Immer diese Herzscheiße
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Description
Book Information
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Nana Rademacher, geboren 1966, studierte Sozialpädagogik in Bielefeld und arbeitete danach beim NDR in Hamburg als Regieassistentin und Lektorin. Seit 2001 ist sie für den Südwestrundfunk in den Redaktionen Hörspiel, Feuilleton und Musik tätig und lebt derzeit als freie Autorin in Stuttgart.
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Ungeschönt, nahbar und echt. Ich habe mich sehr auf diese Geschichte gefreut, da ich bereits ein Buch der Autorin gelesen hatte und es sehr gerne mochte. Dieses Mal hatte ich es zwar mit einem ganz anderen Genre zu tun, aber es war genauso eindringlich und wirkungsvoll wie ihre Dystopie - Vielleicht sogar noch mehr. Jedenfalls konnte mich diese Geschichte innerhalb weniger Seiten voll und ganz in ihren Bann ziehen und fesseln. Sowohl die Charaktere als auch die hier angesprochenen Themen erschienen mir mehr als vielversprechend und gehaltvoll. Nana Rademacher präsentiert uns hier eine harte und raue Lebensrealität, vielfältige sowie nahbare Charaktere mit Stärken und Schwächen, die auch mal Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen, und eine Vielzahl an aufrüttelnden und bewegenden Themen. Thematisch ist dieses Buch wirklich stark, vielschichtig und überraschend tiefgründig. Sensible und teilweise sehr komplexe Inhalte werden hier der Zielgruppe angemessen heruntergebrochen, ohne dabei verfälscht oder beschönigt zu werden. Die Darstellungen der Autorin sind anschaulich, ehrlich und greifbar. Sie sagt mit wenigen Worten sehr viel (aus). Ihre Beschreibungen haben sich für mich durchweg natürlich angefühlt - Ich konnte sie glauben, wodurch sie beim Lesen umso mehr in mir ausgelöst haben. Der Erzählstil greift auf einiges vor, ohne Details zu nennen, was zusätzliche Spannung in die Geschichte bringt. Ich wollte wissen, was passiert, und wurde damit umso mehr zum Weiterlesen angehalten. Ich wollte die Charaktere wachsen sehen. Die Geschichte wird aus der Sicht der 15-jährigen Sarah erzählt, die mir aufgrund ihres Verhaltens zwar nicht immer sympathisch war, dafür aber umso authentischer erschien. Denn Sarah macht nicht nicht immer alles richtig, sondern trifft auch mal falsche Entscheidungen oder stößt andere vor den Kopf, was sie für mich zu einer durch und durch menschlichen sowie glaubwürdigen Protagonistin machte. Ich konnte ihre Handlungen häufig nicht verstehen und hätte selbst niemals so gehandelt, aber das macht schließlich auch Sinn und ist damit keine Schwäche des Buches, sondern vielmehr eine Stärke. Generell haben sich die Charaktere für mich hier sehr menschlich und real angefühlt. Die Autorin deckt mit ihrer Figurenkonstellation verschiedene Bildungsschichten und soziale Status ab, was ihr in meinen Augen gut gelungen ist - Sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Manche Figuren blieben hier zwar auch recht blass, aber das ist wohl der Kürze der Geschichte geschuldet und tut dieser auch keinen allzu großen Abbruch. Die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen hier eine große Rolle, auch wenn sie nicht immer wortwörtlich und direkt herausgestellt werden. Sie sind vielfältig und nicht immer gleichermaßen leicht zu durchblicken, was nur authentisch ist. Manchmal muss man eben auch ein bisschen zwischen den Zeilen lesen. Die Autorin stellt die Beziehungen ihrer Charaktere ungeschönt und natürlich dar, wodurch sich diese für mich umso wahrhaftiger und nahbarer anfühlten. Die Liebesgeschichte ist hier in meinen Augen fast schon nebensächlich, aber das war für mich auch völlig okay. Dieses Buch ist so viel mehr als das und mir hat beim Lesen nichts gefehlt. Allerdings hätten die Gefühle der Protagonistin für mich stellenweise durchaus noch etwas detaillierter und ausschweifender beschrieben werden können. Das hätte dieser Geschichte nochmal mehr emotionale Tiefe verleihen können - Und damit spiele ich nicht nur auf die Liebesbeziehung an, sondern auf Sarah's Gefühlswelt im Gesamten. Sprachlich ist dieses Buch ebenfalls sehr besonders. Die Autorin verwendet sowohl Umgangssprache als auch jugendsprachliche Begriffe, was sehr gut zu dieser Geschichte passt und ihre Botschaft unterstreicht. Für mich war der Schreibstil zwar zunächst etwas ungewohnt, aber das Buch hat sich für mich trotzdem flüssig lesen lassen und wirkte so herrlich ungezwungen und natürlich. Rechtschreib- und Grammatikfehler wurden hier sehr bewusst gesetzt, um die Unterschiede im Bildungsgrad der einzelnen Figuren zu verdeutlichen, was ich sehr mutig und gelungen finde. Zusätzlich variiert die Autorin bei manchen Sätzen und Worten mit der Schriftgröße sowie fett gedruckten Buchstaben, was spezifische Inhalte hervorhebt und damit die Aussagekraft und Wirkung der Geschichte verstärkt. Besonders gut gefallen hat mir noch, dass es hier keine übertriebenen oder unrealistischen Charakterentwicklungen gibt, sondern sich alles auf einer authentischen und nachvollziehbaren Ebene bewegt. Nana Rademacher erzählt die Dinge wie sie sind und das ist wundervoll. 4,5/ 5 Sterne ⭐️
Sarah (15) lebt dort, wo keiner leben will, doch nur die wenigsten rauskommen. Sie geht zwar ab und an zur Schule, wie ihre Freunde, doch sinnvoll erscheint es ihr nicht. Schließlich steht jetzt schon fest, dass ihre Zukunft aus Hartz IV besteht. Doch steht es wirklich fest? Sarah hat da nämlich diesen einen Lehrer, der fest davon überzeugt ist, dass mehr in ihr steckt und dass sie etwas erreichen kann, wenn sie sich bemüht. Also teilt er, nachdem er sie bei einer Straftat erwischt hat, keinen Schulverweis aus, sondern verdonnert sie, seinem Sohn bei einem Theaterstück zu helfen. Dort lernt Sarah zum ersten Mal junge Menschen kennen, die ganz andere Zukunftsperspektiven haben. Und dort trifft sie auch auf Paul, der so ganz anders ist als die Jungs, die sie bisher kannte. Wird sich Sarahs Leben jetzt ändern? Wird sie Verantwortung für ihr Leben und ihre Zukunft übernehmen? "Immer diese Herzscheiße" von Nana Rademacher ist - auch wenn mich der Titel anderes vermuten ließ – kein Liebesroman. Stattdessen handelt er von Sarah und ihrer Geschichte, in der sie sich fast nebenbei das erste Mal so richtig verliebt. Geschrieben im Stil, im dem eine 15-jährige Hauptschülerin spricht, macht er dem Leser bewusst, wie verzwickt das Leben für einen Teenager sein kann, der kein sicheres Zuhause und kaum eine Zukunftsperspektive hat. Zudem arbeitet die Autorin mit Stilmitteln wie Schriftgröße und –dicke, die das Lesen des Textes abwechslungsreich und interessanter machen. Auch wenn Sarah es mit ihrer abweisenden Haltung zu Allem dem Leser nicht leichtmacht, sie von Anfang zu mögen, wächst sie einem doch irgendwie mit ihrer Art ans Herz. Gefallen hat mir das Buch aber auch deswegen besonders gut, weil es eine andere Sicht auf das Leben der Jugend in Deutschland war, als ich es bisher kannte. Als Mutter zweier Jugendlicher, die von allen Seiten Liebe und Unterstützung erfahren, vergisst man oft, dass es nicht allen so geht. Ein Hoch an dieser Stelle auf Sarahs Großeltern, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen, ihr und auch schon ihrem Bruder wenigstens ein halbwegs sicheres Zuhause zu geben. Mein Fazit: Eine tolle Geschichte, die mich mitgerissen hat und mir jede Menge Denkanstöße gegeben hat.
Von der Autorin habe ich bereits den distopischen Roman "Wir waren hier" verschlungen und war gespannt, wie sie das Thema dieses sehr anderen Buches angehen wird. "Immer diese Herzscheiße" ist im Ravensburger Verlag 2017 als gebundene Ausgabe erschienen. Meine Meinung zur Handlung: Dass Sarah aus schwierigen Verhältnissen kommt, wird schnell klar. Sie wächst bei ihren Großeltern auf und hat keinen Kontakt mehr zu den eigenen Eltern und lebt finanziell am Minimum, die Großmutter dreht jeden Euro zwei Mal um und der Großvater versucht, eine Stütze für seine Familie zu sein, auch wenn finanziell wenig drin ist, woran er zu arbeiten hat. Auch Sarahs älterer Bruder, der eine bewegte Jugend und jetzt ein geregeltes Leben hat, versucht mit aller Kraft, Sarah von der schiefen Bahn zu bringen, ebenso wie Sarahs überaus engagierter Deutschlehrer. Sarahs Bekanntengreis hat witzige Spitznamen wie "Dixie", "Mütze" oder "Energy" - was für die Jugendszene typisch ist, denn hier wird versucht, sich abseits der wenigen Perspektiven der Herkunftsfamilie eine neue Identität in der Gruppe aufzubauen, weshalb auch gerne andere Namen gewählt werden. Sarah ist eine typische Vertreterin dieser Gruppe: Sie glaubt nicht daran, dass sie jemals eine faire Chance an der Teilhabe in der Gesellschaft bekommen wird, und ist daher auch nicht bereit, sich anzustrengen. Obwohl ihr die Versetzung an eine Förderschule droht und sie prinzipiell das Zeug hätte, die Schule zu schaffen, vertickt sie lieber Drogen mit ihren Bekannten, jobbt in der Würstchenbude oder klaut. Im Rahmen des Buches wird bei mehreren Aktionen deutlich, dass Sarah das Herz am rechten Fleck hat und richtig und falsch unterscheide kann. Das aufgebrummte Theaterprojekt ist eine große Chance für Sarah, obwohl sie überhaupt nicht mitmachen möchte und sich anfangs erpresst fühlt. Sarahs Art, sich direkt auszudrücken, kommt bei der Gruppe gut an, so dass die ursprüngliche aus Souffleuse gedachte Mitarbeiterin schon bald beginnt an den Texten des Drehbuchs zu arbeiten. Der Bezug der Handlung zum Titel wird aus dem Text heraus klar, und mir gefällt der Zusammenhang, denn es ist so typisch Sarah. Großartig herausgearbeitet sind die verschiedenen Charaktere, denn alle sind für mich authentisch und gut vorstellbar. Die Sprache, die im Buch verwendet wird, ist die glaubhafte Sprache Jugendlicher, die mit ihren Perspektiven abgeschlossen haben. Auch die restlichen Charaktere fallen nicht aus ihren Rollen und verwenden jeweils ein passendes Vokabular, bleiben jedoch für jugendliche Leser*innen verständlich. Die aufgearbeiteten Motive sind Freundschaft, Loyalität und Familie, sowie das Finden des eigenen Platzes in der Gesellschaft. Auch Jugendliche, die es vermeintlich leicht haben, können ganz schön damit beschäftigt sein - auch das wird in diesem Jugendroman aufgezeigt. Nicht in die Bewertung fließt ein, dass sich das Buch nach einmaligem Lesen noch in neuwertigem Zustand befindet, nichts ist verbogen oder wirkt abgegriffen, also eine sehr gute Verarbeitung. Fazit: Großartiges Jugendbuch über eine sozial benachteiligte 15-Jährige
Sarah ist fünfzehn Jahre alt und lebt da, wo niemand wohnen will und trotzdem kaum einer rauskommt. Ihr Berufswunsch: Hartz IV und Schwarzarbeit, weil einer wie sie es ja sowieso nicht schaffen kann. Am liebsten verbringt sie ihre Freizeit mit Klauen, Trinken und Feiern. Als ihr Lehrer sie allerdings beim Dealen erwischt, muss sie wegen einer blöden Vereinbarung bei einem Theaterprojekt mitmachen und sich mit Leuten abgeben, die so ganz anders sind als sie. Widerwillig stellt sie sich der Herausforderung und lernt, dass es vielleicht doch Dinge gibt, um die es sich zu kämpfen lohnt. Ich habe das Buch erstmal eine Weile im Regal gelassen, weil der Klappentext doch sehr nach der Geschichte einer hoffnungslosen Jugendlichen klingt und nicht nach einem Wohlfühlbuch. Tatsächlich hat Sarah zwar nicht besonders viel Hoffnung, ist aber trotzdem unglaublich sympathisch. Sie ist sehr impulsiv und sagt dementsprechend immer gerade heraus, was sie denkt. Obwohl sie sehr selbstbewusst wirkt und gut für sich und andere einstehen kann, hat sie Unsicherheiten, die nicht wie gezwungen eingebaut wirken, sondern realistisch. Ich fand es sehr erfrischend das die Protagonistin mal nicht aus der gehobenen Mittelklasse kam, was ja bei Contemporary-Jugendbüchern fast immer der Fall ist. Hier allerdings gab es auch Geldprobleme, die aber nicht das eine große Thema waren, sondern als völlig normal dargestellt wurden. Ich fand zwar nicht alles gut, was sie gemacht hat, aber das hat sie für mich auch so nahbar gemacht; Sie hat Schwächen und macht Fehler, sieht diese aber auch ein und versucht das beste draus zu machen. Das gleiche gilt für die anderen Charaktere. Alle sind gut ausgearbeitet und handeln nachvollziehbar und - in meinen Augen - realistisch. Besonders gern mochte ich Paul, einen Jungen aus der Theatergruppe, mit dem Sarah sich über die Zeit besser versteht. Würde ich die beiden unabhängig voneinander kennen, würde ich niemals denken, dass sie harmonieren, aber das tun sie. Pauls Eltern sind vielleicht sogar meine Lieblingscharaktere, einfach weil sie so unfassbar liebevoll sind und Sarah direkt mögen. Der Plot hat mir sehr gut gefallen. Ein großes Thema ist ihre Zuneigung zu Paul, einem Jungen aus der Theatergruppe, aber es gibt auch noch andere Fragen und Probleme, mit denen Sarah irgendwie umgehen muss. Es gibt am Ende auch nicht die rosarote Lösung für alles und trotzdem war ich zufriedengestellt. Den Plottwist am Ende hätte ich so nicht erwartet, aber er hat gut gepasst. Der Schreibstil hat mir auch richtig gut gefallen. Er ist einfach ohne plump zu wirken, was sehr gut zu Sarah passt. Interessant fand ich die Idee, manche Wörter dicker zu drucken und an einigen Stellen in der Größe der Buchstaben zu variieren. Ich hatte schon ein paar Bücher, in denen mich das total gestört hat, aber hier hat es irgendwie funktioniert und die Wirkung der Worte visuell unterstützt. Fünf Sterne also für einen tollen Schreibstil, die innovative Idee, einige Wörter hervorzuheben, für toll ausgearbeitete Charaktere, eine gute Storyline mit überraschendem Plottwist und eine unfassbar sympathische Protagonistin. Und weil es nicht einen einzigen Cringe-Moment gab!
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Nana Rademacher, geboren 1966, studierte Sozialpädagogik in Bielefeld und arbeitete danach beim NDR in Hamburg als Regieassistentin und Lektorin. Seit 2001 ist sie für den Südwestrundfunk in den Redaktionen Hörspiel, Feuilleton und Musik tätig und lebt derzeit als freie Autorin in Stuttgart.
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Ungeschönt, nahbar und echt. Ich habe mich sehr auf diese Geschichte gefreut, da ich bereits ein Buch der Autorin gelesen hatte und es sehr gerne mochte. Dieses Mal hatte ich es zwar mit einem ganz anderen Genre zu tun, aber es war genauso eindringlich und wirkungsvoll wie ihre Dystopie - Vielleicht sogar noch mehr. Jedenfalls konnte mich diese Geschichte innerhalb weniger Seiten voll und ganz in ihren Bann ziehen und fesseln. Sowohl die Charaktere als auch die hier angesprochenen Themen erschienen mir mehr als vielversprechend und gehaltvoll. Nana Rademacher präsentiert uns hier eine harte und raue Lebensrealität, vielfältige sowie nahbare Charaktere mit Stärken und Schwächen, die auch mal Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen, und eine Vielzahl an aufrüttelnden und bewegenden Themen. Thematisch ist dieses Buch wirklich stark, vielschichtig und überraschend tiefgründig. Sensible und teilweise sehr komplexe Inhalte werden hier der Zielgruppe angemessen heruntergebrochen, ohne dabei verfälscht oder beschönigt zu werden. Die Darstellungen der Autorin sind anschaulich, ehrlich und greifbar. Sie sagt mit wenigen Worten sehr viel (aus). Ihre Beschreibungen haben sich für mich durchweg natürlich angefühlt - Ich konnte sie glauben, wodurch sie beim Lesen umso mehr in mir ausgelöst haben. Der Erzählstil greift auf einiges vor, ohne Details zu nennen, was zusätzliche Spannung in die Geschichte bringt. Ich wollte wissen, was passiert, und wurde damit umso mehr zum Weiterlesen angehalten. Ich wollte die Charaktere wachsen sehen. Die Geschichte wird aus der Sicht der 15-jährigen Sarah erzählt, die mir aufgrund ihres Verhaltens zwar nicht immer sympathisch war, dafür aber umso authentischer erschien. Denn Sarah macht nicht nicht immer alles richtig, sondern trifft auch mal falsche Entscheidungen oder stößt andere vor den Kopf, was sie für mich zu einer durch und durch menschlichen sowie glaubwürdigen Protagonistin machte. Ich konnte ihre Handlungen häufig nicht verstehen und hätte selbst niemals so gehandelt, aber das macht schließlich auch Sinn und ist damit keine Schwäche des Buches, sondern vielmehr eine Stärke. Generell haben sich die Charaktere für mich hier sehr menschlich und real angefühlt. Die Autorin deckt mit ihrer Figurenkonstellation verschiedene Bildungsschichten und soziale Status ab, was ihr in meinen Augen gut gelungen ist - Sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Manche Figuren blieben hier zwar auch recht blass, aber das ist wohl der Kürze der Geschichte geschuldet und tut dieser auch keinen allzu großen Abbruch. Die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen hier eine große Rolle, auch wenn sie nicht immer wortwörtlich und direkt herausgestellt werden. Sie sind vielfältig und nicht immer gleichermaßen leicht zu durchblicken, was nur authentisch ist. Manchmal muss man eben auch ein bisschen zwischen den Zeilen lesen. Die Autorin stellt die Beziehungen ihrer Charaktere ungeschönt und natürlich dar, wodurch sich diese für mich umso wahrhaftiger und nahbarer anfühlten. Die Liebesgeschichte ist hier in meinen Augen fast schon nebensächlich, aber das war für mich auch völlig okay. Dieses Buch ist so viel mehr als das und mir hat beim Lesen nichts gefehlt. Allerdings hätten die Gefühle der Protagonistin für mich stellenweise durchaus noch etwas detaillierter und ausschweifender beschrieben werden können. Das hätte dieser Geschichte nochmal mehr emotionale Tiefe verleihen können - Und damit spiele ich nicht nur auf die Liebesbeziehung an, sondern auf Sarah's Gefühlswelt im Gesamten. Sprachlich ist dieses Buch ebenfalls sehr besonders. Die Autorin verwendet sowohl Umgangssprache als auch jugendsprachliche Begriffe, was sehr gut zu dieser Geschichte passt und ihre Botschaft unterstreicht. Für mich war der Schreibstil zwar zunächst etwas ungewohnt, aber das Buch hat sich für mich trotzdem flüssig lesen lassen und wirkte so herrlich ungezwungen und natürlich. Rechtschreib- und Grammatikfehler wurden hier sehr bewusst gesetzt, um die Unterschiede im Bildungsgrad der einzelnen Figuren zu verdeutlichen, was ich sehr mutig und gelungen finde. Zusätzlich variiert die Autorin bei manchen Sätzen und Worten mit der Schriftgröße sowie fett gedruckten Buchstaben, was spezifische Inhalte hervorhebt und damit die Aussagekraft und Wirkung der Geschichte verstärkt. Besonders gut gefallen hat mir noch, dass es hier keine übertriebenen oder unrealistischen Charakterentwicklungen gibt, sondern sich alles auf einer authentischen und nachvollziehbaren Ebene bewegt. Nana Rademacher erzählt die Dinge wie sie sind und das ist wundervoll. 4,5/ 5 Sterne ⭐️
Sarah (15) lebt dort, wo keiner leben will, doch nur die wenigsten rauskommen. Sie geht zwar ab und an zur Schule, wie ihre Freunde, doch sinnvoll erscheint es ihr nicht. Schließlich steht jetzt schon fest, dass ihre Zukunft aus Hartz IV besteht. Doch steht es wirklich fest? Sarah hat da nämlich diesen einen Lehrer, der fest davon überzeugt ist, dass mehr in ihr steckt und dass sie etwas erreichen kann, wenn sie sich bemüht. Also teilt er, nachdem er sie bei einer Straftat erwischt hat, keinen Schulverweis aus, sondern verdonnert sie, seinem Sohn bei einem Theaterstück zu helfen. Dort lernt Sarah zum ersten Mal junge Menschen kennen, die ganz andere Zukunftsperspektiven haben. Und dort trifft sie auch auf Paul, der so ganz anders ist als die Jungs, die sie bisher kannte. Wird sich Sarahs Leben jetzt ändern? Wird sie Verantwortung für ihr Leben und ihre Zukunft übernehmen? "Immer diese Herzscheiße" von Nana Rademacher ist - auch wenn mich der Titel anderes vermuten ließ – kein Liebesroman. Stattdessen handelt er von Sarah und ihrer Geschichte, in der sie sich fast nebenbei das erste Mal so richtig verliebt. Geschrieben im Stil, im dem eine 15-jährige Hauptschülerin spricht, macht er dem Leser bewusst, wie verzwickt das Leben für einen Teenager sein kann, der kein sicheres Zuhause und kaum eine Zukunftsperspektive hat. Zudem arbeitet die Autorin mit Stilmitteln wie Schriftgröße und –dicke, die das Lesen des Textes abwechslungsreich und interessanter machen. Auch wenn Sarah es mit ihrer abweisenden Haltung zu Allem dem Leser nicht leichtmacht, sie von Anfang zu mögen, wächst sie einem doch irgendwie mit ihrer Art ans Herz. Gefallen hat mir das Buch aber auch deswegen besonders gut, weil es eine andere Sicht auf das Leben der Jugend in Deutschland war, als ich es bisher kannte. Als Mutter zweier Jugendlicher, die von allen Seiten Liebe und Unterstützung erfahren, vergisst man oft, dass es nicht allen so geht. Ein Hoch an dieser Stelle auf Sarahs Großeltern, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen, ihr und auch schon ihrem Bruder wenigstens ein halbwegs sicheres Zuhause zu geben. Mein Fazit: Eine tolle Geschichte, die mich mitgerissen hat und mir jede Menge Denkanstöße gegeben hat.
Von der Autorin habe ich bereits den distopischen Roman "Wir waren hier" verschlungen und war gespannt, wie sie das Thema dieses sehr anderen Buches angehen wird. "Immer diese Herzscheiße" ist im Ravensburger Verlag 2017 als gebundene Ausgabe erschienen. Meine Meinung zur Handlung: Dass Sarah aus schwierigen Verhältnissen kommt, wird schnell klar. Sie wächst bei ihren Großeltern auf und hat keinen Kontakt mehr zu den eigenen Eltern und lebt finanziell am Minimum, die Großmutter dreht jeden Euro zwei Mal um und der Großvater versucht, eine Stütze für seine Familie zu sein, auch wenn finanziell wenig drin ist, woran er zu arbeiten hat. Auch Sarahs älterer Bruder, der eine bewegte Jugend und jetzt ein geregeltes Leben hat, versucht mit aller Kraft, Sarah von der schiefen Bahn zu bringen, ebenso wie Sarahs überaus engagierter Deutschlehrer. Sarahs Bekanntengreis hat witzige Spitznamen wie "Dixie", "Mütze" oder "Energy" - was für die Jugendszene typisch ist, denn hier wird versucht, sich abseits der wenigen Perspektiven der Herkunftsfamilie eine neue Identität in der Gruppe aufzubauen, weshalb auch gerne andere Namen gewählt werden. Sarah ist eine typische Vertreterin dieser Gruppe: Sie glaubt nicht daran, dass sie jemals eine faire Chance an der Teilhabe in der Gesellschaft bekommen wird, und ist daher auch nicht bereit, sich anzustrengen. Obwohl ihr die Versetzung an eine Förderschule droht und sie prinzipiell das Zeug hätte, die Schule zu schaffen, vertickt sie lieber Drogen mit ihren Bekannten, jobbt in der Würstchenbude oder klaut. Im Rahmen des Buches wird bei mehreren Aktionen deutlich, dass Sarah das Herz am rechten Fleck hat und richtig und falsch unterscheide kann. Das aufgebrummte Theaterprojekt ist eine große Chance für Sarah, obwohl sie überhaupt nicht mitmachen möchte und sich anfangs erpresst fühlt. Sarahs Art, sich direkt auszudrücken, kommt bei der Gruppe gut an, so dass die ursprüngliche aus Souffleuse gedachte Mitarbeiterin schon bald beginnt an den Texten des Drehbuchs zu arbeiten. Der Bezug der Handlung zum Titel wird aus dem Text heraus klar, und mir gefällt der Zusammenhang, denn es ist so typisch Sarah. Großartig herausgearbeitet sind die verschiedenen Charaktere, denn alle sind für mich authentisch und gut vorstellbar. Die Sprache, die im Buch verwendet wird, ist die glaubhafte Sprache Jugendlicher, die mit ihren Perspektiven abgeschlossen haben. Auch die restlichen Charaktere fallen nicht aus ihren Rollen und verwenden jeweils ein passendes Vokabular, bleiben jedoch für jugendliche Leser*innen verständlich. Die aufgearbeiteten Motive sind Freundschaft, Loyalität und Familie, sowie das Finden des eigenen Platzes in der Gesellschaft. Auch Jugendliche, die es vermeintlich leicht haben, können ganz schön damit beschäftigt sein - auch das wird in diesem Jugendroman aufgezeigt. Nicht in die Bewertung fließt ein, dass sich das Buch nach einmaligem Lesen noch in neuwertigem Zustand befindet, nichts ist verbogen oder wirkt abgegriffen, also eine sehr gute Verarbeitung. Fazit: Großartiges Jugendbuch über eine sozial benachteiligte 15-Jährige
Sarah ist fünfzehn Jahre alt und lebt da, wo niemand wohnen will und trotzdem kaum einer rauskommt. Ihr Berufswunsch: Hartz IV und Schwarzarbeit, weil einer wie sie es ja sowieso nicht schaffen kann. Am liebsten verbringt sie ihre Freizeit mit Klauen, Trinken und Feiern. Als ihr Lehrer sie allerdings beim Dealen erwischt, muss sie wegen einer blöden Vereinbarung bei einem Theaterprojekt mitmachen und sich mit Leuten abgeben, die so ganz anders sind als sie. Widerwillig stellt sie sich der Herausforderung und lernt, dass es vielleicht doch Dinge gibt, um die es sich zu kämpfen lohnt. Ich habe das Buch erstmal eine Weile im Regal gelassen, weil der Klappentext doch sehr nach der Geschichte einer hoffnungslosen Jugendlichen klingt und nicht nach einem Wohlfühlbuch. Tatsächlich hat Sarah zwar nicht besonders viel Hoffnung, ist aber trotzdem unglaublich sympathisch. Sie ist sehr impulsiv und sagt dementsprechend immer gerade heraus, was sie denkt. Obwohl sie sehr selbstbewusst wirkt und gut für sich und andere einstehen kann, hat sie Unsicherheiten, die nicht wie gezwungen eingebaut wirken, sondern realistisch. Ich fand es sehr erfrischend das die Protagonistin mal nicht aus der gehobenen Mittelklasse kam, was ja bei Contemporary-Jugendbüchern fast immer der Fall ist. Hier allerdings gab es auch Geldprobleme, die aber nicht das eine große Thema waren, sondern als völlig normal dargestellt wurden. Ich fand zwar nicht alles gut, was sie gemacht hat, aber das hat sie für mich auch so nahbar gemacht; Sie hat Schwächen und macht Fehler, sieht diese aber auch ein und versucht das beste draus zu machen. Das gleiche gilt für die anderen Charaktere. Alle sind gut ausgearbeitet und handeln nachvollziehbar und - in meinen Augen - realistisch. Besonders gern mochte ich Paul, einen Jungen aus der Theatergruppe, mit dem Sarah sich über die Zeit besser versteht. Würde ich die beiden unabhängig voneinander kennen, würde ich niemals denken, dass sie harmonieren, aber das tun sie. Pauls Eltern sind vielleicht sogar meine Lieblingscharaktere, einfach weil sie so unfassbar liebevoll sind und Sarah direkt mögen. Der Plot hat mir sehr gut gefallen. Ein großes Thema ist ihre Zuneigung zu Paul, einem Jungen aus der Theatergruppe, aber es gibt auch noch andere Fragen und Probleme, mit denen Sarah irgendwie umgehen muss. Es gibt am Ende auch nicht die rosarote Lösung für alles und trotzdem war ich zufriedengestellt. Den Plottwist am Ende hätte ich so nicht erwartet, aber er hat gut gepasst. Der Schreibstil hat mir auch richtig gut gefallen. Er ist einfach ohne plump zu wirken, was sehr gut zu Sarah passt. Interessant fand ich die Idee, manche Wörter dicker zu drucken und an einigen Stellen in der Größe der Buchstaben zu variieren. Ich hatte schon ein paar Bücher, in denen mich das total gestört hat, aber hier hat es irgendwie funktioniert und die Wirkung der Worte visuell unterstützt. Fünf Sterne also für einen tollen Schreibstil, die innovative Idee, einige Wörter hervorzuheben, für toll ausgearbeitete Charaktere, eine gute Storyline mit überraschendem Plottwist und eine unfassbar sympathische Protagonistin. Und weil es nicht einen einzigen Cringe-Moment gab!








