Im Bett
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„Im Bett. Erzählungen vom Liegen“ (Heike Geißler, Tamar Noort, Dmitrij Kapitelman, Alena Schröder) ist eine Sammlung vier kurzer Erzählungen, die nicht nur vom Liegen handeln, sondern auch über das Liegen erzählen oder einfach während des Liegens geschehen. Aus Sicht von Protagonist*innen erzählt, aber nicht ohne die Draufsicht weiterer Akteure und derjenigen, die die Erzählungen gerade in der Hand halten - am besten im Moment des Liegens. Anthologien und Erzählsammlungen verschiedener Autor*innen mausern sich gerade in mein Herz und finden immer mehr eine favorisierte Ausdrucksform für mich. „Welches Zuhause“ als politische Erzählsammlung oder auch „Klasse und Kampf“ als persönlich-politische Essaysammlung sind Lieblinge aus den letzten Jahren gewesen. Und jetzt eben - eher in der Unterhaltung angesiedelt - „Im Bett. Erzählungen vom Liegen“. Zwar vereint im Fixpunkt des Betts, unterscheiden sich die Erzählungen sprachlich wie inhaltlich, bleiben aber nie in einem reinen Unterhaltungsgedanken verfangen. Und das gefällt mir sehr. Mein einziger Kritikpunkt, der keiner ist, ist, dass ich mir noch mehr Erzählungen gewünscht hätte. Aber vielleicht macht das die Zeit wett, weil man aufgrund der Kürze geneigter ist, sich wieder eine der Erzählungen zu nehmen und sie in einem Ritt wegzulesen. Wer also vollkommen fein damit ist, keine ausführlichen Personenvorstellungen zu bekommen, wer einfach ins Geschehen geworfen und direkt wieder rausgeschmissen werden möchte, wer gern die Leerstellen von Geschichten zerdenkt, der ist hier genau richtig. Der Schuber liefert vier tolle, so unterschiedliche Erzählungen im A6-Format, die im Umfang von 20 bis 30 Seiten rangieren und sich perfekt für eine Straßenbahnfahrt, für die Wartezeit bei der Ärztin, für den Morgenkaffee mit Kippchen oder einfach fürs Bett eignen. Alena Schröder schreibt in „Victoria Supreme 3000“ von Schäfer, einem Matratzenverkäufer, und seiner ulkig anmutenden Matratzenberatung eines Paars, die mit dem Hinlegen folgenreich für ihn wird. Zwischen Wahn, Fantasie, Sehnsüchten und Realität tänzelt das Geschehen. Schäfer, der sich doch mehr und mehr in seinen Kopf und den Stimmen verirrt und dann schnurstracks Teil der Tragik wird. Tamar Noort hingegen findet in ihrer Erzählung „Ein Panzer für Irmi“ ernstere Töne und schreibt von Irmi, die sich eigentlich im Bett gedanklich wie körperlich in die Tiefe fallen lassen kann und alles an sich vorbeiziehen lässt. Bis sie das nicht mehr kann, da sie eine Verhärtung oberhalb der linken Brust spürt, die ihr die gewohnte Wärme raubt, ihr sie entreißt und sie auch im Alltag entrückt. Dmitrij Kapitelman schreibt in „Das belegte Herz” von einer Gedankenreise im Bett, die sich genau da vollzieht, weil die „Kimmich-Bulldogge” dem Erzähler im Basketballspiel so in die Kniekehle fällt, dass sein Kreuzband reißt und ihn nach einer OP so zum fortwährenden Liegen zwingt. Rachegelüste, Frust, der auflodernde Ruf nach Gerechtigkeit wüten so lange im Kopf des Erzählers, dass am Ende die Erkenntnis, dass so ein Schmerz im Vergleich zu anderem Leid vergeht, fast philosophisch-versöhnlich daherkommt. Heike Geißlers “Im Bett” ist mein persönlicher Favorit. Das Bett verselbstständigt sich, es ist aber kein besonderes. Es ist der Begleiter der Erzählerin, die ihre Arbeit beendet. Das Bett wird zum Antagonisten des Lebensentwurfs, der durch die Arbeit strukturiert wird und steht für Kreativität, Entfaltung, Freigeist und Lebensfreude selbst.

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„Im Bett. Erzählungen vom Liegen“ (Heike Geißler, Tamar Noort, Dmitrij Kapitelman, Alena Schröder) ist eine Sammlung vier kurzer Erzählungen, die nicht nur vom Liegen handeln, sondern auch über das Liegen erzählen oder einfach während des Liegens geschehen. Aus Sicht von Protagonist*innen erzählt, aber nicht ohne die Draufsicht weiterer Akteure und derjenigen, die die Erzählungen gerade in der Hand halten - am besten im Moment des Liegens. Anthologien und Erzählsammlungen verschiedener Autor*innen mausern sich gerade in mein Herz und finden immer mehr eine favorisierte Ausdrucksform für mich. „Welches Zuhause“ als politische Erzählsammlung oder auch „Klasse und Kampf“ als persönlich-politische Essaysammlung sind Lieblinge aus den letzten Jahren gewesen. Und jetzt eben - eher in der Unterhaltung angesiedelt - „Im Bett. Erzählungen vom Liegen“. Zwar vereint im Fixpunkt des Betts, unterscheiden sich die Erzählungen sprachlich wie inhaltlich, bleiben aber nie in einem reinen Unterhaltungsgedanken verfangen. Und das gefällt mir sehr. Mein einziger Kritikpunkt, der keiner ist, ist, dass ich mir noch mehr Erzählungen gewünscht hätte. Aber vielleicht macht das die Zeit wett, weil man aufgrund der Kürze geneigter ist, sich wieder eine der Erzählungen zu nehmen und sie in einem Ritt wegzulesen. Wer also vollkommen fein damit ist, keine ausführlichen Personenvorstellungen zu bekommen, wer einfach ins Geschehen geworfen und direkt wieder rausgeschmissen werden möchte, wer gern die Leerstellen von Geschichten zerdenkt, der ist hier genau richtig. Der Schuber liefert vier tolle, so unterschiedliche Erzählungen im A6-Format, die im Umfang von 20 bis 30 Seiten rangieren und sich perfekt für eine Straßenbahnfahrt, für die Wartezeit bei der Ärztin, für den Morgenkaffee mit Kippchen oder einfach fürs Bett eignen. Alena Schröder schreibt in „Victoria Supreme 3000“ von Schäfer, einem Matratzenverkäufer, und seiner ulkig anmutenden Matratzenberatung eines Paars, die mit dem Hinlegen folgenreich für ihn wird. Zwischen Wahn, Fantasie, Sehnsüchten und Realität tänzelt das Geschehen. Schäfer, der sich doch mehr und mehr in seinen Kopf und den Stimmen verirrt und dann schnurstracks Teil der Tragik wird. Tamar Noort hingegen findet in ihrer Erzählung „Ein Panzer für Irmi“ ernstere Töne und schreibt von Irmi, die sich eigentlich im Bett gedanklich wie körperlich in die Tiefe fallen lassen kann und alles an sich vorbeiziehen lässt. Bis sie das nicht mehr kann, da sie eine Verhärtung oberhalb der linken Brust spürt, die ihr die gewohnte Wärme raubt, ihr sie entreißt und sie auch im Alltag entrückt. Dmitrij Kapitelman schreibt in „Das belegte Herz” von einer Gedankenreise im Bett, die sich genau da vollzieht, weil die „Kimmich-Bulldogge” dem Erzähler im Basketballspiel so in die Kniekehle fällt, dass sein Kreuzband reißt und ihn nach einer OP so zum fortwährenden Liegen zwingt. Rachegelüste, Frust, der auflodernde Ruf nach Gerechtigkeit wüten so lange im Kopf des Erzählers, dass am Ende die Erkenntnis, dass so ein Schmerz im Vergleich zu anderem Leid vergeht, fast philosophisch-versöhnlich daherkommt. Heike Geißlers “Im Bett” ist mein persönlicher Favorit. Das Bett verselbstständigt sich, es ist aber kein besonderes. Es ist der Begleiter der Erzählerin, die ihre Arbeit beendet. Das Bett wird zum Antagonisten des Lebensentwurfs, der durch die Arbeit strukturiert wird und steht für Kreativität, Entfaltung, Freigeist und Lebensfreude selbst.






