Kopflos

Kopflos

Hardback
2.817

By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.

Description

Wir denken, wir wären nicht fähig, ein Verbrechen zu begehen, bis wir es tun

Stürmisch und jenseits aller Konventionen erzählt Ariana Harwicz von einer Leidenschaft, die sich selbst verzehrt. "kopflos" ist die Geschichte einer Entführung ein Roman, wie man ihn über Mutterschaft noch nie gelesen hat, sprachlich sensationell, emotional kaum zu fassen.

Menschen glauben zu wissen, wozu sie fähig sind. Sie denken, dass sie unter keinen Umständen ihre Eltern umbringen oder einem Kind etwas antun könnten. Sie denken, sie wären nicht fähig, ein Verbrechen zu begehen, bis sie es tun.
Ein Supermarkt in Frankreich. Lisa hofft, einen Blick auf ihre fünfjährigen Zwillinge werfen zu können, die mit ihrem Vater einkaufen sind. In einem Sorgerechtsprozess hat sie das Umgangsrecht mit den Söhnen verloren und darf sich dem Haus der Familie nicht mehr nähern. Ihre Kinder sieht sie nur noch einmal im Monat unter Aufsicht. Der Schmerz, das Heranwachsen ihrer Söhne nicht mehr Tag für Tag mitzubekommen, ist so überbordend wie ihre Emotionen. Ihre Pflichtverteidigerin verzweifelt an Lisa, die sich selbst zur größten Gefahr wird, während sie das Leben ihrer eigenen Familie observiert. Doch das Beobachten, das immer mehr zur Obsession wird, reicht irgendwann nicht mehr aus ...

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
143
Price
22.70 €

Author Description

Ariana Harwicz, geboren 1977 in Buenos Aires, ist eine der wichtigsten Autorinnen Argentiniens. Seit 2007 lebt sie auf dem Land in Frankreich. Ihr Roman "Die, My Love" machte sie international bekannt. Er war Roman des Jahres der argentinischen Zeitung La Nación und nominiert für den Man Booker International Prize. Ariana Harwiczs Romane wurden in mehr als 25 Sprachen übersetzt. 2025 feierte in Cannes die Verfilmung von "Die, My Love" Premiere, produziert von Martin Scorsese unter der Regie von Lynne Ramsay. Silke Kleemann Diplom-Übersetzerin, studierte Spanisch und Englisch und übersetzt lateinamerikanische Literatur. Ihre Arbeit als Übersetzerin wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. ihre Übersetzungen von Ariel Magnus und Katixa Agirre. Silke Kleemann lebt und arbeitet in München.

Posts

7
All
5

Lisa ist Mutter von zwei Jungs, es sind Zwillinge. Sie hat das Umgangsrecht verloren, kommt damit absolut nicht zurecht. Heimlich beobachtet sie die beiden Jungs, doch das reicht irgendwann nicht mehr. Kurzerhand entführt sie die Kinder und verschwindet. Geplagt von innerer Zerrissenheit übertritt sie immer mehr Grenzen, verstrickt sich immer mehr in kriminelle Handlungen. Wow, was für eine intensive Leseerfahrung. Ariana Harwicz gelingt es eine unglaublich authentische Mutter zu erschaffen, sie bricht mit dem konventionellen Rollenbild. Intensiv, wild und rau wird erzählt, dann wieder ganz sanft. Lisa liebt ihre Kinder, doch wurde ihr kein Familienglück vergönnt. Die toxische Beziehung zum Vater der Kinder spitzte sich immer mehr zu. Es gibt viele verstörende Momente, die irritierend und berührend sind. Diese Zerrissenheit ist dadurch ganz wunderbar eingefangen. Auch der Erzählstil ist ungewöhnlich. Die Zeiten werden vermischt. Manchmal wusste ich nicht genau wo ich gerade bin. Sprachlich vielleicht sogar experimentell und trotz der rohen Szenen auch wieder poetisch. Man muss sehr aufmerksam lesen um zu verstehen. Wer sich darauf einlässt und nicht nur die klassischen Erzählweisen mag, wird große Freude an diesem Roman haben. Ich finde ihn richtig stark.

4

„Serienmörder wurden gefragt, was sie beim ersten Mal empfunden haben, ob es sich unheimlich angefühlt hat zu töten.“ So beginnt die Geschichte, die aus der Sicht von Lisa erzählt wird. Wir verfolgen, wie sie ihre Kinder aus der Ferne beobachtet, da sie sich wegen eines Kontaktverbots nicht mehr nähern darf. Ihre Sehnsucht nach Nähe und ihre Obsession bestimmen ihr Leben. Lisa wird beschuldigt, gewalttätig gegen ihren Mann gewesen zu sein. Um ihre Kinder zurückzubekommen, ist sie bereit, Grenzen zu überschreiten. Sie versteht selbst nicht, wie es so weit kommen konnte. Außer Essen und Schlafen dreht sich alles nur noch um ihre Söhne. Anfangs hat man den Eindruck, Lisa sei gefährlich obsessiv und psychisch krank. Doch als sie die Grenze überschreitet und ihre Söhne mitnimmt, zeigt sich langsam, was in der Familie wirklich schiefgelaufen ist. Ist sie tatsächlich die bedrohliche Mutter, wie die Familie ihres Mannes behauptet? Oder steckt mehr dahinter? Rückblenden geben Stück für Stück Antworten. Ich muss sagen: Ich hatte etwas Respekt vor dem Buch. Es ist zwar kurz mit knapp 150 Seiten, aber ich hatte gelesen, dass Harwicz’ Schreibstil anspruchsvoll und schwer zugänglich sei. Der Klappentext hat mich trotzdem neugierig gemacht – und ich wurde positiv überrascht. Ja, der Stil ist ungewöhnlich: lange Sätze, fast ohne Dialoge, alles wirkt, als sei es in einem Zug niedergeschrieben. Aber genau das passt zu Lisa’s Situation: die Ungeduld, ihre Kinder nur einmal im Monat unter Aufsicht sehen zu dürfen, die Flucht später, immer begleitet von der Angst, entdeckt zu werden. Hinter der Entführung steckt mehr, als man zunächst vermutet. Ich konnte große Sympathie für Lisa entwickeln. Harwicz spricht hier Themen an wie familiären und gesellschaftlichen Druck, Rassismus, Kinderwunsch und die Rolle der Frau. Zu viel möchte ich nicht verraten, um die Spannung nicht zu sehr vorwegzunehmen. Die gesellschaftlichen Fragen sind aktueller denn je und sehr gut in die Handlung verwoben. Das Ende ist kurz, etwas offen, aber absolut passend. Besonders von der Mitte bis zum Schluss hat die Geschichte für mich einen starken Sog entwickelt. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen. *unbezahlte Werbung - Rezensionsexemplar

Ariana Harwiczs Roman „Kopflos“ ist ein literarischer Schockzustand – roh, intensiv, emotional kaum auszuhalten. Es ist kein Buch, das man einfach liest. Es ist ein Buch, das einen verschlingt, schüttelt, anspuckt und dann wortlos zurücklässt. Eine fiebrige Innenansicht einer Mutter, die am Verlust ihrer Kinder zerbricht – und an einer Gesellschaft, die für ihren Schmerz keinen Platz hat. Die Protagonistin Lisa hat nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit das Umgangsrecht für ihre Zwillinge verloren. Sie darf ihre Kinder nur noch unter Aufsicht sehen. Ihre Sehnsucht nach ihnen, ihre Liebe, aber auch ihr Wahn wachsen ins Unermessliche. Heimlich beobachtet sie die Familie aus der Ferne – vom Supermarktparkplatz, aus dem Auto, durch Fensterscheiben. Doch irgendwann reicht das Zuschauen nicht mehr: Lisa entführt ihre Kinder. Was danach geschieht, ist kein Kriminalfall im klassischen Sinn, sondern ein psychologischer Absturz. Lisa gleitet in einen Strudel aus Angst, Wut, Liebe und Verzweiflung. Ihre Gedanken springen, ihre Wahrnehmung kippt zwischen Traum, Erinnerung und Gegenwart. Harwicz schreibt diesen Zusammenbruch aus Lisas Innerem heraus, als wilden, pulsierenden Monolog – ohne Erklärungen, ohne Filter. „Menschen glauben zu wissen, wozu sie fähig sind. (…) Bis sie es tun.“ Schon der erste Satz ist ein Warnsignal: In diesem Buch wird nichts beschönigt. Harwicz’ Sprache ist explosiv, rhythmisch, manchmal poetisch, dann wieder brutal direkt. Sie lässt uns in das Bewusstsein einer Frau eintauchen, die alles verloren hat – nicht nur ihre Kinder, sondern auch sich selbst. Die Autorin bricht mit jedem Klischee von Mutterschaft. Lisa ist keine sanfte Märtyrerin, keine fürsorgliche Heilige. Sie ist wild, widersprüchlich, gefährlich, verletzlich. Eine Frau, die liebt, aber auch zerstört. Und gerade darin liegt die Wucht des Romans: Er zwingt uns, jenseits moralischer Kategorien zu denken. Harwiczs Stil ist fragmentarisch und unruhig – als würde man in den Gedankenstrom einer Schlaflosen geraten. Zeiten und Orte verschwimmen, Erinnerungen brechen wie Wellen ins Jetzt. Die Übersetzung von Silke Kleemann fängt diese fiebrige Intensität grandios ein: jedes Wort, jeder Satz sitzt wie ein Schlag. „Kopflos“ ist nicht leicht zugänglich, und man braucht Mut, sich auf diese rasende Innenwelt einzulassen. Doch wer es tut, erlebt Literatur, die so unmittelbar wirkt, dass sie körperlich spürbar wird. Harwicz stellt Fragen, die unter die Haut gehen: Was bleibt von der Liebe, wenn sie nicht mehr gelebt werden darf? Wann kippt Fürsorge in Besitz? Und was, wenn das Monster, vor dem wir uns fürchten, nur ein Mensch im Schmerz ist? Am Ende bleibt ein Gefühl, das zwischen Erschütterung und Bewunderung schwankt. Harwicz zeigt Mutterschaft als Grenzerfahrung – zwischen Hingabe und Selbstverlust, zwischen Liebe und Gewalt. Ariana Harwiczs „Kopflos“ ist ein literarischer Rausch, brutal ehrlich und verstörend schön. Ein Roman über Mutterschaft, Wut, Verlust und die fragile Grenze zwischen Menschlichkeit und Wahnsinn. Nichts für zarte Gemüter, aber ein Muss für alle, die mutige, radikale Literatur schätzen. Ein Ausnahmebuch - sprachlich brillant, emotional ungezähmt. Aus dem argentinischen Spanisch von Silke Kleemann.

Post image
1

Leider hat mich die Sprache überhaupt nicht abholen können. Auch die Geschichte war alles andere als spannend oder realitätsnah. Entgegen dem vielversprechenden Klappentext. Abgebrochen.

1

Sincerely, what in the f was this???

4

Mutterschaft auf der Rasierklinge

Kopfkino im Ausnahmezustand! Ariana Harwicz schleudert mir in diesem Roman eine geballte Ladung Emotionen entgegen, die sich irgendwo zwischen Wahnsinn, Mutterschaft, Sehnsucht und purem Kontrollverlust bewegen. Lisa – die Protagonistin – ist kein Charakter, den man mal eben sympathisch findet. Sie ist unbequem, sprunghaft, obsessiv. Und genau das macht diesen Text so spannend, weil ich als Leser das Gefühl habe, direkt in den brodelnden Kopf einer Frau hineinzufallen, die alles verloren hat und trotzdem nicht loslassen kann. Die Sprache ist roh, fast wie ein Schlag in die Magengrube. Keine Nettigkeiten, keine Schleifen. Harwicz schreibt so, als hätte sie die Wörter direkt aus der Kehle gerissen. Und Silke Kleemann übersetzt das mit einer Wucht, die man beim Lesen fast körperlich spürt. Stellenweise fühlt es sich an, als würde man heimlich eine fremde Akte lesen – ein Protokoll aus Sehnsucht und Wahnsinn. Natürlich: Wer hier auf klassische Familiengeschichten oder nette Erzählungen hofft, wird gnadenlos enttäuscht. Das Buch ist unbequem, und manchmal fragt man sich, ob man Lisa in den Arm nehmen oder ihr sofort die Polizei auf den Hals hetzen soll. Genau diese Ambivalenz macht den Reiz aus. Es ist keine „leichte Kost“, sondern ein literarischer Rausch, der mich trotz aller Beklemmung gefesselt hat. Am Ende bleibe ich mit einem mulmigen Gefühl zurück – aber auch mit Bewunderung für eine Autorin, die sich traut, Tabus zu sprengen und die dunklen Seiten von Mutterschaft so gnadenlos offen zu legen. Für alle, die gerne mal Kopf voraus in den Abgrund springen, ist Kopflos definitiv die richtige Wahl. Vier Sterne von mir, weil ich das Ganze trotz aller Brillanz nicht in einem Stück runterlesen konnte. Zu intensiv, zu roh – aber eben auch unvergesslich.

Mutterschaft auf der Rasierklinge
3.5

Wie sich Ariana Harwicz formal ihrer Protagonistin anpasst, ist wirklich bemerkenswert. ,,Kopflos" ist nicht nur der Titel, der auf das Verhalten der Hauptfigur gemünzt werden kann, es fasst auch Harwicz' Stil. Ihre Sprache prescht permanent nach vorne, ist genauso unbedacht, wild und ungreifbar wie Lisa, die Ich-Erzählerin des Romans. Vergangenheit und Gegenwart fließen immer wieder ineinander, Dialoge werden entweder starr, in der Form eines Drehbuchs vermittelt oder in hektischem Fließtext, der das Unterscheiden der Gesprächsparteien entscheidend erschwert. Eigentlich wohnen wir einem ,,Stream of Consciousness" bei, dem Gedankenstrom einer Frau, die hemmungslos und ohne Sicherheitsnetz oder doppelten Boden lebt und liebt und sich dadurch unaufhaltsam in Richtung Untergang bewegt. Ähnlich wie die Dialoge, verhält es sich allerdings auch mit der Wirkung dieses Stils. Mal ist er mitreißend, erschreckend, unmittelbar, mal sorgt er in seiner artifiziellen Aufmachung allerdings auch für eine Distanz, die seltsam vom Text entfremdet, wo er kurzzeitig seine Wirkung verliert. Eine unangenehme wie lohnenswerte Leseerfahrung stellt ,,Kopflos" aber auf jeden Fall dar.

Create Post