Kritik des Familismus

Kritik des Familismus

Softcover

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Description

Familismus bezeichnet sie weitgehende Identität von Familie und Gesellschaft. Dabei bildet das System aller Familien das Gemeinwesen. Familismus ist die Überbewertung des familiären Bereichs als Quelle für soziale Kontakte. In familistischen Gesellschaften – dazu gehört die Bundesrepublik Deutschland - ist die Familie der Dreh- und Angelpunkt aller sozialen Organisationen. Selbst in das in frauenpolitischer Hinsicht fortschrittliche Grundgesetz für die BRD wurde 1949 der Familismus eingeschrieben, indem die Auffassung von der Familie als wichtigster Baustein einer Gesellschaft aufgenommen wurde und somit eine konservative Familienideologie, die Frauen und Männern eindeutige Rollen zuwies und die bis heute wirkt, verfestigt wurde. Erst die neue Frauenbewegung entwickelte Gegenkonzepte, die heute allerdings zu verblassen scheinen. Staatliche Familienpolitik fördert nach wie vor die traditionelle mit Vater, Mutter und Kind(ern) 'normalbesetzte' Kleinfamilie in der Kinder erzogen und pflegebedürftige Menschen versorgt werden sollen. Die soziale Realität hat sich längst von diesem ideologischen Gemälde entfernt. In der Einführung geht es zunächst um eine historische Rekonstruktion exemplarischer Theorien und Praxen, die zu jenem ideologisierten Familienverständnis führen, das auf das 'Gemeinwohl' abzielt; faktisch aber alle Menschen ausschließt, die nicht zu einer Familie gehören und Frauen zu rechtlosen Wesen macht. Am Ende steht die Frage, ob es sinnvoll ist, ein kritikwürdiges System weiter auszuweiten, indem sich häufende Zusammenlebensformen durch vom Staat verordnete Gesetze 'normalisiert' werden und damit wiederum andere daran gemessen und ausgegrenzt werden, wenn sie sich nicht in die familiale 'Ordnung' fügen.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
Society & Social Sciences
Format
Softcover
Pages
228
Price
15.50 €

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In "Kritik des Familismus" (2015) untersucht Gisela Notz, warum das Idealbild der bürgerlichen Kleinfamilie in Deutschland immer noch so wirkmächtig ist, obwohl ein Großteil der Menschen es in der Realität nicht lebt. Notz greift den soziologischen Begriff "Familismus" auf. Dieser meint eine Sozialstruktur, in der die Familie als zentrale gesellschaftliche Instanz angesehen wird. Andere Lebensformen (WGs, Patchworkfamilien etc.) stellen Abweichungen oder - etwa im Fall Alleinerziehender - unvollständige Kleinfamilien dar. Unterstellt wird, dass alle Menschen danach streben, früher oder später Teil einer traditionellen familiären Ordnung zu sein. Gemeint ist der heterosexuelle, monogame, auf Ehe und Blutsverwandtschaft beruhende Zusammenschluss von Vater, Mutter und Kindern. Notz gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung des Familismus. Das heutige Idealbild der Kleinfamilie ist nicht einmal 300 Jahre alt. Die Familie war schon immer mehr Ideal als soziale Realität. Familienpolitik war stets auch Bevölkerungspolitik. Wenn der Geburtenrückgang in Deutschland beklagt wird, geht es nicht um "irgendwelche", sondern um die "richtigen" deutschen, weißen Kinder aus finanziell abgesicherten Familien. Häufig sind familistische Ansätze mit rechtskonservativen Tendenzen verknüpft. Anhand des Familismus zeigt sich, wie sich gesellschaftliche Ideale je nach wirtschaftlicher und historischer Lage ändern: Erwerbsarbeit von Frauen etwa wurde immer dann gefördert, wenn es einen Arbeitskräftemangel gab, während in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit Anreize für eine traditionelle Rollenverteilung geschaffen wurden. Auch die geringe Wertschätzung für Care-Tätigkeiten und die Unterfinanzierung sozialer Einrichtungen sind so nach Notz zumindest teilweise politisches Kalkül. Dass Alte, Kranke und Kinder zu Hause gepflegt werden, entlastet den Staat finanziell. Das Buch ist recht akademisch geschrieben, enthält viele historische Fakten und Statistiken. Das macht es streckenweise sperrig zu lesen. Es ist aber sehr interessant und vielleicht ist das Wissen um die historischen Entwicklungen wichtige Grundlage dafür, unsere heutige Gesellschaft besser zu verstehen.

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