Königinnen zwischen Fremde und Vaterland

Königinnen zwischen Fremde und Vaterland

Hardback
4.51

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Description

Wie gewannen europäische Königstöchter trotz erzwungener Heiraten im fremden Land politischen und kulturellen Einfluss und persönliche Mobilität? Königliche und fürstliche Heiratspolitik, ein Kennzeichen dynastisch geprägter Herrschaften, verdichtete sich im 11. bis 13. Jahrhundert zu einem fast ganz Europa umspannenden Netzwerk. Die Prinzessinnen und Königsschwestern erwartete am fremden Hof zwar nichts anderes als ihre Ehe, doch trugen sie schon in ihrer passiven Rolle zur Friedenssicherung bei. An der Seite ihres Gatten, besonders aber als Witwen konnten sie zudem Freiräume gewinnen, die sie zur Ausbreitung von Kultur und Religion, für besondere politische Ambitionen und nicht zuletzt zur Erfüllung persönlicher Ziele nutzten. Aus dem hohen Mittelalter sind Briefe von Königinnen überliefert, die über ihr Schicksal Auskunft geben. So treten die unglücklichen, aber auch charakterstarken Frauen Ingeborg, als gebürtige Dänin Königin von Frankreich, oder Sophia, Tochter eines Königs von Ungarn, die im deutschen Reich durch Heirat zu Einfluss gelangte, hervor. Noch fesselnder ist die Geschichte einer russischen Prinzessin, die der Salier Heinrich IV. zur Sexsklavin an seinem Hof machen wollte, an deren Widerstand er jedoch scheiterte. Um 1200 gelang es manchen der Frauen, ihre Rolle als »Heiratsmigrantin« abzustreifen und in ihrem Herkunftsland ebenso wie im Reich ihres Gemahls präsent zu sein. Migration mündete hier in einen erweiterten Radius der Mobilität. Der Band stellt eine Fortsetzung dar zu Michael Borgoltes 2024 im Wallstein Verlag erschienener Publikation »Königin in der Fremde. Frühmittelalterliche Heiratsmigration und die Anfänge der europäischen Bündnispolitik« (2. Aufl. 2025).

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
History & Archaeology
Format
Hardback
Pages
450
Price
37.00 €

Author Description

Michael Borgolte, geb. 1948, ist emeritierter Professor für Geschichte des Mittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin (1991–2016), außerdem Gründer des Instituts für Islamische Theologie im Auftrag der HU (2017–2021). Seit 2005 ist er Ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2011 erhielt er den Advanced Grant des European Research Council, seit 2013 ist er Ordentliches Mitglied der Academia Europaea. Veröffentlichungen u.a.: Die Welten des Mittelalters. Globalgeschichte eines Jahrtausends (2022, 2. Aufl. 2023); Weltgeschichte als Stiftungsgeschichte. Von 3000 v.u.Z. bis 1500 u.Z. (2017, engl. 2020); Christen, Juden, Muselmanen. Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 n. Chr. (2006); Europa entdeckt seine Vielfalt, 1050–1250 (2002).

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4.5

Königinnen, Kronen und verdammt viel Haltung

Mittelalter, Königstöchter, Zwangsehen und politische Machtspiele. Klingt erstmal nach trockenem Seminarraum mit knarzenden Stühlen, entpuppt sich aber als ziemlich faszinierender Blick auf Frauen, die viel mehr waren als nur hübsch platzierte Figuren auf dem dynastischen Schachbrett. Michael Borgolte erzählt von Königinnen und Prinzessinnen, die ihre Heimat verlassen mussten, um an fremden Höfen Ehen zu schließen, Bündnisse zu sichern und politische Ruhe herzustellen. Romantik? Eher selten. Machtpolitik? Jede Menge. Und genau da wird es spannend, weil diese Frauen trotz fremdbestimmter Wege nicht einfach verschwanden, sondern Einfluss gewannen, Kultur mitbrachten, Religion prägten und manchmal erstaunlich viel Bewegungsfreiheit entwickelten. Besonders stark ist, dass hier nicht nur große Linien der europäischen Geschichte sichtbar werden, sondern auch einzelne Schicksale. Ingeborg von Dänemark, Sophia von Ungarn oder die russische Prinzessin, die sich Heinrich IV. widersetzte, bleiben nicht als Namen im Staub alter Urkunden liegen. Sie bekommen Kontur, Haltung und manchmal eine Wucht, bei der man kurz das Buch senkt und denkt: Meine Güte, was für Frauen. Natürlich ist das kein Sachbuch für nebenbei. Man muss sich auf die mittelalterliche Welt, ihre Begriffe und Verflechtungen einlassen. Aber wer Geschichte mag, bekommt hier kein angestaubtes Königinnenalbum, sondern ein kluges, bewegendes und ziemlich aktuelles Buch über Herkunft, Fremde, Macht und Selbstbehauptung. Für mich ein starkes Stück Geschichtsschreibung mit Kopf, Herz und ordentlich Krone im Nacken.

Königinnen, Kronen und verdammt viel Haltung
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