt unaufgeregt und doch fesselnd, wie sie jede Ferien ihrer Kindheit in den Schweizer Bergen bei Karl und Anne-Marie verbrachte. Wie so viele andere Kinder, deren Eltern das Geld hatten, diese Ferienbetreuung zu bezahlen. Mit jeder tiefgehenderen Erinnerung zerplatzt die Vorstellung einer glücklichen Kindheit dort. Schneck - längst Journalistin und Autorin nimmt 30 Jahre später Kontakt zu weiteren ehemaligen Kindern und Betreuern auf. Und erlebt, wie die vermeintliche Idylle nach und nach tiefe Risse bekommt. Außerdem sind da noch Pateou und Vava, die beiden Kinder von Karl und Anne-Marie. Deren beider Leben völlig aus den Fugen geraten ist. Eine Buch über Lebenslügen und der steinige Weg der Desillusionierung.
Ein wunderschönes Chalet in den Schweizer Alpen, in dem viele Kinder ihre Ferien verbringen. Kinder, die aus zerrütteten Verhältnissen kommen, die Eltern aber viel Geld investieren um die Kinder wegzuschicken. Karl und Anne-Marie sind die Ersatzeltern für die Ferienkinder, kümmern sich liebevoll um sie. Klingt alles erstmal ganz zauberhaft aber Colombe Schneck, die selber viele Jahre lang zu Gast war, beginnt zu reflektieren ob es wirklich so ein Paradies war, wie in ihren Erinnerungen. Sie war gern dort, hat ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter, die ihr kaum Liebe geben konnte. Mit Abstand betrachtet war es dann doch nicht so eine Idylle. Ihre eigenen Kinder behandelte das Ehepaar schlechter als die Gastkinder, es gab harte Strafen. Colombe reist zurück in die Ferien ihrer Kindheit, trifft auf altbekannte Menschen und erinnert sich. Ganz klar und ruhig erzählt die Autorin über Erinnerung und Selbsttäuschung. Sie beginnt Risse im Paradies zu finden. Lügen, die sie sich selbst erzählt hat. Langsam beginnt der schöne Schein zu bröckeln und sie beginnt zu verstehen. Sie versteht warum es die mittlerweile erwachsenen Kindern der Gasteltern so schwer haben. Warum sie auch noch im späterer Leben gern einer Illusion glaubte. Nüchtern liest sich der Text, doch der bleibt im Kopf. Oft ist es auch das Ungesagte, das sich im Kopf einbrennt, bewegt. Colombe Schneck gelingt ein eindringlicher, stiller Roman über die Kunst der Selbsttäuschung und ob wir manchmal überhaupt bereit sind für all die traurigen Wahrheiten. Ich bin schwer begeistert und möchte sehr gern noch mehr von dieser Autorin lesen. Große Empfehlung!
Darum geht es: Colombe verbringt die Ferien ihrer Kindheit in den Schweizer Bergen, fern von ihrem eigentlichen Zuhause. Dort wächst sie zeitweise in der Obhut eines Ehepaars auf, das sich um eine Gruppe von Kindern aus unterschiedlichen Ländern kümmert. Nach außen wirkt alles geordnet und fürsorglich, doch hinter dieser Fassade tragen viele der Kinder eigene Brüche und Verluste in sich, auch Colombe selbst. Erst Jahrzehnte später beginnt sie, dieses Bild zu hinterfragen. Sie kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück, sucht die Begegnung mit den Menschen von damals und stellt sich ihren Erinnerungen Dabei rückt besonders das Schicksal der beiden leiblichen Kinder des Ehepaars in den Mittelpunkt. An ihnen zeigt sich, dass die Fürsorge, die nach außen so selbstverständlich wirkte, nicht allen gleichermaßen galt. Colombe erkennt, dass ihre Kindheit von Dingen gepragt war, die sie lange nicht sehen konnte oder wollte. Mein Leseeindruck: Das Buchcover wirkt sehr zurückhaltend und unscheinbar. Wäre ich nur nach dem Äußeren gegangen, hatte ich vermutlich nie zu diesem Buch gegriffen. Der Klappentext dagegen hat sofort meine Neugier geweckt. Die Thematik fand ich besonders interessant, zumal unsere Tochter selbst in der Schweiz lebt. Dass es sich um einen autofiktionalen Roman handelt, hat die Geschichte für mich zusätzlich berührt. Tatsächlich bin ich froh, dass der Roman nur knapp 160 Seiten umfasst. Die Geschichte beginnt sehr spannend, verliert für mich aber schnell an Orientierung. Oft war ich unsicher, ob die Handlung in der Gegenwart oder in der Vergangenheit spielt. Der Schreibstil war für mich schwer zugänglich; hätte ich ihn leichter gefunden, wäre mir vermutlich ein besserer Zugang zur Geschichte gelungen. Im Roman werden Wahrheiten offenbart, die schmerzhaft sind. Leider haben sie mich emotional kaum erreicht. Bei mir hinterließen sie kaum Wirkung. Ich kenne viele Leserinnen und Leser, die den Roman sehr geschätzt haben, aber für mich konnte er nicht die Erwartungen erfüllen, die ich an ihn gestellt hatte 3/5 ⭐️ Interessante Thematik und spannende Ansätze, aber für mich schwer zugänglich und emotional nicht greifend

Wenn Erinnerungen ihre Unschuld verlieren
Manchmal fühlt sich Erinnerung an wie ein sonnenbeschienener Ort, den man viel zu lange nicht hinterfragt hat. Die Schweizer Berge, die Sommer der Kindheit, das Gefühl von Geborgenheit – all das trägt in diesem Buch einen warmen, beinahe trügerischen Glanz. Und genau dort setzt diese leise, eindringliche Erzählung an: bei der Frage, wie viel Wahrheit ein glückliches Leben überhaupt aushält. Schritt für Schritt bröckelt das idealisierte Bild einer vermeintlichen Zuflucht. Zwischen Fürsorge und Strenge, Nähe und Vernachlässigung öffnet sich ein Raum, in dem Schweigen lauter ist als Worte. Besonders berührend wirkt die Verflechtung der persönlichen Familiengeschichte mit den kollektiven Traumata von Flucht, Verfolgung und Überleben – nie pathetisch, sondern ruhig, tastend und ehrlich. Die Reise zurück ist weniger eine geografische als eine innere. Begegnungen mit Menschen von damals legen frei, wie selektiv Erinnerungen sein können und wie sehr Schutzmechanismen das eigene Leben formen. Schmerz wird nicht dramatisiert, sondern behutsam freigelegt, Heilung nicht versprochen, sondern vorsichtig angedeutet. Zurück bleibt ein Text, der lange nachhallt. Einer, der zeigt, dass Lügen nicht nur zerstören, sondern manchmal auch tragen können – bis der Moment kommt, an dem man stark genug ist, sie loszulassen. Kein lautes Buch, aber eines mit großer emotionaler Tiefe.

Auf der Suche nach der Erinnerung
Was ist eure früheste Erinnerung? Und was davon hat auch wirklich so stattgefunden? Wir können unserem Hirn nicht immer trauen. Durch Fotos und Filme, Gefühle, aber auch Wünsche verändert sich manchmal die Wahrheit in eine schönere Version. Colombe ist als Kind einer distanzierten, vielleicht sogar gefühllose Mutter, in den Ferien oft in ein großes Chalet mit dunkelgrün gestrichenen Fensterläden geschickt worden. Hier sollen Kinder eine gute Zeit verbringen, oft nur für die Ferien manche auch einen großen Teil ihrer Kindheit. Die Eltern sind meist wohlhabend, und voller Gründe, warum sie sich um ihren Nachwuchs nicht kümmern können oder wollen. In der französischen Schweiz übernehmen Karl und Anne Marie Ammann die Verantwortung für circa 20 Kinder, inklusive ihrer eigenen Vava und Patou. Letzterer weiß schon lange, dass sich Colombe als schreibende Person auf ihre Erinnerungen ans „Home“ stürzen wird. Er erkennt die Verlockung. Doch Colombe merkte nach und nach, dass sie das zweite zu Hause vielleicht doch etwas anders abgespeichert hat, als es wirklich war. Durch Gespräche, Briefe und Erinnerungen stellt sie einen Rückblick zusammen, der in der Folge nicht jedes Rätsel löst. Karl und Anne Marie sind mittlerweile verstorben, aber man kann sich auch nicht sicher sein, dass sie ehrliche Auskünfte gegeben. Sie waren in erster Linie stolz auf ihre Arbeit, gaben der Presse bereitwillig Interviews und verzweifelten später im stillen an der Entwicklung ihrer leiblichen Kinder. Die Autorin hat mit diesem autofiktionalen Werk eine bedächtige Lektüre geschaffen, die sich immer wieder kleine Episoden aus der Vergangenheit vornimmt und enger beleuchtet. Die Wege, die die Kinder gegangen sind, insbesondere Patou und Vava lassen nur ahnen, dass das Ehepaar Ammann anderen Kindern Wissen und Emotionen vermitteln konnte, an den eigenen aber scheiterten Es kommen Wahrheiten zu Tage, die schmerzhaft sind. Schneck versucht erfolglos die Distanz zu wahren, man merkt ihrem Stil deutlich an, dass sie (mit)leidet. An mancher Stelle hatte ich den Eindruck, dass sie im übertragenen Sinne so manchem Erzählenden die Hand hält. Von ihr wird aber auch erwartet, in die Geschichte intensiv reinzugehen, ihr eigenes ICH offen zu legen. Um das zu entdecken, muss man ab und an auch zwischen den Zeilen lesen. Ich habe das nicht durchgängig spüren können. Dieses Buch offenbart Verschwiegenes und Gefühltes. Kinder können das meist nicht in Wort fassen konnten - doch mittlerweile sind sie erwachsen und haben die Worte, die ihnen damals fehlten. In der direkten Kommunikation mit Beteiligten geraten die Dinge in Bewegung, verschieben sich, leider nicht immer zum Positiven. Die vielen Zeitsprünge, die manchmal auch mitten im Satz passieren, machte mir den Text nicht leicht zugänglich. Doch wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, dann wird es intensiv. Man lauscht dem Monolog und hängt gleichzeitig seinen eigenen Überlegungen nach. Ich empfehle den Text allen, die auf der Suche nach der Wahrheit und in der Auseinandersetzung mit sich selbst Inspiration wünschen.
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In ihrem autofiktionalen Roman schreibt die französische Autorin Colombe Schneck («Paris Trilogie») berührend über Schmerz, Heilung und Familie. Dieses Buch ist Reise und Recherche, es erzählt, wie Erinnerungsblasen platzen und dennoch einen goldenen Glanz bewahren. Weil Lügen für das Glück eine größere Rolle spielen, als gemeinhin vermutet wird.
Jeden Sommer ihrer Kindheit verbrachte Colombe in den Schweizer Bergen. Zusammen mit anderen Jugendlichen aus aller Welt wurde sie in die Obhut eines Ehepaars gegeben, das sich liebevoll und zugleich streng um die Kinderschar kümmerte: alle aus gutem Hause, alle aus kaputtem Elternhaus, so wie auch Colombe, deren jüdische Mutter, als sie klein war, sich in einem Kloster verstecken musste, und deren Vater, der Verfolgung gerade so entkommen, doch zeit seines Lebens ein Flüchtender blieb.
Dreißig Jahre braucht es, damit Colombe das Bild dieser Kindheitsidylle korrigiert. Sie reist in die Schweiz, trifft die Menschen von damals wieder und vor allem die beiden Kinder des Ehepaars, das sich um all die fremden Zöglinge so aufopferungsvoll kümmerte, die eigenen aber sträflich vernachlässigte.
«Colombe Schneck hat einen scharfen Blick für Details und ein exzellentes Gespür für deren suggestive Kräfte.» FAZ
«Schnecks Erzählhaltung ist bemerkenswert.» Mara Delius, Welt am Sonntag
Book Information
Author Description
Colombe Schneck, geboren 1966 in Paris, hat an einer der renommiertesten Hochschulen in Paris Politik studiert und arbeitet als Journalistin. Schriftstellerin wurde sie eher durch Zufall, nachdem sie entdeckte hatte, dass ihr Großvater von seinem Liebhaber ermordet worden war, der ihn in Stücke zersägt in einem Koffer durch Frankreich bugsierte. Seitdem ist Colombe Schneck besessen von der Wahrheit und hat viel über die Geheimnisse ihre jüdisch-großbürgerliche Familiengeschichte geschrieben, ihre Bücher wurden in Frankreich mehrfach ausgezeichnet.
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Ein autofiktionaler Roman über eine vermeintlich glückliche Kindheit in einem Schweizer Chalet.
Colombe Schneck erzählt unaufgeregt und doch fesselnd, wie sie jede Ferien ihrer Kindheit in den Schweizer Bergen bei Karl und Anne-Marie verbrachte. Wie so viele andere Kinder, deren Eltern das Geld hatten, diese Ferienbetreuung zu bezahlen. Mit jeder tiefgehenderen Erinnerung zerplatzt die Vorstellung einer glücklichen Kindheit dort. Schneck - längst Journalistin und Autorin nimmt 30 Jahre später Kontakt zu weiteren ehemaligen Kindern und Betreuern auf. Und erlebt, wie die vermeintliche Idylle nach und nach tiefe Risse bekommt. Außerdem sind da noch Pateou und Vava, die beiden Kinder von Karl und Anne-Marie. Deren beider Leben völlig aus den Fugen geraten ist. Eine Buch über Lebenslügen und der steinige Weg der Desillusionierung.
Ein wunderschönes Chalet in den Schweizer Alpen, in dem viele Kinder ihre Ferien verbringen. Kinder, die aus zerrütteten Verhältnissen kommen, die Eltern aber viel Geld investieren um die Kinder wegzuschicken. Karl und Anne-Marie sind die Ersatzeltern für die Ferienkinder, kümmern sich liebevoll um sie. Klingt alles erstmal ganz zauberhaft aber Colombe Schneck, die selber viele Jahre lang zu Gast war, beginnt zu reflektieren ob es wirklich so ein Paradies war, wie in ihren Erinnerungen. Sie war gern dort, hat ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter, die ihr kaum Liebe geben konnte. Mit Abstand betrachtet war es dann doch nicht so eine Idylle. Ihre eigenen Kinder behandelte das Ehepaar schlechter als die Gastkinder, es gab harte Strafen. Colombe reist zurück in die Ferien ihrer Kindheit, trifft auf altbekannte Menschen und erinnert sich. Ganz klar und ruhig erzählt die Autorin über Erinnerung und Selbsttäuschung. Sie beginnt Risse im Paradies zu finden. Lügen, die sie sich selbst erzählt hat. Langsam beginnt der schöne Schein zu bröckeln und sie beginnt zu verstehen. Sie versteht warum es die mittlerweile erwachsenen Kindern der Gasteltern so schwer haben. Warum sie auch noch im späterer Leben gern einer Illusion glaubte. Nüchtern liest sich der Text, doch der bleibt im Kopf. Oft ist es auch das Ungesagte, das sich im Kopf einbrennt, bewegt. Colombe Schneck gelingt ein eindringlicher, stiller Roman über die Kunst der Selbsttäuschung und ob wir manchmal überhaupt bereit sind für all die traurigen Wahrheiten. Ich bin schwer begeistert und möchte sehr gern noch mehr von dieser Autorin lesen. Große Empfehlung!
Darum geht es: Colombe verbringt die Ferien ihrer Kindheit in den Schweizer Bergen, fern von ihrem eigentlichen Zuhause. Dort wächst sie zeitweise in der Obhut eines Ehepaars auf, das sich um eine Gruppe von Kindern aus unterschiedlichen Ländern kümmert. Nach außen wirkt alles geordnet und fürsorglich, doch hinter dieser Fassade tragen viele der Kinder eigene Brüche und Verluste in sich, auch Colombe selbst. Erst Jahrzehnte später beginnt sie, dieses Bild zu hinterfragen. Sie kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück, sucht die Begegnung mit den Menschen von damals und stellt sich ihren Erinnerungen Dabei rückt besonders das Schicksal der beiden leiblichen Kinder des Ehepaars in den Mittelpunkt. An ihnen zeigt sich, dass die Fürsorge, die nach außen so selbstverständlich wirkte, nicht allen gleichermaßen galt. Colombe erkennt, dass ihre Kindheit von Dingen gepragt war, die sie lange nicht sehen konnte oder wollte. Mein Leseeindruck: Das Buchcover wirkt sehr zurückhaltend und unscheinbar. Wäre ich nur nach dem Äußeren gegangen, hatte ich vermutlich nie zu diesem Buch gegriffen. Der Klappentext dagegen hat sofort meine Neugier geweckt. Die Thematik fand ich besonders interessant, zumal unsere Tochter selbst in der Schweiz lebt. Dass es sich um einen autofiktionalen Roman handelt, hat die Geschichte für mich zusätzlich berührt. Tatsächlich bin ich froh, dass der Roman nur knapp 160 Seiten umfasst. Die Geschichte beginnt sehr spannend, verliert für mich aber schnell an Orientierung. Oft war ich unsicher, ob die Handlung in der Gegenwart oder in der Vergangenheit spielt. Der Schreibstil war für mich schwer zugänglich; hätte ich ihn leichter gefunden, wäre mir vermutlich ein besserer Zugang zur Geschichte gelungen. Im Roman werden Wahrheiten offenbart, die schmerzhaft sind. Leider haben sie mich emotional kaum erreicht. Bei mir hinterließen sie kaum Wirkung. Ich kenne viele Leserinnen und Leser, die den Roman sehr geschätzt haben, aber für mich konnte er nicht die Erwartungen erfüllen, die ich an ihn gestellt hatte 3/5 ⭐️ Interessante Thematik und spannende Ansätze, aber für mich schwer zugänglich und emotional nicht greifend

Wenn Erinnerungen ihre Unschuld verlieren
Manchmal fühlt sich Erinnerung an wie ein sonnenbeschienener Ort, den man viel zu lange nicht hinterfragt hat. Die Schweizer Berge, die Sommer der Kindheit, das Gefühl von Geborgenheit – all das trägt in diesem Buch einen warmen, beinahe trügerischen Glanz. Und genau dort setzt diese leise, eindringliche Erzählung an: bei der Frage, wie viel Wahrheit ein glückliches Leben überhaupt aushält. Schritt für Schritt bröckelt das idealisierte Bild einer vermeintlichen Zuflucht. Zwischen Fürsorge und Strenge, Nähe und Vernachlässigung öffnet sich ein Raum, in dem Schweigen lauter ist als Worte. Besonders berührend wirkt die Verflechtung der persönlichen Familiengeschichte mit den kollektiven Traumata von Flucht, Verfolgung und Überleben – nie pathetisch, sondern ruhig, tastend und ehrlich. Die Reise zurück ist weniger eine geografische als eine innere. Begegnungen mit Menschen von damals legen frei, wie selektiv Erinnerungen sein können und wie sehr Schutzmechanismen das eigene Leben formen. Schmerz wird nicht dramatisiert, sondern behutsam freigelegt, Heilung nicht versprochen, sondern vorsichtig angedeutet. Zurück bleibt ein Text, der lange nachhallt. Einer, der zeigt, dass Lügen nicht nur zerstören, sondern manchmal auch tragen können – bis der Moment kommt, an dem man stark genug ist, sie loszulassen. Kein lautes Buch, aber eines mit großer emotionaler Tiefe.

Auf der Suche nach der Erinnerung
Was ist eure früheste Erinnerung? Und was davon hat auch wirklich so stattgefunden? Wir können unserem Hirn nicht immer trauen. Durch Fotos und Filme, Gefühle, aber auch Wünsche verändert sich manchmal die Wahrheit in eine schönere Version. Colombe ist als Kind einer distanzierten, vielleicht sogar gefühllose Mutter, in den Ferien oft in ein großes Chalet mit dunkelgrün gestrichenen Fensterläden geschickt worden. Hier sollen Kinder eine gute Zeit verbringen, oft nur für die Ferien manche auch einen großen Teil ihrer Kindheit. Die Eltern sind meist wohlhabend, und voller Gründe, warum sie sich um ihren Nachwuchs nicht kümmern können oder wollen. In der französischen Schweiz übernehmen Karl und Anne Marie Ammann die Verantwortung für circa 20 Kinder, inklusive ihrer eigenen Vava und Patou. Letzterer weiß schon lange, dass sich Colombe als schreibende Person auf ihre Erinnerungen ans „Home“ stürzen wird. Er erkennt die Verlockung. Doch Colombe merkte nach und nach, dass sie das zweite zu Hause vielleicht doch etwas anders abgespeichert hat, als es wirklich war. Durch Gespräche, Briefe und Erinnerungen stellt sie einen Rückblick zusammen, der in der Folge nicht jedes Rätsel löst. Karl und Anne Marie sind mittlerweile verstorben, aber man kann sich auch nicht sicher sein, dass sie ehrliche Auskünfte gegeben. Sie waren in erster Linie stolz auf ihre Arbeit, gaben der Presse bereitwillig Interviews und verzweifelten später im stillen an der Entwicklung ihrer leiblichen Kinder. Die Autorin hat mit diesem autofiktionalen Werk eine bedächtige Lektüre geschaffen, die sich immer wieder kleine Episoden aus der Vergangenheit vornimmt und enger beleuchtet. Die Wege, die die Kinder gegangen sind, insbesondere Patou und Vava lassen nur ahnen, dass das Ehepaar Ammann anderen Kindern Wissen und Emotionen vermitteln konnte, an den eigenen aber scheiterten Es kommen Wahrheiten zu Tage, die schmerzhaft sind. Schneck versucht erfolglos die Distanz zu wahren, man merkt ihrem Stil deutlich an, dass sie (mit)leidet. An mancher Stelle hatte ich den Eindruck, dass sie im übertragenen Sinne so manchem Erzählenden die Hand hält. Von ihr wird aber auch erwartet, in die Geschichte intensiv reinzugehen, ihr eigenes ICH offen zu legen. Um das zu entdecken, muss man ab und an auch zwischen den Zeilen lesen. Ich habe das nicht durchgängig spüren können. Dieses Buch offenbart Verschwiegenes und Gefühltes. Kinder können das meist nicht in Wort fassen konnten - doch mittlerweile sind sie erwachsen und haben die Worte, die ihnen damals fehlten. In der direkten Kommunikation mit Beteiligten geraten die Dinge in Bewegung, verschieben sich, leider nicht immer zum Positiven. Die vielen Zeitsprünge, die manchmal auch mitten im Satz passieren, machte mir den Text nicht leicht zugänglich. Doch wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, dann wird es intensiv. Man lauscht dem Monolog und hängt gleichzeitig seinen eigenen Überlegungen nach. Ich empfehle den Text allen, die auf der Suche nach der Wahrheit und in der Auseinandersetzung mit sich selbst Inspiration wünschen.










