Ich erwarte die Ankunft des Teufels
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Description
Die 19-jährige Mary MacLane wünscht sich Napoleon oder am besten gleich den Teufel als Liebhaber. Sie träumt von einer Revolution, während sie mit ihren Mitmenschen in dem tristen Bergarbeiterstädtchen in Montana genauso wenig anfangen kann wie mit ihren häuslichen Pflichten und der kargen Landschaft.
MacLane war völlig unbekannt, als sie 1902 ihr erstes, im Tagebuchstil verfasstes Buch veröffentlichte. Es wurde zum Skandal und seine Autorin zum Star. – Mit einer kompakten Biographie der Autorin.
»Die Ankunft Mary MacLanes in der Literatur könnte spektakulärer nicht ausgefallen sein.«
SWR
»Mary MacLane ist die literarische Wiederentdeckung der Saison.«
Süddeutsche Zeitung
Book Information
Posts
Mary MacLane, geboren 1881 in Winnipeg, Kanada, zog mit ihrer Familie in die Bergarbeiterstadt Butte, Montana. Ein trostloser Ort, ein Ort für hart arbeitende Männer. Aber nicht für ein junges, extrem ehrgeiziges 19-jähriges Mädchen wie Mary. Und so schrieb sie sich all ihren Frust, ihre Wünsche, Hoffnungen und Träume von der Seele und veröffentlichte diese 1902 in Tagebuchform, womit sie es tatsächlich schaffte, berühmt zu werden. Mit dem typischen Pathos einer Pubertierenden, dabei aber durchaus mit einer gewissen Portion Humor und Wortwitz, grenzenlosem Größenwahn (so schreibt sie direkt zu Anfang auf Seite 9: „Ich bin ein Genie“), schonungsloser Offenheit - sie hatte eine Vorliebe für Oliven und Frauen, wünschte sich als Liebhaber den Teufel, mindestens aber Napoleon - erschuf Mary MacLane ein frühes feministisches Werk, einen Skandal. Ein junges Mädchen gefangen zwischen Größenwahn und Todessehnsucht, fest davon überzeugt, besser, intelligenter und wertvoller zu sein als all die langweiligen Menschen um sie herum, mit einer gewissen Halbbildung gesegnet und einem grenzenlosen Selbstbewusstsein, ohne intellektuelle Ansprache und umgeben von Trostlosigkeit und Kargheit, führt uns vor Augen, wie es gewesen ein muss, in der viktorianischen Zeit im Amerika der beginnenden Arbeiterbewegung zu leben. Lange Zeit war es still um Mary MacLane, ihre Werke, 3 Bücher und ein Stummfilm, fast vergessen, doch 2013 wurde es wiederentdeckt und ihr Erstling nun erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht. Mein Fazit: lesenswert, eine wirklich gelungene literarische Wiederentdeckung.
"Ich, neunzehn Jahre alt und im weiblichen Geschlecht geboren, werde jetzt, so vollständig und ehrlich wie ich kann, eine Darstellung von mir selbst verfassen, Mary MacLane, die in der Welt nicht ihresgleichen kennt." (S. 9) So beginnt Mary MacLane im Januar 1901 ihre Tagebuchaufzeichnungen. Sie hält sich für nichts geringeres als ein Genie. Gut so, denk ich mir, und sitze direkt ein wenig aufrechter. Let's get started, Mary! Die damals Neunzehnjährige ist zu Tode gelangweilt von ihrem Leben im ländlichen Montana, das ihr so überhaupt gar nichts zu bieten hat. Sie sehnt sich nach einem Abenteuer, nach Gleichgesinnten, nach Leidenschaft und hat einen solchen Hunger nach Leben mit allen Sinnen. Selbst von ihrer engsten Familie fühlt Mary sich unverstanden. Kompromisslos wie sie ist, sieht sie aber keinen Anlass, von ihrem Weg abzuweichen. Sollen sie sie doch alle verachten. Während die Welt um sie herum in Gott vertraut, setzt Mary all ihre Hoffnung in den Teufel. Er werde kommen, mit Glück im Gepäck, das ihr das Leben vergolden wird - und sei es nur für drei Tage. "Stellen Sie sich vor, wie ich aus meinem Elend, meiner Unsichtbarkeit, meiner Langeweile und Nichtigkeit erhoben werde, versetzt in das volle, leuchtende Leben des Teufels, [...]" (S. 88) In der Zwischenzeit spielt sie in ihrer Phantasien durch, wie sie dieser Welt entkommen und dem Teufel näher kommen kann. Morbide Gedanken, die ihr Freude bereiten. Doch Mary MacLane hatte auch ein Auge für die Schönheit, die ihr die Natur bot, und sie war eine scharfe Beobachterin der sie umgebenden Gesellschaft. Und so nimmt diese außergewöhnliche Frau uns nicht nur mit in ihr Innerstes, sondern zeichnet mit kraftvoller Sprache ein lebhaftes Bild ihrer Zeit. Sie war ihrer Epoche weit voraus, sie durchschaute die Welt mit all ihren Heucheleien. Niemand konnte ihr etwas vormachen, und niemand konnte ihr das Wasser reichen. Sie hatte einen besonderen Blick auf ihre Mitmenschen - auf die Einwohner von Butte, die einst aus allen Himmelsrichtungen in dieses Land kamen und zu einem bunten Mosaik wurden. Wo hatte eine junge Frau in diesen Zeiten ein solches Selbstvertrauen her? Es kam ganz allein aus ihr - ohne die Privilegien, die ihren männlichen Altersgenossen zuteil wurden. "Ich weiß, ich bin ein Genie, mehr als jedes bislang lebende Genie. Ich ahne, dass die Welt das nie erfahren wird." (S. 156) Zum Glück behielt sie in diesem Fall nicht Recht: Die Welt erfuhr von ihr, denn sie hatte den Mut, ihre Aufzeichnungen an einen Verlag zu schicken. Der Skandal, den sie damit auslöste, sprach für sich. Ich glaube, Mary MacLane war die Nina Hagen ihrer Ära. Die pure Anarchie - was ein Punk!
Vor über hundert Jahren veröffentlichte die gerade einmal 19-jährige Mary MacLane ihren Debütroman, der nun zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« im Reclam Verlag veröffentlicht wurde. Damals erschien der Roman in Tagebuchform unter dem Titel »The Story of Mary MacLane« da man den Titelwunsch der Autorin, »I Await the Devil’s Coming«, als zu provokant erachtete. Mit beeindruckendem Selbstbewusstsein offenbart die junge Frau in ihrem literarischen Debüt ihre innersten Gefühle und vergleicht sich mit ihrem großen Idol, der russischen Malerin Marie Bashkirtseff, sowie weiteren Größen der Geschichte und stellt dabei mehr als einmal ihr großes Genie und ihre Überlegenheit in den Fokus. Mary MacLane wurde in Winnipeg (Kanada) geboren und zog mit ihrer Familie schon bald in die boomende Bergbaustadt Butte im Bundesstaat Montana. Die ländliche Abgeschiedenheit, die nicht nur einen großen bildlichen Raum in ihrem schonungslos intimen Tagebuch einnimmt, beschützt die junge Frau jedoch nicht davor, die stark eingeschränkte Stellung der Frau in der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit all ihren Feinheiten zu spüren. Umso bewundernswerter ist die Stärke mit der sich MacLane mit ihrer ausdrucksstarken Schreibkunst Gehör verschafft. Der Roman wurde damals zu einem Überraschungserfolg und verkaufte sich schon im ersten Monat über 100.000 Mal, sodass die junge Autorin von einem Tag auf den Nächsten berühmt wurde. Auf poetische und philosophische Art setzt sich Mary MacLane mit der starken Verbundenheit zu ihrer ehemaligen Lehrerin, die über die Gefühle einer normalen Freundschaft stark hinausgehen auseinander, bringt ihre Meinung zur Institution der Ehe in ihren Zeilen unter und erbittet dabei unerlässlich die Ankunft des Teufels. Die emotionale Stimmung schwankt zwischen den Tagebucheinträgen und der langen Wartezeit auf die Ankunft des Teufels von einer fast schon depressiven Niedergeschlagenheit, die man aufgrund ihrer untergeordneten Stellung als Frau und mit feministischem Standpunkt gut nachvollziehen kann, bis hin zu einer ausgeglichenen Glückseligkeit. »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« ist ein wirklich spezielles Buch, dessen provokante Finesse mittlerweile zwar etwas an Durchschlagskraft verloren haben mag, aber dennoch auch nach über hundert Jahren seit der Erstveröffentlichung zu begeistern weiß. Umso mehr freut es mich, dass Mary MacLanes Geschichte nun auch für deutsche Leser*innen zugänglich gemacht wurde, denn die unglaubliche Stärke mit der MacLane für Emanzipation und ein selbstbestimmtes Leben der Frau strebt, ist in diesem frühen feministischen Werk deutlich spürbar. Ein Nachwort der Übersetzerin Ann Cotton gefolgt von einem Essay von Juliane Liebert eröffnet den Leser*innen zum Abschluss noch einen anderen Blickwinkel über das gelesene Tagebuch der Mary MacLane. Fazit Ein stimmungsvolles Selbstporträt, dessen intime Schonungslosigkeit vor einem Jahrhundert vor allen Dingen skandalös war, heute aber immer noch absolut lesenswert ist.
Vor über hundert Jahren veröffentlichte die gerade einmal 19-jährige Mary MacLane ihren Debütroman, der nun zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« im Reclam Verlag veröffentlicht wurde. Damals erschien der Roman in Tagebuchform unter dem Titel »The Story of Mary MacLane« da man den Titelwunsch der Autorin, »I Await the Devil’s Coming«, als zu provokant erachtete. Mit beeindruckendem Selbstbewusstsein offenbart die junge Frau in ihrem literarischen Debüt ihre innersten Gefühle und vergleicht sich mit ihrem großen Idol, der russischen Malerin Marie Bashkirtseff, sowie weiteren Größen der Geschichte und stellt dabei mehr als einmal ihr großes Genie und ihre Überlegenheit in den Fokus. Mary MacLane wurde in Winnipeg (Kanada) geboren und zog mit ihrer Familie schon bald in die boomende Bergbaustadt Butte im Bundesstaat Montana. Die ländliche Abgeschiedenheit, die nicht nur einen großen bildlichen Raum in ihrem schonungslos intimen Tagebuch einnimmt, beschützt die junge Frau jedoch nicht davor, die stark eingeschränkte Stellung der Frau in der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit all ihren Feinheiten zu spüren. Umso bewundernswerter ist die Stärke mit der sich MacLane mit ihrer ausdrucksstarken Schreibkunst Gehör verschafft. Der Roman wurde damals zu einem Überraschungserfolg und verkaufte sich schon im ersten Monat über 100.000 Mal, sodass die junge Autorin von einem Tag auf den Nächsten berühmt wurde. Auf poetische und philosophische Art setzt sich Mary MacLane mit der starken Verbundenheit zu ihrer ehemaligen Lehrerin, die über die Gefühle einer normalen Freundschaft stark hinausgehen auseinander, bringt ihre Meinung zur Institution der Ehe in ihren Zeilen unter und erbittet dabei unerlässlich die Ankunft des Teufels. Die emotionale Stimmung schwankt zwischen den Tagebucheinträgen und der langen Wartezeit auf die Ankunft des Teufels von einer fast schon depressiven Niedergeschlagenheit, die man aufgrund ihrer untergeordneten Stellung als Frau und mit feministischem Standpunkt gut nachvollziehen kann, bis hin zu einer ausgeglichenen Glückseligkeit. »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« ist ein wirklich spezielles Buch, dessen provokante Finesse mittlerweile zwar etwas an Durchschlagskraft verloren haben mag, aber dennoch auch nach über hundert Jahren seit der Erstveröffentlichung zu begeistern weiß. Umso mehr freut es mich, dass Mary MacLanes Geschichte nun auch für deutsche Leser*innen zugänglich gemacht wurde, denn die unglaubliche Stärke mit der MacLane für Emanzipation und ein selbstbestimmtes Leben der Frau strebt, ist in diesem frühen feministischen Werk deutlich spürbar. Ein Nachwort der Übersetzerin Ann Cotton gefolgt von einem Essay von Juliane Liebert eröffnet den Leser*innen zum Abschluss noch einen anderen Blickwinkel über das gelesene Tagebuch der Mary MacLane. Fazit Ein stimmungsvolles Selbstporträt, dessen intime Schonungslosigkeit vor einem Jahrhundert vor allen Dingen skandalös war, heute aber immer noch absolut lesenswert ist.
Großartig, lächerlich, überdreht, weitsichtig, zeitlos, beeindruckend, fantastisch, langatmig. Es gibt nicht genügend Adjektive, um dieses Werk zu beschreiben, deshalb belasse ich es bei den wenigen. Mary MacLane war größenwahnsinnig und selbstbewusst aber vor allem war sie eins: einsam und auf der Suche nach einer/einem Seelenverwandten.
„Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ von Mary McLane hat mich wirklich überrascht. Wenn man bedenkt, dass dieses Buch schon 1901 geschrieben wurde, wirken viele ihrer Gedanken erstaunlich modern. Besonders ihre Sicht auf die Welt und die Menschen um sie herum fand ich für diese Zeit ungewöhnlich offen und ehrlich. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, nicht einfach nur ein Buch zu lesen, sondern Mary selbst zuzuhören. Ihre Gedanken wirken sehr direkt und persönlich – fast so, als würde sie sich mit dem Leser unterhalten. Gerade diese Offenheit und ihre teilweise schonungslosen Beobachtungen machen das Buch so interessant. Man bekommt einen sehr unmittelbaren Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Mir hat das Buch sehr gefallen, vor allem weil es sich so persönlich anfühlt und man beim Lesen das Gefühl bekommt, Mary ein Stück näher kennenzulernen.
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Die 19-jährige Mary MacLane wünscht sich Napoleon oder am besten gleich den Teufel als Liebhaber. Sie träumt von einer Revolution, während sie mit ihren Mitmenschen in dem tristen Bergarbeiterstädtchen in Montana genauso wenig anfangen kann wie mit ihren häuslichen Pflichten und der kargen Landschaft.
MacLane war völlig unbekannt, als sie 1902 ihr erstes, im Tagebuchstil verfasstes Buch veröffentlichte. Es wurde zum Skandal und seine Autorin zum Star. – Mit einer kompakten Biographie der Autorin.
»Die Ankunft Mary MacLanes in der Literatur könnte spektakulärer nicht ausgefallen sein.«
SWR
»Mary MacLane ist die literarische Wiederentdeckung der Saison.«
Süddeutsche Zeitung
Book Information
Posts
Mary MacLane, geboren 1881 in Winnipeg, Kanada, zog mit ihrer Familie in die Bergarbeiterstadt Butte, Montana. Ein trostloser Ort, ein Ort für hart arbeitende Männer. Aber nicht für ein junges, extrem ehrgeiziges 19-jähriges Mädchen wie Mary. Und so schrieb sie sich all ihren Frust, ihre Wünsche, Hoffnungen und Träume von der Seele und veröffentlichte diese 1902 in Tagebuchform, womit sie es tatsächlich schaffte, berühmt zu werden. Mit dem typischen Pathos einer Pubertierenden, dabei aber durchaus mit einer gewissen Portion Humor und Wortwitz, grenzenlosem Größenwahn (so schreibt sie direkt zu Anfang auf Seite 9: „Ich bin ein Genie“), schonungsloser Offenheit - sie hatte eine Vorliebe für Oliven und Frauen, wünschte sich als Liebhaber den Teufel, mindestens aber Napoleon - erschuf Mary MacLane ein frühes feministisches Werk, einen Skandal. Ein junges Mädchen gefangen zwischen Größenwahn und Todessehnsucht, fest davon überzeugt, besser, intelligenter und wertvoller zu sein als all die langweiligen Menschen um sie herum, mit einer gewissen Halbbildung gesegnet und einem grenzenlosen Selbstbewusstsein, ohne intellektuelle Ansprache und umgeben von Trostlosigkeit und Kargheit, führt uns vor Augen, wie es gewesen ein muss, in der viktorianischen Zeit im Amerika der beginnenden Arbeiterbewegung zu leben. Lange Zeit war es still um Mary MacLane, ihre Werke, 3 Bücher und ein Stummfilm, fast vergessen, doch 2013 wurde es wiederentdeckt und ihr Erstling nun erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht. Mein Fazit: lesenswert, eine wirklich gelungene literarische Wiederentdeckung.
"Ich, neunzehn Jahre alt und im weiblichen Geschlecht geboren, werde jetzt, so vollständig und ehrlich wie ich kann, eine Darstellung von mir selbst verfassen, Mary MacLane, die in der Welt nicht ihresgleichen kennt." (S. 9) So beginnt Mary MacLane im Januar 1901 ihre Tagebuchaufzeichnungen. Sie hält sich für nichts geringeres als ein Genie. Gut so, denk ich mir, und sitze direkt ein wenig aufrechter. Let's get started, Mary! Die damals Neunzehnjährige ist zu Tode gelangweilt von ihrem Leben im ländlichen Montana, das ihr so überhaupt gar nichts zu bieten hat. Sie sehnt sich nach einem Abenteuer, nach Gleichgesinnten, nach Leidenschaft und hat einen solchen Hunger nach Leben mit allen Sinnen. Selbst von ihrer engsten Familie fühlt Mary sich unverstanden. Kompromisslos wie sie ist, sieht sie aber keinen Anlass, von ihrem Weg abzuweichen. Sollen sie sie doch alle verachten. Während die Welt um sie herum in Gott vertraut, setzt Mary all ihre Hoffnung in den Teufel. Er werde kommen, mit Glück im Gepäck, das ihr das Leben vergolden wird - und sei es nur für drei Tage. "Stellen Sie sich vor, wie ich aus meinem Elend, meiner Unsichtbarkeit, meiner Langeweile und Nichtigkeit erhoben werde, versetzt in das volle, leuchtende Leben des Teufels, [...]" (S. 88) In der Zwischenzeit spielt sie in ihrer Phantasien durch, wie sie dieser Welt entkommen und dem Teufel näher kommen kann. Morbide Gedanken, die ihr Freude bereiten. Doch Mary MacLane hatte auch ein Auge für die Schönheit, die ihr die Natur bot, und sie war eine scharfe Beobachterin der sie umgebenden Gesellschaft. Und so nimmt diese außergewöhnliche Frau uns nicht nur mit in ihr Innerstes, sondern zeichnet mit kraftvoller Sprache ein lebhaftes Bild ihrer Zeit. Sie war ihrer Epoche weit voraus, sie durchschaute die Welt mit all ihren Heucheleien. Niemand konnte ihr etwas vormachen, und niemand konnte ihr das Wasser reichen. Sie hatte einen besonderen Blick auf ihre Mitmenschen - auf die Einwohner von Butte, die einst aus allen Himmelsrichtungen in dieses Land kamen und zu einem bunten Mosaik wurden. Wo hatte eine junge Frau in diesen Zeiten ein solches Selbstvertrauen her? Es kam ganz allein aus ihr - ohne die Privilegien, die ihren männlichen Altersgenossen zuteil wurden. "Ich weiß, ich bin ein Genie, mehr als jedes bislang lebende Genie. Ich ahne, dass die Welt das nie erfahren wird." (S. 156) Zum Glück behielt sie in diesem Fall nicht Recht: Die Welt erfuhr von ihr, denn sie hatte den Mut, ihre Aufzeichnungen an einen Verlag zu schicken. Der Skandal, den sie damit auslöste, sprach für sich. Ich glaube, Mary MacLane war die Nina Hagen ihrer Ära. Die pure Anarchie - was ein Punk!
Vor über hundert Jahren veröffentlichte die gerade einmal 19-jährige Mary MacLane ihren Debütroman, der nun zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« im Reclam Verlag veröffentlicht wurde. Damals erschien der Roman in Tagebuchform unter dem Titel »The Story of Mary MacLane« da man den Titelwunsch der Autorin, »I Await the Devil’s Coming«, als zu provokant erachtete. Mit beeindruckendem Selbstbewusstsein offenbart die junge Frau in ihrem literarischen Debüt ihre innersten Gefühle und vergleicht sich mit ihrem großen Idol, der russischen Malerin Marie Bashkirtseff, sowie weiteren Größen der Geschichte und stellt dabei mehr als einmal ihr großes Genie und ihre Überlegenheit in den Fokus. Mary MacLane wurde in Winnipeg (Kanada) geboren und zog mit ihrer Familie schon bald in die boomende Bergbaustadt Butte im Bundesstaat Montana. Die ländliche Abgeschiedenheit, die nicht nur einen großen bildlichen Raum in ihrem schonungslos intimen Tagebuch einnimmt, beschützt die junge Frau jedoch nicht davor, die stark eingeschränkte Stellung der Frau in der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit all ihren Feinheiten zu spüren. Umso bewundernswerter ist die Stärke mit der sich MacLane mit ihrer ausdrucksstarken Schreibkunst Gehör verschafft. Der Roman wurde damals zu einem Überraschungserfolg und verkaufte sich schon im ersten Monat über 100.000 Mal, sodass die junge Autorin von einem Tag auf den Nächsten berühmt wurde. Auf poetische und philosophische Art setzt sich Mary MacLane mit der starken Verbundenheit zu ihrer ehemaligen Lehrerin, die über die Gefühle einer normalen Freundschaft stark hinausgehen auseinander, bringt ihre Meinung zur Institution der Ehe in ihren Zeilen unter und erbittet dabei unerlässlich die Ankunft des Teufels. Die emotionale Stimmung schwankt zwischen den Tagebucheinträgen und der langen Wartezeit auf die Ankunft des Teufels von einer fast schon depressiven Niedergeschlagenheit, die man aufgrund ihrer untergeordneten Stellung als Frau und mit feministischem Standpunkt gut nachvollziehen kann, bis hin zu einer ausgeglichenen Glückseligkeit. »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« ist ein wirklich spezielles Buch, dessen provokante Finesse mittlerweile zwar etwas an Durchschlagskraft verloren haben mag, aber dennoch auch nach über hundert Jahren seit der Erstveröffentlichung zu begeistern weiß. Umso mehr freut es mich, dass Mary MacLanes Geschichte nun auch für deutsche Leser*innen zugänglich gemacht wurde, denn die unglaubliche Stärke mit der MacLane für Emanzipation und ein selbstbestimmtes Leben der Frau strebt, ist in diesem frühen feministischen Werk deutlich spürbar. Ein Nachwort der Übersetzerin Ann Cotton gefolgt von einem Essay von Juliane Liebert eröffnet den Leser*innen zum Abschluss noch einen anderen Blickwinkel über das gelesene Tagebuch der Mary MacLane. Fazit Ein stimmungsvolles Selbstporträt, dessen intime Schonungslosigkeit vor einem Jahrhundert vor allen Dingen skandalös war, heute aber immer noch absolut lesenswert ist.
Vor über hundert Jahren veröffentlichte die gerade einmal 19-jährige Mary MacLane ihren Debütroman, der nun zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« im Reclam Verlag veröffentlicht wurde. Damals erschien der Roman in Tagebuchform unter dem Titel »The Story of Mary MacLane« da man den Titelwunsch der Autorin, »I Await the Devil’s Coming«, als zu provokant erachtete. Mit beeindruckendem Selbstbewusstsein offenbart die junge Frau in ihrem literarischen Debüt ihre innersten Gefühle und vergleicht sich mit ihrem großen Idol, der russischen Malerin Marie Bashkirtseff, sowie weiteren Größen der Geschichte und stellt dabei mehr als einmal ihr großes Genie und ihre Überlegenheit in den Fokus. Mary MacLane wurde in Winnipeg (Kanada) geboren und zog mit ihrer Familie schon bald in die boomende Bergbaustadt Butte im Bundesstaat Montana. Die ländliche Abgeschiedenheit, die nicht nur einen großen bildlichen Raum in ihrem schonungslos intimen Tagebuch einnimmt, beschützt die junge Frau jedoch nicht davor, die stark eingeschränkte Stellung der Frau in der Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit all ihren Feinheiten zu spüren. Umso bewundernswerter ist die Stärke mit der sich MacLane mit ihrer ausdrucksstarken Schreibkunst Gehör verschafft. Der Roman wurde damals zu einem Überraschungserfolg und verkaufte sich schon im ersten Monat über 100.000 Mal, sodass die junge Autorin von einem Tag auf den Nächsten berühmt wurde. Auf poetische und philosophische Art setzt sich Mary MacLane mit der starken Verbundenheit zu ihrer ehemaligen Lehrerin, die über die Gefühle einer normalen Freundschaft stark hinausgehen auseinander, bringt ihre Meinung zur Institution der Ehe in ihren Zeilen unter und erbittet dabei unerlässlich die Ankunft des Teufels. Die emotionale Stimmung schwankt zwischen den Tagebucheinträgen und der langen Wartezeit auf die Ankunft des Teufels von einer fast schon depressiven Niedergeschlagenheit, die man aufgrund ihrer untergeordneten Stellung als Frau und mit feministischem Standpunkt gut nachvollziehen kann, bis hin zu einer ausgeglichenen Glückseligkeit. »Ich erwarte die Ankunft des Teufels« ist ein wirklich spezielles Buch, dessen provokante Finesse mittlerweile zwar etwas an Durchschlagskraft verloren haben mag, aber dennoch auch nach über hundert Jahren seit der Erstveröffentlichung zu begeistern weiß. Umso mehr freut es mich, dass Mary MacLanes Geschichte nun auch für deutsche Leser*innen zugänglich gemacht wurde, denn die unglaubliche Stärke mit der MacLane für Emanzipation und ein selbstbestimmtes Leben der Frau strebt, ist in diesem frühen feministischen Werk deutlich spürbar. Ein Nachwort der Übersetzerin Ann Cotton gefolgt von einem Essay von Juliane Liebert eröffnet den Leser*innen zum Abschluss noch einen anderen Blickwinkel über das gelesene Tagebuch der Mary MacLane. Fazit Ein stimmungsvolles Selbstporträt, dessen intime Schonungslosigkeit vor einem Jahrhundert vor allen Dingen skandalös war, heute aber immer noch absolut lesenswert ist.
Großartig, lächerlich, überdreht, weitsichtig, zeitlos, beeindruckend, fantastisch, langatmig. Es gibt nicht genügend Adjektive, um dieses Werk zu beschreiben, deshalb belasse ich es bei den wenigen. Mary MacLane war größenwahnsinnig und selbstbewusst aber vor allem war sie eins: einsam und auf der Suche nach einer/einem Seelenverwandten.
„Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ von Mary McLane hat mich wirklich überrascht. Wenn man bedenkt, dass dieses Buch schon 1901 geschrieben wurde, wirken viele ihrer Gedanken erstaunlich modern. Besonders ihre Sicht auf die Welt und die Menschen um sie herum fand ich für diese Zeit ungewöhnlich offen und ehrlich. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, nicht einfach nur ein Buch zu lesen, sondern Mary selbst zuzuhören. Ihre Gedanken wirken sehr direkt und persönlich – fast so, als würde sie sich mit dem Leser unterhalten. Gerade diese Offenheit und ihre teilweise schonungslosen Beobachtungen machen das Buch so interessant. Man bekommt einen sehr unmittelbaren Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Mir hat das Buch sehr gefallen, vor allem weil es sich so persönlich anfühlt und man beim Lesen das Gefühl bekommt, Mary ein Stück näher kennenzulernen.










